Bellebelle oder Der Ritter Fortunat

Bellebelle oder Der Ritter Fortunat (Belle-Belle ou le Chavalier Fortuné) ist ein Feenmärchen (AaTh 513) von Marie-Catherine d’Aulnoy und erschien 1698 in Contes Nouveaux ou Les Fées à la Mode.

Inhalt

Das Königreich wird vom bösen Herrscher Matapa eingenommen und geplündert. Der König sammelt eine Armee, jeder muss helfen. Ein alter Graf lebt verarmt mit drei Töchtern und weiß nicht, was er tun soll. Da erbietet sich seine Älteste und er rüstet sie als Mann zum Krieg. Sie reitet an einer alten Schäferin vorbei, deren Schaf im Graben steckt. Sie hilft ihr nicht und bekommt „verkleidete Schönheit“ nachgerufen. Beschämt, so durchschaubar zu sein, kehrt sie heim. Der zweiten Tochter ergeht es ebenso. Erst die dritte, Bellebelle, die dem Vater am liebsten ist, da sie gern jagen geht und ihn immer pflegt, befreit der Schäferin das Schaf. Die ist eine Fee, gibt ihr ihr Pferd, das die besten Ratschläge weiß, die schönste Rüstung und einen Koffer, der ihr überallhin folgt. Bellebelle logiert als Ritter Fortunat, von allen bewundert, in der Stadt. Sie ruft den Koffer her, ein Goldschlüssel aus dem Ohr des Pferdes öffnet ihn, schickt Juwelen heim, doch die der Schwestern werden zu Glas. Unterwegs nimmt sie auf Rat des Pferdes einen übernatürlich Starken, einen Schnellen, einen Scharfsichtigen, einen Horcher, einen Bläser, einen Durstigen und einen Hungrigen in Dienst. Der König ist von Fortunat beeindruckt, die Damen verliebt. Die Königin nähert sich ihm über ihre Vertraute Floride, die aber auch in ihn verliebt ist. Abgewiesen, erzählt die Königin ihrem Bruder, dem König, Fortunat wolle den Drachen töten, der das Land verheert. Fortunat traut sich nicht zu widersprechen und bittet nur um des Königs Porträt. Auf Rat des Pferdes füllen seine Helfer das Wasserloch des Drachen mit Wein, worauf er ihn besiegt und gebunden zum König bringt. Die Königin erzählt dem König, Fortunat muss die geraubten Schätze von Matapa zurückholen. Matapa nimmt ihn nicht ernst, will ihn erst das Brot der ganzen Stadt aufessen sehen. Der Hungrige tut das gerne. Auch das Trinken allen Wassers fällt dem Durstigen leicht. Matapas Tochter hat die Idee, niemand kann sie im Wettlauf besiegen. Ihr Trank lässt den Schnellen einschlafen, doch der Horcher hört sein Schnarchen, der Scharfsichtige schießt ihm ins Ohr, er erwacht und holt sie ein. Fortunat darf nehmen, was einer tragen kann, der Starke trägt alles. Matapa schickt ein Heer nach. Sie retten sich hinter einen Fluss, indem der Durstige ihn austrinkt, der Bläser macht einen Sturm und die Soldaten ertrinken. Die Helfer zanken um die Schätze, Fortunat ruft sie zur Ordnung, es dem König zu überlassen. Die Königin will Fortunat heiraten, Floride muss ihn holen. Dann beschuldigt sie ihn eines Übergriffs. Er soll öffentlich ins Herz gestochen werden. Da zeigt sich, dass es eine Frau ist. Die Königin stirbt an Florides Gift. Der König heiratet Bellebelle. Die Diener werden belohnt. Und die Fee holt auch Bellebelles Vater und Schwestern.

Bemerkungen

„Belle“ heißt „Schöne“, „Fortuné“ etwa „Glücklicher“. Ein Bezug zur deutschen Volkssage Fortunatus scheint aber nicht zu bestehen, wenngleich auch dort eine Fee Reichtümer spendet. „Floride“ heißt „Blühende“. Die Frau in Männerkleidern und das trunken machen des Unholds ähneln Straparolas Constanza (Ergötzliche Nächte, 6). Wie beim biblischen Josef bezichtigt die Abgewiesene den Unschuldigen (Gen 39,7 ), vgl. Basiles Die drei Kronen, zur Erwähnung der sagenhaften Läuferin Atalante auch Der Dummling. Die Brüder Grimm weisen in der Anmerkung zu ihrem Märchen Sechse kommen durch die ganze Welt auf Aulnoys Belle-Belle ou le chevalier fortuné hin.[1] Vgl. zu den Helfern auch Grimms Die sechs Diener, Wolfs Der Geiger und seine drei Gesellen. Marc Soriano ordnet das Märchen AaTh 513 (The Extraordinary Companions) zu.[2]

James Planché bearbeitete das Märchen in Fairy Extravaganza für die Bühne als Fortunio, and His Seven Gifted Servants.

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Einzelnachweise

  1. Wikisource: Grimms Anmerkung zu Sechse kommen durch die ganze Welt
  2. Marc Soriano: Aulnoy. In: Enzyklopädie des Märchens. Band 1. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1977, S. 1020–1024.