Basim Khandaqji

Basim Khandaqji (arabisch باسم خندقجي; * 1983 in Nablus) ist ein palästinensischer Schriftsteller und Lyriker.[1] Er wurde 2005 wegen Beteiligung am Selbstmordanschlag auf den Carmel-Markt in Tel Aviv zu einer langen Haftstrafe verurteilt.[2] Sein in Haft entstandener Roman Qināʿ bi-lawn as-samāʾ (‚Eine Maske in der Farbe des Himmels‘, 2023) wurde 2024 mit dem International Prize for Arabic Fiction ausgezeichnet.[3]

Leben

Khandaqji wurde 1983 in Nablus geboren und studierte Journalismus und Medien an der An-Najah-Universität in Nablus.[1] Eine von der Universität ausgestellte Pressekarte spielte später eine Rolle bei den Tatvorwürfen.[4] Im Jahr 2004 begleitete er den 16-jährigen Attentäter nach Tel Aviv und nutzte dabei seine Pressekarte zur Passage des israelischen Kontrollpunktes.[5] Beim Anschlag am 1. November 2004 auf dem Carmel-Markt wurden Schmuel Levi, Lea Levin und Tatjana Ackerman getötet und mehr als 50 Menschen verletzt.[2] Nach Ermittlerangaben war ursprünglich die französische Botschaft in Tel Aviv Ziel der Gruppe, bevor das belebte Marktareal angegriffen wurde.[5] Nach dem Anschlag kehrte er Richtung Nordsamaria zurück, zeigte die Karte an einem Checkpoint und wurde zunächst weitergelassen; kurz darauf wurde er von den Sicherheitsbehörden festgenommen.[5] Bei der Festnahme im Jahr 2004 war er 21 Jahre alt.[1] Im Jahr 2005 verurteilte ein israelisches Gericht Khandaqji als einen der drei Hauptbeteiligten zu drei Mal lebenslänglich; ihm wurden die Kommandierung und Finanzierung der Zelle, die Herstellung des Sprengstoffgürtels und der Transport des Bombers zugeschrieben.[2] Im Gefängnis setzte er seine Ausbildung fort und schloss an der Al-Quds-Universität ein politikwissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Israel-Studien ab.[1] Im Oktober 2025 wurde er im Zuge eines Gefangenenaustauschs freigelassen und erreichte Ägypten.[6]

Wirken

Khandaqji begann als Verfasser von Kurzgeschichten und setzte sein literarisches Schaffen als Gefangener fort.[1] Seit seiner Inhaftierung schreibt Khandaqji kontinuierlich aus dem Gefängnis und veröffentlichte Kurzprosa, politische Texte, Gedichtbände und Romane.[4] Zu seinen Lyrikbänden zählen Ṭuqūs al-marra al-ūlā (2010) und Anfās qaṣīdat layliyya (2013).[1] Als Romane erschienen Nargis al-ʿuzla (2017) und Khusūf Badr ad-Dīn (2019).[7][8] Qināʿ bi-lawn as-samāʾ (‚Eine Maske in der Farbe des Himmels‘, 2023) erzählt von Nur, einem palästinensischen Archäologen, der mit einer gefundenen israelischen Ausweiskarte den Blickwinkel Israels annimmt.[9][3] Für diesen Roman erhielt Khandaqji 2024 den International Prize for Arabic Fiction; die Auszeichnung wurde in Abu Dhabi bekanntgegeben und von seiner Verlegerin entgegengenommen.[10] 2024 erwarb Europa Editions die englischsprachigen Weltrechte; die Übersetzung soll 2026 erscheinen.[11]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Basim Khandaqji. In: International Prize for Arabic Fiction. Abgerufen am 17. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b c 3 מאסרי עולם למבצעי הפיגוע בשוק הכרמל. In: ynet. 7. September 2005, abgerufen am 19. Oktober 2025 (hebräisch).
  3. a b قناع بلون السماء. In: Dar al-Adab. 2023, abgerufen am 17. Oktober 2025 (arabisch).
  4. a b אחד האחראים לפיגוע הרצחני בשוק הכרמל ב-2004 מועמד לפרס ספרותי יוקרתי. In: ynet. 25. Februar 2024, abgerufen am 19. Oktober 2025 (hebräisch).
  5. a b c מטרת הפיגוע בתל אביב היתה שגרירות צרפת. In: ynet. 9. November 2004, abgerufen am 19. Oktober 2025 (hebräisch).
  6. باسم خندقجي.. حكاية أسير فلسطيني فاز بالبوكر عام 2024 وعانق الحرية في صفقة التبادل (فيديو). In: Al Jazeera Mubasher. 14. Oktober 2025, abgerufen am 17. Oktober 2025 (arabisch).
  7. رواية «نرجس العزلة» لباسم خندقجي. In: Diwan al-Arab. 4. Juni 2020, abgerufen am 17. Oktober 2025 (arabisch).
  8. خسوف بدر الدين. In: Dar al-Adab. 2019, abgerufen am 17. Oktober 2025 (arabisch).
  9. A Mask, the Colour of the Sky. In: International Prize for Arabic Fiction. Abgerufen am 17. Oktober 2025 (englisch).
  10. Palestinian jailed for assisting in deadly 2004 suicide bombing wins top book prize. In: The Times of Israel/AFP. 29. April 2024, abgerufen am 17. Oktober 2025 (englisch).
  11. Europa to Publish Arabic Fiction Prize Winner. In: Publishers Weekly. 29. April 2024, abgerufen am 17. Oktober 2025 (englisch).