Bahnstrecke Namyao–Bawdwin

Namyao–Bawdwin
Bawdwin-Bergwerk bei Namtu
Streckenverlauf mit Ausschnittvergrößerungen
Spurweite:610 mm (2-Fuß-Spur)
Maximale Neigung: 40 
Minimaler Radius:30 m
Streckengeschwindigkeit:16 km/h
Zweigleisigkeit:nein
Bahnstrecke Mandalay–Lashio von Lashio
-6,4 Namyao (730 m)
0,0 Manpwe
Bahnstrecke Mandalay–Lashio nach Mandalay
7,7 Pangleng (794 m)
15,0 Whelung (651 m)
21,6 Namsy (588 m)
26,5 Sookmun (569 m)
32,3 Nampai (556 m)
36,0 Nakhun (591 m)
41,2 Kungteng (679 m)
Mill
49,2 Mill (Junction)
51,8 Namtu (538 m)
Schmelzöfen
58,7 Lopah (641 m)
Kreiskehrschleife
62,3 Wallah Gorge (764 m)
Betriebswerk
Erzverladung
63,4 Tiger Camp (781 m)
Tiger Tunnel
Bawdwin Mine
Spitzkehre
68,1 E. R. Valley (890 m)
70,2 Bawdwin (947 m)
Marmion Shaft (994 m)

Quellen: [1]

Die Bahnstrecke Namyao–Bawdwin (auch: Burma Mines Railway) war eine Schmalspurbahn in Myanmar, die für den Transport von Erzen zu der Schmelzhütte in Namtu genutzt wurde.

Geografie

Die Strecke verläuft von Namyao, an der Bahnstrecke Mandalay–Lashio der Myanma Railways, über Namtu nach Bawdwin und ist etwa 78 Kilometer lang. Das Gelände, das die Strecke durchmisst, ist überaus anspruchsvoll und verläuft fast ausschließlich im Gebirge.

Parameter

Die Bahnstrecke wurde mit einer Spurweite von 610 mm (2 Fuß) gebaut. Der minimale Kurvenradius beträgt 30 m, der maximale Gradient 40 ‰.[2]

Geschichte

Im Bereich um Namtu wurde bereits seit dem 15. Jahrhundert Bergbau auf Silber betrieben. Nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts der Grundwasserspiegel erreicht war, bedeutete das zunächst das Ende des Bergbaus. Als die Briten 1885 auch Oberbirma besetzten, stießen sie auf die Überreste des Bergbaus, zu dem auch riesige Abraumhalden gehörten, die zwar kein Silber mehr enthielten, aber abbauwürdige Anteile von Blei, Zink und Kupfer. Dies abzubauen aber lohnte nur, wenn ein preiswertes Mittel zur Verfügung stand, das Material einer Verhüttung zuzuführen. Das war gegeben, nachdem 1903 der letzte Abschnitt der Bahnstrecke Mandalay–Lashio eröffnet wurde.[3][4]

1906 wurde die Burma Mines, Railway and Smelting Co. Ltd. gegründet, die in der Folgezeit mehrfach ihren Namen wechselte. Der wurde zunächst in Burma Mines Ltd. verkürzt,[3][5] 1913 in Burma Corporation geändert und dann in Burma Corporation Ltd.[6] Das Betriebskonzept bestand zunächst darin, den vorgefundenen Abraum aus dem historischen Bergbau mit einer Schmalspurbahn an die Bahnstrecke Mandalay–Lashio heran und auf dieser nach Mandalay zu fahren, wo das Metall herausgeschmolzen wurde. Der Bau dieser Schmalspurbahn, der Bahnstrecke Namyao–Bawdwin, setzte im Bahnhof Manpwe an. Die Verwaltung der Bahn nahm ihren Sitz in Namtu.[3] Der Baufortschritt gestaltete sich wie folgt[3]:

Abschnitt Inbetrieb-
nahme
Strecken-
kilometer
Manpwe–Namsy Januar 1908 20,1
Namsy–Tiger Camp Dezember 1908 63,4
Tiger Camp–Baldwin Dezember 1909 70,2
Manpwe–Namyao 15. April 1915 - 6,4

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit betrug anfangs 13 km/h und wurde 1911 auf 16 km/h erhöht. Der Tunnel – im Streckenkilometer 5 – war mit einer Holzverschalung ausgekleidet, die 1910 in Brand geriet, worauf ein Teil des Tunnels kollabierte und neu gegraben werden musste.[7]

Um nicht so viel taubes Gestein bis nach Mandalay fahren zu müssen, verlegte die Gesellschaft 1911 ihre Verhüttungsanlage nach Namtu und nahm dort 1912 auch eine zweite Anlage in Betrieb. Außerdem begann sie, neben dem Abbau des historischen Abraums auch wieder mit Bergbau. Die Bahn setzte neben dem Materialtransport von Anfang auch auf Personenverkehr. 1917 wurde mit der Burma Railways (BR) darüber verhandelt, die Strecke bis Namtu auf die bei der BR übliche Meterspur umzuspuren. Das Projekt kam aber nicht zustande.[6]

1921 wurde ein kurzer Abschnitt der Strecke, der in Namtu die Zerkleinerungsanlage („Mill“) und die Schmelzöfen verband und den stärksten Verkehr auf der gesamten Strecke aufwies, elektrifiziert.[8]

Um 1925 wurden täglich bis zu 2000 Tonnen Erze auf der Strecke transportiert.[9]

1929 wurde der gesamte obere Streckenabschnitt zwischen Namtu und Wallah Gorge neu trassiert, wo ein Kreisviadukt jetzt eine doppelte Spitzkehren ersetzte[10], um dem ständig zunehmenden Verkehr gewachsen zu sein. Der Höhepunkt des Verkehrs war 1930 erreicht, als die Bahn mehr als 2 Mio. t Material beförderte.[11] Die anschließende Weltwirtschaftskrise ließ den Verkehr auf der Bahn bis 1932 um 25 % schrumpfen.[12]

Der letzte verbliebene Personenverkehr auf der Strecke wurde 2009 eingestellt.[13]

2010 übernahm die Win Myint Mo Company die Bergbauaktivitäten und den Bahnbetrieb vom Staat. 2011 wurde ein Teil der Bahntrasse zwischen Tiger Camp und Bawdwin nach schweren Monsunregen durch Erdrutsche zerstört. Der Abtransport der Bergbauprodukte wurde daraufhin auf die Straße verlagert. Offiziell wurde der Verkehr auf der Bahnstrecke 2012 eingestellt. Der Abschnitt zwischen Namtu und Tiger Camp wird gelegentlich befahren.[12] Zwei betriebsfähige Dampflokomotiven werden für Sonderzüge bereitgehalten.[14]

Fahrzeuge

Zwischen 1907 und 1928 wurden mindestens 47 Dampflokomotiven beschafft. Der Betrieb auf dem Streckenabschnitt bei Namtu wurde mit vierzehn zwischen 1920 und 1975 beschafften Elektrolokomotiven abgewickelt.

Trotz der schmalen Spurweite kamen auch extra stabile rund 8700 mm lange Selbstentladewagen mit 6 t Eigengewicht und 20 t Lademasse zum Einsatz.[16] Diese wurden anfangs bei Blake Boiler Wagon and Engineering Co. in Großbritannien gekauft, nach dem Zweiten Weltkrieg auch bei der US-amerikanischen Pressed Steel Car Company.

Anfang der 1980er-Jahre wurde die Traktion auf der Strecke allmählich von Dampf- auf Dieselbetrieb umgestellt. Orenstein & Koppel lieferte dafür 1978 zehn Diesellokomotiven.[2][Anm. 1]

Dampflokomotiven[17]
Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen
1 B'1 n2t Dick, Kerr & Co 1907 1930 umgebaut in B'2 n2t mit Satteltank
2
3
4
5
6 B'2 n2t John Fowler 1942 1891 Mit Satteltank, 1907 gebraucht erworben vom Shevbo Mining Syndicate
7 C n2t North British 18672 1908 1930 umgebaut in B'2 n2t mit Satteltank
8 18673
9 18674
10 B n2t Kerr, Stuart, &, Co 1904 Vorbesitzer unbekannt, mit Satteltank
11
B'1 n2t
1264 1914 Tatoo-Klasse, mit Satteltank
12 B'1 n2t 1284 1913 Huxley-Klasse
13 B'1 n2t 2383 1914
14
B'1 n2t
1288 1915 Tatoo-Klasse, mit Satteltank
15
B'1 n2t
1289 1915 Tatoo-Klasse, mit Satteltank
16 C n2t North British 21105 1915
17 21106
18 21107
19 C n2t O&K 2876 1908 Gebraucht erworben von Fraser & Chalmers Ltd Singapur[18]
20 2877
21 4350 1910 Gebraucht erworben von The Burmah Stone Company, Rangoon[18]
22 B'1 n2t Eigenbau Gebaut im Namtu-Werk der Burma Mines Railway unter Verwendung von Ersatz­teilen, die von Dick, Kerr & Co geliefert worden waren
23 2'C n2t Hunslet 1326 1918 Zuvor WD Nr. 2354
24 1327 Zuvor WD Nr. 2353
25 1328 Zuvor WD Nr. 2355
26 1'C'1 n2t W. G. Bagnall 2164 1922
27 2165
28 2179
29 B n2t Andrew Barclay 1731 1921 Geliefert über Parry & Co
30 B'1 n2t Kerr, Stuart & Co 4281 1923 Tatoo-Klasse, mit Satteltank
31 4282
32 4139 1924 Huxley-Klasse
33 4140
34 4141
35 1'C'1 n2 W. G. Bagnall 2251 1921 Umgebaut in 1'C'1 n2t
36 2252
37 2253
38 B'1 n2t Kerr, Stuart & Co 4142 1926 Huxley-Klasse
39 4385
40 4393 1927
41 1'C'1 n2 W. G. Bagnall 2322 1927
42 2338 1928
43 B'1 n2t Kerr, Stuart & Co 4410 1926 Huxley-Klasse
44 4411 1927
45 1'C'1 n2 W. G. Bagnall 2378 1928
46 2379
47 2380
Elektrolokomotiven[17]
Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen
1 GE 8046 1920
2 8047
3 8048
Bo Baldwin 53929 1920
53930
57734 1924
60156 1927
Bat-Bo GE 4743 1963 Geliefert über Burma Mines Ltd, London
1963
1963
1963
5820.A 1970
B0470.A 1975
B0470.B 1975
Diesellokomotiven[17]
Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen
DC205 Cdh O&K 26891 1979
DC203 26892
DC303[19] 26895
DC304[19] 26896
DC305[19] 26897
26898
26899
26900
DC201[19] 26944
DC204[19] 26945
DC306[19] Diema 5232 1992 verschrottet
DC307[19] 5229
DC308 Changzhou Mining & Locomotive Plant 9620203 1996
Triebwagen[17]
Nr. Bauart Hersteller Werks-Nr. Baujahr Anmerkungen
NBRTE1 LKW-Umbau Hino 1988
NBRTE2
NBRTE3 Bawmech
2 Schienenbus Wickham
4
5
7
ARC3 Ambulanz

Literatur

  • Bill Alborough: The Burma Mines Railway. In: Locomotives International. Skipton September / October 2000, S. 5–12.
  • Dieter Hettler: Railways of Burma/Myanmar. Frank Stenvall, Malmö 2024. ISBN 978-91-7266-207-0

Anmerkungen

  1. Eine Übersicht zu den eingesetzten Fahrzeugen findet sich bei Hettler, S. 130–133.

Einzelnachweise

  1. Hettler, S. 123f, 174
  2. a b Hettler, S. 127
  3. a b c d Hettler, S. 121
  4. Sao Sanda Simms: Great Lords of the Sky: Burma's Shan Aristocracy. AHP 48, Asian Highlands Perspectives, 2017, S. 180.
  5. Burma Mines Ltd. Registered 6th March, 1906, as Burma Mines Railway and Smelting Company, Limited. In: The Stock Exchange Official Intelligence, Band 30, S. 1264.
  6. a b Hettler, S. 124
  7. Hettler, S. 123
  8. Hettler, S. 125
  9. Bengal-Nagpur Ry. Wagon Models. In: The Locomotive Magazine Carriage and Wagon Review. Locomotive Publishing Company, London, 15. Februar 1923, S. 35–36 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  10. Hettler, S. 128
  11. Hettler, S. 125f
  12. a b Hettler, S. 126
  13. Hettler, S. 134
  14. Bernd Seiler: Burma Mines Railway, Myanmar: Goldenes Land und Kambodscha-Quickie. 2014;.
  15. Frederick C. Coleman: Narrow Gage Steel Hopper Car. In: Railway Mechanical Engineer, Band 91, Nr. 12, Simmons-Boardman Pub. Co, New York, Dezember 1917, S. 692–964.
  16. Narrow Gage Steel Hopper Car In: Railway Mechanical Engineer Vol. 91, No. 12, Dezember 1917, S. 692–694, abgerufen am 10. März 2024.
  17. a b c d James Waite: The Burma Mines Railway, February 2006; abgerufen am 27. September 2025.
  18. a b Roland Bude, Klaus Fricke und Martin Murray: O&K-Dampflokomotiven: Lieferverzeichnis 1892–1945. Verlag Railroadiana, Buschhoven 1978, ISBN 3-921894-00-X.
  19. a b c d e f g Hettler, S. 132

Koordinaten: 23° 6′ 12,6″ N, 97° 19′ 23,7″ O