Conrad Yama
Kiyoshi Conrad Hamanaka (* 8. Oktober 1919 in Fresno, Kalifornien; † 10. März 2010 in New York) auch bekannt unter dem Künstlernamen Conrad Yama. Er war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Redakteur und Schauspieler. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Redakteur in den Internierungslagern der Wartime Civil Control Administration (WCCA)- und War Relocation Authority (WRA)-Einrichtungen. Nach 1945 wurde er unter dem Namen Conrad Yama als Darsteller am Theater und in Filmproduktionen bekannt.[1]
Leben
Kiyoshi Hamanaka wurde 1919 in Fresno, Kalifornien, als eines von drei Kindern japanischer Einwanderer geboren. Sein Vater betrieb ein Restaurant. Er war in seiner Jugend Mitglied der Boy Scouts und übernahm dort Führungsaufgaben. Er zeigte früh Interesse an Literatur, lernte Deutsch, um Goethe im Original lesen zu können, und befasste sich mit sozialistischen und pazifistischen Ideen. Seinen englischen Namen Conrad wählte er aufgrund seiner politischen Überzeugungen. In den Jahren 1938 und 1939 veröffentlichte er Leserbriefe im Fresno Bee, in denen er die rassistische Diskriminierung japanischstämmiger US-Bürger kritisierte. Im Herbst 1938 begann er ein Studium der Sprachwissenschaft und Psychologie am Fresno State College, wo er auch in Theaterproduktionen mitwirkte. 1941 wurde er zum Militär eingezogen und beantragte den Status als Kriegsdienstverweigerer.[2] Nachdem sein Antrag abgelehnt worden war, wurde er für kurze Zeit festgesetzt. Anschließend akzeptierte er den Dienst als Sanitäter und blieb sieben Monate in dieser Funktion.[1]
Zwangsinternierung während des Zweiten Weltkriegs
Nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst kehrte Hamanaka zum Studium zurück. Er wurde jedoch im Mai 1942 aufgrund des Erlasses der Executive Order 9066 zusammen mit seiner Familie zunächst im Fresno Assembly Center und später im Lager Jerome (Arkansas) interniert.[3] In Fresno unterrichtete er Kinder in der Schauspielkunst, leitete eine Theatergruppe und engagierte sich in Diskussionsforen. Als Redakteur des Lagerblatts Fresno Grapevine verfasste er Beiträge, die teilweise von der Lagerverwaltung zensiert wurden. Zensiertes Material leitete er an Unterstützer außerhalb der Lager weiter, darunter Norman Thomas und Ernest Besig von der American Civil Liberties Union (ACLU). Im Lager Jerome wurde er 1943 Mitglied der Community Analysis Section, deren kommissarische Leitung er schließlich übernahm. Er organisierte Diskussionstreffen, kulturelle Veranstaltungen und Theaterprogramme. 1943 heiratete er Mary Takaoka, mit der er später einen Sohn namens Vale (später bekannt als V. Vale) bekam.[1]
Hamanaka setzte sich kritisch mit dem Loyalty Questionnaire sowie dem Registrierungs- und Segregationsverfahren der WRA auseinander. Sein Antrag auf Entlassung aus dem Lager wurde mehrfach verzögert. Unterstützt durch Ernest Besig und nach einer Intervention von WRA-Direktor Dillon Myer erhielt er im Mai 1944 schließlich die Entlassungsurkunde. Kurz nach seiner Ankunft in Chicago wurde er wegen angeblicher Wehrpflichtverletzung festgenommen, aber nach erneuter Intervention freigelassen. Die letzten Beschränkungen gegen ihn endeten im Februar 1945.[1]
Nachkriegszeit
In Chicago arbeitete Hamanaka zunächst in der Privatwirtschaft. Im Jahr 1945 veröffentlichte er mehrere Artikel zu Fragen der Lagerauflösung, der Resettlement-Politik und zur Situation der Segregierten von Tule Lake in der Zeitung Pacific Citizen. Er argumentierte unter anderem für kooperative Wirtschaftsmodelle auf Basis ehemaliger Lagerstandorte sowie für eine differenzierte Betrachtung der in Tule Lake internierten No-No-Boys. 1946 zog er nach New York, wo er mit Unterstützung des G. I. Bill bis 1949 an der New School studierte. Er schrieb für die studentische Zeitschrift 12th Street und war in intellektuellen Kreisen aktiv. In dieser Zeit begann er eine Partnerschaft mit Fumie Nakashima, aus der zwei Töchter hervorgingen, darunter die spätere Kinderbuchautorin Sheila Hamanaka. Er beteiligte sich weiterhin an innerjapanisch-amerikanischen politischen Debatten, etwa über die Präsidentschaftskandidatur Henry Wallaces im Jahr 1948.[1]
Schauspielkarriere
Ab Anfang der 1950er Jahre wurde Hamanaka professioneller Schauspieler und nahm den Künstlernamen Conrad Yama an. 1951 trat er erstmals in einer professionellen Produktion auf. 1958 erhielt er eine Rolle im Broadway-Erfolg Flower Drum Song und blieb bis zum Ende der Spielzeit im Ensemble. 1969 spielte er Mao Zedong im Spielfilm The Chairman In den folgenden Jahren übernahm er Filmrollen in The Virgin President, Midway, The King of Marvin Gardens und The Taking of Pelham One, Two, Three. Auf der Bühne wirkte er unter anderem 1974 und 1975 in Frank Chins Year of the Dragon (auch in der Fernsehfassung) sowie 1976 in Stephen Sondheims Pacific Overtures mit. 1982 folgte ein Auftritt in David Hares Drama Plenty.[1][4][5]
Conrad Yama starb am 10. März 2010 in New York.
Weblinks
- Densho Encyclopedia: Conrad Hamanaka/Conrad Yama
- IMDb: Conrad Yama (1919–2010)
- IBDB. Internet Broadway Database
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Conrad Hamanaka/Conrad Yama | Densho Encyclopedia. Archiviert vom am 22. Mai 2025; abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ Greg Robinson: The 'Double Life' of Journalist-Turned-Actor Conrad Yama (Hamanaka) In: Nichi Bei Times, 29. Mai 2008 (englisch).
- ↑ Japanese American Internee Data File: Kiyoshi Hamanaka. National Archives and Records Administration, abgerufen am 25. November 2025 (englisch).
- ↑ Conrad Yama | Schauspieler, Soundtrack. Abgerufen am 22. November 2025 (deutsch).
- ↑ Conrad Yama – Broadway Cast & Staff | IBDB. Abgerufen am 22. November 2025.