Charlie Chan in London

Film
Titel Charlie Chan in London
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1934
Länge 79 Minuten
Stab
Regie Eugene Forde
Drehbuch Philip MacDonald,
Stuart Anthony,
Lester Cole
Produktion John Stone
Musik Samuel Kaylin
Kamera L. William O’Connell
Besetzung
  • Warner Oland: Charlie Chan
  • Drue Leyton: Pamela Gray
  • Ray Milland: Neil Howard
  • Mona Barrie: Lady Mary Bristol
  • Alan Mowbray: Geoffrey Richmond
  • Murray Kinnell: Phillips, Butler
  • Douglas Walton: Hugh Gray
  • E. E. Clive: Detective Sergeant Thacker
  • Walter Johnson: Jerry Garton
  • George Barraud: Major Jardine
  • David Torrence: Innenminister Sir Lionel Bashford
  • John Rogers: Lake, Stallknecht
  • Madge Bellamy: Mrs. Fothergill
  • Paul England: Bunny Fothergill
  • Elsa Buchanan: Alice Rooney, Dienstmädchen
  • Perry Ivins: Kemp, Sekretär des Ministers
  • Claude King: Royal-Air-Force-Kommandant
  • Reginald Sheffield: Flight Cmdr. King

Charlie Chan in London ist ein von Eugene Forde inszenierter Kriminalfilm aus dem Jahr 1934, der von einem Fall des von Earl Derr Biggers erfundenen chinesischstämmigen Polizisten Charlie Chan handelt. Der Film ist nach Charlie Chan – Der Tod ist ein schwarzes Kamel (1931) der zweitälteste noch existierende Film mit Warner Oland in der Titelrolle und zugleich der erste Film der Reihe, der nicht auf einem der Originalromane von Biggers basierte. In einer seiner ersten Hauptrollen ist daneben Ray Milland zu sehen.

Handlung

Charlie Chan empfängt vom britischen Innenminister Glückwünsche für die Lösung seines jüngsten Falls und möchte eigentlich in seine Heimat abreisen. Da wird er von der jungen Pamela Gray aufgesucht, deren Bruder Paul wegen des Mordes an Captain Hamilton, einem Waffenerfinder und Mitglied der Royal Air Force, hingerichtet werden soll. Auch Pauls Berufungsverfahren durch den Court of Appeal wurde abgelehnt und die Hinrichtung ist in drei Tagen anberaumt. Pamela ist so von dessen Unschuld überzeugt, dass sie verstört wird, als sie heimlich anhört, wie Neil Howard, der Anwalt ihres Bruders und zugleich ihr Verlobter, dem Detektiv anvertraut, dass er von der Schuld seines Mandanten überzeugt ist. Sie wirft Neil den Verlobungsring vor die Füße und löst die Verlobung auf.

Obwohl die Hinrichtung bereits in 65 Stunden stattfinden soll, verspricht Charlie Chan, den Mörder zu entlarven. Pamela ist inzwischen in einem englischen Landhaus unter Obhut ihrer Freunde Lady Mary Bristol und Geoffrey Richmond untergekommen. Auch Chan reist zu dem Landhaus. In jenem Landhaus war auch Captain Hamilton in den Pferdestallungen umgebracht worden, kurz nachdem er sich mit Paul gestritten hatte. Die meisten derjenigen, die während des Mordes an Richmond anwesend waren, sind aufgrund einer Party auch heute dort versammelt. Chan nutzt diese Situation aus und stellt Befragungen unter den Gästen und dem Dienstpersonal an. An Verdächtigen mangelt es nicht.

Eine erste Spur führt zu dem Stallknecht Lake, der mehr über die Mordnacht zu wissen scheint, als er vorgibt. Jedoch wird Lake am nächsten Morgen tot aufgefunden – scheinbar ein Suizid, doch Chan stellt aufgrund einiger Details bald fest, dass es ein weiterer Mord war. Wenig später findet auch ein Mordanschlag auf Chan selbst statt, als er in dem Arbeitszimmer des Landhauses Untersuchungen anstellt. Die Polizei ergreift den in der Nähe befindlichen Neil Howard, der angereist war, um sich mit Pamela zu versöhnen. Chan hält die Polizei davon ab, vorläufig Neil zu verhaften.

Unterdessen stellt Chan weitere Ermittlungen bei der Royal Air Force an: Hier kommt heraus, dass der ermordete Captain Hamilton an bedeutenden militärischen Erfindungen gearbeitet hatte, zuletzt aber offenbar im Geheimen. Als Chan zum Landhaus zurückkehrt, wartet auf ihn ein Brief von Lady Mary Bristol, die ihm eine wichtige Entdeckung mitteilen möchte. Um gegenüber dem Mörder keinen Verdacht zu erwecken, habe sie sich wie geplant dem Jagdausflug angeschlossen. Chan lässt sich zur Jagdpartie fahren, um mit Lady Mary zu sprechen. Sie hat aber inzwischen einen schweren Jagdunfall gehabt, ist schwer verletzt und bewusstlos. Die Hinrichtung von Hugh Gray soll jedoch am folgenden Morgen stattfinden, und es erscheint fraglich, ob Lady Mary bis dahin ihre Entdeckung gegenüber Chan mitteilen kann.

Am Abend vor der Hinrichtung versammelt Chan alle Verdächtigen und teilt mit, dass der Unfall von Lady Mary in Wahrheit ein Mordanschlag war. Es konnte festgestellt werden, dass ihr Pferd geblendet wurde und deshalb mit ihr die Böschung hinabstürzte. In den Nachtstunden sucht Charlie Chan den Hausherren und Verlobten von Lady Mary, Geoffrey Richmond, auf, um mit ihm im Arbeitszimmer auf den Mörder zu warten. Dort seien Hamiltons Pläne für leiser fliegende Militärflugzeuge versteckt. Chan übergibt Richmond seine Waffe, während er nach den Plänen suchen will. Als Chan die Pläne zu finden beginnt, schießt Richmond hinterrücks auf den suchenden Chan. Dadurch ist Richmond – die Waffe war nur mit Platzpatronen geladen – enttarnt. Die von Chan eingeweihte Polizei hat bereits gewartet und nimmt Richmond fest. Es stellt sich heraus, dass es sich bei Richmond in Wahrheit um den internationalen Spion Paul Frank handelt, der die Erfindungen Hamiltons stahl, um sie zu verkaufen. Als Hamilton ihm auf die Spur kam, ermordete er ihn.

Somit kann Hugh Grays Leben, wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung, gerettet werden. Auch Pamela und Neil finden wieder zueinander.

Hintergrund

Der von Eugene Forde mit einem Budget von 100.000 US-Dollar für die Fox Film Corporation ist der neunte Film über den von Earl Derr Biggers geschaffenen chinesischstämmigen Polizisten Charlie Chan, aber nach Charlie Chan – Das schwarze Kamel erst der Zweite nicht verschollene Film. Während die ersten Filme noch auf den sechs Romanen von Biggers beruhten, war dieser Film der erste Film, der nur lose darauf aufbaute und der Beginn zahlreicher weiterer Filme, die Chan weltweit Kriminalfälle lösen ließ.

In dem am 12. September 1934 in den USA uraufgeführten Film spielte Ray Milland, der für die Darstellung des Alkoholikers Don Birnam in Das verlorene Wochenende bei der Oscarverleihung 1946 den Oscar als bester Hauptdarsteller gewann, eine seiner ersten Hauptrollen. Zu den weiteren Darstellern gehörte auch der bereits 55-jährige Theaterschauspieler E. E. Clive, der erst im Jahr zuvor in dem Horrorfilm Der Unsichtbare von James Whale sein Filmdebüt gegeben hatte und hier die Rolle des britischen Polizisten Thacker übernahm.

Als Szenenbildner arbeitete Duncan Cramer mit, der 1955 und 1956 für einen Primetime Emmy Award für die beste Artdirection in der Serie Four Star Playhouse nominiert war. Die Kostüme stammten unter anderem von dem 1946 mit dem mexikanischen Premio Ariel für Bogumbilia ausgezeichneten Royer sowie von Sam Benson, der zwischen 1924 und 1957 an der Kostümausstattung von fast 450 Filmen mitarbeitete, und Eugene Joseff, der von 1921 bis zu seinem Tod 1948 den Schmuck und Kostümschmuck für über 1000 Filme entwarf.

In Robert Altmans Film Gosford Park von 2001 wird in einer Nebenhandlung die, großenteils allerdings fiktionalisierte, Entstehungsgeschichte von Charlie Chan in London nacherzählt. Wie Charlie Chan in London erzählt Gosford Park von einem Mordfall auf einem britischen Landgut.

Zitate

Wie in den anderen Filmen der Reihe unterstreicht Charlie Chan seine Arbeit durch Zitate, die an chinesische Sprichwörter erinnern. Der stets höfliche und ruhig wirkende Chan bedankt sich wie üblich mit einem „Danke sehr vielmals“ (‚Thank you so much‘).

Zu den Sprüchen Chans gehören in diesem Film unter anderem:

  • „Wenn du einen wilden Vogel singen hören möchtest, darfst du ihn nicht in einen Käfig sperren“ (‚If you want wild bird to sing do not put him in cage‘)
  • „Die Vorderseite erzählt selten die Wahrheit. Um die Bewohner eines Hauses zu kennen, muss man immer in den Hinterhof schauen“ (‚Front seldom tell truth. To know occupants of house, always look in backyard.‘)
  • „Wenn der Tod durch das Fenster eintritt, gibt es keine Zeit für das Leben durch die Tür zu gehen“ (‚When death enters window, no time for life to go by door‘)
  • „Der Fall ist wie das Innenleben eines Radios – viele Verbindungen, die nicht alle in Beziehung stehen“ (‚Case like inside of radio – many connections not all related‘)
  • „Es ist die unausgesprochene Frage, die den Schlaf verhindert“ (‚It is unasked question which prevent sleep‘)
  • „Verzeihung, verstehe kein Englisch – nur Amerikanisch“ (‚Regret do not understand English – only American‘)