Loyalty Questionnaire

Der Loyalty Questionnaire war ein 1943 vom War Department und der War Relocation Authority (WRA) eingeführter Fragebogen, mit dem die Loyalität japanischstämmiger Personen (Nikkei) in den Internierungs- und Konzentrationslagern der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs eingeschätzt werden sollte. Das Formular diente einerseits der Rekrutierung von Nisei – der zweiten Generation japanischstämmiger Menschen in Amerika und Kindern japanischer Einwanderer, der sogenannten Issei – für eine ausschließlich aus Nisei bestehende militärische Einheit. Andererseits diente es der Prüfung der Eignung von Internierten für Umsiedlungen außerhalb der Lager. Die Registrierung führte zu weitreichenden Spannungen, zu organisiertem und individuellem Widerstand sowie zu erheblichen sozialen und politischen Folgewirkungen.[1]

Geschichte

Der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt unterzeichnete am 19. Februar 1942 die Executive Order 9066 und genehmigte damit die spätere Massenvertreibung und Inhaftierung aller japanischstämmigen Amerikaner an der Westküste der Vereinigten Staaten. Nach der Zwangsumsiedlung und Internierung von über 110.000 japanischstämmigen Personen ab 1942 entwickelten das War Department und das Office of Naval Intelligence (ONI) im Jahr 1943 ein Formular zur Loyalitätsprüfung der in den USA geborenen Nisei. Es trug die Bezeichnung Statement of United States Citizen of Japanese Ancestry[2]. Die amerikanische Marine hatte seit den 1920er-Jahren generell keine Personen japanischer Abstammung akzeptiert und verwendete das Formular, um die militärische Verlässlichkeit einzuschätzen, ohne selbst Nisei aufzunehmen. Im Frühjahr 1943 wurde der Fragebogen allen erwachsenen Nisei in den von der WRA betriebenen Lagern sowie bereits dienenden Nisei-Soldaten und Nisei außerhalb der militärischen Ausschlusszone vorgelegt. Der überwiegende Teil der Fragen betraf persönliche Daten, Ausbildung, Sprachkenntnisse, Religion, Freizeitaktivitäten, Mitgliedschaften, Vermögensverhältnisse sowie familiäre Verbindungen nach Japan. Die Antworten wurden den Kategorien Amerikanisierung und Japanisierung zugeordnet. Sprachliche und kulturelle Bezüge zu Japan führten zu negativen Punktwerten, christliche oder US-amerikanische Vereinsbindungen zu positiven.[1]

Besondere Bedeutung erlangten die Fragen 27 und 28.

  • Frage 27: Bereitschaft zum unbedingten Kampfeinsatz (für Männer) bzw. Bereitschaft zum Dienst in unterstützenden Tätigkeiten (für Frauen).
  • Frage 28: Erklärung uneingeschränkter Loyalität gegenüber den Vereinigten Staaten sowie Lossagung von jeglicher Loyalität gegenüber dem Kaiser von Japan.

Diese Fragen lösten erhebliche Bedenken hinsichtlich möglicher künftiger Einberufungen, der Schaffung einer segregierten Kampfeinheit ohne Zusicherung wiederhergestellter Bürgerrechte sowie der verfassungswidrigen Internierung auch von US-Bürgern aus. Die WRA nutzte den Fragebogen auch für Issei und weibliche Nisei, ohne den Inhalt zuvor anzupassen. Da die Issei aufgrund gesetzlicher Bestimmungen keine US-Staatsbürger werden konnten, hätte eine Lossagung vom japanischen Kaiserstaat zur Staatenlosigkeit geführt. Die Issei organisierten Widerstand, der zur Änderung des Formulartitels im Questionnaire und zur Ersetzung der Loyalitätsfrage für die Issei führte. Anstelle einer Lossagung sollten sie lediglich zusichern, die Gesetze der USA zu befolgen und den Kriegseinsatz nicht zu behindern. Diese Änderung wurde am 12. Februar 1943 bekannt gegeben. Für die im Rahmen des Selective Service zur Registrierung verpflichteten Nisei blieben die Fragen hingegen unverändert. Diskussionen über Bürgerrechte, die segregierte militärische Einheit und mögliche Verweigerungen wurden mit dem Hinweis beantwortet, Zuwiderhandlungen könnten gemäß dem Espionage Act verfolgt werden.[1]

Trotz massiven Drucks fanden zahlreiche Internierte individuelle Wege des Protests. Die Zahl der Freiwilligen für den Militärdienst blieb mit 1208 Nisei deutlich hinter den Erwartungen des War Departments zurück. Dies entsprach weniger als 6 % der Zielvorgaben. 17 % der Nisei gaben negative Antworten auf die Loyalitätsfragen. Besonders auffällig war der drastische Anstieg von Anträgen auf Repatriierung und Expatriierung: 1943 erreichten sie eine Zahl von über 9000 und 1944 betrugen sie insgesamt fast 20.000.

Von den 19.963 Nisei im militärdienstpflichtigen Alter meldeten sich lediglich 6 % freiwillig. Rund 800 der 1181 Freiwilligen bestanden die Loyalitätsprüfung und die medizinische Untersuchung und traten dem 442nd Regimental Combat Team bei.[1]

24 % der Nisei beantworteten Frage 28 mit Nein. Im Lager Manzanar lag der Anteil der Nein-Antworten bei 50 %, im Lager Minidoka bei 2 %. Insgesamt gaben 6700 Personen ein klares Nein und weitere 2000 ein qualifiziertes Ja/Nein an, während 65.000 die Frage uneingeschränkt mit Ja beantworteten.[1]

Segregation

Die Ergebnisse der Registrierung führten zu umfassenden Debatten zwischen der War Relocation Authority (WRA), dem FBI, dem Kriegsministerium und einem Senatsausschuss. Während die WRA die negativen Antworten als Ausdruck des Protests gegen Internierung und Ausschluss interpretierte, betrachteten Teile des Kongresses diese als Beleg für eine pro-japanische Gesinnung. Das War Department plante zunächst, als illoyal eingestufte Personen im Isolationslager Moab in Utah unterzubringen. Dieser Plan scheiterte jedoch, nachdem sich etwa 3000 Personen in Tule Lake weigerten, sich registrieren zu lassen. In der Folge wurde Tule Lake als Segregationslager für die als disloyal eingestuften Internierten bestimmt.[1]

Im Jahr 1944 verabschiedete der Kongress das Public Law 78-405 (Denaturalization Act of 1944), welches US-Bürgern erstmals die Möglichkeit bot, während eines Krieges auf ihre Staatsbürgerschaft zu verzichten. Präsident Roosevelt unterzeichnete das Gesetz am 1. Juli 1944. Ab Oktober desselben Jahres wurden in den Lagern Verfahren zur Entsagung der Staatsbürgerschaft eingeleitet. Die Registrierungskrise führte zu einer nachhaltigen, künstlich geschaffenen Unterscheidung zwischen loyalen und illoyalen japanischstämmigen Personen. Diese Auseinandersetzung prägt bis heute die historische Bewertung der Internierung und ihrer Folgen.[1]

Literatur

  • Traci Chee, We Are Not Free, Thorndike Press, Waterville (ME), 2023.
  • Brian Masaru Hayashi, Democratizing the Enemy: The Japanese American Internment, Princeton University Press, Princeton (NJ), 2004.
  • Cherstin Lyon, Prisons and Patriots: Japanese American Wartime Citizenship, Civil Disobedience, and Historical Memory, Temple University Press, Philadelphia, 2011.
  • Rory Banyard, Minidoka: An American Concentration Camp (Dokumentarfilm, 30 Min.), Minidoka National Historic Site, 2019.
  • Jessie Dizard, Mr. Tanimoto’s Journey (Dokumentarfilm, 27 Min.), Advanced Laboratory for Visual Anthropology, Cal State University Chico, 2018.
  • Eric Muller, American Inquisition: The Hunt for Japanese American Disloyalty in World War II, University of North Carolina Press, Chapel Hill, 2007.
  • Emiko Omori, Rabbit in the Moon (Dokumentarfilm), New Day Films, Hohokus (NJ), 1999.
  • Michi Weglyn, Years of Infamy: The Untold Story of America’s Concentration Camps, University of Washington Press, Seattle, 1996.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Cherstin M. Lyon: Loyalty questionnaire. California State University, San Bernardino, abgerufen am 15. November 2025.
  2. Statement of United States Citizen of Japanese Ancestry. Abgerufen am 15. November 2025.