Chikyū

Die Chikyū ist ein unter der Flagge von Japan fahrendes, zu Forschungszwecken eingesetztes Bohrschiff. Betreiber ist das Center of Deep Earth Exploration (CDEX) in Zusammenarbeit mit Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC). Die Chikyū (57.000 Tonnen), deren Name „Erde“ bedeutet, wurde im Juli 2005 fertiggestellt; ihre Baukosten beliefen sich auf 515 Mio. US-Dollar.[1]

Technik und Ausstattung

Der Antrieb erfolgt dieselelektrisch durch sechs Elektromotoren mit jeweils 4.200 kW Leistung angetriebenen Propellergondeln mit Festpropeller.[2] Drei Propellergondeln befinden sich am Heck des Schiffes, drei weitere im Bugbereich. Alle sechs Antriebe sind um 360° drehbar. Zusätzlich steht eine ebenfalls elektrisch angetriebene Querstrahlsteueranlage mit 2.550 kW Leistung zur Verfügung.

Für die Stromerzeugung stehen sechs von Mitsui-Dieselmotoren (Typ: 12ADD30V) mit jeweils 5.270 kW Leistung angetriebene Generatoren mit 6.250 kVA Scheinleistung sowie zwei von Mitsui-Dieselmotoren (Typ: 6ADD30V) mit jeweils 2.640 kW Leistung angetriebene Hilfsgeneratoren mit 3.125 kVA Scheinleistung zur Verfügung. Der Notgenerator wird von einem Mitsubishi-Dieselmotor mit 600 kW angetrieben und verfügt über 700 kVA Scheinleistung.[2]

Im vorderen Bereich des Schiffes befindet sich eine Hubschrauberplattform. Markant ist auch der 130 m hohe, voluminöse Bohrturm, der der Manipulation von Bohr- und Hüllrohren und mitunter auch dem Bohrantrieb dient.

Mittels eines Systems zur dynamischen Positionierung (DP) kann die Chikyū auch unter widrigen Umweltbedingungen – gegen Wind, Wellengang und Meeresströmung – ihre Position halten.

In der Mitte des Rumpfs befindet sich ein Schacht, durch den Bohrgestänge, Hüllrohre, Steigrohr, Blow Out Preventer abgelassen werden.

Der Rumpf des Schiffes ist eisverstärkt (Eisklasse IB).

Die Chikyū hat eine Reichweite von über 14.800 Seemeilen. An Bord des Schiffes können bis zu 200 Personen untergebracht werden.[2]

Ziele der Forschung

Über ein mehrstufiges Bohrverfahren, zuletzt unter Einsatz von Bohrschlamm, der über ein Steigrohr wieder bis zum Schiff hochgeführt und nach Abscheiden von Bohrgut recycliert wird, soll es gelingen, 7.000 m tief in den Meeresboden einzudringen, um damit die vergleichsweise dünne ozeanische Erdkruste zu durchdringen.[3]

Bohrkerne werden gewonnen, in 1,5 m lange Stücke geteilt und längs aufgeschnitten. Optische, magnetische und chemische Untersuchungen werden durchgeführt, materielle Probenstücke entnommen und die Bohrkerne gekühlt gelagert.

Ein Ziel der Forschung unter internationaler Beteiligung von Geologen, Geochemiker, Geophysiker und Geopaläontologen ist eine präzise Erdbebenvoraussage, die bis dato nicht möglich ist.[4] Nebst der Untersuchung der Bohrkerne werden Sensoren im Bohrloch hinterlassen, welche seismische Aktivitäten und die Temperatur aufzeichnen. Ein weiteres Ziel ist die Erforschung der Methanhydrate als mögliche zukünftige fossile Energiequelle für Japan.[5]

Japan intensiviert seine Anstrengungen, unabhängiger von chinesischen Lieferungen seltener Erden zu werden. Ein zentrales Element dieser Strategie ist der Einsatz der Chikyu. Eine nach siebenjähriger Vorbereitung im Januar 2026 angesetzte Mission führt das Schiff rund 1900 Kilometer südöstlich von Tokio in ein Tiefseegebiet nahe der Koralleninsel Minamitorishima, wo in etwa 6000 Metern Wassertiefe außergewöhnlich reichhaltige Sedimente vermutet werden.[6][7] Die Chikyu soll zunächst 35 Tonnen Tiefseeschlamm fördern, um zu prüfen, ob ein industrieller Abbau ab etwa 2030 realistisch ist. Besonders attraktiv ist der hohe Anteil schwerer Seltenerdmetalle wie Dysprosium und Terbium, die für Hochleistungsmagnete unverzichtbar sind. Zugleich testet Japan neue Technologien zur Tiefseeförderung und erwägt den Aufbau einer Verarbeitungsanlage auf der abgelegenen Insel. Trotz technischer, ökonomischer und ökologischer Risiken sieht Japan in diesem Projekt einen strategischen Schritt, um seine Versorgungssicherheit langfristig zu stärken und geopolitische Verwundbarkeiten zu reduzieren.[8][6]

Commons: Chikyū – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Autor ungenannt: Wissenschaft und Technologie: Tiefer als je zuvor. Botschaft von Japan, archiviert vom Original am 13. September 2025; abgerufen am 16. Januar 2026.
  2. a b c Specification. Mantle Quest Japan, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Juli 2019; abgerufen am 2. August 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mqj.co.jp
  3. Michael Ziegelr: Japanisches Forschungsschiff stellt neuen Weltrekord in Tiefseebohrung auf. In: sumikai.com. 3. November 2025, abgerufen am 16. Januar 2026.
  4. science ORF at/Agenturen red: Tiefseebohrungen in Starkbebenarchiv. ORF, 12. Dezember 2025, abgerufen am 16. Januar 2026.
  5. Autor ungenannt: Methanhydrat – eine neue Energiequelle? / Vor allem für Staaten, die heute den Großteil ihres Energieverbrauchs durch den Import von Gas, Kohle und Öl decken, sind Methanhydrate in den eigenen Hoheitsgewässern eine vielversprechende Energiequelle. Noch aber gibt es keine Technik, mit der sich die Hydrate industriell fördern lassen. Nach erfolgreichen Probebohrungen an Land treibt man jetzt insbesondere in Südostasien erste Forschungsprojekte im Meer voran. World Ocean Review, abgerufen am 16. Januar 2026.
  6. a b Susanne Braun: Japan auf der Suche nach Seltenerdschlamm im entlegenen Atoll. In: elektronikpraxis.de. 15. Januar 2026, abgerufen am 15. Januar 2026.
  7. Veronika Lehrl: China kürzt Rohstoffe: Japan testet Abbau seltener Erden in 6.000 Metern Tiefe. Hrsg.: FOCUS. (focus.de [abgerufen am 15. Januar 2026]).
  8. Martin Kölling: Japan sucht in 6000 Meter Tiefe nach seltenen Erden / Die Abhängigkeit von Chinas seltenen Erden treibt viele Nationen zu neuen eigenen Anstrengungen an. Japans Chikyu, das größte Forschungsschiff der Welt, testet im Pazifik den Abbau kritischer Rohstoffe. In: Handelsblatt 10/2026 vom 15. Januar 2026, S. 10