Carlo Alberto Galluzzi
Carlo Alberto Galluzzi (* 2. Dezember 1919 in Florenz, Toskana; † 11. März 2000 in Rom) war ein italienischer Politiker des Partito Comunista Italiano (PCI), der unter anderem von 1963 bis 1979 Mitglied der Camera dei deputati sowie von 1976 bis 1989 Mitglied des Europäischen Parlaments war.
Leben
Mitglied der Abgeordnetenkammer und Außenpolitischer Sprecher des PCI
Carlo Alberto Galluzzi war als Buchhalter tätig und wurde bei den Parlamentswahlen am 28. April 1963 für die Kommunistische Partei PCI (Partito Comunista Italiano) im Wahlkreis „Firenze“ erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Camera dei deputati) und gehörte dieser nach seinen Wiederwahlen 1968, 1972 und 1976 in der vierten bis zum Ende der siebten Legislaturperiode vom 16. Mai 1963 bis zum 19. Juni 1979 an. Während seiner Parlamentszugehörigkeit war er in der vierten bis zur siebten Legislaturperiode zwischen dem 1. Juli 1963 und dem 19. Juli 1979 Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und Auswanderung(Commissione affari esteri - emigrazione).[1][2][3][4]
Nachdem es im September 1966 an der italienisch-österreichischen Grenze in Südtirol (Alto Adige) zu einem Feuergefecht zwischen Carabinieri und Terroristen gekommen war, hatte er in seiner Funktion als Mitglied der Leitung der PCI und Verantwortlicher der außenpolitischen Abteilung der Partei in einer Debatte des Parlaments den Terror als „Ausdruck des deutschen Revanchismus“ gebrandmarkt und erklärt, dass die organisatorischen, politischen und ideologischen Stützpunkte des Terrorismus in Westdeutschland und Österreich liegen. Das werde auch durch die Tatsache bewiesen, „dass Bonn die aus dem Zweiten Weltkrieg resultierenden Grenzen nicht anerkennt, den Kalten Krieg gegen die DDR führt und die Attentäter gegen die DDR-Grenzen und gegen Italien ermutigt“. Er forderte zudem, dass die italienische Regierung die Mitverantwortung Bonns für den Terror in Alto Adige eingestehen müsste.[5][6] Im März 1967 bezeichnete er den Abschluss der Freundschafts- und Beistandsverträge zwischen der DDR, der Volksrepublik Polen und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik als neuen bedeutenden Beitrag zur Sicherheit Europas. Ferner erklärte er:
- „Diese Verträge bestätigen die entscheidende Funktion, die die DDR, der erste deutsche Friedensstaat auf unserem Kontinent, hat; sie zeigen, dass für alle Länder und in erster Linie für Westdeutschland der Moment gekommen ist, die gegenwärtigen Realitäten in Europa, die sich in den aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangenen Grenzen und der Existenz zweier deutscher Staaten ausdrücken, anzuerkennen. Die Weigerung Bonns, dies zu akzeptieren, ist eine Gefahr für den Frieden und ein Attentat auf die Entspannung in Europa. Durch die offene Sabotagekampagne der Regierung Kiesinger gegen den Abschluss eines Atomwaffensperrvertrages, der ein entscheidender Schritt auf dem Wege zur Abrüstung ist, ist diese Gefahr noch gewachsen.“[7]
Auf dem XII. Parteitag des PCI (8. bis 15. Februar 1969) wurde er zudem zum Mitglied des Politbüros der Partei gewählt.[8] Im Januar 1969 erklärte er, dass der PCI den Vorschlag der Staaten des Warschauer Vertrages, eine gesamteuropäische Konferenz über Fragen der europäischen Sicherheit und Zusammenarbeit durchzuführen, begrüßt.[9] Auf einer Plenartagung des Zentralkomitees und der Zentralen Kontrollkommission des PCI im Oktober 1970 wurde er zum Leiter der Abteilung Presse und Propaganda sowie zum Mitglied des Sekretariats des ZK berufen, während Sergio Segre[10] seine Nachfolger als Leiter der Internationalen Abteilung des ZK der IKP antrat.[11] Nach dem XIII. Parteitag (13. bis 17. März 1972) wurde er vom Zentralkomitee wieder zum Mitglied der Nationalen Leitung, des Politbüros und des Sekretariats des PCI gewählt.[12]
Gleichzeitig fungierte Galluzzi in der sechsten Legislaturperiode vom 25. Mai 1972 bis zum 4. Juli 1976 als Vizevorsitzender der PCI-Fraktion in der Abgeordnetenkammer und damit neben Giuseppe D’Alema[13] als Stellvertreter des Fraktionsvorsitzenden Alessandro Natta.[14] Nach dem XIV. Parteitag (18. bis 23. März 1975) wurde er vom Zentralkomitee als Mitglied der Nationalen Leitung bestätigt, aber nicht wieder zum Mitglied des Politbüros und des Sekretariats des PCI gewählt.[15] In der siebten Legislaturperiode war er zwischen dem 6. Oktober 1976 und dem 19. Juni 1979 als Vertreter des Parlaments Mitglied des Europäischen Parlaments.
Mitglied des Europäischen Parlaments
Bei der ersten Europawahl zwischen dem 7. und 10. Juni 1979 wurde Carlo Alberto Galluzzi nach seinem Ausscheiden aus der Abgeordnetenkammer für den PCI zum Mitglied des Europäischen Parlaments gewählt, dem er nach seiner Wiederwahl bei der Europawahl vom 14. bis 17. Juni 1984 als Vertreter Italiens in der ersten und zweiten Legislaturperiode vom 17. Juli 1979 bis zum 24. Juli 1989 angehörte. Er gehörte der Fraktion der Kommunisten und Nahestehenden (KOM) an und war in der ersten Legislaturperiode vom 20. Juli 1979 bis zum 23. Juli 1984 Mitglied des Ausschusses für Außenwirtschaftsbeziehungen sowie zuletzt zwischen dem 11. April 1983 und dem 23. Juli 1984 Vorsitzender der Delegation im Gemischten Ausschuss des Europäischen Parlaments und der Cortes Generales, dem Parlament von Spanien, das zu der Zeit den Beitritt zur Europäischen Union begehrte.[16] In der zweiten Legislaturperiode war er vom 26. Juli 1984 bis zum 20. Januar 1987 weiterhin Mitglied sowie im Anschluss zwischen dem 21. Januar 1987 und dem 24. Juli 1987 als stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Außenwirtschaftsbeziehungen. Weiterhin war er vom 26. Juli 1984 bis zum 20. Januar 1987 stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Haushaltskontrolle sowie Politischen Ausschusses, dem er zwischen dem 21. Juli 1987 und dem 24. Juli 1989 als Mitglied angehörte. Des Weiteren fungierte er zwischen dem 12. Februar 1985 und dem 20. Januar 1987 als Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zu Japan. Außerdem war er vom 21. Januar 1987 bis zum 13. März 1989 Mitglied sowie im Anschluss vom 14. März bis 24. Juli 1989 stellvertretender Vorsitzender der Delegation für die Beziehungen zu den Mitgliedsländern der ASEAN und der Interparlamentarischen Organisation der ASEAN (AIPO) und der Republik Korea.[17]
Weblinks
- Carlo Alberto Galluzzi. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (italienisch).
Einzelnachweise
- ↑ Carlo Alberto Galluzzi (4. Legislaturperiode). In: Camera dei deputati. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Carlo Alberto Galluzzi (5. Legislaturperiode). In: Camera dei deputati. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Carlo Alberto Galluzzi (6. Legislaturperiode). In: Camera dei deputati. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Carlo Alberto Galluzzi (7. Legislaturperiode). In: Camera dei deputati. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ „Neuer Überfall in Alto Adige. Italienische Öffentlichkeit für Aktionen gegen Bonner Revanchismus“, in: Neues Deutschland vom 15. September 1966
- ↑ „KP Italiens: Alto Adige verlangt Konsequenzen“, in: Neues Deutschland vom 15. Oktober 1966
- ↑ „Harter Schlag gegen Illusionen Bonns. Exklusiverklärung Carlo Galluzzis zu den Freundschafts- und Beistandsverträgen“, in: Neues Deutschland vom 23. März 1967
- ↑ „Gespräche mit Bruderparteien“, in: Neues Deutschland vom 18. März 1969
- ↑ „IKP begrüßt Vorschlag“, in: Neues Deutschland vom 23. Januar 1970
- ↑ Sergio Segre. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ „Wichtige IKP-Beschlüsse“, in: Neues Deutschland vom 23. Oktober 1970
- ↑ „Zentralkomitee der IKP wählte Führungsorgane“, in: Neues Deutschland vom 20. März 1972
- ↑ Giuseppe D’Alema. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Alessandro Natta. In: Camera dei deputati. Abgerufen am 28. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ „Nationale Leitung des ZK der Italienischen KP gewählt“, in: Neues Deutschland vom 26. März 1975
- ↑ Carlo Alberto Galluzzi (1. Legislaturperiode). In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 29. Oktober 2025.
- ↑ Carlo Alberto Galluzzi (2. Legislaturperiode). In: Europäisches Parlament. Abgerufen am 29. Oktober 2025.