Christinas Pferdesommer
Christinas Pferdesommer (englischer Originaltitel Flambards) ist ein Jugendroman der britischen Schriftstellerin K. M. Peyton, der im Jahr 1967 beim Verlag Oxford University Press veröffentlicht wurde. Die deutsche Erstausgabe in einer Übersetzung von Hilde Bertsch erschien 1972 beim Boje Verlag.[1] Das Buch ist der erste Teil der sogenannten Flambards-Trilogie, der in den beiden weiteren Titeln Christina und der Bruchpilot (englischer Originaltitel The Edge of the Cloud, 1969) sowie Christina macht ihr Glück (englischer Originaltitel Flambards in Summer, 1969) fortgesetzt wird.
Inhalt
Das zwölfjährige Waisenkind Christina Parsons, das seine Eltern als fünfjähriges Mädchen bei einem Schiffsunfall verloren hat und danach bei mehreren Tanten untergekommen ist, erfährt im Jahr 1906 von ihrem aktuellen Vormund Tante Grace, dass sie zu Onkel Russel auf dessen heruntergewirtschaftetes Gut Flambards in Essex ziehen müsse. Sowohl Christina als auch Tante Grace vermuten, dass der Onkel hinter Christinas großem Erbe her sei, welches sie erhält, sobald sie 21 Jahre alt wird. Dies würde gelingen, wenn Christina einen von Russels beiden Söhnen heiratet.
Diese sind sehr unterschiedlich: Mark, der ältere der beiden Brüder, ist draufgängerisch, derb und hitzig. Pferde und die Jagd sind seine große Leidenschaft. William, der jüngere Bruder, hingegen hasst die Reiterei: Sein ganzes Interesse gehört den gerade aufkommenden Flugzeugen. Sein sehnlichster Wunsch ist es, Pilot zu werden und Flugzeuge zu konstruieren. Onkel Russel ist seit einem Jagdunfall auf Krücken angewiesen und leidet sehr darunter, nicht mehr reiten und jagen zu können. Seinen Frust lässt er gerne an seinen Söhnen aus, insbesondere an William. Oder er versucht, sein Schicksal mit Alkohol zu ertränken.
Als Christina auf dem Gut ankommt, erleidet William gerade einen Reitunfall, der mit einem gebrochenen Bein endet. Trotz der Warnung des Arztes, dieses nicht zu früh zu belasten, macht William genau dies, um ein hinkendes Bein zu erlangen und nie mehr reiten zu müssen.
Christina bekommt gleich nach ihrer Ankunft ein Pferd zugewiesen und lernt mithilfe des umsichtigen Reitknechts Dick rasch und immer besser zu reiten. Die Reiterei gefällt ihr sehr und schon bald darf sie zusammen mit Mark an einer Fuchsjagd teilnehmen. William verbringt seine Zeit meistens auf dem benachbarten Landgut von Mr. Dermot, der so wie William in die Fliegerei vernarrt ist und selbst Flugzeuge konstruiert. Aufgrund eines Augenleidens kann er selbst nicht fliegen und so wird William zum Testpilot für all die selbst produzierten Doppeldecker.
Als Christina 16 Jahre alt ist, unternimmt Mark mit ihrem Pferd Sweetbriar einen waghalsigen Sprung, der misslingt. Das Pferd verletzt sich dabei schwer. Onkel Russel beschließt, Sweetbriar zu töten und als Futter für den Hundebesitzer Mr. Lucas zur Verfügung zu stellen. Christina bittet Dick und William, ihr Pferd zu retten und stattdessen bei Mr. Dermot unterzubringen. Dick, der in Christina verliebt ist, willigt ein, verliert aber sofort seine Anstellung, als Mark und Onkel Russel dahinterkommen, dass Sweetbriar nie bei Mr. Lucas angekommen ist. Christina ist todunglücklich, denn auch sie hat Dick gut leiden können, ist sich aber bewusst, dass sie sich aufgrund des Klassenunterschieds niemals in einen Reitknecht verlieben dürfe.
Christina ist mittlerweile 17 Jahre alt und wird von William eingeladen, sie auf den Jagdball zu begleiten. Sie weiß, dass Mark wütend sein wird, wenn nicht er ihre Begleitung ist. Dennoch willigt sie in Williams Einladung ein. Er holt sie am Abend des Balls im Rolls-Royce von Mr. Dermot ab. Die beiden bemerken beim Tanz, dass sie einander lieben und sie beschließen kurzerhand, noch in derselben Nacht Flambards den Rücken zu kehren und mit dem Auto durchzubrennen. Ihr Ziel ist Tante Grace in London.
Anmerkungen
Peyton hatte nicht vor, Christinas Pferdesommer als Kinderbuch zu schreiben. Sie verfasste es als ersten Teil einer Reihe romantischer Romane. Aber da die Protagonistin Christina zu Beginn des Buches 12 Jahre alt ist, wurde der Roman vom Verlag als Kinderbuch veröffentlicht.[2]
Rezeption
Kate Agnew schreibt in ihrer Buchrezension: „Christinas Pferdesommer zeichnet ein fesselndes Bild von den Umbrüchen in England vor dem Ersten Weltkrieg, als die alte Ordnung und hierarchische Klassenstrukturen von neuer Technik und dem Leistungsgedanken abgelöst wurden.“[1]
Auszeichnungen
Die Flambards-Trilogie wurde 1970 mit dem Guardian Children’s Fiction Prize ausgezeichnet.[3]
Referenzen
Christinas Pferdesommer ist in dem literarischen Nachschlagewerk 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! für die Altersstufe 12+ Jahre enthalten.[1]
Ausgaben
- Flambards. Oxford University Press, London 1967 (englisch).
- Christinas Pferdesommer. Boje Verlag, Stuttgart 1972, ISBN 3-414-11690-1.
Adaptionen
Die gesamte Trilogie wurde 1978 als dreizehnteilige TV-Serie unter dem Titel Flambards verfilmt.[2]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Julia Eccleshare (Hrsg.): 1001 Kinder- und Jugendbücher – Lies uns, bevor Du erwachsen bist! 1. Auflage. Edition Olms, Zürich 2010, ISBN 978-3-283-01119-2 (960 S., librarything.com).
- ↑ a b Flambards. Archiviert vom am 12. Juli 2025; abgerufen am 22. September 2025 (englisch).
- ↑ Learn Guardian Children's Fiction Prize facts for kids. Abgerufen am 22. September 2025 (englisch).