Jean-Claude Miche

Jean-Claude Miche MEP (* 9. August 1805 in Bruyères, Département Vosges; † 1. Dezember 1873 in Saigon, Cochinchina) war ein französischer römisch-katholischer Ordensgeistlicher der Pariser Mission und Bischof im heutigen Vietnam und Kambodscha. Er war von 1850 bis 1869 Apostolischer Vikar von Kambodscha und von 1864 bis 1873 Apostolischer Vikar von West-Cochin.

Leben

Jean-Claude Miche empfing am 5. Juni 1830 in Saint-Dié-des-Vosges das Sakrament der Priesterweihe. Nach einer Zeit als Vikar seines Bruders in Moyenmoutier und Fraize (Département Vosges) trat er 1835 der Ordensgemeinschaft der Pariser Mission bei. Im Februar des Folgejahres ging er auf seine erste Mission nach Südostasien. Da der vietnamesische Kaiser Minh Mạng das Christentum verboten hatte, verbrachte er die erste Zeit in Penang, das damals zur britischen Kolonie Straits Settlements gehörte und wo der apostolische Vikar von Cochinchina, Jean-Louis Taberd, seinen Exilsitz hatte. Dort lernte Miche Vietnamesisch und lehrte später als Professor für Moraltheologie.[1]

Taberd entsandte ihn 1838 erstmals nach Kambodscha, zur christlichen Gemeinde von Battambang, die seit 40 Jahren keinen Priester mehr hatte. Aufgrund des Aufstands des kambodschanischen Prinzen Ang Em gegen die siamesische Oberherrschaft vertrieben siamesische Truppen jedoch im Jahr darauf die Bevölkerung von Battambang, wodurch auch die dortige katholische Gemeinde unterging. Nach dem Tod des Kaisers Minh Mạng konnten die Pariser Missionare ihre Arbeit in Vietnam wieder aufnehmen. Der neue apostolische Vikar von Cochin, Étienne-Théodore Cuenot, nahm seinen Sitz bei Quy Nhơn und ernannte Miche zu seinem Provikar. 1842 wurde er zur Evangelisierung des Volks der Ê-đê (oder Rhade) auf die Đắk-Lắk-Hochebene entsandt. Auf dieser Reise wurden Miche und sein Begleiter Pierre Duclos verhaftet und im Gefängnis von Tuy Hòa gefoltert. Er erhielt 45 Stockhiebe und wurde zum Tod verurteilt. Bevor diese Strafe vollstreckt wurde, erzwang jedoch die französische Korvette Héroïne unter Kapitän Félix Favin-Lévêque die Freilassung Miches, Duclos’ und drei weiterer Priester der Pariser Mission.[1]

Nach einem Jahr in Penang ging Miche erneut nach Vietnam, wo er zum katholischen Dorf Lái Thiêu bei Saigon entsandt wurde. Nach der Aufteilung des Apostolischen Vikariats Cochin im Jahr 1844 gehörte dieses zur Diözese West-Cochin unter Bischof Dominique Lefèbvre MEP. Am 11. März 1844 ernannte Papst Gregor XVI. Miche zum Koadjutorvikar von West-Cochin und am 10. Juni 1846 zum Titularbischof von Dausara. Der Apostolische Vikar Dominique Lefèbvre spendete ihm am 13. Juni 1847 die Bischofsweihe in einem Stall, um nicht die Aufmerksamkeit der weiterhin das Christentum unterdrückenden Autoritäten zu wecken.[1]

Als Papst Pius IX. ein neues Apostolisches Vikariat für Kambodscha errichtete, ernannte er Miche am 27. August 1850 zu dessen Leiter. Während die Evangelisierung der Khmer sowie Missionen nach Laos scheiterten, wobei mehrere seiner Missionare starben, gelang die nachhaltige Gründung einer Gemeinde in der Hafenstadt Kampot sowie kleiner Gemeinden katholischer Vietnamesen entlang des Mekong. Der kambodschanische König Ang Duong bemühte sich in den 1850er-Jahren, durch Miches Vermittlung diplomatische Beziehungen zu Frankreich aufzubauen, um sich von der siamesischen Oberherrschaft zu befreien. Der Bischof lehnte die Idee einer europäischen Einmischung in kambodschanische Angelegenheiten zunächst strikt ab, unterstützte aber die Gesandtschaft Charles de Montignys in das Land, um politische und Handelsbeziehungen aufzubauen. Nach der französischen Eroberung von Saigon 1859 schloss er sich der Idee eines französischen Protektorats über Kambodscha an. Er spielte eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen zwischen dem neuen kambodschanischen König Norodom I. und dem französischen Admiral Pierre-Paul de La Grandière, die 1863 zum Abschluss eines Protektoratsvertrags führten.[1]

Jean-Claude Miche wurde am 9. September 1864 in Nachfolge von Dominique Lefèbvre Apostolischer Vikar von West-Cochin und zog nach Saigon. Zuvor hatte das Französische Kaiserreich die gesamte Mekongdelta-Region erobert und zur Kolonie Cochinchina erklärt. Während Miche 1869 als Apostolischer Vikar von Kambodscha zurücktrat (dieses Amt hatte er parallel weitergeführt), hatte er das Apostolische Vikariat bis zu seinem Tod am 1. Dezember 1873 inne. Im Februar 1872 ernannte er seinen Ordensbruder Isidore-François-Joseph Colombert zum Koadjutor-Vikar, der dann sein Nachfolger wurde.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Jean-Claude MICHE (1805–1873). In: Missionaries, Institut de recherche France-Asie.
VorgängerAmtNachfolger
Dominique Lefèbvre MEPApostolischer Vikar von West-Cochin
1864–1873
Isidore-François-Joseph Colombert MEP