Bundessöhne

Die Bundessöhne/-töchter (syrisch ܒܢܝ/ܒܢܬ ܩܝܡܐ bnay/bnat qyāmâ) waren eine asketische, proto-monastische Gemeinschaft innerhalb der syrischen Kirche. Ihr Höhepunkt lag im vierten und fünften Jahrhundert. Sie verbanden asketisches Leben mit aktiver sozialer und kirchenpolitischer Tätigkeit. Sexuelle Enthaltsamkeit war die Regel, neben den unverheirateten im Status der Jungfräulichkeit, existierten aber auch in einer geistigen Ehe lebende Mitglieder.[1] Letztere Art des Zusammenlebens wurde von führenden Vertretern wie dem Kirchenvater Aphrahat, jedoch abgelehnt und eine örtliche Trennung dieser propagiert.[2]

Die Wurzel (ܩܡ) stammt vom Wort für „stehen“ und das Wort qyama (ܩܝܡܐ) ist in der Peshitta die typische Übersetzung für den Bund.[3] Die Verbindung des Wortes mit Einsiedlern (ܝܚܝܕܝܐ – das Wort wird auch für Christus verwendet) findet sich erstmals Thomasevangelium und dem Dialog des Erlösers. Diese Tradition wird in Pseudo-Melitos Apologie weitergeführt und im Liber Graduum erstmals im Sinne eines Bundes verwendet, was dann wiederum in den Unterweisungen Aphrahats, der selbst ein Bundessohn war, für die Gruppe der Bundessöhne verwendet wird.[4] Es existiert eine Vielzahl weiterer Übersetzungen, darunter etwa auch Söhne der Auferstehung.[2]

Die Aufzeichnungen über Märtyrer im Rahmen der Christenverfolgungen im Sassanidenreich umfasst diverse Bundessöhne und -töchter. Darunter auch ein Junge namens Ohanom, was auf ein niedriges Eintrittsalter hindeutet.[5] Die Märtyrerakten der Verfolgungen weisen auch auf einen distinkten Kleidungsstil hin. Dieser war ursprünglich schwarz, was im Zuge der Verfolgungen abgeschafft wurde, damit die Bundessöhne nicht zu leicht zu identifizieren waren. Auch nach der Verfolgung blieben sie scheinbar bei der nun meistens weißen Kleidung. In der Öffentlichkeit nutzten die Bundestöchter zusätzlich vermutlich einen Schleier.[6]

Die Bundessöhne werden in der Synode von Seleukia-Ktesiphon als eine Gruppe des Klerus gezählt. Priester und Diakone werden oft aus ihrer Mitte rekrutiert. Dieselbe Synode regelt auch das Zusammenleben mit einer Frau explizit abgelehnt. In einer späteren Synode von 486 wiederum werden sie unter Verdacht der Heuchelei gestellt und wiederum die Enthaltsamkeit abgelehnt. Auch wenn die Beschlüsse später rückgängig gemacht werden, werden die Bundessöhne ab der Mitte des sechsten Jahrhunderts eine Minderheit im Vergleich zum in Klöstern organisierten Mönchstum.[7] Davon ausgenommen sind die Bundestöchter, die noch länger als relevante Institution bestehen bleiben.[8]

Über Ephräm der Syrer, selbst vermutlich ein Bundessohn, wird berichtet, dass er einen Chor aus Bundestöchtern organisiert habe, die seine Hymnen sangen. Auch spätere Autoren bis ins 13. Jahrhundert berichten über die Gruppierung. In der Gegenwart wird in der Begriff im Westsyrischen noch für die Frau eines Priesters verwendet.[2] Auch Rabbula bediente sich der Bundessöhne und -töchter, als er das Xenodocheions, ein Gast- und Armenhaus durch diese betrieben und mit der Pflege der Aussätzigen beauftragt.[9]

Literatur

  • Aphraates, Peter Bruns: Unterweisungen I (= Fontes Christiani. Zweisprachige Neuausgabe christlicher Quellentexte aus Altertum und Mittelalter. Band 5). Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien / Barcelona / Rom / New York 1991, ISBN 3-451-22106-3 (syrisch, deutsch).
  • David Hellholm, Tor Vegge, Øyvind Norderval, Christer Hellholm (Hrsg.): Ablution, Initiation, and Baptism. Late Antiquity, Early Judaism, and Early Christianity. Walter de Gruyter, Berlin 2011, ISBN 978-3-11-024753-4, S. 1120.
  • Malatius Malki Malki: Revisiting the Institutions of Bnay and Bnoth Qyomo in the Syriac Tradition. In: Religions. Band 15, 2024, doi:10.3390/rel15060686.

Einzelnachweise

  1. Till Engelmann: Monastisch geprägter Theologe oder theologisch gebildeter Mönch? Das Zentrum der Theologie Babais des Großen. In: Dmitrij Bumazhnov, Hans Reinhard Seeliger (Hrsg.): Syrien im 1.-7. Jahrhundert nach Christus. Akten der 1. Tübinger Tagung zum Christlichen Orient (15.-16. Juni 2007) (= Studien und Texte zu Antike und Christentum. Band 62). Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-151764-8, S. 83.
  2. a b c Robert Kitchen: Bnay Qyāmā, Bnāt Qyāmā. In: Gorgias Encyclopedic Dictionary of the Syriac Heritage: Electronic Edition. Beth Mardutho: The Syriac Institute, 2011, archiviert vom Original am 12. September 2024; abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
  3. Sebastian P. Brock: Spirituality in the Syriac Tradition (= Moran Etho Series). 1st ed Auflage. Gorgias Press, LLC, Piscataway 2019, ISBN 978-1-4632-3245-0, S. 52.
  4. Dmitrij Bumazhnov: Qyama before Aphrahat. The Development of the Idea of Covenant in Some Early Syriac Documents. In: Dmitrij Bumazhnov, Hans Reinhard Seeliger (Hrsg.): Syrien im 1.-7. Jahrhundert nach Christus. Akten der 1. Tübinger Tagung zum Christlichen Orient (15.-16. Juni 2007) (= Studien und Texte zu Antike und Christentum. Band 62). Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-151764-8, S. 77.
  5. Malatius Malki Malki: Revisiting the Institution of Bnay and Bnoth Qyōmo in the Syriac Tradition. In: Religions. Band 15, Nr. 6, 31. Mai 2024, ISSN 2077-1444, S. 2 & 5, doi:10.3390/rel15060686 (mdpi.com).
  6. Malatius Malki Malki: Revisiting the Institution of Bnay and Bnoth Qyōmo in the Syriac Tradition. In: Religions. Band 15, Nr. 6, 31. Mai 2024, ISSN 2077-1444, S. 23–25, doi:10.3390/rel15060686 (mdpi.com).
  7. Till Engelmann: Monastisch geprägter Theologe oder theologisch gebildeter Mönch? Das Zentrum der Theologie Babais des Großen. In: Dmitrij Bumazhnov, Hans Reinhard Seeliger (Hrsg.): Syrien im 1.-7. Jahrhundert nach Christus. Akten der 1. Tübinger Tagung zum Christlichen Orient (15.-16. Juni 2007) (= Studien und Texte zu Antike und Christentum. Band 62). Mohr Siebeck, Tübingen 2011, ISBN 978-3-16-151764-8, S. 84 f.
  8. Sebastian P. Brock: Spirituality in the Syriac Tradition (= Moran Etho Series). 1st ed Auflage. Gorgias Press, LLC, Piscataway 2019, ISBN 978-1-4632-3245-0, S. 53.
  9. Karl Pinggéra: Rabbula von Edessa, † 435/6. In: Wassilios Klein (Hrsg.): Syrische Kirchenväter (= Kohlhammer Urban-Taschenbücher). Bd. 587. Kohlhammer, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-17-014449-1, S. 62.