Costantino-Bernasconi-Denkmal

Das Costantino-Bernasconi-Denkmal steht in Chiasso im Schweizer Kanton Tessin und ist dem liberalen Politiker und Oberst Costantino Bernasconi (1820–1902) gewidmet. Das von Antonio Soldini geschaffene Werk wurde 1913 eingeweiht.

Geschichte

Projektierung

Das Denkmal geht auf den liberalen Verein «Chiasso Liberale» zurück, der an seiner Jahresversammlung vom 9. Mai 1911 die Idee der Lokalzeitung Annunciatore, Bernasconi ein Marmordenkmal zu stiften, aufnahm und ihre Weiterverfolgung an das neu gebildete Komitee weitergab.[1] Am 18. Mai beschloss das Komitee, Antonio Soldini um einen Entwurf zu bitten und möglichst bald eine öffentliche Spendensammlung zu initiieren.[2] Soldini war aus Chiasso gebürtig, selbst Liberaler und hatte bereits zahlreiche Monumente für Exponenten der liberalen Partei geschaffen, unter anderem das Mordasini-Denkmal in Locarno (1889) und das Luigi-Lavizzari-Denkmal in Mendrisio (1900). Am 26. Oktober 1911 verkündete das Komitee, dass Soldini die von einer Sonderkommission ausgewählten Entwürfe in Bälde präsentieren werde.[3] Diese sahen vor, den bereits bestehenden Brunnen auf dem Platz vor dem Rathaus um eine allegorische Frauenfigur mit einem Porträt Bernasconis in Händen zu ergänzen. Am 20. April 1912 begab sich die Kommission in Soldinis Atelier in Bissone und nahm hier den Bozzetto des Monuments einstimmig ab. Die Kosten schätzte sie auf 7000 Franken, die sie allein mit Spenden aus Chiasso zu bestreiten gedachte.[4] Am 14. Dezember 1912 nahm sie auch das finale Modell ab, das sogleich nach Mailand geschickt wurde, um gegossen zu werden.[5] Ende Jahres eröffnete sie die Spendensammlung. Binnen acht Tagen gingen bereits über 1000 Franken ein. Auch im nahen Italien wurden Gelder zusammengelegt, zumal Bernasconi sich um Flüchtlinge des Risorgimento gekümmert und 1848 in den «Fünf Tagen von Como» (Cinque Giornate di Como) mitgefochten hatte.[6] Im Januar 1913 begannen die Bauarbeiten am Brunnen.[7] Am 26. März 1913 konnte eine neugierige Menge zum ersten Mal einen Blick auf das Denkmal erhaschen, als Soldini den es verhüllenden Vorhang kurz lüften liess, um eine Fotografie für die offiziellen Postkarten zu schiessen.[8]

Einweihung

Die Einweihung fand am 30. März 1913 statt. Tausende Liberale aus dem Tessin und den angrenzenden italienischen Provinzen reisten an diesem Tag nach Chiasso. Ein gewaltiger Festzug marschierte vom Bahnhof zum Rathausplatz, wo der Bürgermeister Chiassos, Grossrat Isidoro Antognini, als Präsident der Denkmalkommission eine lange Ansprache hielt, in der er Bernasconis Biografie darlegte und das Denkmal zum Schluss der Gemeinde übergab. In deren Namen nahm es der Vizebürgermeister Gusberti dankend in Empfang. Unter dem Spiel der Stadtmusik Chiasso und der Philharmonie Mendrisio begab sich der Zug zurück zum Bahnhof. Der Anlass wurde mit einem Festbankett und einem Konzert der Philharmonie Mendrisio beschlossen.[9]

Versetzung und Rückkehr

Im Mai 1941 wurde das Bernasconi-Denkmal entfernt[10] und im Juli im Garten neben der Gemeindeschule platziert.[11] Im Juli 2011 kam es wieder an seinen angestammten Platz zurück.[12]

Beschreibung

Das Denkmal steht auf der Piazza Costantino Bernasconi, der früheren Piazza del Municipio, vor dem Rathaus. Ursprünglich diente es als Zierbrunnen und stand in einem von einem niedrigen, schmiedeeisernen Gitter umgebenen Becken. Sein Sockel, ein Obelisk aus Baveno-Granit, trug an der Frontseite einen wasserspeienden Biscione und links und rechts Maskaronen, aus denen das Wasser in mit Delfinen geschmückte Muscheln und von dort ins Becken fiel.[5][13] Das Gitter, das Becken und die bronzenen Zierfiguren wurden später entfernt, von letzteren zeugen noch die zurückgebliebenen, notdürftig gestopften Halterungslöcher. Der einzige verbliebene Schmuck auf den Seitenflächen ist die Inschrift im vorderen Oberfeld:

«AL COLONELLO
COSTANTINO BERNASCONI
CONSIGLIERE NAZIONALE
ED AGLI STATI
DEPUTATO AL GRAN CONSIGLIO
SINDACO IN CHIASSO
MXMXIII»

«Dem Oberst / Costantino Bernasconi / National- / und Ständerat / Abgeordneter im Grossen Rat / Bürgermeister in Chiasso / 1913»

Auf dem Sockel sitzt eine überlebensgrosse allegorische Frauenfigur in Bronze, welche die Dankbarkeit (italienisch Riconoscenza) repräsentiert. Sie zeigt dem Betrachter ein mit Eichenlaub und Lorbeer bekränztes Medaillon mit einem Reliefporträt Bernasconis.[5][13] Ihr rechtes Auge ist derzeit durch Rostfrass stark lädiert.

Siehe auch

Literatur

  • L’inaugurazione del Monumento al Col. Costantino Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 31. März 1913, S. 1 f. (online).
Commons: Costantino-Bernasconi-Denkmal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Vita Chiassese. In: Gazzetta Ticinese. 10. Mai 1911, S. 2 (online).
  2. Pel monumento al colon. Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 19. Mai 1911, S. 2 (online).
  3. Vita Chiassese. In: Gazzetta Ticinese. 27. Oktober 1911, S. 2 (online).
  4. Il monumento al Colonnello Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 23. April 1912, S. 2 (online).
  5. a b c Il monumento Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 19. Dezember 1912, S. 2 (online).
  6. Pro Colonnello Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 4. Januar 1913, S. 3 (online).
  7. Vita Chiassese. In: Gazzetta Ticinese. 21. Januar 1913, S. 2 (online).
  8. Vita Chiassese. In: Gazzetta Ticinese. 27. März 1913, S. 3 (online).
  9. L’inaugurazione del Monumento al Col. Costantino Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 31. März 1913, S. 1 f. (online).
  10. GdP mezzo secolo fa. In: Giornale del Popolo. 2. Mai 1991, S. 36 (online).
  11. GdP mezzo secolo fa. In: Giornale del Popolo. 11. Juli 1991, S. 24 (online).
  12. Spostato il monumento al Colonnello Bernasconi. In: Giornale del Popolo. 26. Juli 2011, S. 7 (online).
  13. a b L’inaugurazione del Monumento al Col. Costantino Bernasconi. In: Gazzetta Ticinese. 31. März 1913, S. 2 (online).

Koordinaten: 45° 50′ 6,1″ N, 9° 1′ 40,2″ O; CH1903: 723485 / 77183