Bieber (Rodau)
| Bieber Bieberbach | ||
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Bieberbach Höhe Obermühle in Offenbach-Bieber | ||
| Daten | ||
| Gewässerkennzahl | DE: 247928 | |
| Lage | Rhein-Main-Tiefland
| |
| Flusssystem | Rhein | |
| Abfluss über | Rodau → Main → Rhein → Nordsee | |
| Quelle | „Am grünen Born“ nordöstlich von Dreieich-Götzenhain 50° 0′ 21″ N, 8° 44′ 27″ O | |
| Quellhöhe | 180 m ü. NHN | |
| Mündung | etwas nördlich des Mühlheimer Wohngebiets Markwald von links in die RodauKoordinaten: 50° 6′ 57″ N, 8° 50′ 6″ O 50° 6′ 57″ N, 8° 50′ 6″ O | |
| Mündungshöhe | 103 m ü. NHN | |
| Höhenunterschied | 77 m | |
| Sohlgefälle | 4,6 ‰ | |
| Länge | 16,8 km | |
| Einzugsgebiet | 51,81 km²[1] | |
| Abfluss[2] AEo: 51,81 km² an der Mündung |
MNQ MQ Mq |
67 l/s 224 l/s 4,3 l/(s km²) |
Die Bieber, auch der oder die Bieberbach genannt, ist ein etwa 17 km langer linker Zufluss der Rodau bei Mühlheim am Main im Landkreis Offenbach in Hessen.
Geographie
Verlauf
Die Bieber entspringt auf einer Höhe von etwa 180 m ü. NHN nordöstlich von Dreieich-Götzenhain im Feld „Am grünen Born“ etwas westlich eines Gehöfts Am Kirchborn und fließt von dort in Richtung Nordosten. Sie nimmt den rechten Quellast Kirchborn auf und zieht dann durch die Südspitze des Waldes Lichteichen, wo sie den Wollwiesenteich durchfließt, in dem sie von links einen weiteren Zulauf erfährt. Nach Wiedereintritt in die Feldflur durchquert sie bald die Kreisstadt Dietzenbach und tritt dahinter zwischen Dietzenbach und Heusenstamm wieder in den Wald ein, wo sie am Patershäuser Hof vorbei durch seine lange Waldlichtung zieht, hier Liliengraben genannt.
Gegen Ende der Lichtung zu nimmt sie von Süden den Schmittgraben auf und kehrt sich dann in dessen Fließrichtung nach Norden, durchquert Heusenstamm, passiert das Heusenstammer Schloss und wird dann unter der querenden A 3 durchgeführt. Sie tritt in ungefährem Parallellauf zur S-Bahn nach einem weiteren Wald-und-Feld-Abschnitt von den Strutäckern in den Offenbacher Stadtteil Bieber ein und kehrt sich darin nach Nordosten.
In Bieber läuft sie ab der Obermühle unterirdisch in einem Rohr und tritt erst wieder an der Flurgrenze des Ortes ans Tageslicht. Nach dem Unterqueren der B 448 zieht sie durch die Feldmark an der Käsmühle und begleitet von einem breiten Wiesenstreifen durch den Wald östlich von Offenbach.
Dahinter berührt sie das Wohngebiet Markwald von Mühlheim und mündet dann wenig nördlich davon auf einer Höhe von etwa 103 m ü. NHN von links und Südwesten gegenüber dem Henningweg in die Rodau, die nach etwa einem letzten Kilometer Nordlauf danach bald in den Main mündet.
Der 16,8 km lange Lauf der Bieber endet etwa 77 Höhenmeter unterhalb ihrer Quelle, er hat somit ein mittleres Sohlgefälle von etwa 4,6 ‰.
Zuflüsse
auch höherer Ordnung (eingerückt), von Quelle zu Mündung. Gewässerlängen und Seegröße abgemessen auf dem Hessenviewer.[3]
Quelle des Bieberbachs, nordöstlich von Dreieich-Götzenhain im Feld „Am grünen Born“ weniger als 0,3 km westlich eines Gehöfts Am Kirchborn.
- Kirchborn, von rechts kurz vor dem Waldeintritt in die Südspitze von Lichteichen, ca. 1,0 km. Quelle etwa 500 m südöstlich des Gehöfts. Der Hauptquellast ist nur wenige Meter länger als dieser.
- Durchläuft im Wald den länglichen Wollwiesenteich, ca. 1,4 ha.
- Königs- oder Luderbach, von links im Wollwiesenteich, ca. 1,3 km. Entsteht östlich der L 3317 zwischen Götzenhain und dem Neuhof im Norden und fließt nach Osten, offenbar in einer gemeinsamen Grabenlinie mit dem ebenfalls Luderbach genannten Königsbach, der von hier aus nach Norden läuft.[4]
- Stirngraben
- Stiergraben, von links in Dietzenbach kurz vor der Unterquerung der Bahnlinie, ca. 1,7 km. Entsteht neben der B 459 beim Schützenhaus am westlichen Siedlungsrand von Dietzenbach.
- Schmittgraben, von rechts nahe dem Rand des Waldes südlich von Heusenstamm an der Nordspitze der Flurinsel darin, die am Paterhauser Hof beginnt, um 4,0 km ab Zusammenfluss, 9,3 km mit dem etwas längerem rechten Quellast Kaupenwiesengraben. (Der Bieberbach-Oberlauf heißt hier Liliengraben und ist insgesamt etwas über einen Kilometer kürzer.) Entsteht aus dem Zusammenfluss von Gehrengraben und Kaupenwiesengraben am Ostrand des Dietzenbacher Gewerbegebietes zum Wald. Fließt in einem Bogen von Südost nach Nordost durch den Wald im Osten des Patershauser Hofes.
- Gehrengraben, linker Quellast des Schmittgrabens, ca. 5,0 km. Entsteht eben jenseits der L 3001 wenig nordwestlich von Hexenberg. Zieht zwischen Hexenberg und Dietzenbach durch und quert im Süden und Osten die Dietzenbacher Gewerbezone.
- Kaupenwiesengraben, rechter Quellast des Schmittgrabens, ca. 5,4 km. Entsteht unmittelbar am südlichen Siedlungsrand von Hexenberg. Zieht in einem Bogen am südlichen und östlichen Rand der Dietzenbacher Flur zum Wald entlang.
Mündung des Bieberbachs an der Nordspitze des Wohngebiet Markwald von Mühlheim von links und Südwesten in die Rodau.
Natur und Umwelt
Schutzgebiet
Die Bachaue ist ein wichtiges Kaltluftentstehungsgebiet für die kreisfreie Stadt Offenbach am Main. Zwischen dem Offenbacher Stadtwald (Laufabschnitt von Heusenstamm bis Bieber) und dem Mühlheimer Wald durchfließt der Bach fast nur offenes Wiesen- und Ackerland. Der Talraum ist als Landschaftsschutzgebiet geschützt, den nur die Bebauung des gleichnamigen Ortes Bieber unterbricht.
Die Bieber durchfließt auf etwa 600 Metern Länge das Naturschutzgebiet Erlensteg von Bieber (östlich des Bachverlaufes zum Teil im Bieberer Wald gelegen) mit Orchideenwiesen.[5] Hier und in dem sich nördlich anschließenden Landschaftsschutzgebiet Bieberbach Süd, bis zum Ortseingang des Ortes Bieber, wird die Wasserführung des Baches durch oberflächennahes Sickerwasser und die Einmündung mehrerer Drainagegräben aus dem benachbarten Wald verbessert.
Die Bieber durchfließt im Landschaftsschutzgebiet Bieberbach Süd einen ökologisch wertvollen Bereich mit Nass- und Feuchtwiesen. Hier leben viele Vogelarten, darunter einige gefährdete. An Fischarten kommen in der Bieber Gründling und Schmerle vor. An den Ufern des inzwischen wieder klaren Baches sind artenreiche Mähwiesen neben dunklen Bruchwäldern Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Zu den vorkommenden Vogelarten zählen Habicht und Wachtel.
In der Nachbarschaft der Bieber befindet sich bei Heusenstamm das Naturschutzgebiet Nachtweide von Patershausen.
„Der ökologische Gewässerzustand ist im Bereich Dietzenbachs gut, im Bereich Heusenstamms unbefriedigend und im Bereich Biebers auf der Südseite des Ortes mäßig, auf der Nordseite bis zur Mündung in die Rodau gut.“ (Stand: 2007). Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie in Wiesbaden stuft die Bieber gemeinsam mit der Rodau zu den „am stärksten verschmutzten Gewässern in Hessen“ ein[6]. So führe der Bach einen extrem hohen Anteil von geklärtem Wasser. Die Gewässergüteklasse entspräche der Stufe III bis IV (sehr stark verschmutzt). Dabei gehe es weniger um die tatsächliche Qualität des Wassers, sondern das Verhältnis von natürlichem Bachwasser zu geklärtem Wasser. Das Landesamt empfiehlt daher, nicht im Bach zu baden. Kleinkrebse oder kleine Schnecken kommen in der Bieber nur in geringer Zahl vor und auch Kieselalgen finden hier keine günstigen Lebensbedingungen.
Renaturierung auf Offenbacher Stadtgebiet
Die Renaturierung der Bieber gliedert sich in drei Abschnitte: Einen südlichen, einen mittleren und einen nördlichen Abschnitt.
Südlicher Abschnitt
Die Arbeiten für eine umfassende Renaturierung der Bieber südlich des Ortsteils Offenbach-Bieber laufen aktuell. Hier soll die Bieber zwischen der Wikinger Straße und der Gemarkungsgrenze Heusenstamm auf einer Länge von 1,8 Kilometern renaturiert werden. Die natürlichen Strukturen und Lebensräume im und am Gewässer werden wiederhergestellt. Die Bieber darf sich neu entwickeln, der Bachlauf wird mäandrieren, besondere Ufer- und Sohlstrukturen und halbschattige Bereiche werden angelegt. Ein Silberweidenwald mit ausgedehnten Röhrichtbeständen und Birkenbruchwald mit Seggensümpfen prägen dann wieder die Auenlandschaft. Ufernahe Gehölze werden wieder aufgebaut. Neue Habitate für die Förderung geschützter Arten werden entstehen. Retentionsraum für Wasser wird als Präventionsmaßnahme für Überflutungen geschaffen. Im Naturschutzgebiet Erlensteg sind keine baulichen Eingriffe geplant.
Mittlerer Abschnitt
Der mittlere Abschnitt der Bieber, zwischen Bremer Straße und Germaniastraße, fließt unterirdisch durch ein rund 600 m langes Rohr. Die Gewässerstruktur ist als „vollständig verändert“ eingestuft. Hier wird zu einem späteren Zeitpunkt geprüft, welche Maßnahmen ökologisch sinnvoll sind.
Nördlicher Abschnitt
Bereits 2009 hat die Stadt Offenbach den nördlichen Bachabschnitt zwischen Käsmühle und Germaniastraße naturnah ausgebaut. Durch wechselseitige Aufweitungen und weitere Initialmaßnahmen erfolgte eine Verbreiterung des Gewässerlaufs. Nördlich der Bundesstraße B448 wurde eine zusätzliche Gewässerparzelle dem Weg zugeordnet. In Teilbereichen konnten Uferabflachungen umgesetzt werden. Zusätzlich wurde der Baumbestand erhalten und zahlreiche Neupflanzungen umgesetzt.[7]
Renaturierung auf Heusenstammer Stadtgebiet
Durch ein Flurneuordnungsverfahren gelang es in Heusenstamm im Zeitraum von 2009 bis 2016, die Bieber in einem fast drei Kilometer langen Abschnitt, der zum Teil mitten durch die Ortslage geht, zu renaturieren. Dabei wurde ein ökologisch und klimatisch wichtiger Wiesenzug als offene Auelandschaft für die Landwirtschaft, als Retentionsraum und als Entwicklungskorridor für das Gewässer eigentumsrechtlich und grundbuchmäßig gesichert.[8]
Geschichte
Die Bieber durchfließt nur wenige hundert Meter nach ihrer Quelle den Kirchbornweiher, einen als Naturdenkmal ausgewiesenen Gemarkungsbereich von Götzenhain. Dort befindet sich ein weiterer Quellbereich, der die Bieber speist. In unmittelbarer Nähe davon wurde 1927 ein römischer Kalkbrennofen ausgegraben. Auch befinden sich hier Reste eines römischen Gutshofes, einer Villa rustica, der von der Mitte des 2. bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. bewohnt war.
Am Ufer des Baches standen zahlreiche Mühlen, alleine in Bieber waren es fünf. Im Mittelalter führte die Bieber weitaus mehr Wasser als heute, so dass Fischfang möglich war. Sie floss durch die Biebermark, und nur Märker durften in ihr fischen. Im 20. Jahrhundert verschlechterte sich die Wasserqualität stark, da die Orte am Bachlauf ihr Abwasser in die Bieber einleiteten. Durch den Bau von Kläranlagen wurde die Wasserqualität wieder verbessert. Die Bieber ist stellenweise kanalisiert und im Offenbacher Stadtteil Bieber seit 1963 verrohrt. Am 9. August 1981 kam es infolge schwerer Regenfälle, besonders im Einzugsgebiet des Bieberbaches, zu schweren Überflutungen in der Ortsmitte von Bieber. In Dietzenbach, wo die Bieber unter dem Rathaus hindurchfließt, setzte das damalige Hochwasser den Rathauskeller unter Wasser und beschädigte die Akten des Stadtarchivs.
Ab dem Jahr 2007 wurden umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen in der Bieberer und Mühlheimer Gemarkung begonnen (siehe oben). In Dietzenbach sollen seit 2012 ein 600 Meter langer Damm und Regenrückhaltebecken sowie die naturnahe Gestaltung des Bachlaufeses helfen, Überschwemmungen wie die des Jahres 1981 zu vermeiden.[9]
Der Bach ist wahrscheinlich der Namensgeber des heutigen Offenbacher Stadtteils Bieber und damit indirekt auch für den Bieberer Berg, das gleichnamige Stadion und die historische Biebermark. Die früheren Schreibweisen des Ortsnamens wie Bieberau und Bieberaha lassen darauf schließen, denn die Wortendungen -aha und -au bedeuten in den alten germanischen Sprachen so viel wie Wasser. Der Name selbst ist wohl keltischen Ursprungs und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Tier Biber (keltisch: bevere), das allerdings in geschichtlicher Zeit nicht am Bach nachgewiesen ist. Der im Mittelalter wüst gewordene Ort Rennigishausen befand sich am Ufer der Bieber. Die dazugehörige Mühle wird seit April 2009 archäologisch ausgegraben.[10]
Der Paterhäuser Hof bei Heusenstamm sowie Obermühle und Käsmühle bei Offenbach-Bieber (Teil der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute), alle am Ufer des Baches gelegen, sind beliebte Ausflugsziele in der Region.
Einzelnachweise
- ↑ Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
- ↑ Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
- ↑ Hessenviewer (Geoportal Hessen) des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation mit Liegenschaftskartierung (Hinweise)
- ↑ Ursprung des Zuflusses am laut Höhenlinienbild höchsten Punkt angenommen.
- ↑ www.offenbach.de: Informationen zu Biotopen im Offenbacher Stadtgebiet ( vom 27. November 2012 im Internet Archive)
- ↑ op-online.de: „Extrem hoch belastet“
- ↑ Renaturierung der Bieber: Nördlicher Abschnitt. Abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Renaturierung Auelandschaft mit Flurneuordnung. Abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Damm soll Dietzenbacher Westend schützen
- ↑ Offenbach-Post vom 10. April 2009
Weblinks
- Die Bieber, 100 Wilde Bäche, Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat
- Umweltbericht der Stadt Offenbach über den Zustand der Bieber im Stadtgebiet (siehe ab Seite 41) ( vom 30. September 2007 im Internet Archive) (PDF-Datei; 4,3 MB)
- Gewässer in Offenbach ( vom 1. März 2013 im Internet Archive) (PDF-Datei; 1,9 MB)
- Gewässersteckbrief und Maßnahmenprogramm 247928.1 ( vom 1. Januar 2013 im Webarchiv archive.today) (Hinweise) → Übersicht über alle hessischen Flusssysteme (PDF, 1,7 MB) Bieber/Rodgau