Charles-Émile Bouillevaux

Charles-Émile Bouillevaux (* 1. April 1823 in Montier-en-Der, Département Haute-Marne; † 6. Januar 1913 ebendort) war ein französischer römisch-katholischer Priester und Missionar, der im heutigen Vietnam (Cochinchina) und Kambodscha wirkte. Er gilt als erster Europäer des 19. Jahrhunderts, der sowohl Angkor besuchte als auch einen Bericht über die Stätte publizierte.

Bouillevaux trat 1845 in die Gesellschaft der ausländischen Missionen zu Paris (MEP) ein und wurde am 17. Juni 1848 im Bistum Langres zum Priester geweiht. Drei Monate später begann er seine Missionsreise über Singapur in den Süden des heutigen Vietnam, wo damals das Apostolische Vikariat Cochinchina bestand. 1850 ging er nach Kambodscha, wo Papst Pius IX. kurz zuvor ein neues Apostolisches Vikariat eingerichtet hatte, das Bouilleveaux’ Ordensbruder Bischof Jean-Claude Miche leitete. Dort residierte er in der katholischen Mission von Ponhéalu (oder Pinhalu; gehört heute zu Phnom Penh) und in der Küstenstadt Kampot.[1]

Bouillevaux reiste im Dezember 1850 über Phnom Penh und den See Tonle Sap nach Angkor Wat, der heute als einer der kunstvollsten Tempel seiner Zeit angesehen wird. Er beschrieb seine Reise und die Anlage von Angkor 1858 jedoch eher karg und wenig mitreißend. Dies mag auch an den barbrüstigen Apsaras liegen, die zu Hunderten die Mauern des Tempels schmückten und die Bouillevaux als Christen seiner Zeit unsittlich erschienen.[2] Später haderte er mit der geringen Anerkennung seiner Entdeckung, doch war es anerkanntermaßen Henri Mouhot, der nach seinem Besuch 1860 mit einer farbigen Darstellung von Angkor Wat die Anlage in Europa bekannt machte.

Im Jahr 1851 missionierte Bouillevaux unter dem Volk der Bunong (Phnong) im Nordosten Kambodschas. Im Jahr 1853 reiste er Richtung Laos, kam aber nur bis Stung Treng in der Nähe der kambodschanisch-laotischen Grenze. Er beendete seinen ersten Missionsaufenthalt 1855 und kehrte zunächst nach Europa zurück. Als Pfarrer von Saucourt (Département Haute-Marne) in seiner ostfranzösischen Heimatdiözese schrieb er den Bericht über seine Reisen in Indochina nieder.[1]

Zu einem zweiten Missionsaufenthalt reiste Bouillevaux 1866 erneut nach Cochinchina, das Frankreich drei Jahre zuvor als Kolonie erobert hatte. Dort leitete er die Pfarrgemeinde Cho-quan in der Nähe von Saigon. Er kehrte 1873, diesmal endgültig, nach Frankreich zurück und verließ die Pariser Missionsgesellschaft. In den folgenden Jahren war er Gemeindepfarrer von Rupt und Longeville-sur-la-Laines im Département Haute-Marne. Er trat 1883 in den Ruhestand, den er in seinem Heimatdorf Montier-en-Der verbrachte. Charles-Émile Bouillevaux starb 1913.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c Charles-Émile BOUILLEVAUX (1823–1913). In: Missionaries, Institut de recherche France-Asie.
  2. Milton Osborne: The Mekong : turbulent past, uncertain future. New York 2000 (Google Books)

Veröffentlichungen

  • Charles-Émile Bouillevaux: Voyage dans l'Indo-Chine 1848-1856. Victor Palmé, Paris 1858.