Louise Hegermann-Lindencrone
Mette Louise Christiane Frederikke Hegermann-Lindencrone, geborene Lindencrone (* 4. Dezember 1778 auf Schloss Gjorslev, Holtug Sogn, Dänemark; † 18. Juni 1853 in Kopenhagen, Dänemark), war eine dänische Schriftstellerin und Salonnière.
Leben
Ihre Eltern waren Johan Frederik de Lindencrone und Bolette Marie, geborene Harboe, eine Tochter von Bischof Ludvig Harboe. Gemeinsam mit einer jüngeren Schwester, die früh verstarb, wuchs sie in der Obhut ihrer gebildeten Eltern auf dem Herrenhaus Gjorslev bei Store Heddinge auf. Zeitgenössische Zeugnisse in Versform belegen die tiefe Verbundenheit zwischen ihr und ihren Eltern. Auf dem väterlichen Gut lernte sie bereits in ihrer Kindheit Johan Hendrik Hegermann kennen, der zu dieser Zeit Vermessungsarbeiten in der Gegend durchführte. Nachdem Gjorslev im Jahr 1791 verkauft worden war, hielt der Kontakt an, und am 26. Mai 1797 heiratete das Paar. Cai Hegermann-Lindencrone (1807–1893), der wie sein Vater Offizier wurde und ebenfalls den Rang eines Generalleutnants erreichte, entstammte dieser Verbindung.
Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1817 erbte sie das Fideikommiss, das den Verkaufserlös von Gjorslev (200.000 Reichstaler) repräsentierte. Im folgenden Jahr wurde ihr Mann unter dem Namen Hegermann-Lindencrone geadelt. In ihren ersten Ehejahren erwarben sie das Anwesen Rolighed bei der Kopenhagener Kalkbrennerei. In der Folge wechselte das Ehepaar zwischen ihrem Wohnort dort und einer Stadtwohnung in Kopenhagen.
In Rolighed ethablierte Louise Hegermann-Lindencrone einen weithin bekannten literarisch-geselligen Salon, der zu einem Mittelpunkt eines exklusiven Kreises wurde, dem Persönlichkeiten des dänischen Goldenen Zeitalters wie Adam Oehlenschläger, J.P. Mynster, Heinrich Steffens, F.C. Sibbern, B.S. Ingemann, M.F. Liebenberg, Andreas Saint-Aubain, Peder Hjort, Rudolph Bay, Abrahams und insbesondere der „Liebling von Rolighed“, A.S. Ørsted angehörten.
Oehlenschläger sagte über sie, sie sei vielleicht die poetischste Seele gewesen, die Dänemark je besessen habe. Mynster bezeichnete sie als eines der edelsten und vorzüglichsten Wesen, die er gekannt habe, und rühmte ihr tiefes poetisches Gemüt. P. Hjort lobte die harmonische Verschmelzung von Geist und Herz, Verstand und Fantasie sowie Jugend und Reife, die sie charakterisierte. Über sie wurde geschrieben: „Ihr Quell der Liebe war unerschöpflich, ihre Seele so unbefleckt, wie man es sich kaum vorstellen konnte. Deshalb konnte sie so scharf sehen, so genial urteilen, so schön träumen, so lieblich-naiv scherzen, so vertrauensvoll glauben und so liebenswürdig irren.“
Auch der spätere preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke, der sich in seiner Autobiografie mit Dankbarkeit an die große Herzlichkeit erinnerte, mit der die Familie Hegermann-Lindencrone ihn und seinen Bruder aufgenommen hatte, gehörte zu den Besuchern des Salons.
Literarisches Schaffen
Als Schriftstellerin fühlte sie sich dem Geist Oehlenschlägers verbunden; dem Kreis um Johan Ludvig Heiberg und seiner Frau Johanne Luise Heiberg, dem sog. Heiberg-Kreis, gehörte sie jedoch nicht an. Sie veröffentlichte zwei Dramen: Eleonora Christina Ulfeldt (1817) und Troubadouren (1820), sowie Danske Fortællinger („Dänische Erzählungen“, 1825, 2. Auflage 1862) und zahlreiche Gedichte in Zeitschriften. Zudem hinterließ sie unveröffentlichte Werke, darunter Erzählungen, Dramen und eine Schilderung des Lebens ihres Sohnes Frederik (Fritz), der 1848 als Soldat während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung fiel.
Am eigenständigsten zeigte sie sich in ihren Novellen, in denen sie großes Geschick für natürliche Kompositionen bewies. Oft knüpfte sie ihre Fantasie an historische Stoffe, die sie durch das Studium von Quellen gewissenhaft vorbereitete. Ihre Werke zeichnen sich durch Geschmack und feinen Geist aus, wenngleich ihnen manchmal die tiefste psychologische Entwicklung fehlt. Ihre Erzählungen ähneln einander im Aufbau, bestechen jedoch stets durch Anmut und Wahrheit. Die Bezeichnung „dänisch“ in ihren Titeln sollte laut eigener Aussage die lokale Liebe und Gesinnung widerspiegeln, die ihre Fantasie leitete. Mehrere ihrer Werke wurden ins Deutsche und Englische übersetzt.
Nachdem sie 1849 Witwe geworden war, zog sie sich von Rolighed in eine Wohnung in Kopenhagen zurück, wo sie am 18. Juni 1853 verstarb.
Literatur
- Nicolas Bogh: Hegermann-Lindencrone, Mette Louise Christiane Frederikke. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 7: I. Hansen–Holmsted. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1893, S. 222–224 (dänisch, runeberg.org).
Weblinks
- Lise Busk-Jensen: Louise Hegermann-Lindencrone im Dansk Kvindebiografisk Leksikon auf lex.dk. Link. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- Louise Hegermann-Lindencrone im dänischen Forfatterleksikon.