Bezirksamt Lörrach

Das Bezirksamt Lörrach, im 19. Jahrhundert auch als Amt Lörrach bezeichnet, war von 1810 bis 1939 ein staatlicher Verwaltungsbezirk im Großherzogtum Baden und in der Republik Baden. Per 15. Juni 1939 wurden der bisherige Kreis Lörrach als Verband der kommunalen Selbstverwaltung und das staatliche Bezirksamt Lörrach durch den neuen Landkreis Lörrach als unterer staatlicher Verwaltungsbezirk (Organleihe) und gleichzeitig Selbstverwaltungskörperschaft ersetzt.[1]

Geschichte

Durch das Organisations-Reskript vom 26. November 1809 wurde das bisherige Oberamt Rötteln aufgelöst und an seine Stelle traten die neuen Bezirksämter Lörrach,[2] Schopfheim und Kandern, die zusammen mit weiteren Ämtern der staatlichen Mittelinstanz Wiesenkreis zugewiesen wurden, der dann 1815 im Dreisamkreis aufging. Der Vollzug der Bestimmungen des Reskripts sollte spätestens bis 23. April 1810 erfolgt sein.[3]

Zudem wurde das bisherige Bezirksamt Beuggen (existent von 1807 bis Ende 1809) aufgelöst und die bisher dort zugeordneten Gemeinden Degerfelden, Herten und Wyhlen dem neuen Amt Lörrach übertragen. Ebenso wurde das Bezirksamt Schliengen (existent von 1802 bis Ende 1809) aufgelöst und die bisher dort zugeordneten Gemeinden Istein, Huttingen und Mappach ebenfalls dem neuen Bezirksamt Lörrach übertragen.

Gemeinden des Bezirksamtes 1810

Die folgende Liste basiert auf dem Großherzoglich Badisches Regierungsblatt Nr. L. vom 9. Dezember 1809, S. 406.[4]

Gemeinde seit Anmerkungen Wappen[5]
Rötteln 1810 Das Dorf mit der Kirche.
Röttelnweiler 1810 mit Schloss Rötteln
Lörrach 1810 wurde nach der Zerstörung der Burg Rötteln und dem Aufbau von Verwaltungsgebäuden ab 1682 Sitz des Oberamtes Rötteln. Sitz des neuen Bezirksamtes.
Brombach 1810
Haagen 1810 mit Hasenloch[6]
Hauingen 1810 mit Rechberg[7]
Inzlingen 1810
Tumringen 1810
Rümmingen 1810
Wittlingen 1810
Schallbach 1810
Grenzach 1810
Weil am Rhein 1810
Tüllingen 1810
Haltingen 1810
Ötlingen 1810
Märkt 1810
Binzen 1810
Fischingen 1810
Eimeldingen 1810
Egringen 1810
Efringen 1810
Kirchen 1810
Steinen 1810
Höllstein 1810
Hägelberg 1810
Hüsingen 1810
Degerfelden 1810 mit Hagenbacherhof[8]; bisher Bezirksamt Beuggen
Herten 1810 bisher Bezirksamt Beuggen
Wyhlen 1810 mit Rührberg und Markhof[9]; bisher Bezirksamt Beuggen
Istein 1810 bisher Bezirksamt Schliengen
Huttingen 1810 bisher Bezirksamt Schliengen
Mappach 1810 mit Maugenhard; bisher Bezirksamt Schliengen

Weitere Entwicklung

Von 1813 bis 1819 gehörten die Gemeinden Huttingen und Istein zum Bezirksamt Kandern, bei dessen Auflösung sie wieder zum Bezirksamt Lörrach kamen. Bei der Auflösung des Bezirksamtes Kandern (1819) wurden überdies die Stadt Kandern und neun weitere Gemeinden (Blansingen, Hertingen, Holzen, Kleinkems, Riedlingen, Tannenkirch, Welmlingen, Wintersweiler, Wollbach) dem Bezirksamt Lörrach zugeordnet. 1819 wurde zudem die Ortschaft Warmbach vom Bezirksamt Säckingen dem Bezirksamt Lörrach zugewiesen.

Das Bezirksamt Schopfheim wurde durch das Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 30. Juni 1936.[10] aufgehoben, wobei die tatsächliche Auflösung und die Übergabe der Gemeinden an das Bezirksamt Lörrach aufgrund der Verordnung vom 25. November 1937 erst per 1. April 1938 erfolgte.[11][12] Die Gemeinden Bernau, Brandenberg, Todtnau und Todtnauberg wurden dem Amtsbezirk Neustadt und die Gemeinden Dossenbach, Minseln, Nordschwaben, Todtmoos und Wehr dem Amtsbezirk Säckingen bereits per 1. Oktober 1936 übergeben.

Die Gemeinden Hertingen, Kandern, Riedlingen und Tannenkirch mussten vom Bezirksamt Lörrach bereits per 1. Oktober 1936 an das Bezirksamt Müllheim abgegeben.[13][14]

Übergeordnete Behörden

Im Rahmen der Verwaltungsgliederung des Landes übergeordnete Behörden waren:

Amtsvorsteher

Die Oberamtmänner bzw. Landräte des Bezirksamts 1809–1939:

Landräte des Bezirksamtes Lörrach[15]

Literatur

  • Karl Gustav Fecht: Der südwestliche Schwarzwald und das anstoßende Rheingebiet. Zustände von Land und Volk aus älterer und neuerer Zeit. Zweite Abtheilung, I. Band: Die Großherzoglich Badischen Amts-Bezirke Waldshut, Säckingen, Lörrach, Schopfheim: deren Statistik, Handel & Gewerbe, Specialgeschichte, C.R. Gutsch, Lörrach & Waldshut 1859, S. 276–446
  • Josef von Reichlin-Meldegg: Aus den Erinnerungen eines badischen Beamten, Bd. 1: Praktikanten-Jahre, Freiburg im Breisgau 1872 Google Digitalisat
  • Landratsamt Lörrach (Herausgeber): Vom Oberamt Rötteln zum Landratsamt Lörrach. Anfänge und geschichtliche Entwicklung der Verwaltungsgliederung 1382–1982/83, Lörrach-Haagen 1983.
  • Das Land Baden-Württemberg – Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden (in acht Bänden); Hrsg. von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg; Band VI: Regierungsbezirk Freiburg; Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2.
  • Wolfram Angerbauer: Der Landkreis Lörrach. In: Wolfram Angerbauer (Redaktion): Die Amtsvorsteher der Oberämter, Bezirksämter und Landratsämter in Baden-Württemberg 1810 bis 1972. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft der Kreisarchive beim Landkreistag Baden-Württemberg. Theiss, Stuttgart 1996, ISBN 3-8062-1213-9. S. 79–82.
  • Fred Ludwig Sepaintner: Bezirksgliederung in Verwaltung und Justiz. In: Abteilung Landesbeschreibung des Staatsarchivs Freiburg im Breisgau (Bearbeiter): Kreisbeschreibungen des Landes Baden-Württemberg. Der Landkreis Lörrach. Band I. A. Allgemeiner Teil. B. Gemeindebeschreibungen Aitern bis Inzlingen. C. Quellen und Literatur. Herausgegeben von der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landkreis Lörrach. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1993, ISBN 3-7995-1353-1., S. 446–455

Einzelnachweise

  1. Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt Nr. 11 vom 28. Juni 1939
  2. Großherzoglich Badisches Regierungsblatt vom 9. Dezember 1809, S. 406
  3. Großherzoglich Badisches Regierungsblatt 1809, S. 395
  4. Großherzoglich Badisches Regierungsblatt Nr. L. vom 9. Dezember 1809, S. 406
  5. Die hier gezeigten Wappen wurden meist erst Ende des 19. Jahrhunderts von den Gemeinden auf Vorschlag des Generallandesarchivs angenommen, d. h. sie existierten 1810 noch nicht oder die Gemeindesiegel zeigten allenfalls Elemente der späteren Gemeindewappen.
  6. Hasenloch - Wohnplatz – Historisches Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  7. Rechberg - Wohnplatz – Historisches Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  8. Hagenbach - Wohnplatz – Historisches Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  9. Markhof - Wohnplatz – Historisches Ortslexikon Baden-Württemberg. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg.
  10. Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 30. Juni 1936. In: Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt Nr. 20 vom 1. Juli 1936, S. 80–82
  11. In: Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt Nr. 40 vom 29. November 1937, S. 295
  12. Die Liste der an das Bezirksamt Lörrach übergegangenen Gemeinden findet sich im Artikel Bezirksamt Schopfheim.
  13. Gesetz über die Neueinteilung der inneren Verwaltung vom 30. Juni 1936. In: Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt Nr. 20 vom 1. Juli 1936, S. 81
  14. Badisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch für das Land Baden 1938. Veränderungen in der inneren Verwaltung in der Zeit von 1925 bis 1938, Karlsruhe 1938, S. 4 Digitalisat der BLB Karlsruhe
  15. Die Bezeichnung Landrat wurde in Baden seit 1924 bereits für die Leiter der Bezirksämter (bisher Oberamtmann) verwendet Bekanntmachung vom 20. September 1924. Änderungen der Amtsbezeichnungen. In: Badisches Gesetz- und Verordnungs-Blatt Nr. 54 vom 30. September 1924, S. 267–268

Koordinaten: 47° 36′ 52″ N, 7° 39′ 44″ O