Cantillac
| Cantillac | ||
|---|---|---|
| Staat | Frankreich | |
| Region | Nouvelle-Aquitaine | |
| Département | Dordogne | |
| Arrondissement | Nontron | |
| Gemeinde | Brantôme en Périgord | |
| Koordinaten | 45° 24′ N, 0° 39′ O | |
| Postleitzahl | 24530 | |
| Ehemaliger INSEE-Code | 24079 | |
| Eingemeindung | 1. Januar 2019 | |
| Status | Commune déléguée | |
Die Ortskirche von Cantillac | ||
Cantillac (Aussprache [kɑ̃tiˈjak], okzitanisch Cantilhac) ist eine frühere französische Gemeinde mit 187 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Norden des Départements Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Nontron. Die Einwohner werden Cantillacois und Cantillacoises genannt.
Der Erlass der Präfektin vom 31. Oktober 2018 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2019 die Eingliederung von Cantillac als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Brantôme en Périgord, Eyvirat, La Gonterie-Boulouneix, Saint-Crépin-de-Richemont, Sencenac-Puy-de-Fourches und Valeuil zur Commune nouvelle Brantôme en Périgord fest.[1]
Geografie
Cantillac liegt etwa 15 Kilometer südsüdwestlich von Nontron und etwa 24 nordnordwestlich von Périgueux am Übergang der Région naturelle des Périgord central zur Région naturelle des Ribéracois im touristisch benannten Landesteil des Périgord vert.
Der Ort setzt sich neben dem Ortskern aus einem Lieu-dit, sowie mehreren Weilern und Gehöften zusammen: Grand Lac, La Clède, La Gaillardie, La Plagne, Le Bas Puy, Le Bouchet, Le Haut Puy, Les Bourgougnoux, Les Bouriaux, Maison Neuve, Margnac, Mont Saint-Jean, Puybertro, Puycervier, Puyfauchard und Saint-Michel.
Cantillac befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne. Die Südostecke des Ortsgebietes berührt den nach Süden entwässernden Libourny, einen rechten Nebenfluss der Dronne. Etwa ein Kilometer nördlich des Ortskerns am Lieu-dit Mont Saint-Jean entspringt der nach Südwesten abfließende Pré Pinson, ein linker Seitenarm des Boulous; im Ortsgebiet von La Gonterie-Boulouneix wird er dann als Belaygue bezeichnet.
Die beiden genannten Flussläufe gehören zum Flusssystem Isle-Dronne.
Der topografisch tiefste Punkt in Cantillac mit 124 m liegt am Libourny in der Südostecke, die höchste Stelle mit 233 m befindet sich nördlich der Weiler Le Haut Puy und Le Bas Puy im Nordosten. Die absolute Höhendifferenz beträgt 109 Meter, die mittlere Meereshöhe 179 m. Das Zentrum befindet sich auf einem Hügel auf etwa 218 m Höhe.
Umgeben wird Cantillac von zwei Nachbargemeinden und zwei Communes déléguées von Brantôme en Périgord:
| Saint-Crépin-de-Richemont (Brantôme en Périgord) | Saint-Pancrace | |
| Champagnac-de-Belair | ||
| Brantôme en Périgord (Brantôme en Périgord) |
Geologie
Cantillac liegt vollständig auf flach liegenden Sedimenten des nördlichen Aquitanischen Beckens. Strukturell gehört der Schichtverband zum Südflügel der Combiers-Saint-Crépin-de-Richemont-Synklinale.
Die älteste anstehende Formation ist das Coniacium (Formation c4). Dessen harte Fossilkalke sind an der Südostecke der Commune déléguée aufgeschlossen. Über dem Coniacium folgt das Untersanton (Formation c5a) mit plattigen, grauen glaukonithaltigen Kalken. Es zieht in einem Band von Puybertro über Saint-Michel und Les Bouriaux zur Ostgrenze. Das folgende Obersanton (Formation c5b-c) nimmt bereits topographisch höhere Lagen ein und umrahmt den Ortskern im Osten und Süden. Es besteht aus Austernschill-haltigen Kalkmergeln, siltigen, glaukonithaltigen Kalken und Sanden bzw. Sandsteinen. Den Abschluss der Serie bilden die grauweißen Kreidekalke des Untercampans (Formation c6a). Das Untercampan findet sich in stratigraphisch höchster Position auf den Hochlagen um den Ortskern und beim Weiler Puyfauchard.
Im Alttertiär transgredierten über den mesozoischen Schichtenverband Flusssysteme, die ihren Ursprung im sich heraushebenden Massif Central bei Nontron nahmen und gen Südwest ins Aquitanische Becken schütteten. Es handelt sich hier um Schotter und Kiese, die stellenweise zu Konglomeraten verfestigt sein können (Formation HF – zu sehen entlang der D 675 bei Margnac und an der Nordwestgrenze zu Saint-Crépin-de-Richemont). Im Zuge der pleistozänen Vereisungen kam es zu sehr starken kolluvialen Vorgängen, welche die alttertiären kontinentalen Sedimente aufarbeiteten und umlagerten. Als Resultat werden jetzt die meisten Hanglagen unterhalb der HF-Formation durch die entstandenen Hüllsedimente verdeckt (Formationen AC und ACF). In den Talauen des Libourny und des Ruisseau du Pré Pinson finden sich rezente Flusssedimente des Holozäns (Formation K).
Direkt unterhalb des Ortskerns zieht die Mareuil-Störung vorbei. Diese Ostsüdost-streichende Verwerfung bildet Teil der Mareuil-Antiklinale. An ihr hat ein Versatz von zirka 20 Metern erfolgt, welcher die Südhälfte des Schichtverbandes gegenüber dem Nordteil herauspresste. Parallel hierzu verläuft im Nordteil des Orts eine weitere Störung mit gleichem Bewegungssinn aber wesentlich geringerem Versetzungsbetrag. Treppenartig wurde somit im Bereich von Cantillac der Schichtverband des Beckeninneren gegenüber dem Nordrand herausgehoben (ferne Auswirkungen der Pyrenäenorogenese am Nordrand Aquitaniens).
Bei Margnac wurden früher Tonlagen in der HF-Formation als Rohstoff für eine mittlerweile geschlossene Ziegelei abgebaut.
Etymologie und Geschichte
Der Name von Cantillac erschien spät in den latinisierten Formen Quentilhacum im 13. Jahrhundert und Cantilhacum im Jahr 1360. Am Ende des 14. Jahrhunderts wurde er Quentillac geschrieben. Er geht auf eine gallorömischen Person namens Quintilius zurück, gefolgt vom Suffix -acum (Landgut, Anwesen des Quintilius). Dies deutet auf eine Besiedlung in gallorömischer Zeit hin.
Das ehemalige Benediktinerpriorat Notre-Dame-de Cantillac gehörte zur Abtei von Brantôme. Das älteste erhaltene Bauwerk in Cantillac ist die romanische, ehemalige Prioratskirche Notre-Dame-de-la-Nativité aus dem 12. Jahrhundert.[2]
Vermutlich aufgrund einer Denunziation wurde eine von Antoine befehligte Gruppe der Francs-tireurs et partisans (FTP) am 27. März 1944 von den Deutschen angegriffen und zur Auflösung gezwungen. Vier von ihnen kamen in diesen Kämpfen ums Leben. Auf der Straße nach Angoulême wurde ein Auto von einigen Mitgliedern von der Widerstandsgruppe Antoine angehalten. Ein deutscher Offizier wurde getötet, ein anderer nahm ein junges Mädchen als Geisel und konnte mit ihrem Fahrrad fliehen. Zurück im Lager erkannten die Widerstandskämpfer nach dem Lesen der in einer im Auto gefundenen Tasche befindlichen Papiere, dass das Auto auf einer Aufklärungsmission gewesen war. Sie waren verraten worden, und die Deutschen suchten nach ihnen. Der Befehl zum sofortigen Rückzug wurde erteilt, doch die Deutschen hatten überall Feuer gelegt, um sie herauszutreiben.
Sie kehrten zurück und fuhren zunächst in Richtung Cantillac, doch um den Bewohnern nicht zu schaden, versuchten sie, die Straße nach Angoulême zu überqueren und nach Süden zu fliehen. Nur einem gelang dies. Lautlos bergab rollende Lastwagen überraschten sie und zwangen sie zurück in die Hügel hinauf zum Weiler Puyfauchard. Zwei junge Männer, Paul Nouhaud und Paul Andrieux, wurden im Wald getötet. Die Widerstandskämpfer sammelten sich in Puyfauchard, doch heftiges Feuer versperrte ihnen den Weg. Die Gruppe teilte sich daraufhin. Etwa zwanzig, darunter Antoine, machten sich auf den Weg ins Dorf, während weitere zwanzig durch die Flammen in den Hügeln nach Saint-Crépin-de-Richemont folgten.
Im Dorf blieb Antoine und seinen Widerstandskämpfern nichts anderes übrig, als in der Kirche Zuflucht zu suchen. Sie verbarrikadierten sich und verhielten sich still. Doch die Deutschen drangen ins Dorf ein und durchsuchten jedes Haus. Sie versuchten auch, die Kirchentür aufzubrechen, aber die stärksten Widerstandskämpfer stemmten sich dagegen, um zu verhindern, dass sie dem Druck nachgab. Die Deutschen fragten den Küster nach dem Schlüssel, der ihnen jedoch weismachen wollte, nur der Pfarrer von Champagnac habe ihn. Einige Deutsche versuchten, vom Glockenturm aus in die Kirche zu spähen, sahen aber nichts und gaben schließlich auf.
Am nächsten Morgen ging Antoine vorsichtig als Erster hinaus. Die Deutschen waren abgezogen, die Dorfbewohner hatten kein Wort gesagt, und auch sie waren unverletzt.[3]
Bevölkerungsentwicklung
| Bevölkerungsentwicklung | ||
|---|---|---|
| Jahr | Einwohner |
|
| 1962 | 159 | |
| 1968 | 164 | |
| 1975 | 186 | |
| 1982 | 163 | |
| 1990 | 151 | |
| 1999 | 167 | |
| 2004 | 175 | |
| 2006 | 175 | |
| 2009 | 189 | |
| 2011 | 198 | |
| 2014 | 192 | |
| 2016 | 189 | |
| 2019 | 191 | |
Quellen: EHESS[4], INSEE
Nach Beginn der Aufzeichnungen stieg die Einwohnerzahl in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf einen Höchststand von rund 400. In der Folgezeit setzte eine Phase der Stagnation ein, die die Zahl der Einwohner bei kurzen Erholungsphasen bis 1990 auf 151 Einwohner sinken ließ, bevor wieder eine Phase moderaten Wachstums einsetzte.
Verwaltung
Bürgermeister in Cantillac war ab März 2008 der anfangs parteilose Rentner Pierre Niquot, der später Debout la France unterstützte. Als Bürgermeister der Commune déléguée wurde er im Mai 2020 von Frau Dominique Fuhry abgelöst.
Sehenswürdigkeiten
- Die romanische Kirche datiert aus dem 12. Jahrhundert. Umbau des Eingangs im 17. Jahrhundert. Sie ist seit 1970 als Monument historique eingeschrieben.
Fotogalerie
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Chorraum in der Ortskirche Notre-Dame-de-la-Nativité
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Ehemaliges Bürgermeisteramt (Mairie) von Cantillac
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Cantillac von Süden mit den Weilern Saint-Michel (rechts) und Les Bourgougnoux
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Der Weiler Saint-Michel zu Füßen des Ortskerns
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Der Pré Pinson vor Erreichen der D 939
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Frühjahrsüberschwemmung am Pré Pinson entlang der D 939
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Die D 939 beim Weiler Puybertro, Blick nach Süden in Richtung Brantôme
Literatur
- J.-P. Floc'h u. a.: Feuille Nontron. In: Carte géologique de la France à 1/50 000. BRGM, Orléans.
- Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Einzelnachweise
- ↑ Recueil des actes administratifs N°24-2018-038. (PDF) Département Dordogne, 6. November 2018, S. 13–17, abgerufen am 17. November 2025 (französisch).
- ↑ Tanet, Hordé, Seite 81
- ↑ Plaque de l'église de Cantillac. Association Centre Départemental de la Mémoire Résistance et Déportation de la Dordogne, abgerufen am 17. November 2025 (französisch).
- ↑ Notice Communale Cantillac. EHESS, abgerufen am 17. November 2025 (französisch).