Theodor Wiedemann

Theodor Wiedemann (* 20. August 1823 in Mittelstetten, Königreich Bayern; † 9. Mai 1901 in Salzburg) war ein deutscher Historiker, römisch-katholischer Theologe und Redakteur.

Leben und Wirken

Theodor Wiedemann wurde am 20. August 1823 in der kleinen oberbayerischen Gemeinde Mittelstetten im heutigen Landkreis Fürstenfeldbruck geboren.

Er absolvierte das Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg im August 1843 und studierte anschließend an der Universität München Theologie, wo er sowohl den philosophischen als auch den theologischen Doktortitel erwarb. Am 17. Juni 1848 empfing er in Freising von Erzbischof Karl August von Reisach die Priesterweihe. Danach arbeitete er zunächst als Co-Adjutor in Schnaitsee bei Wasserburg am Inn und ab 1849 als Kurat bei St. Johann in München, wo er seine Studien fortsetzte. Er besuchte zudem die Universitäten Freiburg im Breisgau und Würzburg.[1]

1852 ging Wiedemann als Missionar nach Südamerika. Dort beteiligte er sich 1855 gemeinsam mit Joseph von Reis, einem Wiener und Freund des Philosophen Anton Günther, sowie mit Johann Emanuel Veith an der Herausgabe eines Werkes über die Geschichte der Kirchenorganisation in der Erzdiözese Bahia (portugiesisch Constituiçoes primeiras Arcepistado da Bahia). In Brasilien wurde er Pfarrer der deutschen Kolonie in Petrópolis bei Rio de Janeiro. Nach seiner Rückkehr nach Europa trat er 1859 in die österreichische Diözese St. Pölten ein, wo er als Kooperator in Brand bei Neulengbach tätig war.[1]

In den 1860er Jahren wandte Wiedemann sich dem Journalismus zu. Er publizierte zu Themen der bayerischen und österreichischen kirchlichen und politischen Geschichte. 1860 übernahm er die Redaktion der in Wien erscheinenden Katholischen Literatur-Zeitung und verlegte 1861 seinen Wohnsitz dauerhaft nach Wien. Gemeinsam mit anderen Theologen, darunter die Domherren Joseph Scheiner und Franz Werner sowie Johann Nepomuk Ehrlich, gründete er 1862 die Oesterreichische Vierteljahreschrift für katholische Theologie. Beide Zeitschriften leitete er jeweils 13 Jahre lang, bis die erste 1873 und die zweite 1875 eingestellt wurden.

1874 wurde Wiedemann Feuilletonist der Neuen Freien Presse in Wien und der Bohemia in Prag. 1879 ernannte ihn Minister Karl von Stremayr zum Chefredakteur der amtlichen Linzer Zeitung, 1881 Minister Eduard Taaffe zum Chefredakteur der amtlichen Salzburger Zeitung.[1] Von dieser letzten Tätigkeit zog sich Wiedemann erst Ende September 1900 in den Ruhestand zurück.[2]

Neben dem gemeinsam mit Joseph von Reis herausgegebenen Werk erschienen während seines Aufenthalts in Südamerika von ihm in deutscher und portugiesischer Sprache ein Gebetbuch, ein Katechismus und ein Buch zur Kolonisation. In einem Zeitraum von rund 50 Jahren veröffentlichte Theodor Wiedemann mindestens 90 Bücher und Aufsätze. Zu seinen bedeutendsten Werken zählt unter anderem die Geschichte der Reformation und Gegenreformation im Lande ob der Enns sowie das Buch über die Sekte der Pöschlianer: Die religiöse Bewegung in Oberösterreich und Salzburg beim Beginn des 19. Jahrhunderts. Auch während seiner Zeit in Bayern und Wien erschienen regelmäßig weitere Publikationen, darunter eine Biografie des Bischofs Altmann von Passau und das Werk Kirchliche Bücherzensur in der Erzdiözese Wien. Eine längere Liste seiner Publikationen ist in seinem Eintrag im Biographischen Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (BLKÖ) enthalten.[1]

Wiedemann war Mitglied zahlreicher historischer Vereine in Bayern, darunter der Historische Verein für Oberbayern in München, der Historische Verein für Niederbayern in Landshut, der Historische Verein für Schwaben und Neuburg in Augsburg und der Historische Verein für Unterfranken und Aschaffenburg in Würzburg. 1865 trat er der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde bei und blieb deren Mitglied bis zu seinem Tod.[3]

Wiedemann starb am 9. Mai 1901 im Alter von 77 Jahren in Salzburg und wurde auf dem dortigen Kommunalfriedhof bestattet.[2]

Auswertung der Wiedemannschen Korrespondenz

Theodor Wiedemann stand im Laufe seines Lebens mit zahlreichen Persönlichkeiten und Kollegen in regem brieflichem Kontakt. Seine Korrespondenz aus dem Zeitraum 1844 bis 1901 umfasst zwölf Bände mit an ihn gerichteten Originalbriefen. Peter-Paul Hahnl – Sohn des langjährigen Stiftsbibliothekars Adolf Hahnl der Erzabtei St. Peter in Salzburg – erfasste und analysierte diese Dokumente im Rahmen einer Diplomarbeit an der Universität Salzburg erstmals systematisch. Die 2003 veröffentlichte Arbeit trägt den Titel Katholische Intellektuelle im Kulturkampf – analysiert anhand von Briefen, gesammelt von Dr. Theodor Wiedemann und ist im Volltext online abrufbar.

Nachlass

Der vollständig erschlossene Nachlass von Theodor Wiedemann befindet sich unter dem Namen Wiedemanniana seit 1916 im Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek in München. Er besteht aus einer Sammlung von Urkunden, Handschriften und Drucken zur bayerischen Orts-, Adels- und Kirchengeschichte des 16. bis 19. Jahrhunderts (3 Konvolute). Wiedemann hatte die Sammlung, die sich hauptsächlich auf Altbayern und die angrenzenden österreichischen Gebiete bezog, in mehreren Bänden zusammengefasst und jeden Band eigenhändig mit Register und Titelblatt versehen.[4]

Literatur

Commons: Theodor Wiedemann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c d Constantin von Wurzbach: Wiedemann, Theodor. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 56. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1888, S. 1 (Digitalisat).
  2. a b siehe Hahnl: Katholische Intellektuelle…, S. 56.
  3. siehe Hahnl: Katholische Intellektuelle…, S. 56, 57.
  4. Nachlass von Theodor Wiedemann (1823–1901) – BSB Wiedemanniana. 0, Repertorium des Nachlasses von Theodor Wiedemann (1823–1901). In: opacplus.bsb-muenchen.de. Abgerufen am 17. November 2025.