Berschweiler (Heusweiler)

Berschweiler ist ein Ortsteil von Heusweiler.

Geschichte

Der Namensteil Weiler, der von dem lateinischen Villare abzuleiten ist, lässt auf eine erste Besiedlung zwischen 800 und 1200 nach Christus schließen.[1] In der sogenannten Türkenschatzung von 1542 ist die Bersweyller Meigerey mit vier Haushaltungen gelistet. Einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1757 ist zu entnehmen, dass in Berschweiler damals sieben Familien, eine Witwe und zwei Hintersassen wohnten.[2] Alle Einwohner waren Leibeigene des Fürstenhauses Nassau-Saarbrücken und lebten von der Landwirtschaft. Im Ort gab es neben den zehn Häusern bereits eine Mühle, die spätere Berschweiler Ölmühle.[3] 1793 hob Fürst Ludwig die Leibeigenschaft auf und beendete so die vierhundertjährige Herrschaft des Saarbrücker Fürstenhauses. 1798 errichtete die französische Besatzungsmacht das Département de la Sarre, womit alle Orte zu eigenen Gemeinden wurden. Die Commune de Berschweiler war nun selbstständig und wurde 1809 im Classement Parcellaire et Évaluation mit 15 Häusern sowie zwei Mühlen aufgelistet.[4]

1815, nach dem Zweiten Pariser Frieden, fielen alle Territorien der Grafschaft Nassau-Saarbrücken an das Königreich Preußen. Berschweiler gehörte zwar von da an zur Bürgermeisterei Heusweiler, blieb aber selbständig und hatte einen eigenen Gemeinderat mit Gemeindevorsteher. Ausgelöst durch die beiden neuen Gruben in Dilsburg und Göttelborn erlebte Berschweiler ein Bevölkerungswachstum. So kam es, dass Berschweiler 1864 eine eigene Schule baute.[5]

1918 zählte die Gemeinde Berschweiler 237 Einwohner. Nachdem Berschweiler 1921 dem Zweckverband Weiherzentrale beitrat, erhielt es 1923 elektrischen Strom. Im März 1924 gründeten Johann Weyland und Konrad Groß einen eigenen SPD-Ortsverband. 1936 wurde Berschweiler gemeinsam mit den Gemeinden Heusweiler, Bietscheid, Dilsburg, Hirtel und Rittershof zur Gesamtgemeinde Heusweiler zusammengeschlossen.[5]

Mit der Wiedereingliederung des unter französischer Verwaltung stehenden Saargebiets ins Deutsche Reich infolge der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 blieb auch Berschweiler nicht von der nationalsozialistischen Gleichschaltung verschont. Da Berschweiler im Zweiten Weltkrieg inmitten des Westwalls lag, wurden ab 1938 einige Bunker errichtet. Mit deren Bau kamen viele Menschen in das Dorf. Glücklicherweise fanden in Berschweiler keine Kampfhandlungen statt. 1937 wurde in Berschweiler auf dem Gelände des heutigen Bauhofs ein Reichsarbeitsdienstlager errichtet.[6]

In der Nachkriegszeit waren die Landwirtschaft und der Bergbau von besonderer Bedeutung. Demzufolge brachte die Montankrise verheerende Folgen für Berschweiler mit sich. Die Zahl der Berschweiler Bergleute sank auf null.[6] Seitdem verschlechterte sich die Infrastruktur immer weiter. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts gibt es in Berschweiler weder einen Bäcker, noch eine Gaststätte oder irgendein Einzelhandels-Geschäft.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswert ist die zwischen 1767 und 1779 erbaute Ölmühle Berschweiler. Obwohl sie 1939 stillgelegt wurde, ist sie noch fast vollständig erhalten und steht seit 1979 unter Denkmalschutz. Ihre Sanierung wurde 2006 mit dem saarländischen Denkmalpflegepreis ausgezeichnet.[7]

1938 wurde die Westwallbefestigung WH333 gebaut; dieser Bunker ist mit einem Kampfstand ausgestattet und wurde primär als Mannschaftsunterstand genutzt. Der Heimatkundliche Verein Köllertal e. V. organisiert regelmäßig Besichtigungen.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur

Durch Berschweiler verläuft die Landstraße L 265, außerdem ist der Ort an die L 141 angeschlossen. Der Gemeindebauhof Berschweiler ist einer der größten des Saarlands.[9]

Die Berschweiler Feuerwehr wurde 1924 gegründet. Während des Zweiten Weltkriegs musste sie häufig ausrücken, um Brände im Reichsarbeitsdienstlager oder durch Brandbomben verursachte Feuer zu löschen. 1968 wurde das heutige Feuerwehrhaus erbaut und am 4. August desselben Jahres eingeweiht. 2016 wurde es renoviert und erweitert.[10]

Regelmäßige Veranstaltungen

Die Feuerwehr Berschweiler veranstaltet jährlich u. a. ein gut besuchtes, nicht nur lokal bekanntes, Sankt-Martins-Fest mit Umzug und Martinsfeuer.

Einzelnachweise

  1. Martina Pitz: Siedlungsnamen auf -villare ( -weiler, -villers) zwischen Mosel, Hunsrück und Vogesen. Untersuchungen zu einem germanisch-romanischen Mischtypus der jüngeren Merowinger- und der Karolingerzeit. Saarbrücker Druckerei und Verlag, Saarbrücken 1998, ISBN 3-930843-29-3.
  2. Carl Hermann Christmann, Lothar Goss, Waldemar Jacobs, Karl Heinz Janson, Günter Meyer, Rosie Meyer, Helmut Schorr, Alfred Wettmann: Berschweiler und seine Mühlen. Hrsg.: Helmut Schorr. Heusweiler-Berschweiler September 2006, S. 11.
  3. Stadtarchiv Saarbrücken, NR. IV 1639
  4. Carl Hermann Christmann, Lothar Goss, Waldemar Jacobs, Karl Heinz Janson, Günter Meyer, Rosie Meyer, Helmut Schore, Alfred Wettmann: Berschweiler und seine Mühlen. Hrsg.: Helmut Schor. S. 15 f.
  5. a b Carl Hermann Christmann, Lothar Goss, Waldemar Jacobs, Karl Heinz Janson, Günter Meyer, Rosie Meyer, Helmut Schore, Alfred Wettmann: Berschweiler und seine Mühlen. Hrsg.: Helmut Schorr. S. 17 f.
  6. a b Carl Hermann Christmann, Lothar Goss, Waldemar Jacobs, Karl Heinz Janson, Günter Meyer, Rosie Meyer, Helmut Schore, Alfred Wettmann: Berschweiler und seine Mühlen. Hrsg.: Helmut Schorr. S. 20 ff.
  7. Ölmühle Berschweiler. Abgerufen am 31. Juli 2017.
  8. Detail Gemeinde Heusweiler. Archiviert vom Original am 1. August 2017; abgerufen am 2. Mai 2024 (englisch).
  9. Detail Aktuelles Gemeinde Heusweiler. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. August 2017; abgerufen am 31. Juli 2017 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heusweiler.de
  10. Chronik | Feuerwehr Heusweiler. Abgerufen am 31. Juli 2017.