Charlottenborg Frühjahrsausstellung
Die Charlottenborg Frühjahrsausstellung (dänisch Charlottenborg Forårsudstilling) ist eine jährliche Kunstausstellung in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Die Ausstellung findet in der Kunsthal Charlottenborg statt. Die Kunsthalle ist ein Teil des in der Innenstadt (Indre By) an Kongens Nytorv und Nyhavn gelegenen Komplexes von Schloss Charlottenborg (Charlottenborg Slot), dem Sitz der Königlich Dänischen Kunstakademie. Sie ist deren offizielle Ausstellungsgalerie.
Geschichte
Das Schloss Charlottenborg wurde von 1672 bis 1683 nach Plänen des Architekten Hans van Steenwinckel als Stadtpalais errichtet und war das erste feste Gebäude am Kongens Nytorv. Nach dem Tode König Christian V. wurde das Schloss 1699 zum Sitz seiner Witwe Charlotte Amalie (1650–1714) und nach ihr Charlottenborg benannt. 1754 wurde die Anlage der Königlich Dänischen Kunstakademie übereignet, die bis heute ihren Sitz im Schloss hat. Seit 1769 wurden in nach französischem Vorbild „Salons“ genannten Ausstellungen die Werke der Mitglieder der Kunstakademie gezeigt. 1857 wurde der Ausstellerkreis erweitert, eine Zensur eingeführt, ein eigenständiges Ausstellungskomitee gegründet – heute als Charlottenborg Stiftung (Charlottenborg Fonden) bekannt – und als parallele Institution zu den Salons kam die jährliche Frühjahrsausstellung als Ausstellung neuer Werke dänischer Künstler.[1][2]
In den Jahren 1881–83 wurde nach Plänen der Architekten Ferdinand Meldahl (1827–1908), zu der Zeit Direktor der Kunstakademie, und Albert Jensen (1847–1913) auf einem Gelände hinter dem Schloss Charlottenborg bei Nyhavn 2 ein in den Baufluchten mit diesem übereinstimmendes eigenständiges Ausstellungsgebäude als Dreiflügelanlage errichtet.[2][3]
Da es im 19. Jahrhundert kaum Orte zur öffentlichen Präsentation der Werke der Künstler gab, galt es als Anerkennung, bei der zur Kunstakademie gehörenden Ausstellung auf Charlottenborg vertreten zu sein. In den Jahrzehnten um 1900 wurden in den Ausstellungen vorwiegend die konservativen Kräfte der dänischen Kunst präsentiert.[2] Ab 1900 wurden zudem die Herbstausstellungen (Efterårsudstilling) als Einladungsausstellungen abgehalten.
Im Frühjahr 2006 begann im Charlottenborg Ausstellungsgebäude ein bedeutender Veränderungsprozess. Das Kulturministerium erließ eine neue Exekutivanordnung für die Institution, ein neuer Vorstand und ein neuer Direktor wurden ernannt. Die Maßnahmen sollten dazu beitragen, das Charlottenborg Ausstellungsgebäude national und international neu aufzustellen. Im Rahmen dieses Wandelprozesses wurde der Name in Kunsthal Charlottenborg geändert.[1]
Das 150-jährige Jubiläum der Frühjahrsausstellung wurde im Jahr 2007 zwischen dem 17. März und dem 9. April gefeiert. Zu diesem Anlass wurde ein Buch über die Ausstellung als Institution der dänischen Kunstkultur veröffentlicht.[4]
Künstlerverband – Die Freie Ausstellung
Eine Maßnahme der Künstler gegen die Regularien des dänischen Kunstbetriebes und besonders, um sich den Zulassungsbedingungen und der Zensur durch das Ausstellungskomitee bei der Frühjahrsausstellung zu widersetzten, war 1891 die Gründung des Künstlerverbandes der Freien Ausstellung (dänisch Kunstnersammenslutning – Den Frie Udstilling), einer dänischen Secession nach dem Vorbild des französischen Salon des Refusés. Zu den Gründern des Verbandes zählten etwa Johan Rohde (1856–1935), Vilhelm Hammershøi, Jens Ferdinand Willumsen, Agnes und Harald Slott-Møller, alle auch Vertreter des Symbolismus. Weitere Mitbegründer waren die Geschwister Skovgaard, Joakim Frederik, Niels Kristian und Susette Cathrine, verh. Holten.[5]
Literatur
- Anneli Fuchs, Emma Salling, Malene West Hansen et al. (Redaktion): Charlottenborg Forårsudstilling 150 år. Hrsg.: Charlottenborg Fonden. Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-991901-0-2 (dänisch).
- Emma Salling: Exhibitions of the Academy at Charlottenborg 1755–1857. In: Charlottenborg Forårsudstilling 150 år. Charlottenborg Fonden, 2007 (englisch, Auszug aus dem Werk).
- Kristine Kern: Charlottenborgudstillingen. In: Den Store Danske. denstoredanske.lex.dk, 2014 (dänisch).
- Slots- og Kulturstyrelsen: Charlottenborgs Udstillingsbygning, København. In: Danmarks Nationalleksikon – Trap Danmark – 6. Auflage. trap.lex.dk, 2019 (dänisch, deutsch: Agentur für Kultur und Paläste: Charlottenborgs Ausstellungsgebäude, Kopenhagen).
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Charlottenborg Fonden. In: Charlottenborg Fonden Forårsudstilling. foraarsudstillingen.dk, abgerufen am 1. Dezember 2025 (dänisch).
- ↑ a b c Kristine Kern: Charlottenborgudstillingen. In: Den Store Danske. denstoredanske.lex.dk, 2014, abgerufen am 1. Dezember 2025 (dänisch).
- ↑ Slots- og Kulturstyrelsen: Charlottenborgs Udstillingsbygning, København. In: Danmarks Nationalleksikon – Trap Danmark. Siehe Literatur (dänisch).
- ↑ Anneli Fuchs, Emma Salling, Malene West Hansen et al. (Redaktion): Charlottenborg Forårsudstilling 150 år. Siehe Literatur (dänisch).
- ↑ Bente Scavenius: Den Frie Udstilling. In: Den Store Danske. denstoredanske.lex.dk, 2016, abgerufen am 1. Dezember 2025 (dänisch).
Koordinaten: 55° 40′ 49″ N, 12° 35′ 14″ O