Cai Hegermann-Lindencrone

Cai Ditlev Hegermann-Lindencrone (* 17. Mai 1807 in Kopenhagen, Dänemark; † 22. Dezember 1893 ebenda) war ein dänischer Offizier und Politiker.

Biographie

Familie, Ausbildung und frühe Karriere

Er war der Sohn des in Norwegen geborenen dänischen Generalleutnants Johan Hendrik Hegermann-Lindencrone (1765–1849) und dessen Frau Louise Hegermann-Lindencrone (1778–1853). Er begann seine militärische Laufbahn 1816 als Freiwilliger, wurde 1819 Kadett und 1823 Sekondleutnant à la suite in der Infanterie. 1830 wechselte er zur Kavallerie und durchlief verschiedene Ausbildungsschulen. 1834 wurde er zum Husarenregiment versetzt und stieg dort bis 1842 zum Rittmeister 2. Klasse auf.

In der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851)

Bei Ausbruch der Feindseligkeiten 1848 bewegte er die Reservisten seines Regiments zur Freiwilligenmeldung und stellte so eine Reserve-Schwadron auf, mit der er ab Ende April unter dem rechten Flankenkorps am Feldzug teilnahm. 1849 diente er zunächst in Olaf Ryes Korps und 1850 in der 2. Division.

Er kämpfte unter anderem beim Gefecht von Hoptrup sowie in den Schlachten von Kolding, Fredericia und Isted. Nach der Schlacht bei Isted (1850) wurde er zum Oberstleutnant befördert. 1857 wurde er Oberst und ein Jahr später Generaladjutant sowie Chef des Adjutantenstabs von König Friedrich VII. im Range eines Generalmajors. 1859 gab er diese Stellung aufgrund politischer Einflüsse vorübergehend auf.

Politische und diplomatische Tätigkeit

Von 1861 bis 1864 war Hegermann-Lindencrone Mitglied des dänischen Folketings für den 6. Wahlkreis von Kopenhagen. Im Herbst 1863 wurde er nach Sankt Petersburg entsandt, um dem Zaren den Thronwechsel in Dänemark zu melden und politische Verhandlungen zu führen. Bei dieser Gelegenheit erhielt er den russischen Annenorden (1. Klasse). Nach seiner Rückkehr wurde ihm das Amt des Konseilspräsidenten (Ministerpräsident) angeboten, was er jedoch ablehnte. Stattdessen wurde er Generaladjutant von König Christian IX. und zum Generalleutnant befördert.

Im Deutsch-Dänischen Krieg (1864)

Zu Beginn des Krieges von 1864 befehligte er die 4. Division. Im Kriegsrat am 4. Februar sprach er sich für einen offensiven Vorstoß gegen den Feind aus. Als jedoch die Dannevirke-Stellung am nächsten Tag geräumt wurde, erhielt er den Befehl, Jütland zu verteidigen. Angesichts der großen Übermacht der Österreicher und der Niederlage seiner Truppen im Gefecht bei Vejle am 8. März entschied er sich für einen heimlichen Rückzug in der Nacht vom 11. auf den 12. März nach Mors, wodurch er den Feind zunächst täuschte.

Dieser Rückzug wurde von der zeitgenössischen Presse scharf kritisiert; die Zeitung Dagbladet gab ihm den spöttischen Beinamen „General Baglæns“ (deutsch: General Rückwärts). Trotz dieser Kritik plante er später gemeinsam mit General Lunding eine Offensive zur Vertreibung der Feinde aus Jütland, die jedoch aufgrund der militärischen Gesamtlage und des Waffenstillstands nicht mehr ausgeführt werden konnte.

Späteres Wirken

Nach dem Krieg diente er erneut als Generaladjutant und wurde 1865 kommandierender General des 1. Generalkommandobezirks. Bei der Beratung des Heeresgesetzes von 1867 kritisierte er die geplanten Kürzungen bei der Kavallerie. Da der damalige Kriegsminister Waldemar von Raasløff die Reformen mit „neuen Männern“ umsetzen wollte, wurde Hegermann-Lindencrone im Alter von 60 Jahren pensioniert.

In seinem Ruhestand verfasste Hegermann-Lindencrone militärpolitische Schriften über das Kriegsjahr 1864, die öffentliche Debatten – unter anderem mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Ditlev Gothard Monrad – auslösten. Er war Träger zahlreicher hoher Auszeichnungen, darunter das Großkreuz des Dannebrogordens, den preußischen Roten Adlerorden und den schwedischen Schwertorden. Er wurde 1828 Kammerjunker, 1858 Kammerherr, 1845 Ritter des Dannebrogordens, 1848 Dannebrogsmann, 1858 Kommandeur und erhielt 1865 das Großkreuz.

Hegermann-Lindencrone verstarb 1893 und wurde auf dem Garnisonsfriedhof in Kopenhagen beigesetzt.

Im Familienbesitz befinden sich Porträtgemälde von Just Holm (1844) und Carl Wentorf (1887). Eine Lithografie von 1856 stammt von Em. Bærentzen & Co. und basiert auf einer Zeichnung von Eduard Hansen. Eine Holzschnittarbeit von 1889 und eine weitere nach einem Gemälde von 1866 stammen von H. P. Hansen (1894). Eine satirische Holzschnittarbeit von 1864 über seinen Spottnamen „General Baglæns“ ist ebenfalls erhalten.

Er war der Vater des Diplomaten Johan (1838–1918) und des Offiziers Fritz Hegermann-Lindencrone (1840–1938).

Literatur

Commons: Cai Hegermann-Lindencrone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien