Chiesa dell’Autostrada del Sole

Die Chiesa dell’Autostrada del Sole, eigentlich Chiesa di San Giovanni Battista ist eine Autobahnkirche an der Autostrada del Sole bei Campi Bisenzio in der Toskana. Die Kirche wurde nach einem Entwurf des Architekten Giovanni Michelucci erbaut und 1964 geweiht.

Beschreibung

Die Chiesa di San Giovanni Battista befindet sich unmittelbar östlich der Autostrada del Sole (MailandNeapel) an der Kreuzung mit der Autostrada Firenze–Mare. In unmittelbarer Nähe befinden sich Logistik- und Verwaltungsgebäude der Società Autostrada.

Die Kirche besitzt einen annähernd kreuzförmigen Grundriss mit kurzem Langhaus in Nordost-Südwest-Richtung und einem asymmetrisch nach Südosten überlängten Querhaus. Der Hauptaltar befindet sich im nordöstlichen Ende des Langhauses, während je ein Nebenaltar an den Enden des Querhauses steht. Lang- und Querhaus sind in hohem Maße abstrahiert und ineinanderfließende Raumstrukturen. Der Hauptraum wird von einem zeltartigen Dach überfangen, welches etwa in der Mitte seine tiefste Stelle besitzt und nach Norden und Süden stark ansteigt. Die wesentlich höhere Steigung im Norden mit der höchsten Stelle über dem Altar wird von einem nordöstlich der Kirche vorgelagerten schrägen Pfeiler gestützt.

Der Eingang zur Kirche erfolgt im Osten eines südlich vorgelagerten Narthex (mit Bronzetafeln von Emilio Greco und Venanzo Crocetti mit den Schutzheiligen von Städten entlang der Autobahn), an dessen westlichem Ende über wenige Stufen ein Übergang zum Hauptraum erfolgt. Der Narthex wird im Nordosten und im Süden von Höfen umlagert, wobei der nördliche an das Querhaus grenzt und der südliche an den Zugang zum etwas tieferliegenden Baptisterium, das als Rundbau im Südwesten der Anlage steht und durch Umfassungsmauern in den Komplex einbezogen wird.

Die Außenmauern bestehen aus bewährtem Mauerwerk aus Naturstein aus San Giuliano di Pisa, die Dachinnenseite und Pfeiler sind in Sichtbeton ausgeführt, die Dachhaut aus Kupfer.[1]

Geschichte

Der Bau der Autobahn Mailand–Neapel wurde 1955 beschlossen und der Bau an die von der IRI gegründete Società Autostrada unter Leitung von Fedele Cova (1888–1976) vergeben. An der Kreuzung mit der Autostrada Firenze–Mare sollte nach den Vorstellungen Covas neben dem Verwaltungsgebäude der Gesellschaft (Architekt Raffaello Fagnoni) und einem Motel eine Kirche in Erinnerung an die über einhundert beim Bau der Autobahn umgekommenen Arbeiter errichtet werden. Der Auftrag wurde 1958 an Lamberto Stoppa vergeben, mit den Bauarbeiten wurde 1960 begonnen.[1]

Aufgrund erheblicher Kritik am Entwurf Stoppas wurde das Projekt gestoppt und schließlich 1960 dem Architekten Giovanni Michelucci übertragen, der zum Teil die bereits begonnenen Fundamente in seine Planungen einbezog. 1961 begannen die Änderungen am vorhandenen Fundament, 1962 wurde das Betondach gegossen und im Februar 1964 wurden die Arbeiten weitestgehend abgeschlossen. Die Kirche wurde am Ostersonntag, den 5. April 1964 geweiht.[1]

Architektur und Rezeption

Den Kirchenbau aus einem dominierenden Querschiff zu entwickeln, hatte Michelucci bereits bei der Chiesa del Cuore Immacolato di Maria (1959–61) in Pistoia angewandt und später wieder beim Santuario della Beata Vergine della Consolazione in Borgo Maggiore (1961–67), bei der Capella votiva ai caduti di Kindu (1962–63) in Pisa, sowie bei der Chiesa di San Giovanni Battista (1966–90) in Arzignano. Die Grundkonzeption aus kurzem Langhaus und breiten Querhaus findet sich vergleichbar bei Michelangelos S. Maria degli Angeli e dei Martiri (ab 1561) und bei San Paolo alle Tre Fontane (Giacomo della Porta, ab 1599).[1]

Das Gebäude lässt sich in die Werkphase Micheluccis ab etwa 1960 einordnen, bei der die Form zunehmend von der strukturell bedingten Form löst[2] und gilt als Hauptwerk seiner späten Schaffensperiode.[3] Die Kirche wurde nach ihrem Bau vielfach in Architekturzeitschriften abgebildet und kontrovers diskutiert. Bruno Zevi sah sie, wie etwa auch die Berliner Philharmonie (Hans Scharoun, 1956–63) als ein Beispiel für die Erneuerung der europäischen Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg, die durch Le Corbusiers Notre-Dame-du-Haut eingeleitet wurde.[3]

Literatur

  • Chiesa di S. Giovanni Battista «dell’Autostrada» / Firenze / 1961. In: Fernando Clemente, Leonardo Lugli (Hrsg.): Giovanni Michelucci. Il Pensiero e le Opere. Bologna 1966, S. 159–172.
  • Chiesa di San Giovanni Battista «dell’Autostrada». In: Claudia Conforti, Roberto Dulio, Marzia Marandola (Hrsg.): Giovanni Michelucci. Milano 2006, S. 275–293.

Einzelnachweise

  1. a b c d Chiesa di San Giovanni Battista «dell’Autostrada». In: Claudia Conforti, Roberto Dulio, Marzia Marandola (Hrsg.): Giovanni Michelucci. Milano 2006, S. 275–293.
  2. Chiesa di S. Giovanni Battista «dell’Autostrada» / Firenze / 1961. In: Fernando Clemente, Leonardo Lugli (Hrsg.): Giovanni Michelucci. Il Pensiero e le Opere. Bologna 1966, S. 159–172.
  3. a b Roberto Dulio: «quel moderno che gli fo io»: la fortuna critica. In: Claudia Conforti, Roberto Dulio, Marzia Marandola (Hrsg.): Giovanni Michelucci. Milano 2006, S. 39–59, hier S. 52–53.

Koordinaten: 43° 49′ 54″ N, 11° 9′ 25″ O