St. Laurentius (Schlierbach)

St. Laurentius ist eine katholische Kirche im Heidelberger Stadtteil Schlierbach. Sie wurde in den Jahren 1900 bis 1901 nach Plänen von Ludwig Maier im neugotischen Stil erbaut und steht unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte

Die bis ins 19. Jahrhundert kleine und seit der Reformation mehrheitlich protestantische Ansiedlung Schlierbach gehörte politisch und kirchlich immer zu Heidelberg. Die Katholiken wurden von der Pfarrei Heiliggeist betreut. Anfang des 19. Jahrhunderts und ab 1864 wurde regelmäßig in der Gutleuthofkapelle, die von Protestanten und Katholiken gemeinsam genutzt wurde, Gottesdienst gefeiert. Als die Bevölkerung gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu wachsen begann, entstand der Wunsch nach einer eigenen Kirche. Aus privater Initiative wurde 1896/97 ein Hanggrundstück an der Wolfsbrunnensteige erworben und ein Kapellenfonds eingerichtet. Der Bau der Kapelle begann im Frühjahr 1900 und wurde im Sommer 1901 vollendet. Fast die gesamten Baukosten von 28.500 Mark konnten durch freiwillige Spenden gedeckt werden. Durch Sonderstiftungen konnten der neugotische Altar aus der Kunstwerkstätte Marmon und eine Glocke angeschafft werden. Am 7. Juli 1901 wurde das Kirchlein durch Stadtpfarrer Franz Wilms benediziert, es übernahm das Patrozinium des hl. Laurentius von der Gutleuthofkapelle. Noch im selben Jahr wurde der Jesuitenkirche ein Kaplan neu zugewiesen, der vor allem für die Gottesdienste in Schlierbach zuständig war.[2]

1902 wurde neben der Kirche das Schwesternhaus errichtet, das von Niederbronner Schwestern bezogen wurde, die darin auch eine Kinderschule einrichteten. Als der Stadtteil weiter wuchs, wurde 1923 die Kuratie Schlierbach errichtet, die auch für die Seelsorge an der 1922 eröffneten Orthopädischen Universitätsklinik zuständig war. 1940 errichtete Erzbischof Conrad Gröber eine rechtspersönliche Kirchengemeinde im Verband der Katholischen Gesamtkirchengemeinde Heidelberg, die 1959 zur eigenständigen Pfarrei wurde.[2][3]

Beschreibung

Der neugotische Saalbau mit Dreiachtelschluss und Sakristeianbau an der Südwestseite ist nach Süden orientiert. Der Massivbau aus hammerrechtem Bruchstein weist ein schiefergedecktes Sattel- und Walmdach und einen verkleideten Dachreiter auf. Die Außenwände sind durch hohe Spitzbogenfenster und einen umlaufenden Wasserschlag gegliedert. An der Giebelfront befindet sich der Haupteingang, eine zweiflügelige Holztür mit Originalbeschlägen in einem kielbogenförmig gerahmten Portalgewände. Im Tympanon befindet sich eine goldgrundige Malerei, die die Hirsche am Wasser (Psalm 42) zeigt. Im Giebelfeld unter einem Baldachin steht eine farbig gefasste Skulptur des Kirchenpatrons Laurentius.[1]

Der 1952 modernisierend veränderte, bis Mitte der 1990er Jahre wieder teilweise zurückgeführte Innenraum wird von einer Flachdecke mit hölzernen Kreuzrippen und aufgemalten Schlusssteinen überspannt. Von der ursprünglich reichen Ausmalung sind nur noch Ornamentmalereien in den Fenstergewänden sowie ein von Engeln begleiteter segnender Christus über dem Schulterbogenportal zur Sakristei vorhanden. Von der hölzernen Originalausstattung haben sich der Orgelprospekt, die pfeilergestützte Empore, Figuren des hl. Laurentius, eine Madonna und eine Kreuzigungsgruppe erhalten.[1]

Glocken

Im Dachreiter hängt ein dreistimmiges bronzenes Geläut der Glockengießerei Friedrich Wilhelm Schilling von 1960 (163 kg, e″; 149 kg, g″±0; 102 kg, a″-2). In der Melodielinie erklingt das Te-Deum-Motiv.[4]

Literatur

  • Hans Gercke: Kirchen in Heidelberg. Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-2413-8, S. 84.
Commons: St. Laurentius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Kulturdenkmale der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Baden-Württemberg im Geoportal Baden-Württemberg
  2. a b Geschichte der katholischen Kirche St. Laurentius. Abgerufen am 21. Dezember 2025
  3. Schlierbach - Altgemeinde~Teilort. In: LEO-BW, Landesarchiv Baden-Württemberg; abgerufen am 21. Dezember 2025.
  4. Kath. Pfarrkirche St. Laurentius in Heidelberg-Schlierbach. Glockeninspektion der Erzdiözese Freiburg, abgerufen am 21. Dezember 2025

Koordinaten: 49° 24′ 53,2″ N, 8° 44′ 40,8″ O