Beverly Buchanan

Beverly Ann Buchanan (geboren am 8. Oktober 1940 in Fuquay Springs, North Carolina; gestorben am 4. Juli 2015 in Ann Arbor, Michigan)[1] war eine US-amerikanische Künstlerin. Ihr von ihren afroamerikanischen Wurzeln beeinflusstes Werk umfasst Malerei, Bildhauerei, Videokunst und Land Art. Zu ihren bekanntesten Werken gehören Arbeiten, in denen sie sich auf die traditionelle Architektur der armen Bevölkerung in den ländlichen Gebieten im Süden der Vereinigten Staaten bezieht.[2]

Leben und werk

Jugend und Ausbildung im Gesundheitswesen

Beverly Buchanan kam am 8. Oktober 1940 als Tochter von Nathaniel Baker Brown Sr. und seiner Frau Irene, geborene McKay, in Fuquay Springs im US-Bundesstaat North Carolina zur Welt. Ihre Eltern ließen sich im Folgejahr scheiden. Sie wurde danach von ihrem Großonkel Walter May Buchanan (1894–1951) und seiner Frau Marion Sanders Buchanan (1892–1989) adoptiert. Walter Buchanan war Professor und Dekan (Dean) der Fakultät für Landwirtschaft (School of Agriculture) der South Carolina State University in Orangeburg, wo Beverly Buchanan ihre Jungend verbrachte.[3] Sie begleitete ihren Stiefvater wiederholt bei seinen Fahrten zu den Pächtern (tenant farmer) in der Region des Cotton Belt, die er in landwirtschaftlichen Fragen beriet.[4][5][6] Walter Buchanan starb, als sie die sechste Klasse besuchte. Fortan kümmerte sich vor allem ihre Stiefmutter Marion Buchanan um sie, die zudem als Schulleiterin arbeitete. Beverly Buchanan besuchte ihre leibliche Mutter, die nach erneuter Heirat Irene Rogers hieß, wiederholt in den Sommerferien in Lillington (North Carolina).[7]

Buchanan studierte Medizintechnik am Bennett College in Greensboro (North Carolina), ein traditionell von schwarzen Frauen besuchtes College.[8] Sie schloss das Studium 1962 mit dem Bachelor ab und wechselte anschließend an die Columbia University in New York, wo sie Parasitologie studierte. Den Studiengang beendete sie 1968 mit einem Master-Abschluss. Parallel studierte sie Public Health und schloss das Studium 1969 ebenfalls mit dem Master ab.[8] Danach arbeitete sie als medizinische Technologin im Veterans Administration Hospital, ein Krankenhaus im Stadtteil Bronx und zudem als Fachkraft für Public Health mit den Schwerpunkten Impfung, Stillen und Geburtenkontrolle beim Gesundheitsamt von East Orange in New Jersey.[7] Ein Beschäftigungsangebot am renommierten New Yorker Mount Sinai Hospital lehnte sie ab, da sie sich zukünftig verstärkt ihrer künstlerischen Arbeit widmen wollte. Ihr Wunsch war es, sich mit den Bildern, Geschichten und der Architektur ihrer afroamerikanischen Kindheit auseinanderzusetzen.[2]

Künstlerisches Werk

Buchanan widmete sich seit den 1960er Jahren der Malerei und der Bildhauerei. Sie stellte ihre Werke in Ausstellungen im New Yorker Bezirk Staten Island und der Bronx aus.[9] 1971 besuchte sie einen Malkurs bei Norman Lewis an der Art Students League in New York.[10] Lewis sowie der Künstler Romare Bearden, die beide dem afroamerikanischen Künstlerkollektiv Spiral angehörten, wurden Freunde und Förderer von Buchanan.[2][11] Bearden stellte für Buchanan eine Verbindung mit der Cinque Gallery her, die sich vor allem für schwarze Künstler engagierte.[5] Jock Truman, der zuvor die Betty Parsons Gallery geleitet hatte, stellte 1977 Buchanans Werke in seiner eigenen Truman Gallery in New York aus. Darauf entschied Buchanan, ihre Arbeit im öffentlichen Gesundheitswesen aufzugeben und sich ganz ihrer Kunst zu widmen.[12] Im selben Jahr zog sie nach Macon (Georgia), um an der Stratford Academy Kunst zu unterrichten. Zudem begann sie erste Kunstwerke in der Landschaft zu errichten.[2][13][7]

Ab 1976 arbeitete sie an einer Reihe von Bilder mit dem Motiv der Torn Walls.[12] Sie ließ sich bei diesen nicht gegenständlich wirkenden Bildern von erodieren Brandmauern der Häuser der New Yorker Stadtviertel Harlem und SoHo inspirieren. Bei einer Ausstellung der Torn Walls 1976 im Montclair Art Museum urteilte der Kritiker der New York Times David L. Shirey, die Werke seien „indisputably a tinderbox of a display that will cause sparks to fly“ (sinngemäß: zweifellos ein explosives Schauspiel, das Funken sprühen lassen wird).[14] Bekannt wurde Buchanan vor allem für ihre zahlreichen Gemälde und Skulpturen mit dem Motiv der Shacks. Diese Darstellungen von Hütten werden häufig mit den Wohnhäusern der armen Bevölkerung in Verbindung gebracht.[15] Die Autorin Janet T. Marquardt sah in Buchanans Hütten keine dokumentarischen Werke, sondern Erzählungen der „personal history“ (persönlichen Geschichte). Die leuchtenden Farben und die kindlich erscheinende Vereinfachung der Ausführung der Werke rufe „warmth and happiness“ (Wärme und Glück) hervor, die selbst in ärmlichsten Hütten zu finden sind. Buchanans Shacks zeigen „faith and caring“ (den Glauben und die Fürsorge), die nicht nur den privilegierten Klassen vorbehalten seien.[15]

Weiterhin begann sie damit, Betonskulpturen zu schaffen, die teilweise an antike Grabsteine erinnern. Ein Beispiel hierfür ist die Arbeit Ruins and Rituals, die sich im Museum of Arts and Sciences in Macon (Georgia) befindet.[16] 1980 zeigte sie die aus vier Zementsegmenten bestehende Arbeit Wall Column in der großen feministischen Ausstellung Dialectics of Isolation: An Exhibition of Third World Women Artists of the United States in der A.I.R. Gallery in Brooklyn.[13] 1981 schuf Buchanan an der Küste von Georgia bei Brunswick (Georgia) die temporäre Land-Art-Skulptur Marsh Ruins, eine aus drei Betonformen bestehende Arbeit, die sie mit Tabby – ein regionaler mit Muschelkalk hergestellter Zement – überzogen hatte. Die innerhalb von zwei Tagen errichtete Arbeit befand sich in der Nähe des vom Schriftsteller Sidney Lanier beschriebenen Gebietes The Marshes of Glynn.[11] Östlich der Skulptur befindet sich St. Simons Island, eine Insel auf der sich 1803 eine Gruppe von versklavten Igbo kollektiv im Meer ertränkte. Mit ihrer Land-Art-Skulptur wollte sie die vergessenen Geschichten der Sklaverei veranschaulichten. Die Arbeit entstand mit Förderung durch ein Guggenheim-Stipendium.[13] Marsh Ruins versank nach einiger Zeit im Marschland, ein Prozess den Buchanan filmisch dokumentierte.[17] Buchanans letzte Skulptur im öffentlichen Raum war Blue Station Stones, die sie 1986 für den Bahnhof Earlington Heights station des Miami-Dade Transit entwarf.[13]

In ihrem Werk finden sich weitere Ausdrucksformen wie Steinsockel, Assemblagen mit Nippes, humorvolle Gedichte, Selbstporträts sowie Stillleben mit Blumen oder Früchten. Gemeinsam ist den Werken der Bezug zu Buchanans Identität, den Erinnerungen an Orten und das kollektive Gedächtnis ihrer gesellschaftlichen Herkunft.[18] Buchanan zählte zu ihren Vorbildern die afro-amerikanische Künstlerin Nellie Mae Rowe, die sie insbesondere zu ihren Shacks inspirierte.[6]

Tod und Nachwirken

Beverly Buchanan starb am 4. Juli 2015 in Ann Arbor. Sie wurde auf dem dortigen Friedhof Arborcrest Memorial Park bestattet.[1] Werke von Buchanan befinden sich in den Sammlungen der Addison Art Gallery of American Ar der Phillips Academy in Andover (Massachusetts), im Georgia Museum of Art in Athens (Georgia), im Metropolitan Museum of Art und im Whitney Museum of American Art in New York[2] sowie im High Museum of Art in Atlanta.[19] Darüber hinaus wurde ihr Werk nach ihrem Tod wiederholt in einigen Soloausstellungen ebenso wie in Gruppenausstellungen gezeigt, etwa 2021 im Virginia Museum of Fine Arts in Richmond (Virginia)[20] und 2023 im Nasher Sculpture Center in Dallas.[21]

Auszeichnungen

Einzelausstellungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. a b Angaben zur Beerdigung vom 6. Juli 2015 in den Ann Arbor News auf der Website des Nie Family Funeral Home.
  2. a b c d e f Karen Towers Klacsmann: Arts & Culture. Visual Arts. Beverly Buchanan (1940-2015). In: New Georgia Encyclopedia online vom 6. Mai 2005.
  3. a b Biografische Angaben zu Beverly Buchanan auf der Website der The Johnson Collection in Spartanburg
  4. Jared Quinton: Beverly Buchanan Ruins and Rituals, Artikel auf der Website brooklynrail.org vom 10. Dezember 2020.
  5. a b Marcia G. Yerman: Beverly Buchanan - An interview with Marcia G. Yerman, Interview mit Berverly Buchanan von 1993 auf der Website von Marcia G. Yerman.
  6. a b Wendy Vogel: Spirits Welcome: Beverly Buchanan at Andrew Edlin, Artikel in Art in America vom 7. Mai 2021.
  7. a b c Park McArthur, Jennifer Burris Staton: Beverly Buchanan, 1978–1981, Athénée Press, Mexiko-Stadt 2015, S. 9–19.
  8. a b Beverly Buchanan: In: Contemporary Women Artists/Biography in Context, Gale, Detroit 2017.
  9. Sylvia Moore: Gumbo Ya Ya: An Anthology of Contemporary African-American Women Artists, Midmarch Arts Press, New York 1995, ISBN 978-1-877675-07-2.
  10. Patricia Phagan: An Interview with Beverly Buchanan. In Art Papers Januar 1984, S. 16–17.
  11. a b Beverly Buchanan “I Broke the House” at gta exhibitions. In Mousse Magazine vom 1. Juli 2024.
  12. a b Beverly Buchanan, Eleanor Flomenhaft: Shack Portraiture: An Interview with Beverly Buchanan. In: Eleanor Flomenhaft,: Beverly Buchanan, shackworks: a 16-year survey. Ausstellungskatalog, Montclair Art Museum, Montlair 1994, S. 13.
  13. a b c d Siddhartha Mitter: A Vanishing Masterpiece in the Georgia Marshes. In: New York Times vom 29. Juli 2023.
  14. David L. Shirey: Art. In: New York Times vom 23. Mai 1976.
  15. a b Janet T. Marquardt: Beverly Buchanan im Bereich 2005 CWA Annual Recognition Awards auf der Website der College Art Association (Archive)
  16. Beschreibung und Abbildung des Werkes Ruins and Rituals auf der Website des Museum of Arts and Sciences (Macon)
  17. Alexxa Gotthardt: The Brooklyn Museum Gives Fiercely Independent Artist Beverly Buchanan the Retrospective She Deserves. Veröffentlicht auf artsy.net am 27. Oktober 2016.
  18. Alexxa Gotthardt: Fiercely Independent Artist Beverly Buchanan Finally Gets the Retrospective She Deserves, veröffentlicht auf der Onlineplattform artsy.net am 27. Oktober 2016.
  19. Beverly Buchanans Werk auf der Website des High Museum of Art.
  20. Ausstellung VMFA Presents The Dirty South: Contemporary Art, Material Culture, and the Sonic Impulse auf der Website des Virginia Museum of Fine Arts.
  21. Ausstellung Groundswell: Women of Land Art auf der Website des Nasher Sculpture Center.
  22. Stipendiaten auf der Website des Guggenheim Fellowship
  23. Ausstellungen 1972–2009 siehe Website der Künstlerin.
  24. Informatioen zur Ausstellung Beverly Buchanan—Ruins and Rituals auf der Wesite des Brooklyn Museum
  25. Informationen zur Ausstellung Beverly Buchanan auf der Website des Haus am Waldsee