Charlotte Link – Einsame Nacht

Folge 23+24 der Reihe Charlotte Link
Titel Einsame Nacht
Produktionsland Vereinigtes Königreich, Deutschland
Originalsprache Deutsch
Länge 180 (2 Teile) Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen W&B Television
Regie Jörg Lühdorff
Drehbuch Benjamin Benedict
  • Jörg Lühdorff
Produktion Benjamin Benedict
Musik Oliver Biehler
Kamera Philipp Timme
Schnitt Ollie Lanvermann
Premiere 2. Okt. 2025 auf Das Erste
Besetzung
  • Henny Reents: Kate Linville
  • Lucas Gregorowicz: Caleb Hale
  • Helene Grass: Pamela Graybourne
  • Jacob Matschenz: Sam Harris
  • Lara Feith: Anna Carter
  • Milena Tscharntke: Mila Henderson
  • Anke Sabrina Beermann: Dalina Jennings
  • Philipp Walsch: Logan Awbrey
  • Hugo McGinn: Sam Harris (jung)
  • Max Collins: Alvin Malory
  • Kat Kumar: Sue Haggan-Raymond
  • Nenda Neururer: Helen Bennett
  • Lisa Riesner: Diane Bristow
  • Ben Bela Böhm: Burt Gillian
  • Tina Harris: Louise Malory
  • Matt Crosby: Sams Vater
  • Adam Wittek: Olm
  • Earl Wan: Kommissar
  • Sonu Louis: Priester
  • Chloe Ward: ein Mädchen
  • Anna Kirke: Sams Großmutter
  • Augustina Seymour: Isabelle Du Lavandou
  • Richard Evans: James Henderson
  • Barbara Sotelsek: Elenore Walters
  • David Shaw-Parker: Isaac Fagan
  • Tilo Keiner: Brian Burden
  • Estrid Barton: Mrs. Fowler
  • Agi Tietjen: Mila (jung)
  • Mohini Harding: Sue (jung)
Episodenliste

Charlotte Link – Einsame Nacht ist ein zweiteiliger Fernsehfilm unter der Regie von Jörg Lühdorff aus dem Jahr 2025 nach Charlotte Links 2022 erschienenem gleichnamigen Roman aus ihrer Kate-Linville-Reihe, wobei es sich um den vierten Band dieser Reihe handelt. Die deutschsprachige Erstausstrahlung des Zweiteilers erfolgte am 2. und 3. Oktober 2025 im Programm der ARD Das Erste als 23. und 24. Episode im Rahmen der Filmreihe Charlotte Link.

In den zentralen Hauptrollen der Ermittler von Scotland Yard agieren Henny Reents als Kate Linville und Lucas Gregorowicz als Caleb Hale. Helene Grass ist als neue Polizeichefin und Kate Linvilles Vorgesetzte zu sehen, die der Beamtin untersagt, den suspendierten Caleb Hale zu den aktuellen Fällen hinzuzuziehen. Im ersten Film geht es um einen bestialisch durchgeführten Überfall auf den Teenager Alvin Malory (Max Collins), der unaufgeklärt geblieben ist. Der zweite Fall thematisiert unter anderem einen Mord an einer jungen Frau, in deren Auto dieselben Fingerabdrücke gefunden werden wie im ungelösten Fall Alvin Malory. Tragende Rollen des Films sind besetzt mit Jacob Matschenz, Lara Feith und Milena Tscharntke.

Handlung

Teil eins: „Verzeihen ist die beste Rache, heißt es. Aber das ist falsch, lächerlich falsch. Es gibt Dinge, die nicht zu verzeihen sind. Ihr werdet euch erinnern, ob ihr wollt oder nicht. Ihr werdet bedauern, bereuen, leiden. Aber dann ist es zu spät.“

Als der 16-jährige Teenager Alvin Malory aus dem beschaulichen Küstenstädtchen Scarborough die Tür öffnet, wird er Opfer eines äußerst brutalen Überfalls, den er zwar knapp überlebt, allerdings liegt er seitdem im Wachkoma. Der Fall kann nicht aufgeklärt werden. Zehn Jahre sind inzwischen vergangen.

Detective Sergeant Kate Linville wird von ihrer neuen Chefin Pamela Graybourne beauftragt, den Tod an Patricia Walters zu untersuchen, einer alten Dame, die bei einem Sturz ums Leben gekommen ist. Ihre Betreuerin Mila Henderson ist seitdem spurlos verschwunden. Die Tochter der alten Dame hat daraufhin Anzeige erstattet.

Parallel wird Linville zum Mordfall an einer jungen Frau gerufen, die in ihrem Auto auf einem Feldweg in den North York Wäldern aufgefunden wird. Bei dem Opfer handelt es sich um die 25-jährige Diane Bristow, die mit mehreren brutal ausgeführten Messerstichen getötet worden ist. Kurz vor dem Mord soll ein Mann in das Auto zugestiegen sein, wie eine Zeugin aussagt. Im Auto werden zahlreiche Fingerabdrücke sichergestellt, darunter sind auch die seinerzeit am Tatort Malory festgestellten. Die Ermittlungen führen Linville zu einem ungelösten Cold-Case-Fall vor zehn Jahren, in dem ihr inzwischen suspendierter Kollege Caleb Hale ermittelt hat, und bei dem der übergewichtige Teenager Alvin Malory ins Koma geprügelt worden war. Linville würde sich gern mit Hale austauschen. Ihre neue Chefin Pamela Graybourne untersagt ihr jedoch jegliche Zusammenarbeit mit ihm.

Ein angefertigtes Phantombild, Fingerabdrücke und ein Schmuckstück mit dem Buchstaben L führen zu einem Aubrey Logan, der jedoch verschwunden ist. Logan taucht kurz darauf bei Anna Carter auf und bittet sie um Hilfe. Carter ist mit Dalina Jennings befreundet, die eine Dating-Agentur betreibt, bei der auch Diane Bristow gemeldet war und in der Linville undercover ermittelt. Nur wenig später findet Carter Logan erstochen in ihrem Haus vor. Sie bittet Sam Harris, mit dem sie liiert ist, ihr dabei zu helfen, den Toten im Wald zu verstecken. Obwohl Harris dagegen ist, so zu verfahren, hilft er ihr. Anna verbirgt auch vor ihm ein Geheimnis, über das sie nicht sprechen kann und will. Inzwischen ist ein weiterer Toter aufgefunden worden, James Henderson, Milas Onkel. Er wurde in einer Plastikwanne ertränkt. Zeugen hatten Mila Henderson zu diesem Zeitpunkt in der Nähe der Wohnung ihres Onkels gesehen. Weitere Ermittlungen ergeben, dass Henderson dieselbe Schule besucht hat wie Sam Harris, die Schule mitten im Schuljahr gewechselt hat und mit ihrer Familie unbekannt verzogen ist. Mila taucht inzwischen bei ihrer alten Schulfreundin Sue Haggan-Raymond auf, die sie einige Tage bei sich wohnen lässt. Dort wird sie überfallen und versucht in Todesangst, zu fliehen.

Teil zwei: Inzwischen hat Kate Linville herausgefunden, dass Logan Awbrey von Anna Carter tot in deren Haus aufgefunden sein soll. Carter behauptet, ihn allein im Wald vergraben zu haben, was nicht sehr glaubhaft ist, da Anna sehr zart ist. Unter Druck gibt sie zu, dass ihr Freund Sam Harris ihr geholfen habe. Sie versichert jedoch, dass Sam sich gegen diese Aktion ausgesprochen und die Polizei habe rufen wollen. Inzwischen weiß man auch, dass Madame Isabelle Du Lavandou einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Sie war die Französischlehrerin von Sam Harris und Mila Henderson und hat Sam immer wieder zurechtgewiesen.

Linville verspricht sich etwas davon, die Spuren zu einem Pizzadienst zu verfolgen, von dem sich Alvin Malory über einen längeren Zeitraum Pizza hatte liefern lassen. Für diesen Pizzadienst war seinerzeit auch Dalina Jennings tätig. Linville spricht mit ihr, sie hat jedoch auf alle Fragen eine passende Antwort. Zur selben Zeit will Pamela Greybourne mit Mila Hendersons Schulfreundin Sue Hagan, verheiratete Raymond, sprechen und gerät in eine brandgefährliche Lage. Geknebelt und gefesselt muss sie in einem Kellerraum die Todesschreie von Sue Raymond mit anhören.

Anna Carter, die vorübergehend unauffindbar war, meldet sich bei Linville und meint, sie könne das alles nicht mehr, sie müsse dringend mit ihr sprechen. Anna beginnt über den Tag zu erzählen, der Alvin Malory zum Verhängnis wurde. Logan sei dabei gewesen und Dalina auch und sie selbst ebenfalls. An diesem Tag vor zehn Jahren sei es unfassbar heiß gewesen und Dalina habe sich gelangweilt. Sie habe gemeint, sie würde gern jemanden aufmischen und sei dann auf Alvin Malory verfallen. Zu dritt hätten sie ihn aufgesucht. Dort habe Logan dann, angestachelt von Dalina, auf Alvin eingetreten. Als sie habe Hilfe holen wollen, hätten beide sie davon abgehalten und darauf verwiesen, dass das ihr Leben zerstören würde und sie alle im Gefängnis landen würden. Logan habe dem Opfer dann einen Haushaltsreiniger eingetrichtert, nachdem Dalina ihm etwas ins Ohr geflüstert habe.

Linville zerbricht sich den Kopf darüber, wo der Zusammenhang zwischen dem Fall Malory und dem aktuellen Fall liegen könnte. Noch kann sie nicht wissen, dass Sam Harris der Schlüssel zu allem ist. Sam war als Kind stark übergewichtig und hatte darunter sehr zu leiden. Als Mila Henderson neu in seine Klasse kam und ihm ein Lächeln schenkte, verliebte er sich sofort in sie. Das war allerdings einseitig, im Gegenteil, Mila verließ wegen ihm die Schule. Als Sam Mila eines Tages rein zufällig wiedersah, war die alte Besessenheit immer noch da. Für ihn war und ist sie die Frau, die für ihn bestimmt ist. Diane Bristow hatte er in seiner Funktion als Psychologe kennengelernt, sie hatte Hilfe gesucht, weil ihr Freund Logan ihr gestanden hatte, an dem Verbrechen an Alvin Malory beteiligt gewesen zu sein. Er habe in diesem Moment gewusst, dass er der einzige sei, der das Verbrechen an Malory rächen könne und gespürt, dass er ihm das schuldig sei. Denn er wisse, wie es sei, ein Außenseiter zu sein. Diane habe er töten müssen, weil sie ihn hätte identifizieren können, ebenso wie Missis Walters.

Von einem Geistlichen bekommt Linville Unterlagen ausgehändigt, die Sam Harris’ Mutter gehörten, die bereits seit fünf Jahren tot ist, obwohl er Anna etwas ganz anderes erzählt hatte. Dort findet sie Hinweise auf einen Wohnwagen der Familie Harris in einem Freizeitpark, wo man früher oft verweilte. Mila, die Harris dort gefangen hält und die verletzt ist, kann entkommen und stößt im Wald auf einen alten Mann, der ihr helfen will. Linville hat den Freizeitpark inzwischen erreicht und findet den Wohnwagen leer vor. Allerdings ist Harris bei seiner Suche nach Mila auf den alten Mann gestoßen und tötet auch ihn. Mila, die sich im Wohnmobil unter alten Klamotten versteckt, wird von ihm nicht entdeckt. Als Mila nach kurzem Abwarten ihre Flucht fortsetzen will, stößt sie auf Linville, beide flüchten zu deren Auto. Das ist allerdings inzwischen von Harris sabotiert worden und nicht mehr fahrtüchtig. So bleibt nur die Flucht zu Fuß. Sam Harris ist beiden jedoch dicht auf den Fersen und stellt sie. Linville fordert Mila auf, wegzulaufen, während sie sich Harris stellt. Auf den Bluff, dass ihre Leute unterwegs seien, fällt Harris jedoch nicht herein und verfolgt die daraufhin flüchtende Polizistin. Er kann Linville stellen und versucht, sie zu erdrosseln. Im letzten Moment greift Mila ein und sticht Harris ein Messer in den Rücken. Caleb Hale hat inzwischen die Polizei alarmiert, die in großer Besetzung anrückt.

Während Alina Jennings festgenommen wird, sucht Linville Hale auf und lässt ihn wissen, dass sie schwer enttäuscht von ihm ist, da er sie im Stich gelassen habe (sie hatte ihm eine Nachricht auf dem Handy zukommen lassen) und erst im allerletzten Moment die Polizei mobilisiert habe, weil er wieder einmal betrunken gewesen sei. Sam Harris liegt inzwischen im Krankenhaus im Koma. Pamela Greybourne hingegen ist noch einmal glimpflich davongekommen, sie konnte sich durch Rufe bemerkbar machen und gerettet werden.

Produktion

Produktionsnotizen

Die Redaktion des Films lag für die ARD Degeto bei Claudia Luzius, Christoph Pellander und Eva Scholz. Die Aufnahmeleitung der Filme lag bei Susan Turnell und Lee Preston, die Produktionsleitung bei Sebastian Ebert und die Herstellungsleitung bei Charles Breitkreuz und Kirsten Frehse für die Degeto Film. Hergestellt wurden die Filme mit Unterstützung des British Film Institute, der British Film Commission und des Creative Sector Tax Relief der britischen Regierung.

Die Dreharbeiten für den Zweiteiler Charlotte Link – Einsame Nacht fanden in Leeds und Umgebung sowie Scarborough an der englischen Nordseeküste statt.[1]

Hintergrund

Die Autorin Charlotte Link gab im September 2025 bekannt, dass bei der Verfilmung von Einsame Nacht einige Szenen geändert werden mussten, da diese gemäß § 5 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) nicht vor 21 Uhr hätten gesendet werden dürfen.[2]

Henny Reents erklärte in einem Interview mit spot on news, dass das, was sie „an Kate Linville am meisten schätze, ihr Durchhaltevermögen“ sei und führte weiter aus, dass die von ihr verkörperte Figur, „viele Selbstzweifel, Ängste und Altlasten mit sich“ trage, doch „diese besondere Resilienz, immer wieder aufzustehen und sich ihren inneren Dämonen zu stellen“ habe. Auch gefalle ihr „die Vielschichtigkeit ihrer Figur.“ Linville sei eine „klassische Ermittlerfigur, keine makellose Heldin, sondern eine echte Frau mittleren Alters, die von ihrer Expertise und ihrer Hartnäckigkeit“ lebe. Reents vertrat weiter die Ansicht, dass „die Landschaft dem Zweiteiler seinen atmosphärischen Look mit Film-Noir-Touch“ gebe. „Die Natur und die Umgebung“ spielten „eine große Rolle im Film: mystisch, geheimnisvoll, düster“. Diese „Stimmung“ spiegele „die innere Zerrissenheit und die Melancholie der Figuren wieder und habe sich auch direkt auf“ ihr „Spiel übertragen“. Dass „trotz der düsteren Themen am Set eine warme Atmosphäre“ geherrscht habe, habe vor allem am „Regisseur Jörg Lühdorff“ gelegen, „der mit seiner Art eine Atmosphäre geschaffen“ habe, „in der man sich sofort aufgehoben“ gefühlt habe, erzählte die Hauptdarstellerin weiter und ergänzte, man habe „am Set viel gelacht, manchmal so sehr“, dass sie sich „zwischendurch immer wieder emotional“ habe „runtertunen“ müssen, um ihre „Figur nicht zu verlieren“. Reents äußerte den Wunsch, „dass der Film die Zuschauerinnen und Zuschauer“ berühre und meinte abschließend: „Vielleicht gibt er den Mut, sich den eigenen Ängsten zu stellen, sich in der Figur wiederzuerkennen und über den eigenen Schatten zu springen. Und dass ein Gefühl bleibt: Wir sind nie ganz allein.“[3]

Rezeption

Kritik

Die Kritiker der Fernsehzeitschrift TV Spielfilm zeigten mit dem Daumen zur Seite. Beim ersten Teil resümierten sie: „Überladen und teils allzu konstruiert“ und beim zweiten Teil konstatieren sie: „Zu viele Figuren und Unglaubwürdigkeiten“. Der erste Teil wurde mit einem Punkt in der Kategorie Spannung bedacht. Beim zweiten Teil vergaben die Kritiker für Action einen und für Spannung zwei von drei möglichen Punkten.[4][5]

Die Zeitschrift Gala war der Ansicht, Einsame Nacht sei „weit mehr als ein klassischer Kriminalfall“. Die Geschichte handele „von Traumata, Vertrauensbrüchen und Obsessionen“ und führte weiter aus: „Die Drehbuchautoren Benjamin Benedict und Jörg Lühdorff haben die knapp 600 Seiten starke Bestsellervorlage zum Ausgangspunkt für einen ungewöhnlichen Thrillers mit psychologischem Tiefgang genommen. Lühdorff, der auch Regie führte, beweist dabei ein feines Gespür für authentische und mehrschichtige Figurenentwicklung. Brillant wurde die Figur des Täters als Erzähler eingebaut, ohne dessen Identität zu verraten.“ Weiter hieß es, „neben Henny Reents“ überzeuge „Lucas Gregorowicz als suspendierter Ermittler Caleb Hale, mit dem Kate eine vertrauensvolle, wenn auch vorsichtige Beziehung“ verbinde. „Als neue Chefin Pamela Greybourne“ gebe „die Charakterdarstellerin Helene Grass ihren Einstand in dem deutsch-britischen Ensemble“. Abschließend wurde festgestellt: „In bester Thriller-Manier sorgt Lühdorffs Inszenierung nicht nur beim Showdown für Gänsehaut.“[3]

Tilmann P. Gangloff bewertete den Film für Tittelbach.tv und gab ihm 3½ von 6 möglichen Sternen. Der Kritiker hielt den Film mit 180 Minuten für „zwar etwas zu lang“, jedoch erzähle er „eine fesselnde Geschichte, die das Publikum mit Hilfe einer arglistigen Täuschung kräftig an der Nase“ ’rumführe. „Gerade Teil eins hätte sich straffer erzählen lassen“, aber Teil zwei sei „ziemlich spannend“. Die Krimiebene bilde „jedoch nur den Handlungsrahmen für eine Geschichte, die vor allem durch die Verschränkung mit der Vergangenheit“ fessele. Lühdorff habe „diese Rückblenden in ein warmes Licht getaucht, das in kräftigem Kontrast nicht nur zur eher tristen Gegenwart, sondern auch zu den Ereignissen“ stehe. Weiter führte Gangloff aus, dass „Neugier der Motor jeden Krimis“ sei. Hier gelte „das vor allem für die Frage, wie Gegenwart und Vergangenheit miteinander zusammenhängen“ würden; Lühdorff beantworte diese Frage „mit einem ebenso kühnen wie verblüffenden Übergang“. Dass „die Ermittlerin am Ende selbst in Gefahr“ gerate, sorge „für zusätzlichen Reiz“. Dass Einsame Nacht „trotz des langen fesselnden Finales nicht rundum“ überzeuge, habe „nicht nur mit der Überlänge zu tun. Viele der regelmäßig erklingenden Off-Kommentare“ seien „überflüssig“. Auch klinge die „Übersetzung der einheimischen Mitwirkenden mit ihren sinnfreien Kunstpausen allzu sehr nach Synchrondeutsch und wenn eine Hand in Großaufnahme erst zur Faust geballt“ werde „und später gleich zweimal wütend einen Stift“ zerbreche, wirke das „nicht nur angesichts der ansonsten sachlichen Inszenierung plump und effekthascherisch“.[6]

Oliver Alexander rezensierte den Film für quotenmeter.de und stellte fest, dass „der neue Fall erzählerisch wie atmosphärisch geradezu erstaunlich gut gemacht“ sei. Der Film erhebe zwar „nicht den Anspruch, die Genre-Grenzen neu zu ziehen, und doch“ gelinge „es den Machern, dem bekannten Terrain frische Facetten abzugewinnen“. Das Drehbuch setze dabei „auf eine Verdichtung der literarischen Vorlage, die sich nicht in Handlungssträngen“ verliere, „sondern vielmehr die Spannung über die Figuren“ trage. Die „im Mittelpunkt“ stehende „Henny Reents als Detective Sergeant Kate Linville“ treibe mit „einer angenehm unaufgeregten Präsenz die Ermittlungen“ voran. Reents verleihe „ihrer Figur eine Mischung aus Entschlossenheit und Unsicherheit, die sie nahbar“ mache, „ohne ins Klischee der einsamen Ermittlungen zu verfallen“. Auch Helene Grass erweise sich „als kluge Besetzung.“ Die „eigentliche Stärke des Zweiteilers“ liege „allerdings weniger in den Wendungen der Handlung – so geschickt sie auch gesetzt sein mögen – als vielmehr in der Atmosphäre“. Weiter führte Alexander aus: „Die Originalschauplätze an Englands Nordseeküste entfalten in Philipp Timmes Kameraarbeit eine geradezu poetische Kargheit: Nebel, Felsen, das graue Meer – die Landschaft wirkt nicht wie Kulisse, sondern wie ein eigenständiger Akteur. Dass Lühdorffs Inszenierung stellenweise einen Hauch von Film Noir evoziert, verleiht dem Stoff eine zusätzliche Dimension. Das Scarborough dieses Films ist kein touristisches Postkartenidyll, sondern ein Ort, an dem Schatten und Geheimnisse lange bestehen bleiben.“ Einsame Nacht sei „ein Beispiel dafür, wie Fernsehunterhaltung und literarischer Anspruch ein fruchtbares Bündnis eingehen“ könnten.[7]

Bei film-rezensionen.de befasste sich Oliver Armknecht mit dem Film, dem er fünf von zehn möglichen Punkten gab. Armknecht bemängelte, dass die Geschichten zwar in England spielen würden, was immer wieder betont werde, „dennoch“ fühlten „sich die Filme nie wirklich britisch an, was auch an der Besetzung“ liege, „die man einfach aus zu vielen hiesigen Produktionen“ kenne. Auch sei eine „überschaubare Glaubwürdigkeit“ wie schon in den ersten beiden Filmen beibehalten worden. Bei der „Spannungskurve“ habe diese Verfilmung „zugelegt“. Ganz „überraschend“ sei „die Aufklärung nicht, da zuvor diverse Flashbacks die Richtung“ gewiesen hätten. Der Zweiteiler gefalle „durch seine düstere Atmosphäre“ und auch „schauspielerisch“ sei „das hier besser, als man es zum Teil von den letzten Malen gewohnt“ gewesen sei. Armknechts Fazit fiel folgendermaßen aus: „In ‚Charlotte Link: Einsame Nacht‘ rätselt die Polizei über eine Mordserie, die irgendwie mit einem alten Fall zu tun haben muss. Das Ergebnis ist besser als bei den letzten beiden Adaptionen, der Zweiteiler gefällt durch die düstere Atmosphäre und die schauspielerische Leistung. Sonderlich englisch fühlt sich das Ganze aber nicht an, der Rätselanteil hätte auch höher sein dürfen.“[8]

Elisa Eberle beschäftigte sich für Prisma mit dem Zweiteiler und stellte fest, es handele sich um einen „fesselnden Thriller“. Die Drehbuchautoren Lühdorff und Benedict legten „gerade gegen Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Films eine Reihe falscher Spuren, die das Publikum fälschlicherweise glauben“ ließen, „einen Wissensvorsprung zu haben“. Tatsächlich erweise sich „am Ende doch alles ganz anders, als gedacht“. Je „mehr Zeit im Film“ vergehe, „umso tiefer“ würden „die menschlichen Abgründe, in die Kate und ihre Kollegen bei den Ermittlungen“ blickten. „Ein wenig schade“ sei hingegen, dass „zugunsten der Spannung ein anderer Handlungsstrang nicht zu Ende erzählt“ werde. Eberle spielte dabei auf die Bekanntschaft von Kate Linville mit Burt Gillian an und das geplante Abendessen und meinte, dass „dieses Rätsel aber wohl frühestens im fünften Fall für Kate Linville gelöst“ werden würde.[9]

Einschaltquote

Film eins konnte bei seiner Erstausstrahlung 4,51 Millionen Zuschauer verzeichnen, was einem Marktanteil von 20,4 Prozent entspricht, Film Film erreichte 3,23 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 14,6 Prozent.

DVD

Der Film wird von der OneGate Media GmbH am 28. November 2025 auf DVD herausgegeben.[10]

Einzelnachweise

  1. Jana Knapp, Daniela Westermayer: Charlotte Link – Einsame Nacht: So fesselnd wird der neue Fall. In: Südwest Presse. 2. Oktober 2025, abgerufen am 2. Oktober 2025.
  2. Nico Marsänger: Ein bisschen antiquiert: Krimi-Autorin Charlotte Link kritisiert TV-Regelung. In: tvspielfilm.de. 22. September 2025, abgerufen am 22. September 2025 (deutsch).
  3. a b Charlotte Links „Einsame Nacht“ im TV. So düster wird der Zweiteiler gala.de, 2. Oktober 2025. Abgerufen am 16. November 2025.
  4. Charlotte Link: Einsame Nacht (1) bei TV Spielfilm. Abgerufen am 16. November 2025.
  5. Charlotte Link: Einsame Nacht (2) bei TV Spielfilm. Abgerufen am 16. November 2025.
  6. Tilmann P. Gangloff: Charlotte Link – Einsame Nacht. Henny Reents, Gregorowicz, Veith, Grass, Matschenz, Jörg Lühdorff. Dinge, die nicht zu verzeihen sind tittelbach.tv. Abgerufen am 16. November 2025.
  7. Oliver Alexander: Charlotte Link – Einsame Nacht quotenmeter.de, 1. Oktober 2025. Abgerufen am 16. November 2025 (Ausschlag Quotenmeter: 70%).
  8. Oliver Armknecht: Charlotte Link: Einsame Nacht film-rezensionen.de, 2. Oktober 2025. Abgerufen am 16. November 2025.
  9. Elisa Eberle: „Charlotte Link – Einsame Nacht“: So gut war der neue ARD-Krimi! prisma.de, 4. Oktober 2025. Abgerufen am 16. November 2025.
  10. Charlotte Link – Einsame Nacht Abb. DVD-Hülle 2 Filme ARD