Elsa Bloch-von Stritzky
Elsa Sophie Antonie Bloch-von Stritzky (* 17. Augustjul. / 29. August 1883greg. in Riga, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich; † 2. Januar 1921 in München) war eine deutsche Bildhauerin und die erste Ehefrau des Philosophen Ernst Bloch.
Leben
Jugend
Elsa Stritzky stammte aus vermögenden deutsch-baltischen Unternehmerfamilien.[1][2] Ihr Vater Christian Stritzky war Brauereibesitzer in Riga und 1913 der viertgrößten in Russland, ihre Mutter Anna Clara war eine Tochter des Spirituosenfabrikanten Albert Wolfschmidt in Riga, von dem bis in die Gegenwart zwei Markennamen bestehen. Sie war die zweitjüngste von zehn Geschwistern. 1900 fiel Elsa bei ihrer Konfirmation in Ohnmacht.[3] Danach besuchte sie für ein Jahr ein Internat für höhere Töchter in Neuchâtel in der Schweiz, um Französisch zu lernen. 1905 zog sie nach dem Beginn der Unruhen in Riga mit einigen Familienmitgliedern nach Berlin und begann eine Ausbildung zur Bildhauerin an der Akademie der Bildenden Künste, das sie 1910 in München fortsetzte.[4][5] Sie spielte auch Klavier und malte.
Ehe mit Ernst Bloch
Im Mai 1911 lernte sie den zwei Jahre jüngeren Philosophie-Privatgelehrten Ernst Bloch in Baierbrunn kennen und verliebte sich in ihn.[6] Er sah diese Beziehung etwas nüchterner, schätzte aber ihre Zuneigung und ihr intellektuelles Verständnis für seine Ideen, sowie ihr Vermögen.[7] Sie unterstützte ihn auch finanziell. In dieser Zeit hatte sie eine Gebärmutteroperation. 1913 heirateten beide in Garmisch-Partenkirchen. Ihre Familie stand dieser Ehe allerdings ablehnend gegenüber, da er dem Marxismus nahestand und nicht vermögend war. 1914 zogen beide in ein Schloss in Grünwald im Isartal, wo sie in gehobenen materiellen Bedingungen lebten.
Elsa Bloch wirkte mit ihrer tiefen Religiosität inspirierend auf ihren Ehemann und veranlasste ihn, sich intensiver mit transzendenten Themen zu beschäftigen.[8] Sein erstes wichtiges Werk Utopie des Geistes (1918) war maßgeblich von ihren Anregungen beeinflusst und wurde ihr gewidmet.[9] Sie verehrte ihn weiterhin und ordnete sich ihm unter, während er sie in seinen Briefen kaum erwähnte und über ihr Leben außerhalb von Alltagsereignissen nie berichtete.[10] Nach dem finanziellen Zusammenbruch ihrer Familie in Russland verschlechterten sich die materiellen Bedingungen der beiden erheblich.
1917 zogen Ernst und Elsa Bloch nach Lugano in der Schweiz, wo er mehrere Aufsätze verfassen sollte. Sie lebten dort unter schwierigen äußeren Bedingungen, zeitweise in einer unbeheizten Wohnung. Sie war in dieser Zeit auch bildhauerisch tätig. 1919 kehrten sie nach München zurück, dort musste sich Elsa mehreren Operationen unterziehen. Sie starb Anfang 1921 im Alter von 37 Jahren und wurde auf einem Münchner Friedhof begraben.
Nachwirken
Ernst Bloch litt sehr unter ihrem Tod und begann sie in seinem Tagebuch zu verklären.
„Ihr Bild und Wesen wächst immer leuchtender empor – gänzlich verklärt, die heilige Frau, und bei aller tiefsten Verehrung ganz ohne Scheu, da sie doch mein Inwendigstes und auch mein geliebtestes, vertrautestes Mädchen ist, meine Freundin, mein festlicher Alltag.“[11]
Auch seine Ansichten zum Tod wurden dadurch beeinflusst. Etwa 1949 erklärte er Studentinnen in Ost-Berlin, diese Ehe sei das bedeutendste Ereignis in seinem Leben gewesen und Elsa würde im Jenseits auf ihn warten.[12]
Von Elsa Bloch-von Stritzky sind zwei Briefe und einige Fotografien erhalten.[13] Zu ihrem künstlerischen Werk sind aber keine Angaben feststellbar.
Literatur
- Ulrich Holbein: Heilige Närrinnen. 22+4 Lebensbilder. Wiesbaden 2012. S. 73–80, mit ausführlichen biographischen Angaben
- Martin Korol: Dada, Präexil und Die Freie Zeitung. Bremen 2001. S. 198–204, 625 und öfter (PDF), mit detaillierten biographischen Angaben
- Arno Münster: Ernst Bloch. Eine politische Biographie. Hamburg 2005. S. 59–68, und öfter
- Ernst Bloch: Gedenkbuch für Else Bloch-von Stritzky. In: ders. Tendenz Latenz Utopie. 1978. S. 11–50
- übersetzt Mémorial pour Else Bloch-von Stritzky. Paris 2011 (Auszüge)
Weblinks
- Elsa Antonie Sophie Antonie Bloch
- Elsa Bloch-von Stritzky. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
Einzelnachweise
- ↑ Elsa Bloch Genealogy
- ↑ Christian Stritzky Baltisches Biographische Lexikon digital (BBLd)
- ↑ Holbein, 2012, S. 73ff., mit detaillierten biographischen Angaben
- ↑ Korol, 2001, S. 199, mit einigen biographischen Angaben
- ↑ Münster, 2005, S. 59, mit einigen biographischen Angaben (auf den folgenden Seiten wird allerdings die Beziehung der beiden Eheleute idealisiert (nach den posthumen Aussagen im Gedenkbuch) und die gegenteiligen Zeugnisse aus der vorherigen Zeit zu wenig berücksichtigt)
- ↑ Hartmut Geerken, Diese eine Bewegung, 2022, S. 341; mit Zitaten von Korol und Ernst Bloch; sie war zu Besuch bei ihrer Schwester in Baierbrunn, die beiden trafen sich im Gasthaus zum ersten Mal
- ↑ Holbein, 2012, S. 78f., mit Originalzitaten; 77, Korol, 2001, S. 199f., mit Originalzitaten; Münster S. 59ff.
- ↑ Münster, 2004, S. 76, erwähnte sein erwachendes Interesse an den Mystikern Jacob Böhme und Heinrich Seuse
- ↑ Detlef Horster, Konsequente Fortsetzung, in Spiegel, 34/1977, vom 14. August 1977 (Text); Autor von Bloch zur Einführung, 1978, Neuauflage 2004
- ↑ Holbein, S. 74f.
- ↑ Ernst Bloch, Gedenkbuch für Else Bloch-von Stritzky, in Tendenz Latenz Utopie, 1978, S. 13 (von 1921), zitiert in Korol, 2001, S. 202; und Holbein, 2012, S. 79
- ↑ Holbein, 2012, S. 77
- ↑ Korol, 2001, S. 198, 204