Pakistanisch-saudi-arabische Beziehungen

Pakistanisch-saudi-arabische Beziehungen
Pakistan Saudi-Arabien
Pakistan Saudi-Arabien

Die Pakistanisch-saudi-arabischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Pakistan und Saudi-Arabien. Saudi-Arabien gehörte 1947 zu den ersten Staaten, die das unabhängig gewordene Pakistan anerkannte. Seither hat sich eine traditionell enge Partnerschaft entwickelt, die auf gemeinsamer Religion, strategischen Interessen und wirtschaftlicher Verflechtung beruht. Die Kooperation umfasst intensive militärische Zusammenarbeit, umfangreiche Wirtschaftsunterstützung und enge personelle Verbindungen. Im September 2025 festigten beide Länder ihr Bündnis durch den Abschluss eines gegenseitigen Verteidigungsabkommens.

Geschichte

Saudi-Arabien erkannte Pakistan kurz nach dessen Unabhängigkeit im August 1947 an; 1951 unterzeichneten beide den ersten Freundschaftsvertrag als Grundlage jahrzehntelanger strategischer, politischer, militärischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit.[1] In den 1960er Jahren half Pakistan beim Aufbau der saudischen Luftstreitkräfte, so flogen pakistanische Piloten 1969 saudische Jets, um eine Infiltration an Saudi-Arabiens Südgrenze durch Südjemen abzuwehren. In den 1970er und 1980er Jahren waren zeitweise bis zu 15.000 pakistanische Soldaten im Königreich stationiert. Während der sowjetischen Intervention in Afghanistan der 1980er kooperierten Islamabad und Riad eng gegen die sowjetische Besatzung: Saudi-Arabien finanzierte über die Hälfte des afghanischen Mudschaheddin-Widerstands und arbeitete dabei eng mit dem pakistanischen Geheimdienst ISI zusammen. In den 1990er Jahren unterstützten beide Länder zeitweise gemeinsam die Taliban in Afghanistan und gehörten zu den wenigen Staaten, die diese diplomatisch anerkannten.[2]

Pakistan erhielt seit den 1960er-Jahren mehr finanzielle Hilfe aus Saudi-Arabien als jedes nicht-arabische Land; so versprach Riad 1998, die Lieferung von 50.000 Barrel Rohöl pro Tag kostenlos, um mögliche wirtschaftliche Einbußen Pakistans durch internationale Sanktionen abzufedern. 1999 besuchte der saudische Verteidigungsminister Prinz Sultan bin Abdulaziz pakistanische Nuklearanlagen bei Islamabad, was Spekulationen über nukleare Absprachen auslöste.[2] 2015 kam es zu einer vorübergehenden Belastungsprobe, als Pakistans Parlament einstimmig beschloss, neutral zu bleiben und sich nicht an der saudisch geführten Militärintervention im Jemen zu beteiligen.[1] Dennoch gelten die bilateralen Beziehungen weiterhin als außerordentlich eng; der frühere saudische Geheimdienstchef Turki al-Faisal bezeichnete das Verhältnis sogar als „eine der engsten Beziehungen weltweit zwischen zwei Ländern“.[2]

Wirtschaftsbeziehungen

Saudi-Arabien ist Pakistans wichtigster Handelspartner in der Golfregion. Das bilaterale Handelsvolumen betrug 2024 etwa 3,5 Milliarden US-Dollar, blieb damit jedoch hinter dem wirtschaftlichen Potenzial beider Länder zurück und stand damit ein wenig im Schatten der engen kulturellen und politischen Beziehungen. Die saudischen Exporte nach Pakistan bestehen überwiegend aus Erdöl, petrochemischen Erzeugnissen und Düngemitteln, während Pakistan vor allem Textilien, Lebensmittel (z. B. Reis, Obst) und Lederwaren ins Königreich liefert.[3] Überweisungen pakistanischer Gastarbeiter (2022 ca. 6,7 Mrd. US$) aus Saudi-Arabien in ihre Heimat sind ebenfalls ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.[4] 2019 vereinbarten beide Staaten den Bau einer großen Erdölraffinerie in Gwadar, Pakistan, mit einem Investitionsvolumen von ca. 12 Mrd. US-Dollar. Riad sagte Islamabad außerdem wiederholt Finanzhilfen zu, etwa in Form zinsgünstiger Kredite, Deviseneinlagen (zuletzt 5 Mrd. US$) oder der Finanzierung von Ölimporten auf Kreditbasis.[4] Während der jüngeren Wirtschaftskrise Pakistans 2022/23 forderte Saudi-Arabien von Pakistan jedoch zunächst umfassende Wirtschaftsreformen, um das Paket des IWF umzusetzen, andernfalls würde es keine Hilfe wie bisher leisten.[5]

Militärische und sicherheitspolitische Beziehungen

Pakistan und Saudi-Arabien unterhalten traditionell enge militärische Kontakte. Seit 1967 entsendet Pakistan regelmäßig militärisches Ausbildungspersonal nach Saudi-Arabien; ein 1982 geschlossenes Abkommen institutionalisiert diese Praxis der Truppenentsendung und Trainingskooperation und Pakistan entsendete Truppen nach Saudi-Arabien, auch mit Blick auf mögliche innere Bedrohungen für die Saudi-Monarchie. Es sind weiterhin pakistanische Militärangehörige in Saudi-Arabien präsent, wo sie den saudischen Streitkräften operativ, technisch und ausbildend zur Seite stehen. Pakistan hat zudem seit 1967 insgesamt über 8.000 saudische Soldaten und Offiziere in eigenen Militärakademien ausgebildet, und beide Armeen führen regelmäßig gemeinsame Manöver durch.[1] Laut Berichten von 2017 sollen sogar 70.000 Pakistaner im saudischen Militär dienen.[6] Auch gibt es eine enge Kooperation in der Rüstungsindustrie. Es wird seit langem darüber spekuliert, Saudi-Arabien könne im Ernstfall auf Pakistans nukleare Abschreckung zurückgreifen; Beobachter sprechen von einer inoffiziellen „atomaren Partnerschaft“ beider Länder, auch durch eine verdeckte Unterstützung Saudi-Arabiens für das pakistanische Atomprogramm (zu dem Saudi-Arabien sogar finanziell beigetragen haben soll).[2][7]

Als sunnitische Alliierte betrachten sich beide Staaten als strategische Partner in der islamischen Welt und teilen die Sorge über Irans regionalen Einfluss, Pakistan hält jedoch auch Kontakte zum Nachbarn in Teheran aufrecht.[8] Gleichzeitig unterhält Saudi-Arabien auch gute Beziehungen zu Pakistans Rivalen Indien, was den geopolitischen Verhältnissen eine große Komplexität verleiht.[9]

Verteidigungsabkommen 2025

Am 17. September 2025 unterzeichneten Saudi-Arabien und Pakistan ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen (Strategic Mutual Defense Agreement). Dieses Abkommen sieht vor, dass ein bewaffneter Angriff auf einen der Vertragspartner als Angriff auf beide Staaten gewertet wird.[10] Offiziellen Verlautbarungen zufolge soll das Bündnis die langjährige Zusammenarbeit ausbauen und die gemeinsame Abschreckungsfähigkeit gegenüber Aggressionen stärken.[1]

Kultur und Migration

Die beiden Länder sind kulturell und religiös eng verbunden, da sowohl Pakistan als auch Saudi-Arabien überwiegend sunnitisch-islamisch geprägt sind. Saudi-Arabiens Rolle als Hüter der heiligsten Stätten des Islams (Mekka und Medina) verschafft dem Königreich ein besonderes Ansehen in Pakistan. Jährlich reisen zahlreiche pakistanische Gläubige zu den islamischen Pilgerfahrten (Haddsch und Umrah) nach Saudi-Arabien; allein 2025 kamen über 116.000 Pakistani als Haddsch-Pilger nach Mekka.[11] In Saudi-Arabien lebt zugleich eine der größten pakistanischen Diaspora-Gemeinschaften weltweit. Über zwei Millionen Pakistaner arbeiten im Königreich, die zweitgrößte Migrantengruppe dort, wobei es jedoch auch immer wieder zur Misshandlung, Inhaftierung oder sogar Hinrichtung pakistanischer Arbeiter kommt.[12]

Saudi-arabische Institutionen und Privatspender unterstützen seit Jahrzehnten religiöse Bildungseinrichtungen in Pakistan. Ein erheblicher Teil des Madrasa-Schulwesens (traditionelle islamische Seminare) wird durch saudische Finanzhilfen mitgetragen.[2] Neben dem großen Einfluss auf die religiöse Ausbildung haben die Saudis auch zahlreiche Moscheen in Pakistan gestiftet, darunter auch die riesige Faisal-Moschee in Islamabad. Laut einer Umfrage des Pew Research Center haben Pakistaner weltweit die positivste Meinung von Saudi-Arabien: 9 von 10 Befragten sehen das Land in einer Meinungsumfrage von 2013 positiv.[13]

Commons: Pakistanisch-saudi-arabische Beziehungen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Abid Hussain: ‘Watershed’: How Saudi-Pakistan defence pact reshapes region’s geopolitics. Abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  2. a b c d e Saudi Arabia: Nervously Watching Pakistan. In: Brookings. Abgerufen am 25. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. Pak-Saudi trade volumes are not even close to their true potential. 31. Dezember 2024, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  4. a b Saudi Arabia to study enhancing investments in Pakistan to $10 billion. 10. Januar 2023, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  5. Saudi Arabia tells Pakistan: No more easy money. In: Middle East Eye. Abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  6. Colin Freeman and Taimur Khan, Foreign Correspondents: Pakistan in talks with Saudi Arabia to send combat troops to protect the kingdom. Abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  7. Saudi-Arabien und Pakistan unterzeichnen Verteidigungspakt. In: Der Spiegel. 18. September 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 26. September 2025]).
  8. Jon Boone: Former Pakistan army chief Raheel Sharif to lead 'Muslim Nato'. In: The Guardian. 8. Januar 2017, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 25. September 2025]).
  9. Geopolitischer Paukenschlag. 22. September 2025, abgerufen am 25. September 2025 (deutsch).
  10. Ulrich von Schwerin: Gemeinsame Verteidigung: Saudiarabien und Pakistan besiegeln Militärpakt. In: Neue Zürcher Zeitung. 21. September 2025, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 25. September 2025]).
  11. ‘Soaring in the air’: Returning Pakistani Hajj pilgrims praise spiritual experience despite intense heat. Abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  12. Yumna Rizvi: The time to demand Saudi Arabia to treat Pakistani workers properly is now. 1. Oktober 2018, abgerufen am 25. September 2025 (englisch).
  13. No Author: Saudi Arabia’s Image Falters among Middle East Neighbors. In: Pew Research Center. 17. Oktober 2013, abgerufen am 25. September 2025 (amerikanisches Englisch).