Christina Block
Christina Block (* 4. Mai 1973 in Hamburg)[1] ist eine deutsche Gastronomin und Unternehmerin. Die Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block wurde durch einen öffentlich ausgetragenen Sorgerechtsstreit bekannt.
Leben und Karriere
Christina Block ist die Tochter von Eugen Block und dessen Frau Christa geb. Hauschild (1941–2023). Nach dem Abitur 1992 an der Sophie-Barat-Schule in Hamburg absolvierte Block eine Ausbildung zur Hotelfachfrau am Bayerischen Hof in München. Sie setzte ihre Gastronomieausbildung von 1995 bis 1999 mit Stationen in Paris, Atlanta und Peking fort. Von 1999 bis 2000 studierte Block Business Administration an der Edinburgh Business School. Am Alten Fischmarkt in Hamburg eröffnete sie 2001 „Prima Pane“, ein Geschäft für Ciabatte, Baguettes und Wraps. 2003 kam eine zweite Filiale hinzu. 2012 gab sie „Prima Pane“ zugunsten ihres Engagements im Familienunternehmen auf.[2] Seit 2011 ist sie gemeinsam mit ihren zwei Brüdern Gesellschafterin der Eugen Block Holding, die sich auf die Bereiche Systemgastronomie, Hotellerie und Lebensmittelproduktion spezialisiert hat.[3] 2019 holte der CDU-Spitzenkandidat Marcus Weinberg sie als Wirtschaftsexpertin in sein Kompetenzteam für den Wahlkampf der Bürgerschaftswahl in Hamburg 2020.[4][5] Seit 2016 ist sie Mitglied des Beirats des Hotelverbands Deutschland (IHA)[6] und seit 2020 stellvertretende Vorsitzende des Tourismusverbandes Hamburg e. V.[7][8][9] Zudem ist sie Mitglied des Bundesvorstands und des Hamburger Landesvorstands des Wirtschaftsrats der CDU.[10]
Seit 2021 ist Christina Block in einer Beziehung mit dem ehemaligen Fernsehmoderator Gerhard Delling.[11]
Sorgerechtsstreit und Kindesentführung
Von 2005 bis 2018 war sie mit dem gelernten Bankkaufmann und späteren Unternehmensberater Stephan Hensel verheiratet.[12] Das Paar lebt seit 2014 getrennt und hat vier Kinder. Hensel wohnte seit der Trennung im dänischen Gråsten. Die älteste Tochter zog nach ihrem 18. Geburtstag im Streit mit der Mutter 2021 zum Vater,[13] die zweitälteste Tochter lebt bei der Mutter. Zu den beiden jüngsten Kindern gab es Auseinandersetzungen wegen des Sorgerechts.[14] Nach einem Besuch im August 2021 brachte der Vater die beiden Kinder nicht zur Mutter nach Deutschland zurück.
In der folgenden Auseinandersetzung vor Gericht in Hamburg wurde ihm das Wohnortbestimmungsrecht zugesprochen, wogegen Block Widerspruch beim Oberlandesgericht einlegte und im Oktober 2021 vorläufig das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen bekam. Zeitgleich wurde die Herausgabe der Kinder beschlossen. Dieser Beschluss wurde allerdings nicht umgesetzt, da dänische Gerichte die Vollstreckung der deutschen Entscheidung gegen den nachdrücklich erklärten Willen der Kinder für unzulässig erachteten. Dänemark erkennt als einziges EU-Land Gerichtsentscheidungen anderer Mitgliedstaaten in Sorgerechtsstreitigkeiten nicht automatisch an, sondern behält sich eine eigene gerichtliche Überprüfung vor.[15]
Block stellte 2022 in Dänemark einen Antrag auf Rückführung der gemeinsamen Kinder nach dem dänischen Kindesentführungsgesetz. Daraufhin stellte im Februar 2023 ein Gericht fest, dass die Kinder nicht gegen ihren Willen zurückgeführt werden könnten, unabhängig von der Frage ihrer (ggf.) widerrechtlichen Verbringung nach Dänemark.[15] Unstrittig ist, dass beide Kinder gegenüber verschiedenen Fachbeteiligten sowohl vor deutschen Gerichten als auch im Rahmen der Anhörungen in Dänemark konstant geäußert haben, beim Vater in Dänemark leben zu wollen.[16]
In der Silvesternacht 2023 wurde Stephan Hensel in Dänemark, wo sich die damals 10 und 13 Jahre alten Kinder in seiner Obhut befanden, von mehreren maskierten Tätern angegriffen. Die sechs Männer fuhren mit dem Jungen und dem Mädchen nach Süddeutschland, um sie an Christina Block zu übergeben.[17][18] Blocks Anwalt bestreitet eine Tatbeteiligung seiner Mandantin, diese habe „zu keinem Zeitpunkt dritten Personen einen Auftrag erteilt, ihre Kinder mit Gewalt aus Dänemark nach Hamburg zu verbringen“.[19] Gegen sie wurde am 4. Januar 2024 seitens der dänischen Strafverfolgungsbehörden ein europäischer Haftbefehl erlassen. Am 5. Januar entschied das Oberlandesgericht Hamburg in einer Eilentscheidung zugunsten des Vaters und verpflichtete Block, die Kinder an ihn zu übergeben. Noch am selben Tag brachten Anwälte diese nach Dänemark zurück.[20] Einige Monate nach der Rückführung der Kinder nach Dänemark hob die dänische Justiz den Haftbefehl gegen Frau Block wieder auf.[21]
Im Februar 2024 beschloss das Oberlandesgericht Hamburg in letzter Instanz, dass deutsche Gerichte im Sorgerechtsstreit nicht mehr zuständig seien, weil die Kinder ihren „inzwischen verfestigten Lebensmittelpunkt“ in Dänemark hätten.[22] Im August 2024 legte Block Verfassungsbeschwerde wegen Verletzung rechtlichen Gehörs im Sorgerechtsverfahren ein.[23] Das Bundesverfassungsgericht nahm die Beschwerde mit Beschluss vom 9. April 2025 nicht zur Entscheidung an.[24][25][26] Im Mai 2025 sprach ein dänisches Gericht Hensel das alleinige Sorgerecht für beide Kinder zu und entzog der Mutter auch das Umgangsrecht.[27] Dieses Urteil wurde im November 2025 in letzter Instanz von einem Berufungsgericht in Viborg bestätigt.[28][29][30]
Die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg erhob im April 2025 Anklage beim Landgericht Hamburg gegen Block und Delling und fünf weitere Personen wegen schwerer Entziehung Minderjähriger, gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung sowie schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen.[31] Am 11. Juli 2025 wurde die auf 37 Tage anberaumte Hauptverhandlung eröffnet. Blocks Anwälte behaupteten anfangs, Christina Blocks inzwischen verstorbene Mutter Christa habe die Entziehung der Kinder in Auftrag gegeben. Christina Block und ihr Partner Delling hätten nichts gewusst und seien unschuldig.[32] Während des Prozesses distanzierte sich Block von der Verdächtigung ihrer verstorbenen Mutter.[33] Der Prozess wird von zahlreichen Medien intensiv verfolgt[13] und brachte eine Reihe von Verwicklungen in internationalen Geheimdienstkreisen zu Tage.[34][35]
Im November wurde bekannt, dass der „Chef“ des mindestens achtköpfigen Entführungstrupps, David Barkay, bei der Hamburger Staatsanwaltschaft ausgesagt hat. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, soll er dabei Christina Block schwer belastet haben.[36][37][38][39][40]
Veröffentlichungen
- Verantwortung und Ehrlichkeit. In: Christian Bochmann, Friederike Driftmann (Hrsg.): Generation Verantwortung: Wenn Eigentum verpflichtet. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2021, ISBN 978-3-451-38873-6, S. 133–146.
Einzelnachweise
- ↑ Steckbrief: Christina Block. In: Hamburger Abendblatt – Hamburg. 31. März 2009, abgerufen am 2. Januar 2024.
- ↑ Kinder von Gerhard Dellings Partnerin entführt: Wer ist Christina Block? In: t-online. 11. November 2022, abgerufen am 2. Januar 2024.
- ↑ #UpdateBar: Familienunternehmen - Zu Gast: Christina Block. In: ROTONDA. Abgerufen am 2. Januar 2024.
- ↑ Bürgerschaftswahl 2020: Unternehmerin Christina Block unterstützt CDU. In: Die Welt. 18. April 2019, abgerufen am 3. Januar 2024.
- ↑ Markus Stolz: „Wir sind ja als Unternehmer und Selbstständige auch immer für unsere Umwelt verantwortlich.“ politik.metroag.de, 2. Oktober 2019, abgerufen am 3. Januar 2024.
- ↑ IHA-Mitgliederversammlung sendet starke Signale der Geschlossenheit – Otto Lindner einstimmig als Vorsitzender im Amt bestätigt. hotellerie.de, 14. Dezember 2020, abgerufen am 20. August 2024.
- ↑ Unser Vorstand. Tourismusverband Hamburg, abgerufen am 4. Januar 2024.
- ↑ Hamburg: Tourismus und Sport loten gemeinsame Strategie aus. In: NDR. Abgerufen am 4. Januar 2024.
- ↑ Kai Wehl: Wahlen im Tourismusverband. In: Alstertalplus. 11. Oktober 2022, abgerufen am 4. Januar 2024.
- ↑ Kai Hankeln in das Präsidium des Wirtschaftsrates gewählt - Christina Block neu im Bundesvorstand des Unternehmerverbandes. In: wirtschaftsrat.de. 24. November 2021, abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ Europäischer Haftbefehl gegen Christina Block. In: n-tv.de. 3. Januar 2024, abgerufen am 5. Januar 2024.
- ↑ Sabine Minkwitz: Märchenhochzeit bei Blocks. 22. August 2005, abgerufen am 6. Januar 2024.
- ↑ a b Christina Block vor Gericht: Absturz einer Vorzeigefamilie. 27. September 2025, archiviert vom am 3. November 2025; abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Wurden die Kinder entführt? Christina Block und ihr Ex haben zwei Versionen einer Schlammschlacht. In: t-online. 26. Januar 2023, abgerufen am 2. Januar 2024.
- ↑ a b Steven Sowa: Besonders ein Strippenzieher gerät ins Visier. In: T-Online. 15. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025.
- ↑ Erfolglose Verfassungsbeschwerde in einem grenzüberschreitenden Sorgerechtsfall. Archiviert vom am 13. Mai 2025; abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/block-entfuehrung-was-ueber-ablauf-bekannt-ist,block-140.html
- ↑ Entführung? Kinder von "Block House"-Erbin sind bei ihrer Mutter. In: NDR.de. 2. Januar 2024, abgerufen am 5. Januar 2024.
- ↑ Julian Staib: Christina Block streitet Entführung von Kindern ab. In: FAZ.net, 7. Januar 2024.
- ↑ Anne Kunze: Sorgerechtsstreit: Kinder von Christina Block sind auf dem Weg nach Dänemark. In: Die Zeit. 5. Januar 2024, abgerufen am 5. Januar 2024.
- ↑ Jona Spreter: Europäischer Haftbefehl gegen Christina Block soll aufgehoben sein. In: Die Zeit. 6. März 2024, abgerufen am 28. August 2025.
- ↑ David Rech: Deutsche Gerichte in Block-Sorgerechtsstreit nicht mehr zuständig. In: Die Zeit. 20. Februar 2024, abgerufen am 28. August 2025.
- ↑ David Rech, dpa: Sorgerechtsstreit: Christina Block legt Verfassungsbeschwerde ein. In: Die Zeit. 19. August 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 19. August 2024]).
- ↑ Christina Block: Verfassungsbeschwerde im Sorgerechtsstreit abgewiesen. Leipziger Volkszeitung, 15. Mai 2025, abgerufen am 14. Mai 2025.
- ↑ Erfolglose Verfassungsbeschwerde in einem grenzüberschreitenden Sorgerechtsfall. Bundesverfassungsgericht, 13. Mai 2025, abgerufen am 15. Mai 2025.
- ↑ Henrike von Scheliha: Der Fall Block - Die Grenzen elterlicher Sorge. 25. Juli 2025, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Christina Block verliert Sorgerecht für ihre Kinder. (ZDF). 6. Mai 2025, abgerufen am 7. Mai 2025.
- ↑ Dänisches Gericht entscheidet: Christina Block darf ihre Kinder nicht mehr sehen. (Focus Online). 3. November 2025, abgerufen am 3. November 2025.
- ↑ FUNKE Mediengruppe: Block-Drama: Mutter verliert Sorgerecht endgültig – „Ich bin erschüttert“. 3. November 2025, archiviert vom am 3. November 2025; abgerufen am 3. November 2025.
- ↑ Dänisches Gericht entscheidet: Christina Block darf ihre Kinder nicht mehr sehen. 3. November 2025, archiviert vom am 3. November 2025; abgerufen am 3. November 2025.
- ↑ Verdacht der Kindesentführung: Anklage gegen Steakhaus-Erbin Christina Block und Moderator Gerhard Delling, Legal Tribune Online vom 25. April 2025.
- ↑ Lucie Wittenberg: Ein ungleiches Team: Wer sind die Anwälte von Christina Block? In: Redaktionsnetzwerk Deutschland. 14. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025.
- ↑ Vorwurf der Kindesentführung: Block wehrt sich. In: ZDF, 15. August 2025.
- ↑ Block-Entführung: Top-Agent Mauss enthüllt mutmaßliche Hintermänner. In: bild.de. 28. August 2025, abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Sven Becker, Julia Kanning, Christopher Piltz: (S+) Fall Christina Block: Der Ex-Agent und seine Kampfsportfreunde. In: Der Spiegel. 12. September 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 28. September 2025]).
- ↑ Kidnapper-Chef will von Christina Block 220.000 Euro kassiert haben. 24. November 2025, abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ ndr.de: Medienberichte: Mutmaßlicher Drahtzieher soll in Aussage Christina Block schwer belastet haben. Abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Podcast: Medienberichte: Spektakuläre Entwicklung im Block-Prozess. Abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Richterin droht Christina Block mit Haftbefehl. (focus.de [abgerufen am 25. November 2025]).
- ↑ Hauptverdächtiger im Fall Block hofft offenbar auf Bewährungsstrafe. In: Der Spiegel. 27. November 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 9. Dezember 2025]).