DR-Baureihe 98.11

DR-Baureihe 9811
Nummerierung: 98 1101–1129
Anzahl: 29
Hersteller: Raw Weiden (Umbau)
Baujahr(e): 1934–1941
Ausmusterung: 1959–1968
Bauart: 1'D h2t
Gattung: Gt 45.12
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 10.200 mm
Höhe: 4250
Kleinster bef. Halbmesser: 100 m
Leermasse: 40,5 t
Dienstmasse: 50,7 t
Reibungsmasse: 42,5 t
Radsatzfahrmasse: 11,6 t
Höchstgeschwindigkeit: 55 km/h
Indizierte Leistung: 331 kW / 450 PSi
Anfahrzugkraft: ~ 101 kN
Treibraddurchmesser: 1.006 mm
Laufraddurchmesser vorn: 800 mm
Zylinderanzahl: 2
Zylinderdurchmesser: 460 mm
Kolbenhub: 508 mm
Kesselüberdruck: 12 bar
Anzahl der Heizrohre: 89
Anzahl der Rauchrohre: 12
Heizrohrlänge: 3500 mm
Rostfläche: 1,36 m²
Strahlungsheizfläche: 5,85 m²
Rohrheizfläche: 55,14 m²
Überhitzerfläche: 18,93 m²
Verdampfungsheizfläche: 60,99 m²
Wasservorrat: 5,1 m³
Brennstoffvorrat: 2,6 t
Bremse: Druckluftbremse
Zugheizung: Dampf

Die Lokomotiven der Baureihe 9811 der Deutschen Reichsbahn waren Umbauten der bayerischen Gattung Baureihe 988–9. Insgesamt wurden 29 Fahrzeuge gebaut, von denen keins erhalten blieb.

Geschichte

Zwischen 1911 und 1928 wurden insgesamt 121 Lokomotiven der Baureihe 988–9 beschafft. Allerdings war man mit der geringen Höchstgeschwindigkeit (40 km/h) und den schlechten Laufeigenschaften unzufrieden. Ab 1929 bis 1933 beschaffte man dann die Baureihe 9810 als Nachfolger, die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug bei dieser Baureihe aber auch nur 45 km/h.[1] Da auch die Baureihe 9810 noch nicht ausreichte, um die Geschwindigkeit der Lokalbahnzüge in Bayern deutlich zu erhöhen, beschloss die Reichsbahn im Jahr 1934, eine Lok der Gattung GtL 4/4 (die 98 906) umzubauen. Sie erhielt unter anderem eine zusätzliche vordere Laufachse. Dafür mussten Kessel und Führerhaus nach vorne gerückt werden, was eine Höherlegung um 250 mm erforderte.

Nachdem die Versuche mit dem Fahrzeug erfolgreich waren, entschloss man sich, bis 1939 weitere 26 Maschinen zu modifizieren. Je ein weiteres Exemplar folgte 1940 und 1941. Neben den 17 Lokomotiven der letzten beiden Baujahre 1927/28 wurden weitere 12 Maschinen der Baujahre 1923/24 umgebaut. Umbauten aus älteren Loks erfolgten nicht.[2] Erst ab 1937 ordnete man die Umbauten in eine neue Baureihe ein und vergab die Nummern 98 1101–1129, bis dahin hatten die Loks weiter ihre alte Nummer getragen.[3]

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Umbauten konnte auf 55 km/h gesteigert werden, gegenüber 40 km/h bei der GtL 4/4 und 45 km/h bei der Baureihe 9810. Allerdings wurde der Bestand erst ab Mitte der 1940er Jahre auf wenige Einsatzstellen konzentriert, sodass eigene Umlaufpläne erstellt werden konnten. Bis dahin wurde der Geschwindigkeitsvorteil der Baureihe nicht ausgenutzt.[3]

Alle 29 Lokomotiven überstanden den Zweiten Weltkrieg. Bis auf die Lokomotive 98 1108, welche zur Deutschen Reichsbahn kam, verblieben alle bei der Deutschen Bundesbahn. Heimat-Bw war u. a. Bayreuth mit der Außenstelle Neuenmarkt-Wirsberg.

Die 98 1101 schied durch einen ungewöhnlichen Unfall auf der Bahnstrecke Frensdorf–Schlüsselfeld am 28. Februar 1954 aus dem Fahrzeugbestand aus: Bei Sambach kollidierte die Lokomotive, die an diesem Tag einen Personenzug führte, mit einem entlaufenen Ochsen, entgleiste und stürzte den sieben Meter hohen Bahndamm hinab, ebenso der vollbesetzte erste Wagen des Zuges. Neun Passagiere erlitten zum Teil schwere Verletzungen, ein Angehöriger des Lokpersonals trug Verbrennungen durch glühende Kohle davon. Der Sachschaden belief sich auf etwa 130.000 DM; die Lokomotive war durch den Sturz so stark beschädigt, dass sie verschrottet wurde.[4][5][6] Das Fahrzeug in der DDR wurde 1967 ausgemustert; die Maschinen bei der DB zwischen 1959 und 1968. Mit der 98 1125 wurde 1969 die letzte Lokomotive verschrottet.[7]

Literatur

  • Steffen Lüdecke: Die Baureihe 98 – Band 2. EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 978-3-88255-137-2.
  • Horst J. Obermayer: Dampflokomotiven – Regelspur. In: Deutsche Eisenbahnen. Weltbild Verlag, Augsburg 1995, ISBN 3-89350-819-8, S. 247.

Einzelnachweise

  1. Steffen Lüdecke: Die Baureihe 98 – Band 2. EK-Verlag, Freiburg 2005, S. 146.
  2. Steffen Lüdecke: Die Baureihe 98 – Band 2. EK-Verlag, Freiburg 2005, S. 20 ff.
  3. a b Steffen Lüdecke: Die Baureihe 98 – Band 2. EK-Verlag, Freiburg 2005, S. 208.
  4. MIBA 4/1954, S. 151
  5. Christian Lindecke: Lokodex. Abgerufen am 9. September 2017.
  6. Manuela und Georg Fischer: Bahnhof Burgebrach - Zeitgeschehen. Abgerufen am 9. September 2017.
  7. Steffen Lüdecke: Die Baureihe 98 – Band 2. EK-Verlag, Freiburg 2005, S. 209.