Carlos Hugo von Bourbon-Parma

Carlos Hugo von Bourbon-Parma (* 8. April 1930 in Paris; † 18. August 2010 in Barcelona[1]), Herzog von Parma, erbte 1975 die Ansprüche der carlistischen Gegenkönige der spanischen Bourbonen. Seit 1977 erhob sein jüngerer Bruder Don Sixto Enrique von Bourbon-Parma (* 1940) Anspruch auf den Titel des carlistischen Thronprätendenten, weil Carlos Hugo durch seine linksgerichtete Politik seine Rechte verwirkt habe; dabei unterstützte ihn ihre gemeinsame Mutter bis zu ihrem Tode 1984.

Herkunft, Titel und Werdegang

Carlos Hugo war der älteste Sohn des Herzogs Franz Xaver von Bourbon-Parma (1889–1977) und seiner Gattin Madeleine geb. Prinzessin von Bourbon-Busset (1898–1984), Tochter von Georges de Bourbon-Busset, Graf von Lignières. Getauft wurde er auf den Namen Hugues Xavier Marie Sixte Robert Louis Jean Georges Benoît Michel. 1963 erhielt er den Namen Charles Hugues (spanisch Carlos Hugo, niederländisch Karel Hugo oder Carel Hugo). María Teresa de Borbón-Parma war eines seiner fünf Geschwister.

Carlos Hugo war Träger folgender Titel: Herzog von Parma und Piacenza, ab 1957 Prinz von Asturien, 1961 bis 1963 Herzog von San Jaime, ab 1964 Herzog von Madrid, Träger des Orden vom Goldenen Vlies und als carlistischer Gegenkönig ab 1975 Carlos Hugo I.

Über seinen Vater war Carlos Hugo ein Neffe der letzten österreich-ungarischen Kaiserin Zita von Bourbon-Parma, sowie Cousin ersten Grades sowohl von Otto von Habsburg (1912–2011) als auch des früheren Großherzogs Jean von Luxemburg (1921–2019).

Er erlangte ein Baccalauréat in Montreal und führte seine Studien in Paris und Oxford weiter. An der Sorbonne schloss er Rechtswissenschaft, in Oxford Ökonomie ab. Als erster spanischer Prinz erhielt er eine vollständige universitäre Ausbildung, während zuvor noch militärische Stationen dominiert hatten. Im Anschluss war er bei der Deutschen Bank beschäftigt.[2][3]

Im Jahr 1971 schenkte Prinz Carlos Hugues de Bourbon das renovierungsbedürftige Schloss Ebenzweier im österreichischen Altmünster an die Gemeinde. Das Schloss befand sich seit 1891 im Eigentum der Familie, nachdem Prinz Don Jayme de Bourbon es erworben hatte.

Nach dem Ende des Franco-Regimes 1975 gab der Prinz seine bis dahin eher lavierende politische Linie auf und wandte sich der politischen Linken zu, worin ihm einige vorwiegend jüngere Carlisten folgten. Inspirationsquellen fanden sie in der Befreiungstheologie, in den Beschlüssen des Vaticanum II sowie in der katholischen Soziallehre.[4] Ausgehend vom starken Dezentralisierungsgedanken des eigentlich traditionalistisch-konservativen Carlismus wurden regionale und betriebliche Selbstverwaltung wichtige Anliegen. Dabei knüpfte er an das Vorbild Jugoslawiens an, dessen Oberhaupt Tito damals auch in Westeuropa angesehen war. 1980 trat er dennoch aus der linken Carlistenpartei (PC, Partido Carlista) aus.[5]

Im Mai 1976 wurden mehrere seiner versammelten Anhänger beim sog. Montejurra-Zwischenfall von rechten Altfranquisten ermordet.[6] 1977 kam es zum Konflikt um die bereits 1975 vollzogene Nachfolge, die sein konservativer Vater schließlich bestätigte, obgleich es vorher zu Meinungsverschiedenheiten und einer Manifestation des Bruders gekommen war.[7]

Er erklärte zuletzt 2003 öffentlich seinen Thronanspruch. Seit 2008 an Krebs erkrankt verstarb er 2010.[8]

Heirat und Nachkommen

Offiziell gab er seine Verlobung mit der niederländischen Prinzessin Irene (* 1939), Tochter der Königin Juliana der Niederlande (1909–2004) und ihres Gatten Prinz Bernhard (1911–2004), am 9. Februar 1964 bekannt. Die Heirat ohne Zustimmung des niederländischen Parlaments löste in den Niederlanden einen Skandal aus. Irene verlor offiziell die Zugehörigkeit zum Königshaus und das Thronfolgerecht.[9]

Die Hochzeit fand am 29. April 1964 in Rom statt (Zelebrant war Kardinal Paolo Giobbe), 1981 wurde sie geschieden. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor:

  1. Carlos Xavier Bernardo Sixtus Maria (* 1970), Herzog von Parma, Herzog von Madrid, Prinz von Piacenza, Prinz von Bourbon-Parma. Aus einer Beziehung mit Brigitte Klynstra hat er einen außerehelichen Sohn. Am 7. Oktober 2009 gab Prinz Carlos seine Verlobung mit Annemarie Gualthérie van Weezel (* 1977) bekannt. Sie ist die Tochter von Hans Gualthérie van Weezel, einem niederländischen Politiker und ehemaligen Botschafter, und Ank de Visser. Die standesamtliche Trauung erfolgte am 12. Juni 2010 in Wijk bij Duurstede, Niederlande.[10] Gemeinsam haben sie zwei Töchter und einen Sohn.
    1. Carlos Hugo Roderik Sybren Klynstra (* 1997, Sohn von Brigitte Klynstra)
    2. Luisa Irene Constance Anna Maria (* 10. Mai 2012 in Den Haag)
    3. Cecilia Maria Johanna Beatrix (* 17. Oktober 2013 in Den Haag)
    4. Carlos Enrique Leonard (* 24. April 2016 in Den Haag)[11]
  2. Margarita Maria Beatrix (* 1972), Gräfin von Colorno, Prinzessin von Bourbon-Parma. Sie war von 2001 bis 2006 mit Edwin Karel Willem de Roy van Zuydewijn (* 1966) verheiratet. Im Mai 2008 heiratete sie den niederländischen Juristen Tjalling ten Cate. Sie haben die beiden Töchter:
    1. Julia Carolina Catharina ten Cate (* 3. September 2008 in Amsterdam)[12]
    2. Paola Cecilia Laurentien ten Cate (* 25. Februar 2011 in Den Haag)[13]
  3. Jaime Bernardo (genannt Jacques) (* 1972), Herzog von San Jaime, Graf von Bardi, Prinz von Bourbon-Parma. Er heiratete am 5. Oktober 2013 in Apeldoorn die gebürtige Ungarin Viktória Cservenyák (* 1982). Gemeinsam haben sie eine Tochter:
    1. Zita Clara Prinzessin von Bourbon-Parma (* 21. Februar 2014 in Amsterdam)
  4. Maria Carolina Christina (* 1974), Herzogin von Gernika, Gräfin von Sala, Prinzessin von Bourbon-Parma. Sie heiratete am 16. Juni 2012 in Florenz Albert Brenninkmeijer, dessen Familie C&A gegründet hat. Gemeinsam haben sie eine Tochter:
    1. Alaïa-Maria Irene Cécile Brenninkmeijer (* 20. Mai 2014 in Zürich)[14]

Die Kinder wurden 1996 als Prinzen bzw. Prinzessinnen von Bourbon-Parma (amtlich de Bourbon de Parme) dem niederländischen Adel einverleibt.

Besitzungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. Muere Carlos Hugo de Borbón Parma, aspirante carlista al trono de España, 18. August 2010 (Memento vom 21. August 2010 im Internet Archive) abgerufen am 12. April 2011
  2. Organizacja Monarchistów Polskich » Książę Karol Hugon Burboński nie żyje (8 IV 1930 - † 18 VIII 2010). Abgerufen am 8. November 2025 (polnisch).
  3. Les Bourbon-Parme dans les institutions d’enseignement du Québec – Histoire Québec. Abgerufen am 4. November 2025.
  4. Jacek Bartyzel: „Don Carlos Marx”. Studium przypadku rewolucyjnej transgresji tradycjonalizmu w socjalizm w hiszpańskim karlizmie. In: Studia Philosophica Wratislaviensia. Band 5, Nr. 4, 1. Januar 2010, ISSN 2957-2460 (wuwr.pl [abgerufen am 8. November 2025]).
  5. Canal, Jordi: El Carlismo. Dos siglos de contrarrevolución en España, Alianza Editorial, 2000, S. 370/371.
  6. Ismael López Muñoz: Tiros desde Montejurra en la niebla contra una multitud indefensa. In: El País. 11. Mai 1976, ISSN 1134-6582 (elpais.com [abgerufen am 4. November 2025]).
  7. Ministerio de Cultura: Biblioteca Virtual de Prensa Histórica. 2003, abgerufen am 4. November 2025 (spanisch).
  8. INTERIOR. Abgerufen am 4. November 2025.
  9. Jeremy MacClancy: Prince Carlos Hugo obituary. In: The Guardian. 27. September 2010, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 8. November 2025]).
  10. Carlos, Duke of Parma & Annemarie Gualthérie van Weezel, June & Nov 2010 abgerufen am 12. April 2011
  11. Carlos, Duke of Parma. Abgerufen am 4. November 2025.
  12. Prinses Margarita bevallen van dochter (Memento vom 10. Oktober 2012 im Internet Archive), De Telegraaf, 4. September 2008 (niederländisch).
  13. Tweede dochter voor prinses Margarita - website De Telegraaf, 28 feb 2011 (Dutch).
  14. redactievorsten: Een meisje voor prinses Carolina! Alaïa-Maria is zesde kleindochter voor prinses Irene. In: Vorsten. 23. Mai 2014, abgerufen am 4. November 2025 (niederländisch).
Commons: Carlos Hugo, Duke of Parma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
VorgängerAmtNachfolger
Franz XaverTitularherzog von Parma
1977–2010
Carlos