Camille Krantz

Camille Krantz (geboren am 24. August 1848 in Arches; gestorben am 30. April 1924 in Paris) war ein französischer Politiker der Dritten Republik.

Leben

Camille Krantz stammte aus einer Familie aus Sarrelouis, die seit 1807 eine Papierfabrik in Dinozé betrieb. Sein Vater war Vertreter der Papierfabriken von Docelles und Dinozé in Paris, während seine Mutter aus Metz stammte und Tochter eines Generalinspektors für Brücken- und Straßenbau und Staatsrats war. Krantz wuchs in Paris auf, wo er die Sekundarschule besuchte und anschließend die École polytechnique absolvierte.[1]

Er nahm als Artillerie-Leutnant am Krieg von 1870 teil und wurde anschließend Ingenieur bei den staatlichen Tabakfabriken, arbeitete im Büro seines Onkels, des Ingenieurs für Brücken- und Straßenbau und Senators Jean-Baptiste Sébastien Krantz[2] und war Generalkommissar der Weltausstellung von 1878.[3] Anschließend spezialisierte er sich auf Verwaltungsrecht und wurde 1886 stellvertretender Professor an der École nationale des ponts et chaussées (Hochschule für Brücken- und Straßenbau) und 1890 deren stellvertretender Direktor.[1]

Da seine Verwandtschaft bereits in der Politik tätig war – sein Onkel war republikanischer Senator und einer seiner entfernten Cousins Marineminister –, wurde er 1891 Abgeordneter. Er wurde 1893 und 1898 problemlos wiedergewählt. Zu dieser Zeit stand er den Républicains progressistes um Jules Méline nahe. Später wurde er Vorsitzender des Finanzausschusses und Vizepräsident der Kammer. Dort galt er als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten.[1] Als Generalkommissar der französischen Sektion war er an der Organisation der Weltausstellung in Chicago 1893 beteiligt.[4]

Ab 1895 war er in mehreren Funktionen als Minister tätig; zunächst als Kolonialminister, 1898 dann als Minister für öffentliche Arbeiten (in diese Zeit fiel auch die Vorbereitung der Weltausstellung 1900) und 1899 als Kriegsminister; hier hatte er mit den Nachwehen des Dreyfus-Affäre zu kämpfen.[1] 1898 wurde er auch Stadtrat von Saint-Laurent und Generalrat von Épinal.[1]

In der Folge kämpfte er vergeblich gegen die Verkürzung des Wehrdienstes, den die Regierungen von Waldeck-Rousseau und Combes durchsetzten. 1905 stimmte er auch gegen das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat.[1] Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der konservativen Fédération républicaine. Sein Widerstand gegen die zu dieser Zeit klar dominierenden republikanischen Parteien führte 1910 zu seiner Wahlniederlage und zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament.[1] Danach war er in einer Vielzahl von Unternehmen und Organisationen als Verwaltungsrat tätig.[A 1]

Zwei seiner Söhne wurden im Ersten Weltkrieg getötet.[5] Camille Krantz war Offizier der Ehrenlegion[6] und Offizier des Ordre des Palmes Académiques.

Literatur

  • Benoît Linel: Camille Krantz un républicain lorrain sous la IIIe République. Éditions Glyphe, 2023, ISBN 978-2-35815-090-3.
  • Jean El Gammal, François Roth und Jean-Claude Delbreil: Dictionnaire des parlementaires lorrains de la Troisième République. Serpenoise, 2006, ISBN 978-2-87692-620-2.
Commons: Camille Krantz – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Die Biographie Jean Jollys zählt neun Posten auf.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Biographie im Dictionnaire des parlementaires français de 1889 à 1940 von Jean Jolly; siehe Weblink der Assemblée nationale
  2. Jean-Baptiste, Sébastien Krantz. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 17. November 2025 (französisch).
  3. Étienne-Gabriel Bocourt: Les organisateurs et les architectes de l’exposition universelle. La Presse illustrée, 2. Juni 1878 (Werk auf Gallica).
  4. Societé archéologique de Bordeaux: Société archéologique de Bordeaux Bände 17 – 18. La Société, 1892 (google.de).
  5. Le Télégramme des Vosges vom 1. Mai 1924; Mort de M. Camille Krantz auf Gallica
  6. Krantz. In: Base Léonore. Abgerufen am 17. November 2025 (französisch).
VorgängerAmtNachfolger

Émile Chautemps
Kolonialminister
01.11. 1895 – 23.04. 1896

André Lebon

Jules Godin
selbst
Minister für öffentliche Arbeiten
01.11. 1898 – 18.02. 1899
18.02. 1899 – 06.05. 1899

selbst
Jean Monestier

Charles de Freycinet
Kriegsminister
06.05. 1899 – 22.06. 1899

Gaston de Galliffet