Agnes Slott-Møller
Agnes Slott-Møller, geborene Agnes Rambusch (* 10. Juni 1862 in Kopenhagen; † 11. Juni 1937 auf Gut Løgismose bei Assens), war eine dänische Bildhauerin, Kunstgewerblerin und Malerin des Symbolismus.[1] Ihre Kunst verbindet eine ausgeprägt nationalgesinnte Historienmalerei mit monumentalen Formaten.[2] Inhaltlich griff sie besonders auf mittelalterliche Stoffe und dänische Folkeviser zurück.[3]
Leben
Agnes Rambusch war die Tochter des Leutnants und späteren Marinekommandeurs Jacob Heinrich Victor Rambusch (1825–1886) und der Constantine Juliane, geb. Hansen (1834–1891).[4] Sie absolvierte ab 1878 die Tegneskolen for Kvinder und nahm 1885/1886 Unterricht bei P. S. Krøyer an der Kunstnernes Frie Studieskoler.[5] Im Jahr 1888 heiratete sie den Maler Harald Slott-Møller.[5] Sie war 1885 erstmals auf der Charlottenborg Frühjahrsausstellung vertreten, schloss sich aber 1891 der Künstlervereinigung Den Frie Udstilling an, wo sie bis 1900 ausstellte.[5][6] Die Presse- und Institutionsdebatte des Bondemalerstriden von 1907, in der sie sich öffentlich positionierte, trug zu ihrer späteren Marginalisierung bei.[7] Nach 1900 lebte sie in der dänischen Kunstszene zunehmend abseits.[6]
Wirken
Slott-Møllers Malerei verbindet heroische Geschichtsszenen und altertümliche Motive mit präzise erfassten Landschaftspartien zu national aufgeladenen Bildprogrammen.[8] Stilistisch orientierte sie sich an den Präraffaeliten und entwickelte ein dekoratives, detailreiches Idiom.[6] Wiederkehrende Themen sind mittelalterliche Sujets und die Heldinnen der dänischen Folkeviser.[3] Zu ihren bekanntesten Werken zählen das Großformat Niels Ebbesen (311 × 375 cm; 1893/1894) und der Valdemar-Atterdag-Zyklus, deren Monumentalität und programmatischer Anspruch ihre Position zwischen Historienmalerei und Symbolismus hervorheben.[2] Ihre Positionierung im Bondemalerstriden von 1907 und die damit verbundenen, geschlechterpolitisch aufgeladenen Abwertungen prägten die Rezeption ihres Werks über Jahrzehnte.[7] In der Gegenwart wird ihr Beitrag im Rahmen der Neubewertung weiblicher Kunstproduktion eingeordnet.[9]
Im Jahr 2018 widmete ihr das ARoS Aarhus Kunstmuseum die Einzelausstellung Helte & heltinder.[6] 2025/2026 zeigt der Museumsberg Flensburg ihr Werk in der Schau Unterschätzt! Starke Frauen der Künstlerkolonie Ekensund als Teil einer breiteren Debatte um verdrängte Frauen in der Kunst.[8]
Literatur
Deutsch
- Sabine Schlenker: Slott-Møller, Agnes. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 104, De Gruyter, Berlin 2019, ISBN 978-3-11-023270-7, S. 257.
- Arist Pander: Slott-Møller, Agnes. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 31: Siemering–Stephens. E. A. Seemann, Leipzig 1937, S. 142 (biblos.pk.edu.pl).
Dänisch/Schwedisch
- Georg Nordensvan: Slott-Møller, Agnes. In: Theodor Westrin, Ruben Gustafsson Berg, Eugen Fahlstedt (Hrsg.): Nordisk familjebok konversationslexikon och realencyklopedi. 2. Auflage. Band 25: Sekt–Slöjskifling. Nordisk familjeboks förlag, Stockholm 1917, Sp. 1467–1468 (schwedisch, runeberg.org).
- P. Johansen: Slott-Møller, Agnes f. Rambusch. In: Christian Blangstrup (Hrsg.): Salmonsens Konversationsleksikon. 2. Auflage. Band 21: Schinopsis–Spektrum. J. H. Schultz Forlag, Kopenhagen 1926, S. 773 (dänisch, runeberg.org).
- Claudine Stensgaard Nielsen: Agnes Slott-Møller. In: Den Store Danske Encyklopædi. (dänisch, denstoredanske.lex.dk).
- Sigurd Schultz: Agnes Slott-Møller. In: Dansk Biografisk Leksikon. (dänisch, biografiskleksikon.lex.dk)
Weblinks
- Agnes Slott-Møller bei gravsted.dk
- Werke von Agnes Slott-Møller im Portal Artnet
Einzelnachweise
- ↑ Agnes Slott-Møller, Painter – Collection entry. In: Nasjonalmuseet. Abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Helte og Heltinder – Agnes Slott-Møller på ARoS. In: Kunstavisen. 22. Oktober 2018, abgerufen am 19. Dezember 2025 (dänisch).
- ↑ a b Agnes Slott Møller-udstillingen på ARoS viser et samlet portræt af én særegen kunstner. In: Kulturmagasinet Fine Spind. 4. Oktober 2018, abgerufen am 19. Dezember 2025 (dänisch).
- ↑ Sigurd Schultz: Harald Slott-Møller. In: Dansk Biografisk Leksikon. (dänisch, biografiskleksikon.lex.dk).
- ↑ a b c Agnes Slott-Møller. In: Dansk Biografisk Leksikon (lex.dk). 23. April 2023, abgerufen am 19. Dezember 2025 (dänisch).
- ↑ a b c d Agnes Slott-Møller: Helte & heltinder. In: ARoS Aarhus Kunstmuseum. 2018, abgerufen am 19. Dezember 2025 (dänisch).
- ↑ a b Women’s art and Peasant Painters: On gender discourse in the Peasant Painter Feud and Agnes Slott-Møller’s resistance. In: Perspective. August 2023, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Verdrängte Malerinnen des Nordens: Schmerzhaft wenig Malerinnen-Spuren. In: taz.de. 19. Dezember 2025, abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Unterschätzt! Starke Frauen der Künstlerkolonie Ekensund. In: Museumsberg Flensburg. Abgerufen am 19. Dezember 2025.