M. Conitzer & Söhne

Das Einzelhandels-Unternehmen M. Conitzer & Söhne war eine 1882 als Manufaktur- und Kurzwarengeschäft in Marienwerder (Provinz Westpreußen) gegründete Kaufhaus-Kette der Bekleidungsbranche.[1] Sie expandierte in der Folge vom Osten des Deutschen Reichs nach Westen, vom ostpreußischen Insterburg bis zum rechtsrheinischen Duisburg sowie vom Norden nach Süden, vom mecklenburgischen Schwerin bis zum oberfränkischen Coburg. Die rund 40 einzelnen Kaufhäuser wurden von Angehörigen und Nachfahren der weit verzweigten Gründerfamilie Conitzer betrieben. Ab 1927 bildeten 22 zusammengeschlossene Standorte des Konzerns einen gemeinsamen Zentraleinkauf mit 14 Kaufhäusern von Hermann Tietz.[2] Um 1929 zählte der Konzern zu den bedeutendsten Waren- und Textilkaufhausketten im Deutschen Reich.[3] Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Kaufhäuser von Mitte bis Ende der 1930er Jahre „entjudet“ bzw. zugunsten von nicht-jüdischen Deutschen „arisiert“, die jüdischen Anteilseigner diskriminiert, systematisch entrechtet, weitgehend ersatzlos enteignet, aus dem Land entweder vertrieben oder deportiert und ermordet. Dies betraf nach Recherchen eines US-amerikanischen Nachfahren der Familie insgesamt rund 400 Angehörige.[4][5]

Gründung

Das Unternehmen wurde unter der Firma M. Conitzer & Söhne am 1. Februar 1882 durch Moses Juda Conitzer[6] und seine Söhne Nathan[7], Alexander II[8] und Hermann Conitzer[9] in Marienwerder gegründet.[10][11][12] Moses Conitzer hatte bereits seit 1848 mit seinen Brüdern Oser (1828–1889) und Alexander I (1823–1898) in Jeschewo an der Weichsel Handel betrieben.[4][13]

Neu eingeführtes „Barsystem“

Das Geschäftsprinzip des Unternehmens M. Conitzer & Söhne entsprach dem aller in dieser Epoche gegründeten Warenhaus- bzw. Kaufhaus-Unternehmen und war ebenso einfach wie revolutionär: Statt „auf Buch“ einzukaufen (Warenkredit), also „anschreiben zu lassen“ – eine Gewohnheit, die sowohl für die Kunden als auch die Geschäftsleute Risiken barg –, propagierte das junge Unternehmen den Barverkauf, Festpreise, die Prüfungsmöglichkeit vor dem Kauf und das Umtauschrecht. Daran mussten sich sowohl die Kunden als auch die Mitbewerber erst gewöhnen. Letztere bezweifelten einen Erfolg dieses neuen Systems. Sowohl für die Kunden als auch das Unternehmen M. Conitzer & Söhne brachte es jedoch nur Vorteile: Das Warenhaus konnte nun sehr viel preisgünstiger Ware in bar einkaufen und musste dafür keine Kredite mehr in Anspruch nehmen. Dadurch konnte es den erzielten Preisvorteil an seine Kunden weitergeben. Die Kunden behielten ihre Ausgaben besser im Auge. Die bei M. Conitzer & Söhne gegenüber der Konkurrenz deutlich günstigeren Verkaufspreise zogen umgehend viele Kunden an und verkürzten die Gewöhnungsphase an das neue Barzahlungssystem enorm.[4][5][1] Die einzelnen Kaufhäuser des Konzerns waren zumeist das größte oder sogar das einzige Kaufhaus am Ort.

Expansion durch Filialbetriebe

Schon bald reichten die Verkaufsräume nicht mehr aus, so dass in Marienwerder eine Filiale eröffnet werden musste, die Hermann Conitzer leitete.[14] Er eröffnete im Jahr 1890 eine weitere Filiale in Brandenburg an der Havel.[5] 1895 wurde eine Filiale in Gotha in Betrieb genommen[15], die von zwei Neffen des Gründers geführt wurde, Julius Israelski (1864–1918) und Sally Israelski (1870–1949). Im Jahr 1901 eröffnete ein Enkel des Gründers, Arnold Flatauer (1874–1966), eine Filiale in Marienburg. 1903 richteten zwei weitere Neffen des Gründers, Max Frank (1865–1938) und Adolf Friedländer (1876–1944), eine zusätzliche Filiale im bayerischen bzw. oberfränkischen Coburg ein.[16][17] Die Gründer-Enkel Raphael Flatauer (1877–1943) und Siegfried Flatauer (1878–1944) eröffneten 1905 eine Filiale in Osnabrück.[18][19][20] 1907 wurde eine Filiale in Allenstein in Ostpreußen eröffnet, die von Max Gabriel Berlowitz (1879–1944) und Frau S. Bennheim betrieben wurde.[21][22][23][24] 1910 eröffnete eine Filiale in Bromberg in der Provinz Posen, geleitet durch Rudolph Conitzer (1851–1932) und Martin Davis (1881–1943)[25][26], Davis war ein Schwiegersohn von Nathan Conitzer. Hermann Conitzer und dessen Neffe Alfred Conitzer eröffneten 1911 eine Filiale in Rathenow.[4][27]

Betriebsstätten des Konzerns

Ort Firmierung Lage Zeitraum Gründer/Teilhaber Zeitgenöss. Abb.
Allenstein (Ostpreußen) M. Conitzer & Söhne Am Markt 7 1907 bis 1935[28] Max Gabriel Berlowitz (1879–1944), Siegfried Bennheim (1873–1926), Alexander Conitzer II (1859–1951), Nathan Conitzer (1857–1933)
Aschersleben Conitzer & Co. Breitestraße 12/13 (Fassade 1929 modernisiert; unter Denkmalschutz)[29] und Bestehornstraße 5 (heute Hecknerstraße 5, Ausstellungsräume)[13] 1905 bis 1933 Adolf Conitzer (1866–1943)[30][31][32], Arthur Grünbaum (1872–1938)
Brandenburg an der Havel I M. Conitzer & Söhne Hauptstraße 5–8[33] 1890 bis ca. 1937 Alexander Conitzer II (1859–1951), Alfred Conitzer (1881–1951), Hermann Conitzer (1862–1936), Ernst Wilhelm Boas (1906–1964)
Brandenburg an der Havel II M. Conitzer & Söhne Hauptstraße 1890 bis ca. 1937 Hermann Conitzer (1862–1936), Ernst Wilhelm Boas (1906–1964)
Brandenburg an der Havel Epege Einheitspreis-GmbH ab 1929[34] Alfred Conitzer (1881–1951)
Coburg M. Conitzer & Söhne[17] Spitalgasse 19 (Gebäude unter Denkmalschutz) 1903 bis 1935 Max Frank (1865–1938), Adolf Friedländer (1876–1944)
Eisleben A. Goldstein Vikariatsgasse, ab 1900 Sangerhäuser Straße 1–2 1888 bis 1938[35][36] Abraham Goldstein (1830–1878), Abraham Hermann Goldstein (1858–1907), Benno Jakob Goldstein (1864–1946)
Gotha M. Conitzer & Söhne[37] Erfurter Straße 7[38][39] (Gebäude unter Denkmalschutz) 1895 bis 1938[15]; 1948 bis ? Julius Israelski (1864–1918), Sally Israelski (1870–1949)
Hildesheim Löbenstein & Freudenthal[40] Hoher Weg 14 gegr. 1874 (im Konzern 1914 bis ?) Alfred Conitzer (1881–1951)[41], Hermann Conitzer (1862–1936), Rudolph Conitzer (1851–1932), Max Fleischner, A. Goldstein, Käthe Cohnberg geb. Conitzer (1883–1987), Betty (Lotte) Jacoby geb. Conitzer (1895–1990)[42]
Insterburg, Ostpreußen Gebr. Jacoby, Manufaktur- und Modewaren Alter Markt 12 Alexander Conitzer II (1859–1951), Familie Jacques Naschelski
Königsberg, Ostpreußen Berliner Warenhaus A. Bennheim Französische Straße 8–10 Adolf Bennheim (1864–1927)
Marienburg M. Conitzer & Söhne Hohe Lauben 21/22 (Marktplatz) 1901 bis 1937 Alexander Conitzer II (1859–1951), Nathan Conitzer (1857–1933), Arnold Flatauer (1874–1966)
Marienwerder I (Stammhaus) M. Conitzer & Söhne Markt 44 1882 bis 1939 Moses Juda Conitzer (1822–1902), Alexander Conitzer II (1859–1951), Hermann Conitzer (1862–1936), Nathan Conitzer (1857–1933)
Marienwerder II (erste Filiale) M. Conitzer & Söhne Markt 66 und 67 1886 bis 1939 Hermann Conitzer (1862–1936)
Merseburg Conitzer & Co. Weißenfelser Straße 1928[13] bis 1935 Aron Arthur Conitzer (1874–1943), Arthur Grünbaum (1872–1938)
Nordhausen Modehaus Wilhelm Schönbeck Kornmarkt / Kranichstraße / Baltzerstraße (Gebäude kriegszerstört) gegr. 1834 (1919 bis 1938 im Konzern) Alfred Conitzer (1881–1951), Hermann Conitzer (1862–1936), Max Fleischner, Friedrich Wilhelm (Samson) Schönbeck (1855–1912)
Osnabrück I M. Conitzer & Söhne Große Straße 27–29 1905 bis 1935 Alexander Conitzer II (1859–1951), Nathan Conitzer (1857–1933), Raphael Flatauer (1877–1943), Siegfried Flatauer (1878–1944)
Osnabrück II Flatauer & Co. Möserstraße 26 1919 bis 1939 Raphael Flatauer (1877–1943), Siegfried Flatauer (1878–1944)
Rathenow M. Conitzer & Söhne[5][43] Berliner Straße 21/22 / Fehrbelliner Straße 1911 bis 1937 Hermann Conitzer (1862–1936), Alfred Conitzer (1881–1951), Richard Moses (1887–1951)
Schönebeck (Elbe) Conitzer & Co. Salzerstraße 15 und 17 bis 1938 Leo Conitzer (1872–1942)
Schwerin Epege Einheitspreis-GmbH Alfred Conitzer (1881–1951)
Seehausen (Altmark) Conitzer & Co. Am Markt 9 ca. 1919 bis 1937[44] Flora Blumenthal geb. Arendt
Stendal Epege Einheitspreis-GmbH Breite Straße 51 ab 1918[34] Alfred Conitzer (1881–1951)
Tangerhütte Conitzer & Co. Bismarckstraße 20 ca. 1919 bis 1937 Nathan Arendt (1868–1937), Hans Arendt (1903–1968)
Tangermünde Conitzer & Co. Hauptstraße ca. 1919 bis 1938 Aron Arthur Conitzer (1874–1943)[45]
Uelzen S. Plaut & Cie. Gudesstraße 20 bis 1936[46] Alfred Conitzer (1881–1951), Hermann Conitzer (1862–1936), Käthe Cohnberg geb. Conitzer (1883–1987), S. Plaut

Conitzer-Warenhäuser außerhalb des Konzerns

Ort Firmierung Lage Zeitraum Gründer/Teilhaber Zeitgenöss. Abb.
Berlin-Friedrichshagen M. Conitzer & Söhne Friedrichstraße 114[47] ca. 1919 bis 1931 Alexander Conitzer III (1866–1931)
Bromberg M. Conitzer & Söhne Danziger Straße 10–13 / Bahnhofstraße 1910 bis ca. 1920 Alexander Conitzer II (1859–1951), Nathan Conitzer (1857–1933), Rudolph Conitzer (1851–1932), Martin Davis (1881–1943), Alfred Conitzer (1881–1951)
Calbe (Saale) Conitzer & Co.[48] Querstraße 6 (heute Wilhelm-Loewe-Straße; Gebäude erhalten)
(Berlin-)Charlottenburg Alexander Conitzer Bismarckstraße 44[47] 1856 bis ca. 1898 Alexander Conitzer III (1866–1931)[49]
Duisburg I Paul Conitzer Knüppelgasse 6/8[50] ca. 1907 bis 1919 Paul Conitzer (1867–1919)
Duisburg II Paul Conitzer Beekstraße 30/32 ca. 1907 bis 1933[51] Paul Conitzer (1867–1919), Oskar Conitzer (1903–1942)[52][53][54]
Gollub, Provinz Westpreußen A. Conitzer 1903 bis ca. 1918 Alexander Conitzer III (1866–1931)
Goßlershausen, Provinz Westpreußen Alexander Conitzer Hauptstraße ca. 1902 bis 1919 Aron Arthur Conitzer (1874–1943)[55][56][57], Israel Conitzer (1864–1935), Sally Conitzer (1857–1938), Nathan Arendt (1868–1937)
Jeschewo I Conitzer 1848 bis 1850 Alexander Conitzer I (1823–1898), Moses Juda Conitzer (1822–1902), Oser Conitzer (1828–1889)
Jeschewo II Conitzer 1850 bis 1882 Alexander Conitzer I (1823–1898), Oser Conitzer (1828–1889)
Jeschewo III Conitzer 1856 bis ca. 1889 Oser Conitzer (1828–1889)
Jeschewo IV Conitzer 1856 bis ca. 1898 Alexander Conitzer I (1823–1898), Oser Conitzer (1828–1889)
Schwetz Rud. Conitzer[58][59] Breitestraße / Großer Markt 1878 bis 1929 Rudolph Conitzer (1851–1932), Alfred Conitzer (1881–1951)
Preußisch Stargard, Provinz Westpreußen A. Arens bis ca. 1919 A. Arens
Stolp Epege Einheitspreis-GmbH 1932 bis 1938 Hans Jacoby (1891–1956), Manfred Otto Conitzer (1904–)[60]

Die in der Tabelle aufgelisteten Standorte Bromberg, Gollub, Goßlershausen, Schwetz und Preußisch Stargard schieden etwa 1920 aus dem Konzernverbund aus, da die bis dahin deutschen Ortschaften auf Basis des Friedensvertrags von Versailles an Polen fielen.[61][4]

Zentraleinkauf

1908 hatten sich 12 Filialen des Warenhauskonzerns M. Conitzer & Söhne darauf verständigt, ihren Direkteinkauf bei den Herstellern gemeinsam zu organisieren, um für ihre Kunden den Preisvorteil aufrechtzuerhalten und zu verbessern.[62] Dies betraf alle Standorte von M. Conitzer & Söhne, die Häuser Berliner Warenhaus A. Bennheim in Königsberg, Alexander Conitzer in Goßlershausen und Jeschewo, Conitzer & Co. in Aschersleben, Rud. Conitzer in Schwetz sowie A. Goldstein in Eisleben. Später schlossen sich weitere Warenhäuser dem Einkaufsverbund von M. Conitzer & Söhne an, die unter Conitzer & Co. firmierenden Kaufhäuser in Merseburg, Seehausen, Tangerhütte und Tangermünde, die Einheitspreis-Geschäfte Epege in Schwerin und Stendal, die Häuser Gebr. Jacoby in Insterburg, Löbenstein & Freudenthal in Hildesheim, S. Plaut in Uelzen sowie das Modehaus Wilhelm Schönbeck in Nordhausen.[61][5] Als Standort wählte man dafür die Reichshauptstadt Berlin aus. Dort richtete man das Engros- und Einkaufshaus für Textilwaren ein, das anfangs im Gebäude Poststraße 24/25 residierte[63], ab April 1913 im Gebäudekomplex Wallstraße 76–79 (Gebäude erhalten[61], es beherbergte später den Dietz-Verlag[64], heute die Australische Botschaft). Um Großhandelspreise in Anspruch nehmen zu können, wurde 1920 die Webwaren-AG (WEBAG) gegründet, die 1940 erlosch.[4][65]

Mit Wirkung zum 1. Januar 1927 traten die dem Berliner Konzern M. Conitzer & Söhne zu diesem Zeitpunkt angehörenden 22 Kaufhäuser[66] zum Zweck des gemeinschaftlichen Einkaufs der Einkaufszentrale des Warenhausunternehmens Hermann Tietz bei.[61][2][67] Der Jahresumsatz des Konzerns M. Conitzer & Söhne lag zu dieser Zeit bei 30 Millionen Reichsmark, der von Hermann Tietz beim Zehnfachen dieses Betrags.[5] Mit dieser Änderung verbunden war ein Umzug des Engros- und Einkaufshauses für Textilwaren in das Haus Markgrafenstraße 28.[68][61][4] Laut Berliner Handelsregister, das die Gründung für 1908 verzeichnet, erlosch dieses Unternehmen 1936.[62]

Das zentrale Büro des Konzerns M. Conitzer & Söhne wurde vom Dezember 1933 bis Ende 1938 in das Warenhaus Hermann Tietz, Leipziger Straße 46–49 (am Dönhoffplatz), verlegt.

Architektur

Ein herausragendes Beispiel moderner Kaufhausarchitektur war das Gebäude in Gotha, das 1928 im Stil der Neuen Bauens errichtet wurde. Der Gothaer Architekt Bruno Tamme plante diesen Neubau, der ein historistisches Gebäude von Richard Klepzig aus dem Jahr 1904 ersetzte.[69] Damals stand eine Vielzahl von Bürgern der ehemaligen Residenzstadt dem neumodischen Gebäude mit hoch aufragender Art-déco-Lichtsäule ablehnend gegenüber, ein Umstand, der sich auch auf den Geschäftsverlauf des „Moses-Kaufhauses“ auswirkte.[70][71][37] Die Lichtsäule des Kaufhauses M. Conitzer & Söhne bestand bis zum Jahr 1988 (zu DDR-Zeiten mit Stilbruch durch aufgesetztes Kürzel der HO), ihre Wiedererrichtung wird als unwahrscheinlich eingeschätzt.[72]

Zeit des Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sahen sich die Kaufhäuser des Konzerns Boykottaufrufen und weiteren Schikanen ausgesetzt. Dokumentiert ist beispielsweise eine schriftliche Beschwerde von Rudolf Aron Conitzer für das Kaufhaus Conitzer & Co. in Schönebeck vom 3. Oktober 1934 beim örtlichen Polizeiamt.[73] In der Folge wurden die jeweiligen jüdischen Anteilseigner dazu genötigt, weit unter Wert an „arische“ Geschäftsleute zu verkaufen.[74] Beispielsweise wurden das Conitzer-Stammhaus in Marienburg, die beiden Standorte in Marienwerder und weitere Liegenschaften auf Betreiben von Helmut Horten durch die beiden Unternehmen Hille & Co. und Rump & Co., an denen er mit 29,51 % bzw. 50 % beteiligt war, Moses Conitzers Enkel Arnold Flatauer (1874–1966) abgekauft.[75] Bei Rump & Co. war Horten geschäftsführender Gesellschafter.[76] Die Arisierungsabgabe, eine Steuer, die eigentlich vom Käufer zu leisten war, wurde teilweise den Verkäufern aufgebürdet, um diese weiter zu schröpfen. Der geringe verbleibende Erlös aus dem Verkauf musste auf ein Sperrkonto eingezahlt werden, von dem nur inländische Verbindlichkeiten beglichen werden durften. Vor der häufig erzwungenen Emigration der Juden mussten sie die erhebliche „Reichsfluchtsteuer“ und hohe Gebühren für auszuführende Wertsachen entrichten. Verbliebenes Vermögen expatriierter (ausgebürgerter) Juden fiel nach der Elften Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 entschädigungslos an den NS-Staat.[5]

Bekannter Mitarbeiter des Konzerns

Heinz Galinski absolvierte im ostpreußischen Elbing eine Lehre als Textilkaufmann im Kaufhaus Gebr. Lublinski für Modewaren und KonfeKtion, Alter Markt 51; er wurde von diesem in Festanstellung übernommen, aber im Zuge der „Arisierung“ des Kaufhauses entlassen. Galinski wurde daraufhin durch das Textilkaufhaus M. Conitzer & Söhne in seiner Geburtsstadt Marienburg, in der seine Eltern ein eigenes Textilgeschäft betrieben, angestellt. Nachdem auch dieses Conitzer-Haus 1937 „arisiert“ wurde, wechselte er noch als Verkäufer zu deren Filiale in Rathenow.[77][78][79][80] Dort lernte er seine künftige Ehefrau Gisela Jacobsohn (* 30. Juli 1918 in Karlsruhe; ermordet am 4. April 1943 im Vernichtungslager Birkenau) kennen.[81][82] Von 1949 bis 1992 fungierte er als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und von 1954 bis 1963 als erster Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, erneut Vorsitzender von 1988 bis 1992.[83]

Literatur

  • Walter E. Schulz: Der Conitzer-Konzern und seine Anschlusshäuser. In: Industrie-Bibliothek, Die Illustrierte Zeitschrift der deutschen Wirtschaft, 4. Jahrgang 1928 (Band 31), S. 54–68. (OCLC 990313861)
  • Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 395–396.
  • Kurt Pritzkoleit: Wem gehört Deutschland? Eine Chronik von Besitz und Macht. Desch, Wien / München / Basel 1957, S. 600. (OCLC 500519621)
  • Hubert Fromm, Rainer Axmann, Gerhard Eckerlein, Hubertus Habel (Hrsg.): Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Evangelisches Bildungswerk, Coburg 1990 (2. Auflage 2001, ISBN 3-9808006-0-1), S. 109.
  • Nils Busch-Petersen: Adolf Jandorf. Vom Volkswarenhaus zum KaDeWe. Hentrich & Hentrich, Berlin / Leipzig 2008, ISBN 978-3-938485-10-1, S. 18.
  • Rolf Enke: Die Familie Goldstein und ihre Warenhäuser in Eisleben. In: Neue Mansfelder Heimatblätter, Jahrgang 2005, Heft 11, S. 62–74.
  • Gernold Urban: Der Kaufhaus-Konzern M. Conitzer. Ein Beitrag zur wechselvollen Geschichte des Modehauses S. Plaut in Uelzen. In: Der Heidewanderer, 93. Jahrgang 2017, Nr. 28–23, S. 109–123, S. 125–135.
  • Gernold Urban: Das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne in Allenstein (1907–1935). In: Allensteiner Nachrichten, Nr. 5 (162) vom 24. Mai 2017, S. 5.
  • M. Conitzer: Das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne in Allenstein/Ostpreußen (Oktober 1907 bis 1935). In: Altpreußische Geschlechterkunde, Blätter des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, Neue Folge, 68. Jahrgang, Band 50 (2020), S. 429–434.
  • Ursula Töller: M. Conitzer & Söhne. Ein jüdischer Warenhauskonzern. Nomos, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-7560-3062-0.
Commons: M. Conitzer & Söhne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. a b Walter E. Schulz (= Waschu): Der Conitzer Konzern und seine Anschlusshäuser. Berlin 1930, S. 2. (OCLC 990313861)
  2. a b Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, 71. Jahrgang 1926, Nr. 839 vom 10. November 1926, S. 3, Sp. 4.
  3. Mark Spoerer: C&A. Ein Familienunternehmen in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. C. H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69824-8, Übersicht (Tabelle) 3.7: Die bedeutendsten deutschen Waren- und Textilkaufhausketten um 1929.
  4. a b c d e f g John Henry Richter: The Conitzer Stores. Ann Arbor (Michigan, USA) 1957/1978. (Digitalisat beim Leo Baeck Institute, Center for Jewish History)
  5. a b c d e f g Kaufhaus Conitzer. In: Stadtmuseum Brandenburg.
  6. Moses Juda Conitzer (* 3. Februar 1822 in Zempelburg, Provinz Westpreußen; † 5. Februar 1902 in Marienwerder, Provinz Westpreußen) war ein deutscher Kaufmann, verheiratet mit Ernestine geb. Bennheim (* 1. Juni 1824 in Lianno, Kreis Schwetz, Provinz Westpreußen; † 27. November 1902 in Marienwerder). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor, Rudolf (* 8. Mai 1851 in Schwetz an der Weichsel, Provinz Westpreußen; † 20. September 1932 in Berlin), Sara (* 15. September 1854 in Jeschewo, Provinz Westpreußen; † als Sara Flatauer 12. Juli 1922 in Marienwerder), Rachel (* 8. Februar 1855 in Schwetz an der Weichsel; † als Rachel Marcus 4. Februar 1937 in Berlin), Nathan (* 27. Mai 1857 in Schwetz an der Weichsel; † 27. Dezember 1933 in Berlin), Alexander II (* 19. Oktober 1859 in Jeschewo, Provinz Westpreußen; † 4. August 1951 in Los Angeles, Kalifornien, USA), Hermann (* 1. Februar 1862 in Jeschewo; † 29. Oktober 1936 in Berlin) und Lesser gen. Lothar (* 7. Februar 1865 in Jeschewo; † 9. Juli 1947 in Kapstadt, Südafrika; promovierter Gynäkologe und Geburtshelfer). Angaben nach: Friedrich Michelsson: Deutscher Gynäkologen-Kalender. Biographisch-bibliographisches Verzeichnis der deutschen Frauenaerzte 1928. Barth, Leipzig 1928, S. 38. (OCLC 183401482)
  7. Nathan Conitzer (* 27. Mai 1857 in Schwetz an der Weichsel; † 27. Dezember 1933 in Berlin) war ein deutscher Kaufmann, seit 1888 verheiratet mit seiner Cousine Martha geb. Bennheim (* 6. Oktober 1864 in Schwetz an der Weichsel; † 24. März 1922 in Berlin). Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor: Hertha (* 17. Dezember 1888 in Marienwerder; ermordet als Hertha Davis nach dem 29. Januar 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau), die Zwillinge Blanka (* 31. Januar 1890 in Marienwerder; † 7. Juni 1975 in Chicago, Illinois, USA) und Elisabeth gen. Ella (* 31. Januar 1890 in Marienwerder; † als Ella Cohn 3. November 1938 in Berlin), Frieda Felicitas (* 1. Mai 1892 in Marienwerder; † als Frieda Felicitas Krohn am 13. Januar 1979 in London, Vereinigtes Königreich), Hildegard (* 1893 in Marienwerder; † 7. Dezember 1924 in Davos, Kanton Graubünden, Schweiz), Aribert (* 31. August 1895 in Marienwerder; † Juli 1910 in Marienwerder) und Gerda (* 4. November 1902 in Marienwerder; † als Gerda Meyer 4. August 1951 in Rochester, New York, USA). – Angaben nach: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 396. (Wiedergabe in: Davis, Hertha. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.)
  8. Alexander Conitzer II (* 19. Oktober 1859 in Jeschewo; † 4. August 1951 in Los Angeles, Kalifornien, USA) war ein deutscher Kaufmann, seit dem 9. Oktober 1890 verheiratet mit Dorothea gen. Daja geb. Müller (* 12. Juli 1870 in Stuhm, Provinz Westpreußen; † 6. August 1931 in Berlin). Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Erna (* 20. Dezember 1891 in Marienwerder; † 11. Oktober 1977 in Los Angeles, Kalifornien, USA) und Meta (* 29. Dezember 1893 in Marienwerder; † 15. September 1969 in Chicago, Illinois, USA). Im Jahr 1890 gründete er das Kaufhaus in Brandenburg an der Havel, Hauptstraße 5–8 und leitete es. Er fungierte als Ausschussmitglied im von Oscar Tietz gegründeten Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser (VDWK). Während der Zeit des Nationalsozialismus emigrierte Alexander II mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten. – Angaben nach: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 395.
  9. Hermann Conitzer (* 1. Februar 1862 in Jeschewo; † 29. Oktober 1936 in Berlin) war ein deutscher Kaufmann, seit dem 24. Mai 1892 verheiratet mit Rose geb. Bieber (* 23. Juni 1872 in Schwetz; * 10. Juli 1949 in Buenos Aires, Argentinien). Aus der Ehe gingen vier Töchter hervor: Lotte gen. Betty (* 20. August 1895 in Brandenburg an der Havel; † als Betty (Lotte) Jacoby September 1996 in Hendon, England, Vereinigtes Königreich), Gertrud (* 27. Januar 1901 in Brandenburg an der Havel; † als Gertrud Moses 26. Januar 1996 in Santiago de Chile, Chile), Ella Elfriede gen. Edith (* 11. Dezember 1903 in Brandenburg an der Havel; † als Edith Glücksmann 14. Mai 2006) und Irma Judith (* 25. Oktober 1906 in Berlin; † als Irma Boas am 11. Januar 1953 in Campinas, Brasilien). Hermann Conitzer leitete das Spezialgeschäft für Herren- und Knabenbekleidung. 1890 gründete er ein Kaufhaus in Brandenburg an der Havel. Nach dem Eintritt seines Neffen Alfred gründeten beide im April 1911 eine Filiale in Rathenow an der Havel. Hermann Conitzer fungierte als Leiter des „Engros- und Einkaufshauses für Textilwaren“ des Conitzer-Konzerns und befreundeter Unternehmen in Berlin. – Angaben nach: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 396.
  10. Conitzer, Alexander. In: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 395.
  11. Conitzer, Hermann. In: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 396.
  12. Nils Busch-Petersen: Adolf Jandorf. Vom Volkswarenhaus zum KaDeWe. Hentrich & Hentrich, Berlin / Leipzig 2008, ISBN 978-3-938485-10-1, S. 18.
  13. a b c Matthias Büdke, Claudia Andrae: Geschäftserfolg mit Bargeld. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 30. März 2005, auf: mz.de
  14. Julius Hirsch: Die Filialbetriebe im Detailhandel. A. Marcus und E. Webers Verlag, Bonn 1913, S. 198. (Für das Jahr 1910 ist M. Conitzer & Söhne mit fünf Filialen erfasst.)
  15. a b M. Conitzer & Söhne, Gotha, Manufacturwaarenhandlung. In: Hof- und Staatshandbuch für die Herzogtümer Sachsen-Coburg und Gotha 1901, S. 210, Spalte 1.
  16. Hubert Fromm, Rainer Axmann, Gerhard Eckerlein, Hubertus Habel (Hrsg.): Die Coburger Juden. Geschichte und Schicksal. Evangelisches Bildungswerk, Coburg 1990, ISBN 3-9808006-0-1, S. 109.
  17. a b Coburgs erstes Kaufhaus. Stadt Coburg, Digitales Stadtgedächtnis.
  18. Flatauer, Raphael Rafael. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  19. Raphael Flatauer. In: Datenbank „Namen der Holocaustopfer“ der Gedenkstätte Yad Vashem.
  20. Peter Junk, Martina Sellmeyer: Stationen auf dem Weg nach Auschwitz. Entrechtung, Vertreibung, Vernichtung. Juden in Osnabrück 1900–1945. Rasch, Bramsche 2000, ISBN 3-922469-36-1.
  21. Berlowitz, Max Gabriel. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  22. Max Gabriel Berlowitz. In: Datenbank „Namen der Holocaustopfer“ der Gedenkstätte Yad Vashem.
  23. Max Gabriel Berlowitz. stolpersteine-berlin.de
  24. M. Conitzer: Das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne in Allenstein/Ostpreußen (Oktober 1907 bis 1935). In: Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen (Hrsg.): Altpreußische Geschlechterkunde, Blätter des Vereins für Familienforschung in Ost- und Westpreußen, Neue Folge, 68. Jahrgang (Band 50), Hamburg 2020, S. 429–434.
  25. Rudolph Conitzer wurde am 8. Mai 1851 als Robert Conitzer in Jeschewo geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Moses Juda Conitzer (* 3. Februar 1822 in Zempelburg, Provinz Westpreußen; † 5. Februar 1902 in Marienwerder) und dessen Ehefrau Ernestine geborene Bennheim (* 1. Juni 1824 in Schwetz an der Weichsel; † 27. November 1902 in Marienwerder). Der Kaufmann Rudolph Conitzer, der auch als Stadtverordneter, Mitglied des Magistrats und als Kreistagsabgeordneter fungierte, starb am 20. September 1932 in Berlin.
  26. Davis, Martin. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  27. M. Conitzer & Söhne GmbH, Rathenow. Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur: 5E AG Rathenow 581.
  28. Gernold Urban: Das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne in Allenstein (1907–1935). In: Allensteiner Nachrichten, Nr. 5 (162) vom 24. Mai 2017, S. 5.
  29. Architekturroute Aschersleben (PDF; 2,1 MB), S. 18–19 (Objekt Nr. 34)
  30. Conitzer, Adolf Adolph. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  31. Adolf Conitzer. United States Holocaust Memorial Museum, ushmm.org
  32. Adolf Conitzer. In: Datenbank „Namen der Holocaustopfer“ der Gedenkstätte Yad Vashem.
  33. Brandenburg/H., Hauptstraße am Abend, Ecke Steinstraße. In: Stadtmuseum Brandenburg/Havel, auf: museum-digital.de
  34. a b Joseph Walk: Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. (hrsg. vom Leo Baeck Institute Jerusalem) K. G. Saur, München / New York / London / Paris 1988, S. 62.
  35. Kaufhaus A. Goldstein, auf: jewish-places.de
  36. Jennifer Hochhaus: Kaufhaus in Eisleben. Das Schicksal der Goldsteins. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 4. Juni 2018 (auf mz.de)
  37. a b Wieland Fischer: Gothaer Kaufhaus‐Leuchtturm. Geschichte weist Lücken auf. In: Thüringer Allgemeine vom 8. August 2019 (auf thueringer-allgemeine.de)
  38. Matthias Wenzel: Gotha auf alten Postkarten. Sutton Verlag, Erfurt 2005, ISBN 3-89702-822-0, S. 16.
  39. Matthias Wenzel: Die Gothaer Straßenbahn und Thüringerwaldbahn. Sutton Verlag, Erfurt 2022, ISBN 978-3-86680-914-7, S. 18.
  40. Christina Prauss: Vom Untergang bürgerlicher Lebenswelten. Der Kaufhausgründer Lehmann Löbenstein aus Datterode und seine Kinder. In: Eschweger Geschichtsblätter, Nr. 23 (2012), S. 59–84. (online als PDF mit 1,8 MB auf alemannia-judaica.de)
  41. Alfred Conitzer (* 16. Januar 1881 in Schwetz an der Weichsel; † 26. Januar 1951 in La Paz, Bolivien) war ein deutscher Kaufmann, seit dem 9. September 1909 verheiratet mit Erna geb. Struck (* 28. März 1890; † 30. Juli 1957 in La Paz, Bolivien). Aus der Ehe ging ein Sohn hervor: Gerhard gen. Guert (* 6. August 1910 in Berlin; † 18. Dezember 1983 in La Paz, Bolivien). Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Schwetz machte Alfred Conitzer eine kaufmännische Lehre bei M. Conitzer & Söhne in Marienwerder und beim Textil-Warenhaus Brummer & Benjamin, Große Ulrichstraße 22/23 in Halle (Saale). Im Jahr 1900 absolvierte er seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Feld-Artillerie-Regiment Nr. 71 in Marienwerder. Danach leitete er das Kaufhaus Rud. Conitzer an der Ecke Breite Straße / Markt in Schwetz. 1909 trat er als Junior-Teilhaber bei M. Conitzer & Söhne in Brandenburg an der Havel ein. 1911 gründete er zusammen mit seinem Onkel Hermann Conitzer das Kaufhaus M. Conitzer & Söhne in Rathenow. Berufliche Auslandsreisen führten Alfred Conitzer u. a. nach Ägypten, Belgien, Frankreich, Italien, in die Niederlande, nach Norwegen, Österreich, Schweden, in die Schweiz, nach Spanien und in die Vereinigten Staaten. Er fungierte als Aufsichtsratsmitglied der Webwaren-AG in Berlin. – Angaben nach: Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg / Berlin / Leipzig 1929, S. 395–396. (wiedergegeben in M. Conitzer & Söhne. In: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Band 2: Brann–Einslin. K. G. Saur, München 2005, ISBN 3-598-25032-0, S. 392 (books.google.de – Spalte 2).)
  42. Rückerstattung Grundstück/Kaufhaus. In: Niedersächsisches Landesarchiv, Abtrilung Hannover, Signatur NLA HA Nds. 720 Hildesheim Acc. 2009/127 Nr. 97/1.
  43. Umbau der Ruine des ehemaligen Kaufhauses M. Conitzer & Söhne GmbH (seit 1938 Kaufhaus Bünger). In: Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Signatur: 101 Fotos D205, D206, D354.
  44. Thomas Westermann: Acht Stolpersteine für zwei Familien. In: Altmark-Zeitung vom 22. Februar 2024 (auf az-online.de)
  45. Landesarchiv Magdeburg, Rep. I 105 Nr. 305, Commerzbankfiliale Stendal.
  46. Das verschwundene jüdische Modehaus. In: Allgemeine Zeitung vom 20. Oktober 2012 (auf az-online.de)
  47. a b Berliner Adreßbuch 1926, August Scherl Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., I. Teil, S. 465, Sp. 3.
  48. Hans-Eberhardt Gorges: Die Handelsorganisation (HO) in Calbe. In: Das Calbenser Blatt, Journal für die Städte Calbe, Barby und Umgebung, 29. Jahrgang 2019, Nr. 3, S. 10. (online auf cunodruck.de als PDF; 4,5 MB)
  49. Villa Gelfertstraße 37 Hüttenweg. Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank.
  50. Conitzer, Paul. In: Günter von Roden, Rita Vogedes: Geschichte der Duisburger Juden. Walter Braun Verlag, Duisburg 1986, S. 1058.
  51. Frankfurter Zeitung und Handelsblatt, Nr. 750 vom 12. Oktober 1933, S. 8, Sp. 6.
  52. Oskar Conitzer: Preisfaktoren und Preisbildung im deutschen Textilgewerbe unter Beruecksichtigung der Preisbildung in der Kriegszeit und Inflation. (Dissertation, Universität Basel, 1932) R. Noske, Borna bei Leipzig 1932. (OCLC 970846776)
  53. Conitzer, Oscar Oskar. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  54. Die Geschichte der jüdischen Geschäfte an der Beekstraße. In: Rheinische Post vom 11. August 2015.
  55. Conitzer, Aron Arthur. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  56. Aron Arthur Conitzer. In: Datenbank „Namen der Holocaustopfer“ der Gedenkstätte Yad Vashem.
  57. Gertrud und Arthur Aaron Conitzer, auf: siewarennachbarn.de
  58. Andreas Prause: Kaufhaus Conitzer in Schwetz an der Weichsel. In: Chełmno nad Wisłą. Culm an der Weichsel. Geschichte und Sehenswertes auf chelmno.info, abgerufen am 3. Januar 2021
  59. Domy towarowe M. Conitzer & Söhne - lokalizacja. In: Kwidzyn Muzeum, auf: kwidzyn-muzeum-lukasz.blogspot.com
  60. Bekanntmachung (Expatriierung). In: Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 59 vom 11. März 1941, S. 1, Nr. 52.
  61. a b c d e Walter E. Schulz (= Waschu): Der Conitzer-Konzern und seine Anschlusshäuser. Berlin 1930, S. 10–13. (OCLC 990313861)
  62. a b M. Conitzer & Söhne. In: Humboldt-Universität Berlin, Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930–1945, auf: hu-berlin.de
  63. Berliner Adreßbuch 1910, August Scherl Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., I. Teil, S. 396, Sp. 3.
  64. Berliner Adreßbuch 1915, August Scherl Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., I. Teil, S. 440, Sp. 4.
  65. Webag, Webwaren AG. In: Humboldt-Universität Berlin, Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930–1945, auf: hu-berlin.de
  66. Die 22 Kaufhäuser des Textilwarenhaus-Konzerns M. Conitzer & Söhne, die am 1. Januar 1927 eine Interessengemeinschaft mit der Einkaufszentrale des Hermann Tietz-Warenhauskonzerns begründeten, waren: 1. M. Conitzer & Söhne in Alleinstein, 2. Conitzer & Co. in Aschersleben, 3. M. Conitzer & Söhne in Brandenburg an der Havel, 4. M. Conitzer & Söhne in Coburg, 5. A. Goldstein in Eisleben, 6. M. Conitzer & Söhne in Gotha, 7. Löbenstein & Freudenthal in Hildesheim, 8. Gebr. Jacoby in Insterburg, 9. Berliner Warenhaus A. Bennheim in Königsberg, 10. M. Conitzer & Söhne in Marienburg, 11. M. Conitzer & Söhne in Marienwerder, 12. Conitzer & Co. in Merseburg, 13. Modehaus Wilhelm Schönbeck in Nordhausen, 14. M. Conitzer & Söhne in Osnabrück, 15. M. Conitzer & Söhne in Rathenow, 16. Conitzer & Co. in Schönebeck, 17. Epege in Schwerin, 18. Conitzer & Co. in Seehausen, 19. Epege in Stendal, 20. Conitzer & Co. in Tangerhütte, 21. Conitzer & Co. in Tangermünde, 22. S. Plaut in Uelzen.
  67. Johannes Bähr, Ingo Köhler: Verfolgt, „arisiert“, wiedergutgemacht? Wie aus dem Warenhauskonzern Hermann Tietz Hertie wurde. Siedler Verlag, München 2023, ISBN 978-3-8275-0180-6, S. 19.
  68. Berliner Adreßbuch 1929, Verlag August Scherl Deutsche Adreßbuch-Gesellschaft m.b.H., Dritter Band, IV. Teil – Straßen und Häuser, S. 661, Sp. 6.
  69. Friedrich-Wilhelm Geiersbach: Wandel in Bildern. In: Lothar Bertels (Hrsg.): Gotha im Wandel 1990–2012. Transformation einer ostdeutschen Mittelstadt. Springer Fachmedien Wiesbaden 2014, ISBN 978-3-658-03684-3, S. 160 f., hier S. 170.
  70. Heiko Stasjulevics: Kaufhäuser sind stilbildend für die Baukultur in Gotha. In: Thüringer Allgemeine vom 21. April 2023. (online auf thueringer-allgemeine.de)
  71. Susanne Weisheit: Feierliche Bildübergabe mit Fotograf Jean Molitor. In: Pressemitteilung der KulTourStadt Gotha GmbH vom 13. März 2020, auf kultourstadt.de
  72. Heiko Stasjulevics: Absage an den Lichtturm. In: Thüringer Allgemeine vom 15. Juli 2017. (online auf pressreader.com)
  73. Boykott jüdischer Firmen in Gardelegen und Schönebeck, 1934. In: Landesarchiv Sachsen-Anhalt, auf: lha.sachsen-anhalt.de
  74. Bernhard Lorentz: Die Commerzbank und die „Arisierung“ im Altreich. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 50. Jahrgang 2002, Heft 2, S. 237–268, hier S. 253–262. (online als PDF; 1,5 MB)
  75. Richard Vahrenkamp: Die logistische Revolution. Der Aufstieg der Logistik in der Massenkonsumgesellschaft. (= Beiträge zur Historischen Verkehrsforschung des Deutschen Museums) Campus Verlag, Frankfurt am Main / New York 2011, ISBN 978-3-593-39215-8, S. 44–45.
  76. Peter Hoeres, Maximilian Kutzner (Mitarb.): Gutachten über den Vermögens- und Geschäftsaufbau von Helmut Horten im Kontext der „Arisierung“ in der Zeit des „Dritten Reiches“. S. 99–106, S. 182. (PDF; 12 MB; auf den Seiten der Helmut-Horten-Stiftung)
  77. Andreas Nachama, Julius H. Schoeps (Hrsg.): Aufbau nach dem Untergang. Deutsch-jüdische Geschichte nach 1945. In Memoriam Heinz Galinski. Argon, Berlin 1992, ISBN 3-87024-714-2, S. 56.
  78. Wolfgang Benz: Deutsche Juden im 20. Jahrhundert. Eine Geschichte in Portraits. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62292-2, S. 186.
  79. Anita Kugler: Die Stimme mit der Autorität eines Auschwitz-Überlebenden war unüberhörbar. In: die tageszeitung vom 21. Juli 1992, S. 3. (online)
  80. Ernst Cramer: Ein Gegner jeglichen Vergessens. In: Die Welt vom 28. November 2002. (online)
  81. Galinski, Gisela. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden. Bundesarchiv.
  82. Gisela Galinski. In: Datenbank „Namen der Holocaustopfer“ der Gedenkstätte Yad Vashem.
  83. Irmgard Zündorf: Heinz Galinski 1912–1992. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)