Bahnstrecke Villeneuve-sur-Lot–Falgueyrat
| Villeneuve-sur-Lot–Falgueyrat | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Bahnhof Villeneuve-sur-Lot, Bahnhofvorplatz, Dezember 2011. 2013 wurde das Empfangsgebäude saniert. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckennummer (SNCF): | 635 000 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (SNCF): | 111 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 40,2 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 10[1] ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Die Bahnstrecke Villeneuve-sur-Lot–Falgueyrat war eine 40,2 km lange, eingleisige, normalspurige Eisenbahnstrecke in den südfranzösischen Départements Lot-et-Garonne und Dordogne, die überwiegend in Süd-Nord-Richtung verlief. Sie wurde erst 1925 bis 1930 gebaut und verband die Bahnstrecke Penne-d’Agenais–Tonneins im Süden mit der Bahnstrecke Magnac-Touvre–Marmande, die beide westlich an der magistralen Bahnstrecke Bordeaux–Sète endeten. Die Strecke hatte immer nur regionale Bedeutung.
Geschichte
Mit der laufenden Nummer 110 wurde die Strecke am 17. Juli 1879 in den Plan Freycinet aufgenommen. Diese Nennung dokumentiert die damals vorhandene strategische Bedeutung der Strecke.
Nach dem erfolgreichen Ausbau der großen, nationalen Eisenbahnstrecken im 19. Jahrhundert drängten die ländlichen Gemeinden, die nicht an allgemeine Eisenbahnnetz angeschlossen waren, nach eigenen Verbindungen, um ihre wirtschaftliche Isolation zu überwinden und den modernen Verkehr nutzen zu können. In diesem Kontext entstand das Konzept der Chemins de fer d’intérêt local (CFIL), das den Bau kleiner, regionaler Strecken ermöglichen sollte. Ab 1872 begann sich die Departementsversammlung für den Bau eines lokalen Eisenbahnnetzes zu interessieren. Sie plante insbesondere den Bau von Eisenbahnstrecken von Villeneuve nach Tonneins und von Agen nach Mont-de-Marsan, die sie an ein französisch-englisches Unternehmen vergeben wollte, um das Monopol der Unternehmen Compagnie des chemins de fer du Midi (Midi) und Compagnie du Chemin de fer de Paris à Orléans (PO) auf den lokalen Handel zu beenden. Letztendlich wurden diese beiden Strecken jedoch durch den Freycinet-Plan in das Netz von allgemeinem Interesse integriert und am 11. Januar 1901[3] doch an die beiden großen Gesellschaften Midi und PO konzessioniert.[4]
Insbesondere der nördliche Teil des Départements war verkehrstechnisch schlecht erschlossen und die geplante Verbindung über Cancon ließ die beiden weiter östlich gelegenen Gemeinden Monflanquin und Villeréal abseits liegen. Auf eigene Kosten wurde von diesen beiden Gemeinden eine Studie in Auftrag gegeben, um die Realisierbar- und Wirtschaftlichkeit einer Schmalspurbahn zu prüfen. Eine solche Strecke hätte auch an das Gipsbergwerk bei Montpezat angeschlossen werden und damit die Effektivität der Strecke und der Region erhöhen können.[4] Im Département Lot‑et‑Garonne war der Rückstand von Streckenkilometern im Vergleich zu den umliegenden Departements besonders groß. Es nutzte die Möglichkeit, über die CFIL Sekundärbahnen zu errichten, und konnte 1911 das erste Projekt, die Strecke von Villeneuve‑sur‑Lot nach Villeréal, abschließen.[4]
Die geplante Strecke Villeneuve-sur-Lot–Falgueyrat lag im Zuständigkeitsgebiet der PO, die für Bau von den lokalen Verwaltungen finanziell unterstützt wurde. 1912 bis 1914 wurden die Abschnitte Villeneuve‑sur‑Lot–Cancon und Cancon–Falgueyrat begonnen, doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachte erhebliche Verzögerungen, da Material und Personal für militärische Zwecke umgeleitet wurden. Nach dem Krieg, 1919, wurde das Projekt wieder aufgenommen. Fertiggestellt und eröffnet wurde die Strecke von Villeneuve‑sur‑Lot nach Cancon allerdings erst am 28. Dezember 1928; die Fortführung nach Falgueyrat am 13. Oktober 1930.[4][5]
| Abschnitt | Schließung | Entwidmung | |||
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| BK von | BK bis | Länge | Datum | Datum | |
| Casseneuil–Castillonnès | 642,3 | 667,8 | 25,5 | 08.06.1940 | 30.11.1941 |
| Castillonnès–Falgueyrat | 667,8 | 674,4 | 7,6 | 01.11.1953 | 12.11.1954 |
| Villeneuve-sur-Lot–Casseneuil | 635,4 | 642,3 | 6,9 | 01.02.1971 | 26.07.1973 |
Die Strecke gehörte zu den vielen Verbindungen, bei denen nach Übernahme durch die SNCF 1938 der Personenverkehr sehr schnell geschlossen wurden. Der Güterverkehr wurde in drei Schritten beendet: Zunächst, noch während des Zweiten Weltkriegs, der mittlere, 1953 der nördliche und 1971 der südliche Abschnitt. Die genauen Daten sind der nebenstehenden Tabelle zu entnehmen. Heute erinnern nur noch wenige Hochbauten an diese Strecke mit kurzer Lebensdauer.
Sekundärbahnen
An zwei Punkten gab es Verbindung zu Lokalbahnen auf Meterspur. Beide wurden von der Chemins de fer et des Tramways départementaux du Midi de la France (MF) erbaut und 1923 an die Voies ferrées départementales du Midi de la France (VFDM) übereignet,[6] eine andere Quelle spricht von den Gesellschaften Compagnie Ortal-Lagueyte, bis 1923, und Compagnie des Chemins de Fer Départementaux du Midi (CFDM).[2]
In Villeneuve-sur-Lot befand sich die Endstation auf dem Bahnhofvorplatz und fuhren durch die Rue Sully und der Boulevard de la République, heute Avenue du Marechal Leclerc, querte mit der Pont de Liberation den Lot und führte dann parallel zur D 676 gen Norden. In Cancon waren die beiden Bahnhöfe einige hundert Meter voneinander entfernt. Die beiden Strecken kreuzten sich im rechten Winkel nördlich des PO-Bahnhofs mit einem Viadukt. Die Sekundärbahn beschrieb einen weiten Bogen über die N 21 und erreicht knapp 700 m später den CFDM-Bahnhof. Luftlinie lagen beide Bahnhöfe etwa 400 m auseinander. Hier war keine Übergabe von Gütern möglich.
Weblinks
- Ligne Penne-d’Agenais – Tonneins. Auf: Infrastructure ferroviaire française, Nouvelle-Aquitaine, Lot-et-Garonne (47)
- Penne-d’Agenais Tonneins. Archéologie ferroviaire (v2), Atlas des lignes de chemins de fer disparues
Einzelnachweise
- ↑ SNCF, Région du sud-ouest. Carnet de profils et schémas, 1958, Blatt 111
- ↑ a b Villeneuve-sur-Lot Villeréal Archéologie ferroviaire. Atlas des lignes de chemins de fer disparues, 2013.
- ↑ Ligne Villeneuve-sur-Lot - Falgueyrat. Infrastructure ferroviaire française, Nouvelle-Aquitaine, Dordogne (24), Lot-et-Garonne (47), WikiSara, Fandom, 21. März 2020.
- ↑ a b c d Sandra Morettin: Naissance et mort d’un réseau départemental: le Lot-et-Garonne (1911–1929). In: Revue dhistoire des chemins de fer, Ausgabe 24–25 2002, OpenEdition Journals, S. 232–244.
- ↑ a b Ligne Port-Boulet - Port-de-Piles. In: Infrastructure ferroviaire française, Centre-Val de Loire, Indre-et-Loire (37), WikiSara, Fandom, 9. Februar 2021.
- ↑ Liste des chemins de fer secondaires. Lot et Garonne (47). FACS Patrimoine Ferroviaire, 23. November 2017.