Charitas Karner
Charitas Karner (* um 1717; † 22. Februar 1774 in Gessertshausen) war eine bayerische Zisterzienserin und die vorletzte Äbtissin des Klosters Oberschönenfeld bei Augsburg.
Leben
Charitas Karner wurde um 1717 geboren. Sie lebte als Zisterzienser-Nonne im Kloster Oberschönenfeld bei Gessertshausen in der Nähe von Augsburg und war eine von rund 30 Konventmitgliedern. Nachdem die bisherige Äbtissin M. Cäcilia Wachter (1694–1768) ihr Amt aus Altersgründen niedergelegt hatte, wurde Charitas Karner am 16. September 1767 zu deren Nachfolgerin gewählt. Am 11. Oktober 1767 erteilte ihr Abt Cölestin I. Meermoos, der von 1739 bis 1771 das Zisterzienser-Kloster Kaisheim leitete, die Benediktion.[1] Sie war die 35. Äbtissin des Klosters.[1][Anm. 1]
Bereits zu Beginn ihrer Ägide initiierte sie 1768 eine groß angelegte Neuausstattung der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt im Stil des Rokoko, die das Innere der Klosterkirche bis heute bestimmt. Bekannte zeitgenössische Künstler – darunter Johann Joseph Anton Huber und Joseph Hartmann – wurden mit großflächigen Decken-Fresken beauftragt. Zudem ließ Äbtissin Karner aufwändige Stuckarbeiten erstellen und fünf Altäre neu errichten. Durch diese Bautätigkeit entstand eine hohe Schuldenlast, die erst kurz vor der Säkularisation des Klosters im Jahr 1803 abgetragen war.[2] Dennoch heißt es dazu in der Klosterchronik: „Die kunstsinnige Äbtissin hat sich darin ein bleibendes Denkmal gesetzt, großartiger und ehrenvoller als manche Bauten ihrer Vorgängerinnen.“[1]
„Fast immer das Krankenbett hütend, aber als liebreiche Mutter ihrer geistlichen Töchter geschildert“,[3] währte ihre Amtszeit nur sechseinhalb Jahre. Die letzten beiden Jahre ihres Lebens war sie „ununterbrochen an das Krankenbett geheftet“.[4]
Äbtissin Charitas Karner starb am 22. Februar 1774 in ihrem 57. Lebensjahr.[1][Anm. 2] Wie ihre Vorgängerinnen wurde sie im Kreuzgang des Klosters bestattet.[1] Ihre Nachfolgerin M. Irmengardis Stichaner war die letzte Äbtissin des Klosters Oberschönenfeld, das im Zuge der Säkularisation in Bayern im März 1803 aufgelöst wurde.[5]
Gedenken
Über dem Chorbogen der Klosterkirche ist eine Rocaille-Kartusche mit dem Wappen der Äbtissin Karner ausgearbeitet.[6] Ein Porträtgemälde von Charitas Karner, dessen Urheber nicht bekannt ist, ist in der Äbtissinnengalerie des Klosters zu finden. Im Kreuzgang des Klosters ist ihr Grabmal mit einer ausführlichen Inschrift erhalten.[1]
Literatur
- Theodor Wiedemann: Urkundliche Geschichte des Frauenklosters Oberschönenfeld. In: Anton von Steichele (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des Bisthums Augsburg, Band 2, Augsburg 1852.
- Pirmin August Lindner: Monasticon Episcopatus Augustani antiqui: Verzeichnisse der Aebte, Pröpste und Aebtissinnen der Klöster der alten Diözese Augsburg. Josef Kösel, Kempten 1913, S. 144.
- Abtei Oberschönenfeld. Ältestes Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland 1211–1961. Eine Rückschau auf 750 Jahre. Eigenverlag, Oberschönenfeld 1961.
- Walter Pötzl: Lebensbilder zu Bildern aus dem Leben. Biographien von bedeutenden Persönlichkeiten und einfachen Leuten aus fünf Jahrhunderten. Augsburg 1991, S. 110–130.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Chronik Kloster Oberschönenfeld, Kapitel „Äbtissin Maria Charitas Karner, 1767–1774“.
- ↑ Alexandra Kohlberger: Klöster in Bayern. Oberschönenfeld. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Sebastian Brunner: Ein Cistercienserbuch. Leo Woerl, Würzburg 1881, S. 703 (Digitalisat).
- ↑ Anton von Steichele: Äbtissin Maria Charitas Karner. In: Archiv für die Pastoral-Conferenzen im Bisthume Augsburg: mit Beiträgen zur Geschichte des Bisthums Augsburg. Band 3. Verlag der Karl Kollmann’schen Buchhandlung, Augsburg 1852, S. 493 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Anton von Steichele: Das Bistum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben von Anton Steichele. Band 2. B. Schmid’sche Verlagsbuchhandlung, Augsburg 1864, S. 41 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
- ↑ Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern: Schwaben. Band 3. Deutscher Kunstverlag, 2008, ISBN 978-3-422-03116-6, S. 841.
Anmerkungen
- ↑ Abweichend davon war sie laut Anton Steichele (Das Bistum Augsburg…) die 28. Äbtissin ab 1251 gemäß urkundlicher Aufzeichnungen; es gab jedoch zuvor schon Äbtissinnen, deren Namen er nicht aufführt.
- ↑ Abweichende Angaben zu ihrem Todestag finden sich bei Pirmin August Lindner (18. Februar) sowie auf der Inschrift ihres Porträtgemäldes in der Äbtissinnengalerie des Klosters Oberschönenfeld (20. Februar).