Bernardino Pasta

Bernardino Pasta (* 13. Februar 1828 in Mendrisio; † 24. Dezember 1875 ebenda) war ein Schweizer Maler und Hotelier.

Leben

Er wurde 1828 als einer von vier Söhnen in einer wohlhabenden Familie in Mendrisio geboren. Sein Vater Feliciano Pasta war Grundbesitzer und Parteigänger der Cisalpinischen Bewegung und hatte 1820 Marianna Bianchi, Spross eines alten Patriziergeschlechts aus Mendrisio, geheiratet.[1]

Seine Ausbildung erhielt Bernardino Pasta bei Domenico Induno an der Accademia di Brera in Mailand, wo er sich nach seinem Abschluss dauerhaft niederliess. In den 1850er und 1860er Jahren stellte er regelmässig in Mailand, vor allem an der Brera, aber auch in anderen italienischen Städten wie Turin und Florenz aus.[2] 1857 fertigte er ein Werk für den Palazzo Marino in Mailand.[3]

1869 beendete Pasta seine Künstlerkarriere und stieg stattdessen in die von seinem Bruder, dem späteren Nationalrat Carlo Pasta,[4] angebahnte Tourismusbranche um den Monte Generoso ein. Auf einem Familiengrundstück in Mendrisio liess er von Luigi Fontana und Luigi Lavizzari das Hôtel Mendrisio (italienisch Albergo di Mendrisio) erbauen, dem er nach Fertigstellung als Direktor vorstand.[1] Das Resort etablierte sich rasch als fixer Ausgangspunkt für die beliebten Bergtouren und stellte hierfür Reittiere, Kutschen und Sänften zur Verfügung. Mit Omnibussen und Privatwagen waren zudem die Schwefelbäder von Stabio erschlossen.[5] Das Gebäude am Largo Bernasconi dient heute als Sitz des Altersheims «Torriani».

Pasta starb völlig unerwartet an Heiligabend 1875 mit 47 Jahren.[4]

Werk

Typisch für seine Zeit und vergleichbar mit seinem heute als noch bedeutender eingestuften Landsmann Antonio Rinaldi bewegte sich Bernardino Pasta an der Schwelle von der lombardisch geprägten klassizistischen Romantik hin zum Realismus. Zu seinen Lebzeiten war er primär für seine anmutigen Genrebilder in der Nachfolge der Gebrüder Domenico und Gerolamo Induno bekannt und geschätzt. Der italienische Schriftsteller Pier Ambrogio Curti, der ihm in den frühen 1870er Jahren vor einer Bergtour begegnete, charakterisierte ihn etwa als einen, «der, bevor er Hotelier wurde, ein vortrefflicher Genremaler war, dessen Werke häufig an den Kunstausstellungen im Brerapalast sehr gelobt wurden».[6] Pasta malte vornehmlich Szenen mit jungen Frauen aus dem gehobenen Bürgertum.[2] Die Galleria d’Arte Moderna in Mailand bewahrt zwei exquisite Beispiele davon auf (Eine Visitenkarte und Die Arithmetikstunde). In der Pinacoteca cantonale Giovanni Züst in Mendrisio-Rancate ist eine undatierte Szene mit zwei Kindern zu sehen. Die meisten anderen Genrebilder befinden sich in Privatbesitz. Dokumentiert sind unter anderem Der unterbrochene Marsch (1860), Die Tanzstunde (1860), Wenn ich reich wäre (1863), Ein liebliches Hell-Dunkel (1865), Die Probelektion (1866) und Tracht vom römischen Lande (1867).[7]

Pastas Vorliebe für das Anekdotische zeigt sich auch in seinen Porträts. Bemerkenswert ist sein Jugendwerk, das Bildnis eines mittelaltrigen, rauchenden Mannes von 1854, das in der Pinacoteca Züst hängt. Die Ortsangaben auf den auf dem Tisch liegenden Briefen «Mendrisio» und «Mailand» weisen auf einen Geschäftsmann aus Pastas Heimatstadt hin.[8] Das Kunstmuseum Mendrisio bewahrt ein feinfühliges Kinderporträt auf, das einen Korrespondenten der Neuen Zürcher Zeitung anlässlich einer Ausstellung im heute abgerissenen Schloss Trevano in Lugano 1937 besonders beeindruckte.[9] Bekannt sind ferner die beiden Porträts der Gebrüder Giacomo und Filippo Ciani aus Pastas Spätphase, die im Museo d’arte della Svizzera italiana in Lugano zu sehen sind.

Literatur

  • Luca Montagner: Carlo Pasta e la passione per il Generoso. In: Giornale del Popolo. 27. April 2018 (PDF; 492 kB).
  • Ilenia Falbo: La famiglia nella pittura italiana dell’Ottocento. Ritratto di gruppo e scena di genere. SilvanaEditoriale, 2023 (PDF; 35,4 MB).

Einzelnachweise

  1. a b Luca Montagner: Carlo Pasta e la passione per il Generoso. In: Giornale del Popolo. 27. April 2018, S. 3 (PDF; 492 kB).
  2. a b Bernardino Pasta. In: Pinacoteca cantonale Giovanni Züst. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  3. Bernardino Pasta. In: Sikart, abgerufen am 17. Oktober 2025.Vorlage:SIKART/Lemma nicht angegeben
  4. a b Tessin. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Blatt. Nr. 662, 30. Dezember 1875, S. 2 (online).
  5. Hôtel Mendrisio. In: Gazzetta Ticinese. 10. Juni 1873, S. 4 (online).
  6. Pier Ambrogio Curti: Il lago di Como e il pian d’Erba. Escursioni autunnali. Gaetano Brigola, Mailand 1872, S. 25 f.
  7. Pasta Bernardino. In: Dizionario degli artisti. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  8. Ritratto maschile. In: Samara.ti.ch. Abgerufen am 17. Oktober 2025.
  9. Tessiner Kunst in Lugano. In: Neue Zürcher Zeitung. Morgenausgabe. Nr. 1300, 19. Juli 1937, S. 1 (online).