Cordillera de Mérida

Die Cordillera de Mérida (dt.: Kordillere von Mérida) ist ein über 400 km langer Gebirgszug im Nordosten der Anden, der sich innerhalb Venezuelas von San Cristóbal im Südwesten bis Barquisimeto im Nordosten zieht. Der Táchira-Graben trennt die Cordillera de Mérida von der Cordillera Oriental.

Der Gebirgszug befindet sich in den folgenden Bundesstaaten Venezuelas: Táchira, Mérida, Barinas, Trujillo, Portuguesa und Lara. In den südöstlichen Ausläufern entspringen Nebenflüsse des Orinocos und in den nordwestlichen Ausläufern Flüsse, die in den Maracaibo-See münden. An der nordöstlichen Spitze des Gebirges liegen die Quellen des Cojedes-Flusses.

Inmitten der beiden höchsten Gebirgsgruppen der Cordillera de Mérida liegt die Stadt Mérida. Im Norden der Stadt erhebt sich die Sierra de la Culata (Piedras Blanca, über 4700 m) und im Süden die Sierra Nevada de Mérida mit dem höchsten Gipfel der Cordillera de Mérida, dem Pico Bolívar (4978 m), der zugleich der höchste Berg Venezuelas ist.

Große Bereiche des Gebirges sind von Wald bedeckt, auch wenn dessen höchsten Areale über der Baumgrenze (die bei ca. 3100 m liegt) liegen. Innerhalb des Gebirges befinden sich 10 Nationalparks, darunter der „Parque Nacional Sierra Nevada“ und der „Parque Nacional Sierra de La Culata“.

Seit der Mérida Vergletscherung – einer Reihe von Gletschervorstößen im späten Pleistozän – gab es möglicherweise kontinuierlich Gletscher in der Cordillera Mérida. In ihrer zweiten Phase, nach dem Maximum des letzten Glazial, bedeckten sie eine Fläche von ca. 600 km². Vor etwa 8000 Jahren kam es zu einem Gletscherrückgang.[1] Unter trockeneren und wärmeren Bedingungen hatten sich vermutlich nur noch auf den höchsten Gipfeln Gletscher gehalten. In der Kleinen Eiszeit sank die Gleichgewichtslinie der Gletscher der Sierra Nevada de Mérida wieder um einige hundert Meter.[2]

Einhergehend mit dem Anstieg der Lufttemperatur kam es in der Cordillera Mérida, wie auch in anderen Regionen der tropischen Anden, mindestens seit dem 19. Jahrhundert zu einem markanten Gletscherrückgang. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts betrug die vergletscherte Fläche noch ca. 10 km². Im Jahr 1991 gab es in Venezuela noch fünf Gletscher, sie alle lagen in der Sierra Nevada de Mérida. Seit 2008 ist nur noch der Humboldt-Gletscher vorhanden. Im Jahr 2017 hatte er eine Größe von weniger als 0,1 km². Es wird damit gerechnet, dass er in den nächsten Jahren verschwindet.[3] Venezuela wird dann der erste Andenstaat ohne Gletscher sein.[4]

Einzelnachweise

  1. Nathan D. Stansell u. a.: Proglacial lake sediment records reveal Holocene climate changes in the Venezuelan Andes. In: Quaternary Science Reviews. Januar 2014, doi:10.1016/j.quascirev.2014.01.021 (columbia.edu [PDF]).
  2. P. J. Polissar u. a.: Solar modulation of Little Ice Age climate in the tropical Andes. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Juni 2006, doi:10.1073/pnas.0603118103.
  3. Carsten Braun und Maximiliano Bezada: The History and Disappearance of Glaciers in Venezuela. In: Journal of Latin American Geography. Januar 2013, doi:10.1353/lag.2013.0.
  4. José L. Lozán und Dieter Kasang: 4. Gebirgsgletscher - 4.10 Gletscher Südamerikas. In: José L. Lozán, Hartmut Graßl, Dieter Kasang, Dirk Notz und Heidi Escher-Vetter (Hrsg.): Warnsignal Klima: Das Eis der Erde (= Warnsignale. Band 16). 2015 (uni-hamburg.de [PDF]).