Bodo Wolf (Komponist)
Bodo Hans Friedrich Wolf (* 19. Oktober 1888 in Frankfurt am Main; † 9. Juni 1965 ebenda) war ein deutscher Komponist, Musikpädagoge, Dirigent und Musikwissenschaftler. Sein Schaffen umfasst Orchestermusik, Kammermusik, Chorwerke, Opern und Bühnenmusik.
Leben
Bodo Wolf wurde als Sohn eines Pfarrers in Frankfurt am Main geboren. Erste musikalische Ausbildung erhielt er bei seinem Onkel Julius Wolf (Klavier) sowie im Partiturspiel bei Hugo Reichenberger. Von 1907 bis 1910 studierte er in München bei Friedrich Klose und Felix Mottl. 1911 promovierte er an der Universität München mit einer Arbeit über den Komponisten Heinrich Valentin Beck (1698–1758).
Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt arbeitete Wolf zunächst als freischaffender Komponist und Musikpädagoge. Ab 1923 unterrichtete er Komposition und Theorie/Kontrapunkt an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, wurde jedoch 1934 gekündigt.
Bodo Wolf trat am 1. April 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 1.829.521).[1] Trotz seiner Mitgliedschaft war seine berufliche Situation ambivalent. Wolf war zeitweise auf sogenannte Fürsorgebeschäftigungen angewiesen, etwa an der Städtischen Bibliothek in Frankfurt. Von 1941 bis 1944 leitete er jedoch die Städtische Jugendmusikschule Frankfurt, anschließend 1944–1945 die Singschule in Bayreuth. Gleichzeitig wurden Werke Wolfs öffentlich aufgeführt: 1936 die Sinfonie op. 57 mit den Münchner Philharmonikern unter Wilhelm Schleuning und 1937 fand die Uraufführung seines Klavierkonzerts op. 61, ebenfalls mit den Münchener Philharmonikern unter Anton Mennerich, Wolf selbst als Solist. 1939 erhielt er den Johann-Stamitz-Preis des Gaues Westmark.
In der Folge war er zeitweise auf sogenannte Fürsorgebeschäftigungen angewiesen, unter anderem an der städtischen Bibliothek in Frankfurt. Von 1941 bis 1944 leitete er die Städtische Jugendmusikschule Frankfurt, anschließend 1944–1945 die Singschule in Bayreuth.
Über Bodo Wolfs berufliche Tätigkeit nach 1945 liegen zurzeit keine belastbaren Quellen vor. Es ist jedoch dokumentiert, dass seine Werke weiterhin aufgeführt wurden, etwa das Scherzino für kleines Orchester B-Dur op. 70 1954 in Dresden.[2]
Er starb am 9. Juni 1965 in Frankfurt am Main.
Kompositionen (Auswahl)
Bodo Wolfs Werk umfasst ein breites Spektrum von Orchester-, Kammer-, Chor- und Bühnenmusik.
Orchesterwerke
- Totenfahrt, Tondichtung für großes Orchester, op. 6
- Ouvertüre in D‑Dur, op. 12
- Sinfonie in C‑Moll, op. 57
- Konzert für Klavier und Orchester in D‑Dur, op. 61
- Fantasie für Orchester, op. 27
- Serenade für kleines Orchester, op. 20
- Scherzino für kleines Orchester B-Dur, op. 70
Kammermusik
- Streichquartett in E‑Dur, op. 16
- Variationen in E‑Dur für Klavier und Violine, op. 25
- Bratschen-Duo, op. 37
- Klavierskizzen, op. 11
Chor- und Vokalmusik
- 3 geistliche Frauenchöre a cappella, op. 15
- Motette für gemischten Chor, op. 32
- Quodlibet für vier Singstimmen, op. 36a
- Lieder und Gesänge, diverse Opuszahlen
Bühnenmusik
- Oper Ilona oder Das Fest in Budapest, op. 29 (1924–1926; Meiningen 1936 als „Heroische Oper“)
- Oper Das Wahrzeichen (Darmstadt 1934)
- Tanzspiel Musikantentänzlein (Saarbrücken 1939)
- Pantomime Das Gastmahl des Trimalchio, op. 21 (Darmstadt 1926)
Nachlass
Der Nachlass von Bodo Wolf wird an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt am Main aufbewahrt. Er umfasst Musikhandschriften, Werkverzeichnisse, Programme, Kritiken und persönliche Dokumente. Der Nachlass wurde 1972 durch eine Schenkung seiner Witwe erschlossen, mit Nachträgen in 2008 und 2015.[3]
Literatur
- Riemann Musiklexikon, 11. Auflage, Mainz 1929, Eintrag Wolf, Bodo.
- Deutsche Biographie: Eintrag Bodo Wolf
- Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt – Nachlasskatalog Bodo Wolf
- Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, Hamburg 2009, ISBN 978-3-00-037705-1.
Einzelnachweise
- ↑ Fred Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. CD-ROM-Lexikon. 2. Auflage. Kiel 2009, S. 8424 f. (archive.org).
- ↑ Dr Barbara Wiermann: musiconn.performance. Abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ Nachlass Bodo Hans Friedrich Wolf (1888–1965). Abgerufen am 10. Januar 2026.
Weblinks
- Literatur von und über Bodo Wolf im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Deutsche Digitale Bibliothek: Wolf, Bodo, Personeneintrag (GND 117458449)
- Nachlass Bodo Wolf. Abgerufen am 10. Januar 2026.