C. Brünslow’sche Hofbuchhandlung

Die C. Brünslow'sche Hofbuchhandlung war eine Buchhandlung und Verlag in Neubrandenburg von 1821 bis mindestens 1948.

Geschichte

Zu Michaelis 1821 gründete der aus Sachsen zugewanderte Buchhändler Ludwig Dümmler (1786–1844, ein Bruder des Verlegers Ferdinand Dümmler) die L. Dümmlersche Buchhandlung in Neubrandenburg und leistete im Januar 1822 in Neubrandenburg den Bürgereid.[1] Er wurde 1825 Großherzoglich mecklenburg-strelitzscher Hofbuchhändler, eröffnete im selben Jahr eine Filiale in Neustrelitz.und verlegte auch einige Bücher. 1843 erwarb Carl Brünslow (1811–1883), der zuvor bei Dümmler als Gehilfe gearbeitet hatte, diese und führte sie als C. Brünslow'sche Buchhandlung (später C. Brünslow'sche Verlagsbuchhandlung) in Neubrandenburg weiter. Brünslow, der in Neubrandenburg zuletzt in zahlreichen Ehrenämtern wirkte, hatte die Buchhandlung um die erste Lese- und Leihbibliothek in Neubrandenburg erweitert [1863: 11.650 Bde.; 1864: 12.000 Bde.; 1888: 18.000 Bde., darunter zahlreiche Bände in englischer und französischer Sprache sowie zur Auswahl (1863) ein mehrbändiger Katalog] und organisierte einen englischen (1874), französischen (1876) und belletrischen Jounal-Lesezirkel (1879, 1885). Ulrich Meyer (1859–1931) schilderte im ersten Band seines Erinnerungszyklus „Wandern und Werden. Erinnerungen aus dem Leben eines deutschen Buchhändlers“ unter dem Titel „Der Meister und sein Schüler“ (1923) seine Lehrjahre bei Brünslow in den 1870ern und das Leben in dessen Buchhandlung. Das Hofbuchhändlerprivileg besaß Brünslow nicht.

Nach Brünslows Tod verkaufte sie seine Witwe 1883 an die Max Schorß und Emil Brückner, die sie als C. Brünslowsche Hofbuchhandlung weiterführten. 1888 schied der Teilhaber Max Schorß aus und gründete einen eigenen Verlag, in dem er die Rechte an belletristischen Titeln mitnahm. Später wurde Brünslows Enkel, Hans Schondorf (1869–1946) Eigentümer.

1936 kaufte sie Hans Lottner aus Leipzig und benannte sie in C. Brünslow'sche Buchhandlung um.[2] In dieser Zeit befand sie sich unweit des Marktplatzes in der Stargarder Straße 2 Es wurden dort aber keine Bücher mehr verlegt.

Der große, nach Einmarsch der sowjetischen „Befreier“ durch Brandschatzung gelegte Stadtbrand von Neubrandenburg im April 1945 vernichtete auch das traditionsreiche Verlagshaus vollständig. Über das weitere Schicksal von Hans Lottner, der als Inhaber im letzten Neubrandenburger (Vorkriegs-)Adressbuch noch genannt wird, ist nichts bekannt. 1948 war Eva Lottner die Inhaberin.[3]

Die weitere Entwicklung ist unbekannt.

Publikationen (Auswahl)

In dem Verlag erschien vor allem Regionalliteratur, aber auch Lehrbücher, sowie Titel zur Gesundheitspflege, Belletristik und weiteren Sachbereichen.[4]

  • Mrs. London, Anweisungen für Damen, das Landleben zweckmäßig, wirthschaftlich und elegant einzurichten und verständig zu genießen, 1846, (aus dem Englischen)
  • August Friedrich Erfurth: Nach welchen Grundsätzen muss das Wasser als Heilmittel angewandt werden?, 1860 (Digitalisat)
  • Franz Boll: Chronik der Vorderstadt Neubrandenburg, 1875 (Reprint 1987 und 1991; Neudruck 1996)
  • Wilhelm Ahlers: Historisch-topographische Skizze aus der Vorzeit der Vorderstadt Neubrandenburg, 1876 (Reprint 1995) (Digitalisat)
  • Wilhelm Ahlers: Neubrandenburger Bürgerbuch, 1881
  • Paul Kühnel: Die slavischen Ortsnamen in Mecklenburg-Strelitz, 1881
  • Güter-Adreßbuch für Mecklenburg-Schwerin und -Strelitz, 1896

Literatur

Einzelnachweise

  1. Rudolf Schmidt, Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker, 1, 1902, S. 118, mit einigen irrigen und Angaben zur Geschichte; siehe auch Börsenblatt für den deutschen Buchhandel vom 20. September 1844, Sp. 2786, mit Todesnachricht zu Ludwig Dümmler am 11. September, durch seinen Bruder Ferdinand Dümmler (suche in Börsenblatt digital mit vielen weiteren Einträgen zum Verlag)
  2. Börsenblatt für den deutschen Buchhandel vom 2. Oktober 1936, S. 4706; mit Bekanntmachung zum 1. Oktober 1936; kurze Erwähnung in Amtliches Beiblatt zum Regierungsblatt für Mecklenburg, 1936, S. 274
  3. Adreßbuch des Deutschen Buchhandels, 1948, S. 52, 255 (Auszüge)
  4. Gesamnt-Verlags-Katalog des Deutschen Buchhandels, Band VIII, Münster 1881, Sp. 975–976; mit allen bekannten Titeln bis 1880