Bergkirche (Heidelberg)
Die Bergkirche ist eine evangelische Kirche im Heidelberger Stadtteil Schlierbach, die in den Jahren 1908 bis 1910 nach Plänen von Hermann Behaghel erbaut wurde. Sie steht unter Denkmalschutz.[1]
Geschichte
Die seit der Reformation mehrheitlich protestantischen Bewohner Schlierbachs mussten ursprünglich zum Gottesdienst nach Heidelberg gehen. Als die kleine Ansiedlung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu wachsen begann, entstand der Wunsch nach einer eigenen Kirche. Ab 1892 wurde in der Gutleuthofkapelle monatlich ein Gottesdienst gefeiert, der wegen der zahlreichen Gläubigen schon 1893 in die damalige Kleinkinderschule verlegt und zweiwöchentlich abgehalten wurde. Motiviert durch den Bau der katholischen St.-Laurentius-Kirche bat 1902 eine Gruppe von Schlierbachern in einer Eingabe an den Kirchenrat in Heidelberg um die Errichtung eines Kirchengebäudes.
1904 wurde ein Grundstück im Bereich Kronenweg/Mühlenweg gekauft und Hermann Behaghel erstellte 1905 einen Entwurf in romanischen Formen. Das Gelände stellte sich jedoch als ungeeignet für den Kirchenbau heraus. Es befanden sich dort Wasserleitungen, deren Überbauung oder Verlegung wohl nicht möglich gewesen wäre und der Haupteingang der Kirche wäre weniger als 30 Meter von der Bahnlinie entfernt gewesen. 1908 wurde daher nach langer Suche ein neues Grundstück weiter oben am Hang erworben. Für die Kirche wurde der ursprüngliche Plan überarbeitet und an den neuen, kleineren Bauplatz und das sehr limitierte Budget angepasst.
Die Bauarbeiten begannen im Dezember 1908, am 9. Mai 1909 erfolgte die Grundsteinlegung. Wegen langer Schlechtwetterperioden konnte die Kirche nicht wie geplant noch im Jahr 1909 fertiggestellt werden. Sie wurde am 10. Juli 1910 eingeweiht, nachdem bereits am 14. Februar die Glocken geweiht wurden. 1953 und 1965 wurde das Innere modernisierend umgebaut, 1975 wieder teilweise auf den früheren Zustand rückgeführt.
Schlierbach wurde 1924 ein evangelisches Pfarrvikariat und 1935 eine eigenständige Pfarrei.[2] 2019 schloss sich die Berggemeinde Schlierbach mit der Versöhnungsgemeinde Ziegelhausen zur Matthäusgemeinde Heidelberg zusammen.[3]
Beschreibung
Der Bau wurde aus Kostengründen hauptsächlich aus Stampfbeton und Kunststein errichtet. Der verputzte Außenbau ist durch Sandsteinlisenen, akzentuierende Eckquaderungen und Rundbogenfenster gegliedert. Über dem Hauptportal im Norden mit Vordach befindet sich anstelle einer ursprünglich vorgesehenen Kreuzigungsgruppe ein Relief von Josef Hoffmann mit musizierenden Engeln. Der Turm auf der Westseite weist ein schiefergedecktes Satteldach mit darauf aufgesetztem Dachreiter auf. Er ist mit Quaderung an den Kanten und einem großen Rundbogenfenster auf jeder Seite gegliedert. In seinem Inneren befindet sich der Aufgang zur Empore.
Das Innere ist ein großer Saalraum mit eingezogenem Rechteckchor unter flacher Holztonne. Das Seitenschiff auf der Westseite ist als Empore ausgebildet, die von zwei hölzernen Stützen mit geschnitzten Kapitellen getragen wird. Der Altar enthält unter der Mensa ein Relief mit dem Lamm Gottes, an der linken Seite befindet sich die steinerne Kanzel mit Adlerpult.
Das dreiteilige Rundbogenfenster hinter dem Altar zeigt den Besuch Jesu bei Maria und Martha sowie die Apostel Petrus und Paulus. Es stammt aus der Erbauungszeit und wurde von der Glaswerkstätte Witthuhn & Reinhard aus Frankfurt am Main entworfen und ausgeführt. Die restlichen Fenster wurden 1966 durch ornamental gestaltete Fenster von Harry MacLean aus der Glaswerkstatt Hermann Beiler ersetzt.
Die halbrund abgeschlossene Sakristei mit Rundbogenfenstern an der Südwestseite ist sowohl von innen als auch von außen zugänglich, sie diente zugleich als Sitzungszimmer und Versammlungsraum beispielsweise für die Konfirmandenstunde.
Literatur
- Christmut Präger: Die Bergkirche in Heidelberg-Schlierbach. Zum 100jährigen Jubiläum. In: Heidelberg: Jahrbuch zur Geschichte der Stadt. Herausgegeben vom Heidelberger Geschichtsverein, Band 15, Heidelberg 2011, S. 173–181, doi:10.57962/regionalia-24817
- Hans Gercke: Kirchen in Heidelberg. Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2413-8, S. 84.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg im Geoportal Baden-Württemberg
- ↑ Schlierbach - Altgemeinde~Teilort. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg; abgerufen am 8. Dezember 2025.
- ↑ Berggemeinde Schlierbach (jetzt Matthäusgemeinde). Evangelische Kirche in Heidelberg, abgerufen am 19. August 2025
Koordinaten: 49° 24′ 48,9″ N, 8° 44′ 48,4″ O