Bentfield Charles Hucks

Bentfield Charles Hucks (* 25. Oktober 1884 in Stansted, Essex[1][Anm. 1]; † 7. November 1918[1] in Bourne End, Buckinghamshire) war ein britischer Luftfahrtpionier und Erfinder. Er war der erste Brite, der einen Looping flog.[2]

Leben und fliegerische Karriere

Bentfield Charles Hucks wurde 1884 als Sohn eines Ingenieurs geboren.[2]

Hucks, der als ausgezeichneter Autofahrer galt,[2] arbeitete ab 1904 zunächst als Verkaufsleiter bei einem Autohändler in Cardiff.[3] Im Jahr 1908 wurde ihm jedoch wegen Überschreitens der zulässigen Höchstgeschwindigkeit die Fahrerlaubnis für drei Jahre entzogen, außerdem musste er eine Geldstrafe bezahlen.[3]

Ab 1910 war er in der Fliegerei aktiv, zunächst als Assistent des Flugpioniers Claude Grahame-White.[2] Diesen begleitete er auch auf einer Reise in die USA.[2]

Am 30. Mai 1911 erhielt Hucks vom Royal Aero Club seine Pilotenlizenz mit der Nummer 91.[2][4] Bei einem Prüfungsflug am 18. Mai auf dem Flugfeld von Robert Blackburn bei Filey löste sich an seiner Maschine vom Typ Blackburn Mercury I aufgrund eines Lagerschadens die Luftschraube. Bei der folgenden Bruchlandung erlitt Hucks Verletzungen am Kopf und an den Beinen.[4][5] Am Vortag war er mit derselben Maschine von Filey aus innerhalb von 19 Minuten nach Scarborough und zurück geflogen. Dabei stieg er bis auf eine Höhe von 1200 Fuß – die größte Flughöhe, die bis dahin in Nordengland erreicht worden war.[4]

In der Folge arbeitete Hucks bei der Blackburn-Flugschule als Fluglehrer.

Am 10. Juli 1911 unternahm er von Filey aus einen weiteren Flug nach Scarborough und zurück, diesmal als 45-minütigen Nachtflug.[4][6] Bei der Landung in Filey dienten offene Feuer als Landebahnbefeuerung.[4]

Im August 1911 brach Hucks mit einer verbesserten Blackburn Mercury II zu einer dreimonatigen Rundreise durch den Westen Großbritanniens auf, um Geld für wohltätige Zwecke zu sammeln.[4] Auf dieser Reise wurde er von seinem Manager und einem Mechaniker begleitet, die einen kleinen transportablen Hangar mit sich führten.[4] Bei über 90 Einzelflügen legte er dabei etwa 1000 Meilen zurück, wobei er nur einmal notlanden musste.[4] Alleine am ersten Tag der Tour, am 7. August, beobachteten in Taunton etwa 10.000 Zuschauer seine Vorführungen.[4]

Am 1. September 1911 überflog Hucks als erster Mensch den Bristolkanal. Für die Strecke von Weston-super-Mare nach Cardiff und zurück benötigte er dabei 40 Minuten.[3] Zehn Tage später überflog er den Kanal erneut. Aufgrund seiner Initialen wurde er danach auch Bristol Channel Hucks genannt.[3]

Am 23. September nahm er bei Ely an einem Experiment teil: Es gelang ihm, in 700 Fuß Höhe Funksignale zu empfangen, die der Erfinder Harry Grindell Matthews vom Boden aus gesendet hatte.[3][4]

Hucks war außerdem anlässlich einer Nachwahl im Wahlkreis Midlothian der erste, der Flugblätter mit Wahlwerbung aus der Luft abwarf.[2][7][Anm. 2]

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs zeigte Hucks auf zahlreichen Flugschauen in ganz Großbritannien sein Können.

Die britische Boulevardzeitung Daily Mail veranstaltete in den 1910er Jahren mehrere Luftrennen. Bei dem Rennen von 1911, das von Brooklands aus einmal rund um Großbritannien führte, nahm Hucks in einer Blackburn Mercury II teil, musste jedoch wegen Motorproblemen aufgeben. Das Rennen zwei Jahre später ging über einen Rundkurs von 94½ Meilen (Start und Ziel war das Hendon Aerodrome). Hier konnte Gustav Hamel in einer Morane-Saulnier den Gesamtsieg davontragen, Hucks gewann aber in seiner Blériot einen von Shell gestifteten Preis, für den die Rennergebnisse mit Handicap gewertet wurden.[8]

Einen Monat zuvor, im August 1913, hatte ein Wettfliegen speziell zwischen Hucks und Hamel stattgefunden. Die 75 Meilen lange Strecke begann und endete in Birmingham und führte über Redditch, Coventry, Nuneaton, Tamworth und Walsall. Hamel gewann das Rennen mit 20 Sekunden Vorsprung.[7][9]

Im September 1913 sah Hucks die Kunstflugvorführungen von Adolphe Pégoud und schrieb sich daraufhin bei der Flugschule von Louis Blériot ein.[10] Zwei Monate später beherrschte Hucks Rückenflug und Looping.[10] Auf seinen ersten Looping, den er in der Nähe von Versailles flog, hatte er sich vorbereitet, indem er einen Monat lang jeden Tag kopfüber an einem Stuhl hing[7][11] – zunächst 5 Minuten am Stück, dann 10 Minuten und zum Schluss 15 Minuten.[11] Noch in Frankreich führte er bei einem einzigen Flug ganze 21 Loopings vor.[3] Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien zeigte er diese Flugmanöver mit seiner Blériot XI-2 auch dort öffentlich.[10]

Im Januar 1914 gaben die Flieger von Hendon ein Dinner zu Ehren von Hucks und Gustav Hamel, der Rückenflug und Looping inzwischen ebenfalls öffentlich gezeigt hatte, darunter auch vor der königlichen Familie.[10] Als Anspielung an die genannten Flugfiguren war an dieser Feier alles „verkehrt herum“: Die Einladungen waren in Spiegelschrift geschrieben, die Tische waren mit der Tischplatte nach unten aufgestellt und Zahnstocher und Cognac wurden schon zu Beginn der Veranstaltung gereicht. Der zur Unterhaltung engagierte Comedian sang seine Lieder im Kopfstand, und Claude Grahame-White, der inzwischen seine eigene Firma gegründet hatte und den beiden Ehrengästen Medaillen überreichen sollte, begann seine Laudatio mit „zu guter Letzt“ und beendete sie mit „Guten Abend!“.[10]

Trotz seines forschen Auftretens wurde Hucks als ernst und eher zurückhaltend beschrieben, er besaß aber auch einen ausgeprägten Sinn für Humor.[7]

Bei Ausbruch des Krieges meldete sich Hucks im August 1914[7] freiwillig zum Royal Flying Corps für den Einsatz in Frankreich. Am 12. August 1914 wurde er auf Probe zum Leutnant (Second Lieutenant) ernannt[12] und am 15. Februar 1915 zum Oberleutnant (Lieutenant) befördert.[13] Nachdem er aufgrund einer Pleuritis als nicht mehr fronttauglich eingestuft worden war, kehrte er nach England zurück und wurde vom RFC als Testpilot bei der Aircraft Manufacturing Company (Airco) eingesetzt.

Hucks starb am 7. November 1918, wenige Tage vor dem Ende des Ersten Weltkriegs, an einer Lungenentzündung als Folge der Spanischen Grippe.[14]

Das Magazin Flight nannte ihn in seinem Nachruf „einen der frühesten und größten Piloten in der Geschichte der britischen Luftfahrt“ und es sei „wahrscheinlich keine Übertreibung zu sagen, dass sich Hunderttausende an seinen Namen erinnern werden“. Der Nachruf schloss mit den Worten „Es wird nie einen anderen Hucks geben“.[2]

Hucks, der zuletzt den Rang eines Hauptmanns innehatte, wurde im Ostteil des Highgate Cemetery in London begraben.[1]

Erfindungen

Hucks benutzte Flugzeuge nicht nur, sondern war auch technisch ein Tüftler. Mehrere seiner Erfindungen (nicht nur aus dem Bereich der Luftfahrt) meldete er zum Patent an.

Seine bekannteste Erfindung war der Hucks-Anlasser, eine auf einem separaten Fahrzeug aufgebaute Vorrichtung zum Starten von Flugmotoren. Dabei wurde die nötige Antriebsenergie vom Motor des Trägerfahrzeugs geliefert und über einen Kettentrieb und eine Welle auf die Propellernabe des zu startenden Flugmotors übertragen. Diese Anlasser waren in den 1920er und 1930er Jahren weit verbreitet, nicht nur im Commonwealth, sondern beispielsweise auch in den USA, der Sowjetunion und in Japan. Am 19. Dezember 1917 meldete Hucks seine Erfindung in Großbritannien zum Patent an, dieses wurde am 31. Juli 1919 erteilt.[15]

Weitere Patente von Hucks betrafen eine Vorrichtung, welche die Ventile von Verbrennungsmotoren bei jedem Hub automatisch ein Stück weiterdrehte, um einen gleichmäßigen Verschleiß zu erreichen (angemeldet am 7. Februar 1918, erteilt am 7. Februar 1919)[16] sowie einen elektrischen „Apparat zum Lüften und Wärmen von Betten“ (angemeldet am 30. Januar 1918, erteilt am 12. Dezember 1918).[17]

Die beiden erstgenannten Patente wurden zusammen mit George Holt Thomas eingereicht, dem Gründer von Airco.

Hucks erlebte diese Patenterteilungen allerdings nicht mehr.

Commons: Bentfield Hucks – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Captain Bentfield Charles Hucks auf der Website der Commonwealth War Graves Commission, abgerufen am 3. November 2025
  2. a b c d e f g h Hucks - A Great Aviator (Nachruf) in: Flight Magazine, 14. November 1918
  3. a b c d e f Dan O'Neill: Reaching for the sky with 'B C' Hucks; 90 YEARS ago this month Ben C Hucks made aviation history in: South Wales Echo, Cardiff, 11. September 2001
  4. a b c d e f g h i j In Service Blackburn Monoplanes auf www.key.aero, 10. Mai 2018
  5. Mishap at Filey in: Wells Journal, 25. Mai 1911
  6. Aviator's feat on Filey Sands in: Darlington and Stockton Times, Ripon and Richmond Chronicle, 15. Juli 1911
  7. a b c d e The age when aerial displays really took off auf www.business-live.co.uk, abgerufen am 14. November 2025
  8. The Aerial Derby auf der Webseite des Epsom & Ewell History Explorer, abgerufen am 21. November 2025
  9. Ross Crawford: Memories of air race over Redditch revisited auf der Website des Redditch Standard, 27. März 2021
  10. a b c d e Rebecca Maksel: The Upside-Down Dinner auf www.smithsonianmag.com, 11. Juli 2016
  11. a b Mr. Hucks upside down in: Daily News, 27. Dezember 1913, S. 11
  12. Bekanntmachung der Ernennung in: The London Gazette, 20. August 1914, Beilage 28875, Seite 6582
  13. Bekanntmachung der Beförderung in: The London Gazette, 6. März 1915, Beilage 29092, Seite 2349
  14. Blackburn Mercury at Grange Farm, East Heslerton auf www.yorkshire-aircraft.co.uk, abgerufen am 2. November 2025
  15. a b Patent GB130019A: Improvements in Means for Starting the Engines of Aeroplanes. Angemeldet am 19. Dezember 1917, veröffentlicht am 31. Juli 1919, Erfinder: George Holt Thomas, Bentfield Charles Hucks.
  16. a b Patent GB122907A: An Improved Device for obtaining Rotary Motion from Reciprocatory Motion. Angemeldet am 7. Februar 1918, veröffentlicht am 7. Februar 1919, Erfinder: George Holt Thomas, Bentfield Charles Hucks.
  17. a b Patent GB121219A: An Improved Apparatus for Airing and Warming Beds. Angemeldet am 30. Januar 1918, veröffentlicht am 12. Dezember 1918, Erfinder: Bentfield Charles Hucks.

Anmerkungen

  1. In den Quellen ist fast durchgängig von Stanstead, Essex die Rede. Es gibt in Essex allerdings kein Stanstead. Die Straßenangabe Bentfield End verweist jedoch klar auf Stansted Mountfitchet.
  2. Gemäß den angegebenen Quellen im Jahr 1911. Allerdings fand diese Nachwahl tatsächlich erst im September 1912 statt.