Konzil von Seleukia (410)
Die Synode von Seleukia-Ktesiphon (auch: Synode des Isaak) fand 410 als erste Synode, zu der noch eigene Aufzeichnungen existieren,[1] in Seleukia-Ktesiphon statt, der Hauptstadt des Sassanidenreichs. Die Bischöfe Mar Isaak von Ktesiphon und Maruthas von Martyropolis leiteten die Veranstaltung. Letzterer war vom römischen Kaiser gesandt worden und stand bereits seit der Krönung des persischen Großkönigs Yazdegerd I. mit diesem in Kontakt, der die Versammlung zusammenrief.
Die Synode plante, die persische Kirche unter der Leitung des Bischofs von Ktesiphon neu zu strukturieren und zu zentralisieren. Die Beschlüsse schrieben eine Provinzialgliederung der Bistümer fest. Diese war nicht gänzlich neu, es existierten aber noch Parallelstrukturen einheimischer Christen neben denen deportierter Christen aus dem Römischen Reich. Diese Struktur bestand zunächst fort, da nur zwei Bischöfe tatsächlich deswegen abberufen wurden.[2] Vertikal wurde eine dreistufige Hierarchie gemäß dem Vorbild der römischen Dioecesis Orientis eingeführt: Bischof, Metropolit und Groß-Metropolit/Katholikos. Der Oberbischof von Antiochia wird mit demselben Titel wie Mar Isaak beschrieben, was den Anspruch eines kollegialen Verhältnisses deutlich macht.[3]
Neben der Übernahme der hierarchischen Struktur wurde auf der Synode auch das Konzil von Nicäa offiziell anerkannt.[4] Dies geschah nicht auf dem Wege der vollumfänglichen Übernahme, vielmehr wurden die Beschlüsse an den syrischen Kontext angepasst. Insbesondere die syrische Version des Berichts über die Synode zeigt etwa bezüglich der Inkarnation keine wörtliche Übersetzung, sondern die Verwendung des Vokabulars, wie es vorherige syrische Autoren wie Aphrahat oder Werke wie die Thomasakten gezeigt hatten.[5] Auch das Glaubensbekenntnis basiert auf einer in Persien geläufigen Version und stellt das älteste Glaubensbekenntnis mit filioque dar.[6]
Während eine Synode, die etwa 100 Jahre früher unter dem Bischof Papa stattfand, ohne eigene überlieferte Aufzeichnungen geblieben ist, ist der offizielle Bericht der Synode von 410 im Synodicon Orientale enthalten.[7] Demnach wurde die erste Sitzung eröffnet, indem ein Brief römischer Bischöfe an ihre persischen Kollegen verlesen wurde. In diesem empfehlen jene neben der genannten Kirchenstruktur und Akzeptanz des Konzils von Nicäa auch die Synchronisierung der Feiertage, unter anderem Osterns.[8]
Im Rahmen der Synode kam es auch zu einer Audienz beim Großkönig, der als siegreicher König und "neuer Konstantin" tituliert wurde.[9] Damit wurde das Verhältnis zwischen Staat und Kirche neu sortiert und in der Folge erhielten unter anderem Bischöfe prestigeträchtige Positionen am Hof und an zentralen Orten wurden Schreine und Klöster eingerichtet, die teilweise im Rahmen von Maßnahmen gegen Christen aber bald wieder zerstört wurden.[10]
Ein weiterer auf der Synode gefasster Beschluss findet sich in Kanon 13: den Gottesdienst nach westlichen Ritus zu feiern, wie ihn die Bischöfe Isaak und Maruthas lehrten und wie er in der Kirche von Seleukia zelebriert worden war. Dieser Ritus ist heute, etwas irreführend, als der chaldäische bekannt.
Quellenausgabe
- Das Buch der Synhados: oder, Synodicon orientale: die Sammlung der Nestorianischen Konzilien, zusammengestellt im neunten Jahrhundert: nach der Syrischen Handschrift, Museo Borgiano 82, der Vatikanischen Bibliothek. Neudruck der Ausg. Auflage. Philo Press, Amsterdam 1975, ISBN 978-90-6022-468-7, S. 5–35.
Literatur
- William F. Macomber: A History of the Chaldean Mass. In: Journal of Assyrian Academic Studies. Band 11, 1997, Nr. 2, ISSN 1055-6982, S. 70–81 (online ( vom 25. April 2005 im Internet Archive); PDF; 152 kB).
Einzelnachweise
- ↑ Luise Abramowski: Der Bischof von Seleukia-Ktesiphon als Katholikos und Patriarch der Kirche des Ostens. In: Dmitrij Bumazhnov, Hans Reinhard Seeliger (Hrsg.): Syrien im 1.–7. Jahrhundert nach Christus (= Studien und Texte zu Antike und Christentum. Band 62). Mohr Siebeck, 2011, ISBN 978-3-16-151000-7, S. 2, doi:10.1515/9783110647419-014.
- ↑ Philip Wood: The Chronicle of Seert: Christian Historical Imagination in Late Antique Iraq (= Oxford Early Christian Studies). Oxford University Press, Incorporated, Oxford 2013, ISBN 978-0-19-967067-3, S. 35.
- ↑ Luise Abramowski: Der Bischof von Seleukia-Ktesiphon als Katholikos und Patriarch der Kirche des Ostens. In: Dmitrij Bumazhnov, Hans Reinhard Seeliger (Hrsg.): Syrien im 1.–7. Jahrhundert nach Christus (= Studien und Texte zu Antike und Christentum. Band 62). Mohr Siebeck, 2011, ISBN 978-3-16-151000-7, S. 6 f., doi:10.1515/9783110647419-014.
- ↑ Lucas Van Rompay: Isḥaq. In: Gorgias Encyclopedic Dictionary of the Syriac Heritage: Electronic Edition. Beth Mardutho: The Syriac Institute, 2011, archiviert vom am 25. Januar 2025; abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
- ↑ Sebastian P. Brock: The Church of the East in the Sasanian Empire up to the sixth century and its absence from the Coucils in the Roman Empire. In: Sebastian P. Brock (Hrsg.): Fire from heaven: studies in Syriac theology and liturgy (= Variorum collected studies series). Ashgate, Aldershot 2006, ISBN 978-0-7546-5908-2, S. 73–75.
- ↑ Daniel Williams: The Evolution of Pro-Nicene Theology in the Church of the East. In: Li Tang, Dietmar Winkler (Hrsg.): From the Oxus River to the Chinese shores: studies on East Syriac Christianity in China and Central Asia (= Orientalia – patristica – oecumenica). Nr. 5. LIT, Zürich / Berlin 2013, ISBN 978-3-643-90329-7, S. 390.
- ↑ Das Buch der Synhados: oder, Synodicon orientale: die Sammlung der Nestorianischen Konzilien, zusammengestellt im neunten Jahrhundert: nach der Syrischen Handschrift, Museo Borgiano 82, der Vatikanischen Bibliothek. Neudruck der Ausg. Auflage. Philo Press, Amsterdam 1975, ISBN 978-90-6022-468-7, S. 5–35.
- ↑ Wilhelm Baum, Dietmar W. Winkler: The Church of the East: a concise history (= Central Asian studies series. Nr. 3). RoutledgeCurzon, London / New York 2003, ISBN 978-0-203-42309-7, S. 14–17.
- ↑ Philip Wood: The Chronicle of Seert: Christian historical imagination in late antique Iraq (= Oxford early Christian studies). First edition Auflage. Oxford University Press, Oxford, United Kingdom 2013, ISBN 978-0-19-967067-3, S. 33.
- ↑ Richard E. Payne: A state of mixture: Christians, Zoroastrians, and Iranian political culture in late Antiquity (= Transformation of the classical heritage. Nr. LVI). University of California Press, Oakland, California 2015, ISBN 978-0-520-96153-1, S. 44.