Hillman Avenger

Hillman
Chrysler
Talbot
Hillman Avenger (1972)
Avenger
Produktionszeitraum 1970–1981
Klasse Mittelklasse
Karosserieversionen Limousine, Kombi
Motoren Ottomotoren:
1,25–1,6 Liter
(39–68 kW)
Länge 4100 mm
Breite 1600 mm
Höhe 1300 mm
Radstand 2500 mm
Leergewicht 835[1]–923 kg

Vorgängermodell Hillman Minx

Der Hillman Avenger ist ein auf den Rootes-Konzern zurückgehendes Mittelklassefahrzeug, das in Großbritannien von 1970 bis 1981 produziert wurde. Hersteller war zunächst und ab 1978 der PSA-Konzern. Die Entwicklung des Avenger fiel in eine Zeit des Übergangs von Rootes zu Chrysler United Kingdom. Als die Produktion begann, hieß das Unternehmen bereits Chrysler. 1978 setzte die französische PSA-Gruppe den Bau des Autos fort. Der Avenger war als Weltauto konzipiert. Dementsprechend erschien es im Laufe der Jahre unter zahlreichen Marken. Neben der ursprünglich auf den britischen Inseln genutzten Marke Hillman stand es ab 1976 als Chrysler Avenger und ab 1979 als Talbot Avenger im Programm. Auf einigen kontinentaleuropäischen Märkten wurde das Auto zeitweise als Sunbeam Avenger vertrieben, während eine Exportversion für Nordamerika Plymouth Cricket hieß. Chrysler-Niederlassungen in Argentinien und Brasilien und deren Nachfolger produzierten den Avenger jahrelang in Lizenz; dort wurde er noch lange über die Produktionseinstellung in Europa hinaus unter den Marken Dodge und Volkswagen vertrieben. Auf der verkürzten Plattform des Avenger entstand schließlich auch die zweitürige Kompaktlimousine Chrysler Sunbeam mit gläserner Heckklappe.

Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklung des Avenger wurde im Herbst 1965[2] von dem seinerzeit noch unabhängigen Rootes-Konzern eingeleitet. Das unter dem werksinternen Code B-Car entwickelte Auto sollte zum Ende des Jahrzehnts die Mittelklassereihe Audax (z.B. Hillman Minx) ersetzen und zwischen der Apex-Familie (Hillman Imp) und der kommenden Arrow-Reihe (Hillman Hunter und andere) positioniert sein.[3] Der Avenger sollte auf dem heimischen Markt gegen die erfolgreichen Mittelklassemodelle von Ford (Cortina), BMC (Austin Maxi, Morris Marina) und General Motors (Vauxhall Viva) antreten und darüber hinaus im Sinne eines Weltautos geeignet sein, auch auf außereuropäischen Märkten verkauft zu werden.[3]

Der Avenger kam im Februar 1970 auf den britischen Inseln und in einigen Exportländern auf den Markt. Anders als bei fast allen anderen Rootes-Modellen der Nachkriegszeit verzichtete der Konzern beim Avenger auf Badge Engineering: Das Auto war in Großbritannien und Irland ausschließlich unter der Marke Hillman erhältlich; Pendants bei Singer, Humber oder Sunbeam gab es hier nicht.[Anm. 1] Die englische Motorpresse gab dem Avenger gute Kritiken für sein Fahrverhalten, das vor allem das des zeitgleich vorgestellten Morris Marina in den Schatten stellte.

Chrysler bemühte sich ab 1970, die zu dieser Zeit sehr eigenständigen und nicht miteinander kompatiblen Modellpaletten seiner europäischen Niederlassungen in Frankreich und Großbritannien zusammenzuführen. Der bedeutendste Schritt auf diesem Weg war der von Chrysler France entwickelte C6, der ab 1975 in Kontinentaleuropa als Simca 1307/1308/1309 und auf den britischen Inseln als Chrysler Alpine verkauft wurde. Der C6 bediente genau das Marktsegment des Hillman Avenger, war aber mit Frontantrieb und Schrägheck wesentlich moderner. Mit dem Erscheinen des C6 war der Avenger im Grunde obsolet.

Ungeachtet dessen setzte Chrysler die Produktion des Avenger nach der Einführung des Alpine fort. Das alte Auto erhielt ein Facelift und stand ab 1976 als Chrysler Avenger im Programm. Der einzige Grund für den Weiterbau des Autos war Chryslers Produktionsstätte im schottischen Linwood, zu deren Auslastung sich Chrysler als Gegenleistung für eine von der britischen Regierung gewährte Unterstützung in Höhe von 162 Mio £ verpflichtet hatte.[4]

1978 hatte sich Chryslers wirtschaftliche Krise in den USA so weit verschärft, dass der Konzern alle Tochtergesellschaften außerhalb Nordamerikas verkaufte. Die europäischen Chrysler-Filialen in Frankreich, Großbritannien und Spanien übernahm die französische Groupe PSA, die für die Anfangszeit auch die Produktion der bisherigen Chrysler-Modelle fortsetzte, sie aber ab 1979 unter der Marke Talbot verkaufte. Das betraf auch den Avenger, der zwei Jahre lang Talbot Avenger hieß. 1981 folgte die endgültige Produktionseinstellung in Europa.

Modellbeschreibung

Der Avenger wurde vollständig neu entwickelt; das Auto erhielt keine technischen Komponenten von den anderen Konzernmodellen.[3] Die Entwicklungsverantwortung lag ausschließlich bei Rootes in Großbritannien. Auch nachdem Rootes 1967 von Chrysler übernommen worden war, beschränkten sich die Einflüsse Detroiter Ingenieure auf kleine Details.

Karosserie

Der Hillman Avenger hat eine selbsttragende Karosserie. Bei Modelleinführung waren eine viertürige Limousine mit Semi-Stufenheck sowie ein Kombi erhältlich, ab März 1973 wurden zusätzlich 2-türige Limousinen angeboten.

Das Karosserieform wurde in Rootes’ Designstudio unter der Leitung von Roy Axe entwickelt. Anders als bei den Modellen der Arrow-Familie, deren Form betont nüchtern ausfiel,[5] orientierte sich das Designteam am amerikanischen Geschmack.[2] Bereits die ersten Entwürfe zeigten eine so genannte Coke-Bottle-Linie, also eine Wölbung über den Hinterrädern, die in die Kofferraumlinie überging.

Motorisierung und Kraftübertragung

Die Motoren für den Avenger wurden neu konstruiert. Das Serienmodell war in Großbritannien mit zwei unterschiedlich großen Reihenvierzylindermotoren erhältlich, bei denen es jeweils zwei Leistungsstufen gab. Eine besondere Variante war der vorübergehend angebotene Avenger Tiger, der wesentlich stärker motorisiert war. Der Motor ist vorne quer eingebaut, er treibt die Hinterräder an. Als Kraftübertragung dient serienmäßig ein handgeschaltetes Vierganggetriebe; gegen Aufpreis war ein Automatikgetriebe von BorgWarner erhältlich, das in den ersten Jahren drei und später vier Vorwärtsgänge hatte.[6]

Modelle und Motorisierungen
Bauzeitraum Bezeichnung Hubraum Motorleistung Höchstgeschwindigkeit Bauformen
1970–1973 Avenger DL / Super / GL 1248 cm³ 53 bhp (39 kW) 130 km/h Limousine / Kombi
Avenger GL 1498 cm³ 63 bhp (46 kW) 146 km/h
Avenger GT 75 bhp (55 kW) 154 km/h
1972–1973 Avenger GLS 159 km/h
Avenger Tiger 92,5 bhp (68 kW) 173 km/h Limousine
1973–1976 Avenger 1300 1295 cm³ 57 bhp (42 kW) Limousine / Kombi
69 bhp (50,7 kW) Limousine
Avenger 1600 1598 cm³ 69 bhp (50,7 kW) 147 km/h Limousine / Kombi
81 bhp (60 kW)

Fahrwerk

Die Vorderräder sind einzeln mit MacPherson-Federbeinen aufgehängt, hinten wird eine Starrachse an vier Lenkern (zwei längs, zwei diagonal) mit Schraubenfedern verwendet.[6] Vorn und hinten gibt es Teleskopstoßdämpfer.[7]

Ausstattungslinien

Der Avenger war anfänglich in den Ausstattungslinien DL, Super und GL zu kaufen. Die Modelle DL und Super waren mit 1250- oder 1500-cm³-Motoren erhältlich, der GL jedoch nur mit 1500 cm³-Motor. Der DL als einfachstes Modell war innen mit Gummifußmatten und einem sehr einfachen Armaturenbrett mit Breitbandtacho ausgestattet. Der Super war etwas besser ausgestattet und hatte Teppiche, Armlehnen, eine Zweiklangfanfare und Rückfahrleuchten, aber immer noch das einfache Armaturenbrett des DL. Die höchste Ausstattungslinie GL hatte Doppelscheinwerfer, einen Hebel zum Öffnen der Kofferraumklappe vom Fahrgastraum aus, Scheibenwischer mit zwei Geschwindigkeiten, gebürsteten Nylonbezug für die Sitze und ein Armaturenbrett mit Rundinstrumenten. Im Oktober 1970 wurde der Avenger GT eingeführt. Er hatte einen 1500-cm³-Motor mit Doppelvergaser und ein manuell zu schaltendes Vierganggetriebe oder auf Wunsch ein dreistufiges Borg-Warner 35 Automatikgetriebe. Der GT hatte Seitenstreifen an den Türen und Radabdeckungen aus Kunststoff.

Ab Februar 1972 gab es den Avenger als Flottenfahrzeug mit beiden Motorvarianten, aber einfacher (Behörden-)Ausstattung. So fehlte zum Beispiel am Beifahrersitz die Sonnenblende. Später gab es auch dieses Fahrzeug auf Wunsch mit Automatik.

Im März 1972 kam der 5-türige Kombi in den Ausstattungslinien DL und Super, ebenfalls mit beiden Motorvarianten. Im Oktober des gleichen Jahres ersetzte der Avenger GLS mit Vinyldach und Rostyle-Sporträdern den GT.

Baureihen

Erste Serie: 1970 bis 1973

Die ursprüngliche Version des Avenger wurde von 1970 bis 1973 gebaut. In dieser Zeit gab es nahezu kene Änderungen an dem Auto.

Zweite Serie: 1973 bis 1975

Im Oktober 1973 wurden beide Motoren überarbeitet. Die Hubräume wurden vergrößert: 1,3 statt 1,25 l und 1,6 statt 1,5 l. Die einfach ausgestatteten Flottenmodelle fielen weg. Die Modelle hießen nun „Avenger 1300“ bzw. „Avenger 1600“, und alle Ausstattungsvarianten (DL, Super und GLS) waren mit beiden Motorvarianten zu kombinieren.

Avenger Tiger

1972 erschien als Sodermodell der Avenger Tiger, dessen Konzept an den Sunbeam Tiger erinnern sollte. 4-türige Avenger Super erhielten den GT-Motor mit 1,5 Liter Hubraum, der es durch einen neuen Zylinderkopf mit größeren Ventilen und einer Verdichtung von 9,4 : 1 sowie Weber-Doppelvergaser auf 92,5 bhp (68 kW) bei 6100/min brachte. Die Radaufhängungen wurden verstärkt und die Bremsen, die Hinterachse und das Getriebe des GT übernommen. Die typische Farbgebung dieser Wagen umfasste mattschwarze Motorhauben, Heckabschlussbleche und Seitenstreifen mit der Aufschrift „Avenger Tiger“ auf den hinteren Kotflügeln. Es gab aber auch andere Farben. Die Wagen beschleunigten in 8,9 s von 0 auf 100 km/h und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 173 km/h. Das waren bessere Fahrleistungen als beim Ford Escort Mexico, aber der Benzinverbrauch war dementsprechend hoch. Alle Avenger Tiger wurden vom Chrysler Competitions Centre montiert; es entstanden ca. 200 Stück vom Mk. I.

Zum Modelljahr 1973 wurde der Avenger Tiger Mk. II herausgebracht. Diesmal verwendete man die Karosserie des GL-Modells mit Doppelscheinwerfern. Mechanisch entsprachen diese Wagen dem Mk. I, hatten aber keine Hutze mehr auf der Motorhaube und veränderte Sitze und Räder. Von den nur in Gelb und Rot mit schwarzen Verzierungen erhältlichen Fahrzeugen entstanden ca. 400 Stück.

Chrysler Avenger

Nach der Übernahme des Rootes-Konzerns begann der neue Eigentümer Chrysler, neu vorgestellte Fahrzeuge nicht mehr den traditionellen Rootes-Marken zuzuordnen, sondern sie stattdessen unter der Marke Chrysler zu verkaufen. Den Anfang machte 1970 der große Chrysler 60/180/2 Litre, der nach anfänglichen Überlegungen ein Humber hätte sein sollen; fünf Jahre später folgte der moderne C6, der in Großbritannien als Chrysler Alpine auf den Markt kam. Die alten, noch in der Rootes-Ära entwickelten Autos behielten dagegen bis 1976 ihre alten Markenzuweisungen. Dazu gehörte auch der Hillman Avenger.[Anm. 2] Mit der Umstrukturierung des Jahres 1976 änderte sich diese Praxis: Die Autos der alten Ära wurden entweder eingestellt (Hillman Imp und Humber Sceptre Mark III) oder wurden ebenfalls auf die Marke Chrysler verschoben. Letzteres betraf neben dem alten Hillman Hunter und den Hillman Avenger, die ab 1976 jeweils als Chrysler verkauft wurden. Die Avenger entstanden nun komplett im schottischen Linwood.

Überarbeitete Front- und Heckpartie beim Chrysler Avenger

Anders als beim letzten verbliebenen Arrow-Modell, das praktisch ohne Veränderungen als Chrysler Hunter weiter im Programm stand, war der Markenwechsel beim Avenger mit einigen Änderungen verbunden. Der Avenger erhielt in diesem Rahmen neu gestaltete Front- und Heckpartien, die ihn optisch in die Nähe des neuen Alpine rücken sollten. Vorn wurden Breitbandscheinwerfer mit breiten, in die Kotflügel hineinreichenden Blinkern eingebaut, und hinten verlor der Avenger seine markanten Hockeystick-Rückleuchten, die durch breite waagerechte Leuten ersetzt wurden. Die hinteren Wagenflanken wurden dafür nicht neu geformt. Die Lücke, die durch den Entfall der Hockeysticks entstanden war, wurde durch ein neu gestaltetes – und schlecht passendes – Einsatzstück, das in Wagenfarbe lackiert war, gefüllt. Aus Sicherheitsgründen erhielt der Tankeinfüllstutzen eine neue Position: Er wurde vom hinteren Abschlussblech in die rechte Kotflügelseite verlegt. Schließlich gab es einen neu gestalten Instrumententräger im Innenraum. Technisch gab es keine Änderungen. Allerdings wurde gab es von dem 1,3- und dem 1,6-Liter-Motor jeweils nur noch eine Leistungsstufe.

Der Chrysler Avenger war in den Ausstattungsstufen LS, GL und GLS erhältlich; den GLS gab es als hochwertigste Variante serienmäßig mit dem 1,6-Liter-Motor.

Modelle und Motorisierungen
Bauzeitraum Bezeichnung Hubraum Motorleistung Höchstgeschwindigkeit Bauformen
1976–1978 Avenger 1300 1295 cm³ 57 bhp (42 kW) Limousine / Kombi
Avenger 1600 1598 cm³ 81 bhp (60 kW) 147 km/h

Talbot Avenger

1978 verkaufte der wirtschaftlich stark angeschlagene Chrysler-Konzern mit Ausnahme der mexikanischen Dependance alle Niederlassungen außerhalb der USA. Die europäischen Töchter in Frankreich, Spanien und Großbritannien übernahm der von Peugeot geführte französische PSA-Konzern. PSA setzte die Produktion der Chrysler-Modelle zunächst fort, verkaufte die Autos aber ab 1979 unter der neu geschaffenen Marke Talbot verkaufte. Das betraf auch den Avenger, der nun als Talbot Avenger im Programm stand. Anders als bei den jüngeren Chrysler-Konstruktionen Alpine und Horizon, hatte PSA bei den alten Modellen Hunter und Avenger nicht die Produktionsrechte erworben, sondern zahlte Chrysler für jedes verkaufte Auto eine Lizenzgebühr. Äußerlich war drückte sich das darin aus, dass der Talbot Avenger nicht das neue Talbot-Logo im Kühlergrill führte, sondern den Pentastar von Chrysler beibehielt. auch die Rechte am Markennamen Avenger blieben bei Chrysler, wo er zwei Jahrzehnte später für eine Dodge-Limousine wiederbelebt wurde.

PSA nahm keine technischen oder stilistischen Änderungen am Avenger vor. Die Motorenpalette wurde unverändert fortgeführt. Lediglich die Ausstattungslinien stellte das Unternehmen neu zusammen. Nach der Einstellung des Chrysler Hunter im Jahr 1979 war der Avenger das letzte Rootes-Modell im Talbot-Programm. Im März 1981 endete die Produktion des Avenger; damit wurde auch das Werk in Linwood geschlossen.

Modelle und Motorisierungen
Bauzeitraum Bezeichnung Hubraum Motorleistung Höchstgeschwindigkeit Bauformen
1978–1981 Avenger 1300 1295 cm³ 57 bhp (42 kW) Limousine / Kombi
Avenger 1600 1598 cm³ 81 bhp (60 kW) 147 km/h

Produktion in Europa

Die europäische Avenger-Produktion fand in Großbritannien statt. Wie bei Rootes üblich, war der Produktionsprozess über längere Zeit kompliziert. Die Rohkarosserien des Avenger wurden ausnahmslos von Rootes Pressings (Scotland) (später: Chrysler Linwood) in der schottischen Kleinstadt Linwood hergestellt. Die Endmontage der Autos fand dagegen bis 1976 im 520 km entfernten Chrysler-Werk in Ryton-on-Dunsmore bei Coventry statt. Erst Ende 1976 verlegte das Management die Endmontage des Avenger nach Linwood, um in Ryton Kapazitäten für den Bau des neuen Alpine (Chrysler C6) freizumachen.[8][9]

Exporte

Um kurzfristig den steigenden Bedarf nach Kleinwagen auf dem nordamerikanischen Markt decken zu können, nahm Chrysler 1970 eine Variante des Hillmann Avenger ins US-amerikanische Portfolio auf. Der Wagen wurde unter der Konzernmarke Plymouth verkauft und erhielt die Modellbezeichnung Cricket. Anders als sonst üblich, gab es kein Pendant zum Cricket bei der Schwestermarke Dodge: Hier bediente der aus Japan importierte Mitsubishi Colt Galant unter der Bezeichnung Dodge Colt das Kleinwagensegment. Der Cricket wurde nicht in den USA produziert, sondern aus Großbritannien importiert. Ähnlich verfuhr Chryslers Konkurrent General Motors mit einigen Opel-Fahrzeugen, die in den USA zeitweise als Buick verkauft wurden. Klagen der US-amerikanischen Kunden über die Unzuverlässigkeit und Rostanfälligkeit des ohnehin ungeliebten Cricket führten nach zwei Jahren zur Einstellung dieses Modells.

In Australien und in Teilen Europas wurde der Wagen auch als Sunbeam Avenger und als Sunbeam 1250/1500 verkauft. In Südafrika baute man Motoren von Peugeot ein und verkaufte das Ergebnis als Dodge.

Rezeption

Der Avenger war ein konventionelles Auto, dessen Technik dem Durchschnitt der übrigen britischen Fahrzeuge seiner Klasse entsprach. Er hatte fortschrittlichen Elemente und blieb insbesondere hinter dem Austin Maxi, der einen vorn quer eingebauten Motor und Frontantrieb, eine Hydrolastic-Federung und eine große Heckklappe aufwies, klar zurück. Andererseits war er ein Auto, das den konservativen Erwartungen vieler Briten in jener Zeit gerecht wurde.[2]

Lizenzproduktionen

Argentinien

Weiterentwicklung des Hillman Avenger: argentinischer Volkswagen 1500

Chryslers argentinische Niederlassung Chrysler Fevre Argentina in Buenos Aires baute seit den 1960er-Jahren für den südamerikanischen Markt vor allem die Polara-Reihe, die von älteren US-amerikanischen Intermediate-Modellen der Dodge-Dart-Familie abgeleitet war. Um auch ein kleineres Modell anbieten zu können, nahm das Werk 1971 den Bau einer Variante des Hillman Avenger auf, die lokal als Dodge 1500 verkauft wurde. Anfänglich war das Auto ausschließlich mit einem 1,5-Liter-Motor erhältlich, von dem sich die Modellbezeichnung 1500 ableitet; später wurde in aufpreispflichtiger Motor mit 1,8 Liter Hubraum als Alternative ins Programm aufgenommen.

Als Volkswagen 1980 Chryslers Anteile an dem Werk in Buenos Aires übernahm, blieb der in Argentinien erfolgreiche und unter anderem bei Taxifahrern beliebte 1500 im Programm. Das Auto hieß bis 1982 Dodge 1500 und erhielt den Zusatz „made by Volkswagen Argentina“. Das letzte Facelift 1982 brachte die Umbenennung des Modells in Volkswagen 1500 unter dem Slogan „Con una garantía alemana“ (Deutsch: mit deutscher Garantie). In dieser Form blieb das Auto bis 1990 im Programm.[10]

Brasilien

Chrysler do Brasil baute von 1973 bis 1981 zwei Varianten des Avenger, die auf dem lokalen Markt als Dodge 1800 und Dodge Polara bezeichnet wurden. Die Motorisierung wich vom britischen Ausgangsmodell ab: Wie beim argentinischen Dodge 1500, waren auch in Brasilien Motoren mit 1,6 und 1,8 Litern Hubraum erhältlich. Die Autos waren nur als viertürige Limousinen erhältlich. Eine Kombiversion wurde zwar entwickelt und öffentlich vorgestellt; dem Werk fehlten aber die finanziellen Mittel für den Bau der dazugehörigen Produktionsanlagen. Die Karosserie der Limousine wurde im Laufe der Jahre eigenständig weiterentwickelt; das betraf insbesondere die vorderen und hinteren Leuchten und die Stoßstangen. Nachdem Volkswagen das brasilianische Chrysler-Werk übernommen hatte, wurde die Produktion noch einige Monate lang fortgesetzt, aber die Nachfrage brach 1981 so weit ein, dass im ersten Halbjahr nur noch etwas mehr als 1000 Autos hergestellt wurden. Im Juni 1981 beendete Volkswagen den Bau des 1800/Polara in Brasilien. Das Werk wurde in der folgenden Zeit für die Produktion von Lastwagen umgerüstet. Insgesamt entstanden 93.000 Dodge 1800/Polara.

Literatur

  • David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6
  • Geoff Carverhill: The Rootes Story Vol. 2 - The Chrysler Years, Crowood Press 2023, ISBN 978-0-7198-4179-8.
  • George Nicholas Georgano (Hrsg.): The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile. Band 1: A–F. Fitzroy Dearborn Publishers, Chicago 2001, ISBN 1-57958-293-1, S. 290 (englisch).
  • Graham Robson: The Cars of the Rootes Group, London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6
Commons: Hillman Avenger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Chrysler Avenger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Talbot Avenger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Allerdings wurde der Avenger auf einigen Exportmärkten als Sunbeam verkauft. Dahinter stand die Überlegung, dass die Marke Sunbeam wegen einiger Erfolge im Motorsport international bekannter war als Hillman.
  2. Weitere Modelle waren der Hillman Imp, der Hillman Hunter und der Humber Sceptre Mark III.

Einzelnachweise

  1. [1] Herstellerprospekt
  2. a b c Keith Adams: Hillman Avenger development story. aronline.co.uk, 1. September 2019, abgerufen am 17. Januar 2026.
  3. a b c Graham Robson: Cars of the Rootes Group, Motor Racing Publications, Croydon 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 154.
  4. Keith Adams: Labour’s bailout of Chrysler (UK) – death of a dream or vital lifeline? www.aronline.co.uk, 10. Januar 2023, abgerufen am 17. Januar 2026.
  5. Graham Robson: Cars of the Rootes Group, Motor Racing Publications, Croydon 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 144.
  6. a b Graham Robson: Cars of the Rootes Group, Motor Racing Publications, Croydon 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 155.
  7. Angaben in einem Verkaufsprospekt von 1970 (abgerufen am 17. Januar 2025).
  8. Matthew Hayward: Hillman Avenger in production. www.scotsman.com, 17. Juli 2011, abgerufen am 15. Januar 2026.
  9. Graham Robson: The Cars of the Rootes Group. London 2007, ISBN 978-1-903088-29-6, S. 145.
  10. Andy Thompson: Hillman Avenger (Dodge Polara - 1500 - 1800 - Avenger) and Tiger. In: allpar.com.