Chinesisch-indonesische Beziehungen

Chinesisch-indonesische Beziehungen
China Volksrepublik Indonesien
Volksrepublik China Indonesien

Die Chinesisch-indonesischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und Indonesien. Beide Staaten nahmen 1950 erstmals diplomatische Beziehungen auf, die über die Jahrzehnte von Phasen enger Kooperation und tiefem Frost geprägt waren. Heute zählen beide Länder zu bedeutenden strategischen Partnern mit intensiven Handelsbeziehungen und vielfältigen politischen sowie kulturellen Verflechtungen. Im historischen Verlauf lassen sich von frühen Handelskontakten über die koloniale und Kalte-Kriegs-Ära bis zur modernen strategischen Partnerschaft mehrere Abschnitte unterscheiden, in denen sich die bilateralen Beziehungen teils drastisch wandelten.

Geschichte

Frühzeit und mittelalterliche Handelskontakte

Chinesische Quellen berichten von regem Seehandel ab mindestens dem 7. Jahrhundert, wobei der malaiische Archipel dank seiner Lage ein wichtiger Knotenpunkt der maritimen Seidenstraße war. Bereits 1293 versuchten mongolisch-chinesische Truppen unter Kublai Khan, der Kaiser von China war, Südostasien zu unterwerfen, was in der Invasion Javas gipfelte. Diese konnte zwar keine stabile chinesische Herrschaft erreichen, beschleunigte jedoch den Niedergang der klassischen Königreiche wie z. B. Singhasari und führte zum Aufstieg des Majapahit-Reiches.[1] Im 15. Jahrhundert verstärkten die Flotten des chinesischen Admirals Zheng He die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen. Der Seefahrer lief auf mehreren Expeditionen Häfen im heutigen Indonesien an. Zeitgenössische Berichte belegen, dass indonesische Königreiche während der Ming-Dynastie über 50 Mal Gesandte mit Tributgeschenken nach China entsandten. Zugleich ließen sich chinesische Händler und Siedler in den Häfen Javas und Sumatras nieder, was früh zu kulturellen und sozialen Verflechtungen führte.[2] Teilweise sorgte die starke wirtschaftliche Präsenz der Chinesen jedoch auch für Konflikte, wie beim Massaker von Batavia (1740), bei dem ein großer Teil der Chinesen in Batavia von einheimischen Milizen und niederländischen Kolonialtruppen massakriert wurde.

Beziehungen in der Kolonial- und Nachkriegszeit

In der Neuzeit spielten die ethnisch-chinesischen Gemeinden weiterhin eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der niederländischen Kolonie Indonesien, blieben jedoch politisch marginalisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte Indonesien 1949 die Unabhängigkeit, und 1950 nahm es als einer der ersten Staaten offizielle Beziehungen zur neu gegründeten Volksrepublik China auf. Unter Präsident Sukarno pflegten beide Länder zunächst enge Kontakte, geprägt vom gemeinsamen Antiimperialismus der Blockfreien-Bewegung (etwa auf der Bandung-Konferenz 1955). Auch unterstützte die Volksrepublik als eines der wenigen Länder die Konfrontasi-Politik Indonesiens gegen seine Nachbarn.[3] In dieser Zeit entstand eine Achse aus den Staaten Nordvietnam, Mongolei, Volksrepublik China, Nordkorea und Indonesien, die enge Kontakte untereinander pflegten. Im Januar 1965 zog Sukarno sogar Indonesien aus den Vereinten Nationen zurück, nachdem er diese als „vom Imperialismus dominiert“ bezeichnet hatte, und plante gemeinsam mit der maoistischen Volksrepublik (die damals noch kein UN-Mitglied war) eine Gegenorganisation aufzubauen.[4]

Die Beziehungen verschlechterten sich jedoch drastisch nach dem gescheiterten kommunistischen Putschversuch vom 30. September 1965 in Jakarta: Die anschließende anti-kommunistische „Neue Ordnung“ unter Präsident Suharto verdächtigte China der Einmischung. Er brach 1967 die diplomatischen Kontakte ab und lehnte sich geopolitisch eng an den Westen an.[3] Angehörige der mit der KP Chinas verbundenen Kommunistische Partei Indonesiens wurden zu Hunderttausenden massakriert. Mehr als zwei Jahrzehnte blieben die Beziehungen offiziell suspendiert, begleitet von Diskriminierungen der chinesischstämmigen Minderheit in Indonesien. 1967 erließ Suharto Verordnungen, die chinesische Literatur, Kultur und Schriftzeichen verboten und die Chinesen in Indonesien dazu drängten, ihre chinesische Namen aufzugeben.[5]

Beziehungen seit der Reformära in China (ab 1978)

Nach der Aufnahme der Volksrepublik in die UN (1971) und dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik (1978) kam es in den 1980er Jahren zu einer langsamen Wiederannäherung beider Staaten. 1989/90 einigten sich beide Seiten auf die Wiederaufnahme voller diplomatischer Beziehungen, die am 8. August 1990 offiziell besiegelt wurde. Mit der Asienkrise kam es jedoch erneut zu Pogromen gegen die chinesische Minderheit Indonesiens. Erst nach dem Sturz Suhartos 1998 verbesserten sich die bilateralen Beziehungen deutlich. Diskriminierende Gesetze gegen die chinesische Minderheit in Indonesien wurden aufgehoben und die chinesische Unterstützung nach dem verheerenden Tsunami 2004 im Indischen Ozean verbesserte das Ansehen der Volksrepublik in Indonesien deutlich. Indonesien und China schlossen 2005 eine strategische Partnerschaft und erhoben diese im Oktober 2013 zu einer umfassenden strategischen Partnerschaft.[3][6] Seither intensivieren beide Staaten die Zusammenarbeit in Politik, Wirtschaft und Sicherheit kontinuierlich. Staatsbesuche auf höchster Ebene – etwa die Ankündigung der chinesischen „Maritimen Seidenstraßen“-Initiative durch Xi Jinping vor dem indonesischen Parlament 2013 – unterstreichen die neue Qualität der Beziehungen.[7]

Wirtschaftsbeziehungen

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und Indonesien haben in den letzten Jahrzehnten rasant an Bedeutung gewonnen. China ist heute der größte Handelspartner Indonesiens und hat Japan überholt. Das bilaterale Handelsvolumen stieg von rund 1,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 1990 auf über 50 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012.[8][6] Bis 2024 stieg das Handelsvolumen weiter auf über 135 Milliarden US-Dollar.[9] Seit Inkrafttreten der ASEAN-China-Freihandelszone 2010 und Chinas „Belt and Road“-Initiative (BRI) haben Handel und Investitionen einen weiteren Schub erhalten. China liefert vor allem Industrieerzeugnisse und investiert stark in Infrastrukturprojekte, während Indonesien Rohstoffe und Zwischengüter exportiert. Inzwischen zählt China auch zu den größten ausländischen Investoren in Indonesien und finanziert zahlreiche strategische Entwicklungsprojekte – so etwa die Schnellbahnstrecke Jakarta–Bandung, ein Prestigeprojekt der BRI, oder Kohlekraftwerke und weitere Bergbauprojekte. Einige Projekte sind im Inland allerdings auch umstritten, da Verzögerungen und Kostensteigerungen für Kritik sorgten. Generell profitiert Indonesien von chinesischem Kapital und Technologie, verzeichnet aber ein deutliches Handelsdefizit und steht der Abhängigkeit von chinesischen Importen teils skeptisch gegenüber.[10]

Politische und kulturelle Verflechtungen

Politisch betonen beide Staaten ihre strategische Unabhängigkeit und lehnen äußere Einmischung ab, ein Grundsatz, den Indonesien als bebas aktif (unabhängig-aktive Außenpolitik)[11] und China als Souveränitätsprinzip bezeichnen. Auf internationaler Bühne arbeiten Jakarta und Peking häufig zusammen, um gemeinsame Interessen der Entwicklungsländer zu vertreten. Beide Länder sind G20-Mitglieder und stimmen in Foren wie den Vereinten Nationen oder der Bewegung der Blockfreien oft in Fragen der globalen Wirtschaftsordnung und Souveränität überein.[12] 2025 trat Indonesien zudem den BRICS (wo China Gründungsmitglied ist) bei, um eine „gerechtere Weltordnung“ anzustreben.[13] Zugleich bestehen sicherheitspolitische Differenzen: Indonesien, das nicht zu den Streitparteien im Südchinesischen Meer zählt, lehnt Chinas Ansprüche in angrenzenden Gewässern entschieden ab. Wiederholte Zwischenfälle mit chinesischen Schiffen in der exklusiven Wirtschaftszone um die Natuna-Inseln haben Misstrauen in der indonesischen Öffentlichkeit ausgelöst. Dennoch wird der Dialog ausgebaut – 2023 starteten beide Länder erstmals einen „2+2“-Dialog ihrer Außen- und Verteidigungsminister, um Sicherheitskooperation und Vertrauensbildung zu stärken.[12]

Kulturell sind China und Indonesien historisch eng verflochten. In Indonesien lebt eine der größten chinesischen Diaspora-Gemeinschaften weltweit mit mehreren Millionen Angehörigen, deren Wurzeln teils bis in die vorkoloniale Zeit zurückreichen. Diese Gemeinschaft hat als Brücke zwischen beiden Ländern gedient und die wirtschaftlichen Beziehungen gefördert, war aufgrund ihrer dominanten wirtschaftlichen Rolle aber auch Objekt von Vorurteilen und Schikane, etwa während der Suharto-Ära, als chinesische Sprache und Bräuche zeitweise verboten waren.[3] Seit der Demokratisierung Indonesiens ab 1998 erleben chinesische Kultur und Sprache eine Renaissance im Land, was den bilateralen Kulturaustausch belebt. So besuchen zunehmend chinesische Touristen indonesische Ziele wie Bali, während gleichzeitig mehr indonesische Studenten in China studieren.

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Einzelnachweise

  1. Anthony Reid, Kristine Alilunas-Rodgers: Sojourners and Settlers: Histories of Southeast Asia and the Chinese. University of Hawaii Press, 2001, ISBN 978-0-8248-2446-4 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
  2. Past and present of Maritime Silk Road key to China-Indonesia ties and international trade - Global Times. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  3. a b c d Indonesia-China Relations: To Be Handled With Care
  4. Natashya Gutierrez: What happened when Indonesia ‘withdrew’ from the United Nations. In: RAPPLER. 22. August 2016, abgerufen am 13. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  5. Jemma Purdey: Anti-Chinese Violence in Indonesia, 1996–1999. University of Hawaii Press, 2006, ISBN 978-0-8248-3057-1 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
  6. a b antaranews.com: Indonesia, China forge comprehensive strategic partnership in various field. 7. Oktober 2013, abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
  7. TheoryChina - 2013 - Working Together to Build a 21st-Century Maritime Silk Road. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  8. President Jiang Promises Financial Help for Indonesia. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  9. How China views its economic relations with Indonesia | Lowy Institute. Abgerufen am 13. Januar 2026 (englisch).
  10. Indonesia’s wary embrace of China | Merics. 18. August 2022, abgerufen am 13. Januar 2026.
  11. USINDO: A Contemporary Analysis of "Bebas dan Aktif" in Indonesian Foreign Policy. In: USINDO. 4. Februar 2016, abgerufen am 13. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  12. a b Celebration of the 75th Anniversary of the Establishment of Diplomatic Relations between China and Indonesia and the 70th Anniversary of the Bandung Conference Held in Beijing_Ministry of Foreign Affairs of the People's Republic of China. Abgerufen am 13. Januar 2026.
  13. BRICS-Beitritt: Indonesien strebt „gerechtere Weltordnung“ an. 7. Januar 2025, abgerufen am 13. Januar 2026.