Benzimidazol

Strukturformel
Allgemeines
Name Benzimidazol
Andere Namen
  • 1,3-Benzodiazol
  • 1H-1,3-Benzimidazol
  • 1H-Benzo[d]imidazol
  • BENZIMIDAZOLE (INCI)[1]
Summenformel C7H6N2
Kurzbeschreibung

farblose Kristalle[2]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 51-17-2
EG-Nummer 200-081-4
ECHA-InfoCard 100.000.075
PubChem 5798
ChemSpider 5593
DrugBank DB02962
Wikidata Q415190
Eigenschaften
Molare Masse 118,14 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

171–174 °C[3][4]

Siedepunkt

>360 °C[3]

Löslichkeit
  • wenig löslich in Wasser (2 g·l−1 bei 20 °C)[4]
  • löslich in Ethanol[3]
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung[3]
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze[3]
Toxikologische Daten

2910 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[3]

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Benzimidazol ist eine heterocyclische organische chemische Verbindung die aus der Verschmelzung von Benzol und Imidazol entsteht. Verbindungen mit dieser Grundstruktur werden als Benzimidazole bezeichnet, deren bedeutendster Vertreter in der Natur die Verbindung N-Ribosyl-5,6-dimethylbenzimidazol ist, welche als Ligand für Cobalt im Vitamin B12 vorkommt. Sie steht aber auch in Verbindung mit Purin und Adenin, bei denen die Benzolstruktur im Ringsystem durch Pyrimidin ersetzt ist.

Gewinnung und Darstellung

Benzimidazol kann durch Kondensation von o-Phenylendiamin mit Ameisensäure oder dem äquivalenten Orthoameisensäuretrimethylester dargestellt werden.[5]

Verwendung

Benzimidazol dient als Ausgangsstoff zur Herstellung von Derivaten, die als Arzneistoffe (darunter die Anthelminthika Flubendazol, Albendazol, Fenbendazol, Mebendazol und Thiabendazol, aber auch andere wie z. B. Omeprazol und Domperidon) und Fungizide (sogenannte MBC-Fungizide) eingesetzt werden. Beispiele für MBC-Fungizide sind Carbendazim und Fuberidazol, ferner Benomyl und Thiophanat-methyl als metabolische Vorstufen für Carbendazim.

Probenzimidazole nennt man Verbindungen ohne Benzimidazolstruktur, die erst im Organismus in Benzimidazolwirkstoffe umgewandelt werden. Beispiele für solche Prodrugs sind Netobimin und Febantel.[6] Die anthelminische Wirkung beruht auf der Hemmung der Zellteilung (Mitose) durch Zerstörung der Bausteine des Spindelapparates.[6]

Als thermisch stabiler Kunststoff lässt sich das Polymer Polybenzimidazol einsetzen.

Designer-Drogen

Benzimidazol ist das namensgebende Strukturelement der Benzimidazol-Opioide (1-Aminoalkyl-2-benzylbenzimidazole), einer Gruppe synthetischer Opioide mit zum Teil hoch toxischen Vertretern mit hoher Missbrauchsattraktivität.

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu BENZIMIDAZOLE in der CosIng-Datenbank der EU-Kommission, abgerufen am 12. Mai 2020.
  2. Eintrag zu Benzimidazol. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 13. Juni 2014.
  3. a b c d e f Datenblatt Benzimidazol bei Merck, abgerufen am 27. Dezember 2019..
  4. a b Eintrag zu Benzimidazole in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM) (Seite nicht mehr abrufbar)
  5. E. C. Wagner and W. H. Millett: Benzimidazole In: Organic Syntheses. 19, 1939, S. 12, doi:10.15227/orgsyn.019.0012; Coll. Vol. 2, 1943, S. 65 (PDF).
  6. a b Antiparasitika (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) (Memento vom 25. April 2014 im Internet Archive).