Bahnhof Glauchau (Sachs)

Glauchau (Sachs)
Empfangsgebäude des Bahnhofs
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung DGL
IBNR 8010129
Preisklasse 3
Eröffnung 11. Januar 1858
Profil auf bahnhof.de Glauchau(Sachs)
Lage
Stadt/Gemeinde Glauchau
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 49′ 44″ N, 12° 32′ 56″ O
Höhe (SO) 245 m
Eisenbahnstrecken Bahnstrecken bei Glauchau (Sachs)
Bahnhöfe und Haltepunkte in Sachsen
i16i18

Der Bahnhof Glauchau (Sachs) (bis Mai 1941 Bahnhof Glauchau) ist der Bahnhof von Glauchau in Südwestsachsen. Die 1858 eröffnete Station ist ein Eisenbahnknotenpunkt an den Bahnstrecken Dresden–Werdau und Glauchau–Wurzen. Mit dem Haltepunkt Glauchau-Schönbörnchen hat die Stadt einen weiteren Anschluss an das Eisenbahnnetz, die Züge auf der dort abzweigenden Bahnstrecke Glauchau-Schönbörnchen–Gößnitz sind ebenfalls bis Glauchau (Sachs) durchgebunden. Nordöstlich des Bahnhofs befindet sich das Bahnbetriebswerk Glauchau, welches heute durch einen Eisenbahnverein genutzt wird.

Geschichte

Vor dem Bahnbau lag die Kleinstadt abseits der damaligen Verkehrsrouten, so verkehrte 1820 nur zweimal wöchentlich eine Fahrpost. Erste Bestrebungen für einen Bahnbau der auch Glauchau berührenden Niedererzgebirgischen Staatsbahn von Riesa über Chemnitz nach Zwickau gab es 1837. Aus finanziellen Gründen wurde die nur Strecke Riesa–Chemnitz bis 1852 eröffnet. Die Verlängerung nach Zwickau wurde 1855 von den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen begonnen, zugleich entstand die kurze Verbindungsbahn Glauchau-Schönbörnchen–Gößnitz.[1]

Der Abschnitt Glauchau–Zwickau wurde am 11. Januar 1858 für den Güterverkehr eröffnet. Am 15. November 1858 wurde dann der Betrieb auf dem kompletten Teilabschnitt Chemnitz–Zwickau der Bahnstrecke Dresden–Werdau aufgenommen. Auch die Züge auf der zeitgleich eröffneten Verbindungsstrecke nach Gößnitz verkehrten bis Glauchau. Zunächst hatte der 380 m lange Bahnhof sieben Gleise mit insgesamt 35 Weichen, die Güterverkehrsanlagen befanden sich gegenüber dem Empfangsgebäude. Ebenso entstand ein Heizhaus samt Behandlungsanlagen. Bereits 1869 war eine Verlängerung der Bahnsteige nötig. Nach der Eröffnung der Strecke von Glauchau bis Penig am 10. Mai 1875 wurde die Station zum Trennungsbahnhof. Die private Muldenthal-Eisenbahngesellschaft hatte ihren Bahnhofsteil direkt an der Ostseite des Empfangsgebäudes angelegt, deren Züge kreuzten daher die Hauptbahn Dresden–Werdau. Die Privatbahn nutzte das vorhandene Empfangsgebäude und die Behandlungsanlagen der Staatsbahn mit. Der Bahnhof wurde von 1876 bis 1880 in diesem Zusammenhang erweitert. Danach erreichten die Gleisanlagen schon über einen Kilometer Länge und umfassten 62 Weichen. Die Bahnsteigsperre wurde 1897 eingerichtet.

Im Jahr 1908 begannen die Planungen zum grundlegenden Ausbau des Bahnhofs, der mittlerweile den verkehrlichen Ansprüchen nicht mehr genügte. Das Projekt, den Bahnhof nach Gesau zu verlegen, wurde nicht umgesetzt. 1913 wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen, die allerdings aufgrund des Ersten Weltkriegs unterbrochen werden mussten, erst 1923 konnten sie fortgeführt werden. Errichtet wurden unter anderem eine neue Güterabfertigung, vier Stellwerke, eine Bahnmeisterei sowie zwei Brücken über den Lungwitzbach. Auch die Gleise sowie die Bahnsteige wurden grundlegend geändert und erweitert. Am 30. April 1926[2] wurde der neue Glauchauer Bahnhof in Betrieb genommen.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Bahnhofsgelände mehrfach das Ziel von Luftangriffen. Bei einem Angriff am 11. April 1945 kamen 55 Personen in einem Waggon ums Leben, 54 von ihnen waren Wehrmachtsangehörige.[3] Aufgrund der Schäden kam der Verkehr zum Erliegen. Auch nach Kriegsende wurde vorerst kein Verkehr durchgeführt, da ab Glauchau die Zwickauer Mulde die Grenze zwischen Amerikanischer und Sowjetischer Besatzungszone bildete. Mitte Juni wurden wieder erste Zugfahrten durchgeführt, ab Ende Juli nach dem Rückzug der Amerikaner ging der Bahnhof komplett in Betrieb.[4]

Das nach 1945 demontierte zweite Streckengleis der Hauptbahn Dresden–Werdau wurde in den 1970er wieder aufgebaut. Dabei wurden auch die Bahnhofseinfahrten in Glauchau umgebaut sowie die beiden Viadukte über das Lungwitztal saniert.[5] Die Bahnsteigsperre wurde 1968 aufgelassen.

Beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 wurde die Muldentalbahn beschädigt, sodass auf ihr am 13. August 2002 der letzte Personenzug fuhr, der Güterverkehr war bereits am 1. Juli 2000 eingestellt worden. Von 2002 bis 2005 wurde der Bahnhof beim Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale Dresden–Nürnberg umfassend saniert. Die alten Stellwerke wurde aufgelassen und der Bahnhof wird seit dem 20. Oktober 2003 durch ein neues ESTW von Leipzig aus ferngesteuert.[6] Auch die Güteranlagen wurden umgestaltet, es entstand ein Containerterminal.[7] Die Anschlussbahn zu mehreren Automobillogistikfirmen wurde weiter betrieben.

Mitte Dezember 2014 kaufte die Stadt Glauchau das Empfangsgebäude des Bahnhofs für 30.000 Euro – damit kam die Stadt einer Versteigerung zuvor. Die Stadt übernahm den Betrieb des Gebäudes am 1. Januar 2015. Bereits am 30. Dezember 2014 wurde der personenbediente Fahrkartenverkauf eingestellt.[8] Die Mitteldeutsche Regiobahn betreibt seit dem 14. Juni 2016 einen eigenen Fahrkartenschalter im Bahnhofsgebäude.[9]

Bahnbetriebswerk Glauchau

Ein erstes zweigleisiges Heizhaus samt Behandlungsanlagen erhielt Glauchau schon mit Bahnhofsbau 1858. Es befand sich nördlich der Ausfahrt Richtung Dresden. Eine 12-m-Drehscheibe zum Wenden der Maschinen war ebenfalls vorhanden. Die Muldenthal-Eisenbahngesellschaft errichtete südlich der Bahnhofseinfahrt ein weiteres Heizhaus für fünf Maschinen.[10]

1899 wurde das spätere Bahnbetriebswerk (Bw) eine eigenständige Dienststelle. 1914/15 wurde im Zuge des Bahnhofsumbaus eine 20-m-Drehscheibe gebaut. Ein komplett neuer vierzehnständiger Ringlokschuppen inklusive Verwaltungsgebäude wurde 1916 in Betrieb genommen. Die alten Anlagen wurden danach abgebrochen. 1919 kam noch eine elektrische Bekohlungsanlage hinzu, 1924 wurde eine Werkstatt gebaut. Größere Reparaturen waren bis 1919 noch in Chemnitz ausgeführt worden. Bis 1941 wurden noch kleinere Ergänzungen gebaut und die Einrichtung modernisiert. So entstanden unter anderem eine moderne Besandungsanlage, ein Tischlereigebäude und eine elektrisch betriebene Schlackeverladung.[11]

Eine Dieseltankstelle wurde 1965 errichtet. Ab 1966 wurden Pläne für eine Auflösung kleinerer Dienststellen erarbeitet, nach denen auch das Bw Glauchau aufgelöst werden sollte. Diese wurden aber 1969 nicht umgesetzt, sodass das Bw weiterhin als eigenständige Dienststelle erhalten blieb.[12]

Bereits Anfang der 1980er Jahre wurden die letzten Dampflokomotiven an andere Bws abgegeben oder ausgemustert. Durch die Ölkrise in der DDR wurden ab 1984 nochmals Dampflokomotiven eingesetzt. Erst am 12. Juni 1988 fand als eines der letzten Bws der DDR der (erneute) letzte planmäßige Dampflokeinsatz statt. Bis zum 24. August 1992 wurde im Rahmen von Plandampf und Ausbildungsfahrten gelegentlich noch Dampflokomotiven vom Bw Glauchau eingesetzt. Am 1. April 1994 wurde das Bw aufgelöst und dem neugegründeten Betriebshof Zwickau unterstellt.[13]

Heute nutzt die Interessengemeinschaft Traditionslokomotive 58 3047 e. V. die Betriebsanlagen als Vereinsunterkunft. Neben der namensgebenden 58 3047 befinden sich noch zwei weitere Dampfloks (35 1097-1 und 50 849), mehrere Dieselloks, zwei Akkuschleppfahrzeuge sowie die E-Loks E 11 013[14] und E 44 146[15] in Glauchau. Bis 2018 nutzte auch die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn die Bw-Anlagen mit.

Lokeinsatzstellen

Im Laufe seines Bestehens gehörten auch vier Lokeinsatzstellen zum Bw Glauchau:

Fahrzeugeinsatz

Bei der Eröffnung 1858 waren in Glauchau eine Schnellzug-, drei Güterzug- sowie zwei Gemischtzuglokomotiven stationiert.[10]

Bis 1945 wurden Loks der Baureihen 38.10–40, 57.10–35, 58.2–5, 64, 71.3, 75.5, 86, 89.2, 91.13–18/20, 94.5–17 in Glauchau stationiert. Die Tenderlokomotiven waren vorrangig auf den Strecken im Muldental, Stollberg–St. Egidien und Neuoelsnitz–Wüstenbrand im Einsatz, während die Schlepptenderlokomotiven vor allem auf der Hauptbahn Dresden–Werdau sowie auf der Verbindung Glauchau–Gößnitz−Gera eingesetzt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren hauptsächlich Dampflokomotiven der Baureihen 38.10–40, 50, 50.35, 52, 58.2–5/10–21, 58.30, 75.5, 86 und 94.19–21 in Glauchau beheimatet. Kurzzeitig waren auch Loks der Baureihen 39, 44 und 56.1 vorhanden.[16]

1964 wurden mit den Baureihen V 15 sowie Baureihe V 60 die ersten Diesellokomotiven im Bw Glauchau stationiert. Zuvor waren seit 1934 Jahren lediglich Kleinlokomotiven vorhanden.[17] Die Baureihen 110 und 102.1 kamen 1974 dazu, ab Ende der 1970er Jahre wurde auch die Baureihe BR 118 eingesetzt.

Nach der Auflösung des Bahnbetriebswerks wurden die Loks der BR 228 (frühere BR 118) abgestellt sowie die letzten Kleinloks abgegeben.[18] Von Glauchau kamen nun einige Loks der BR 219 zum Einsatz.[19] Ebenso kamen Triebwagen der Baureihe 628 nach Glauchau, sie waren vorrangig auf der Verbindung Glauchau–Colditz eingesetzt.

Verkehrsanbindung

Im Fahrplanjahr 2022 wird der Bahnhof Glauchau (Sachs) von folgenden Linien bedient:

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
RE 1 Glauchau (Sachs)GößnitzGeraJena-GöschwitzWeimarErfurtGothaLeinefeldeGöttingen 120 DB Regio Südost
RE 3 DresdenFreiberg (Sachs)ChemnitzGlauchau (Sachs)Zwickau (Sachs)Plauen (Vogtl)Hof 060 BOB
RB 30 Dresden – Freiberg (Sachs) – Chemnitz – Glauchau (Sachs) – Zwickau (Sachs) 060 (HVZ 30 Chemnitz–Zwickau) BOB
RB 37 Glauchau (Sachs) – Glauchau-Schönbörnchen – Meerane – Gößnitz 120 City-Bahn Chemnitz
RB 92 Glauchau (Sachs) – St. Egidien – Lichtenstein (Sachs) – Oelsnitz (Erzgeb) – Stollberg (Sachs) 060 (Mo–Fr) City-Bahn Chemnitz

Zukünftige Linien

Ab Dezember 2026 wird der Bahnhof durch die Linie S5 (Glauchau-Leipzig-Halle) der Länderbahn an das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland angeschlossen[20]. Die Linie RB37 wird dadurch entfallen.[21]

Literatur

  • Klaus Häußler: Geschichte und Geschichten um den Bahnhof Glauchau. Glauchau 2004.
  • Ingo Thiele: Dampflokzeit in Glauchau. Facetten einer deutsch-deutschen Freundschaft. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2018, ISBN 978-3-937496-79-5.
  • Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, ISBN 978-3-96564-003-0.
  • Hans-Dieter Wagner: Glauchau (Sachs). In: Oliver Strüber [vorm. Erich Preuß] (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe (= 84. Ergänzungsausgabe). GeraMond Verlag, München 2009, ISSN 0949-2127 (1 Bl., 6 S.).
Commons: Bahnhof Glauchau (Sachs) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 6 f.
  2. Geschichte der Stadt Glauchau, auf glauchau.de, abgerufen am 2. Februar 2025
  3. Erinnerungen an den Frühling 1945, ISBN 3-9806774-2-7, S. 48.
  4. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 141 ff.
  5. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 144.
  6. stellwerke.de: Glauchau (Sachs). Abgerufen am 3. Januar 2026.
  7. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 147.
  8. Glauchau kauft seinen Bahnhof. In: Freie Presse (Werdauer Zeitung). 22. Dezember 2014, ZDB-ID 1085204-9, S. 12 (online (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)).
  9. Fahrkartenschalter - Sortiment steht noch nicht fest (Memento vom 10. April 2016 im Internet Archive), auf freiepresse.de
  10. a b Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 16.
  11. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 16 ff.
  12. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 23 ff.
  13. Norbert Peschke: Verkehrsknoten Zwickau. Bahnhöfe in und um Zwickau. Band 1. Foto & Verlag Jacobi, Fraureuth 2010, ISBN 978-3-937228-40-2, S. 46.
  14. eisenbahn-museumsfahrzeuge.de: Schnellzugelektrolokomotive E 11 013. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  15. eisenbahn-museumsfahrzeuge.de: Personenzugelektrolokomotive E 44 146. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  16. Steffen Kluttig, Peter Vates: Der Eisenbahnknoten Glauchau und sein Bahnbetriebswerk. Bildverlag Böttger, Witzschdorf 2019, S. 21 ff.
  17. Rainer Heinrich: Kleinlokomotiven in der Rbd Dresden – Einsatz und Beheimatung von 1930 bis 1995. EK-Verlag, Freiburg 1998, ISBN 3-88255-437-1, S. 94 f.
  18. Rainer Heinrich: Kleinlokomotiven in der Rbd Dresden – Einsatz und Beheimatung von 1930 bis 1995. EK-Verlag, Freiburg 1998, ISBN 3-88255-437-1, S. 96.
  19. Kurt Köhler, Andreas Stange: Die Baureihen 119, 219 und 229 – Rumänische Dieselloks für die Deutsche Reichsbahn. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-129-1, S. 159.
  20. DB Regio und Die Länderbahn fahren künftig im Mitteldeutschen S-Bahn-Netz. In: mein-takt.de. Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, 14. August 2023, abgerufen am 12. Mai 2025.
  21. ZVMS stellt Weichen für künftigen Bahnverkehr. In: vms.de. Verkehrsverbund Mittelsachsen, 4. März 2022, abgerufen am 12. Mai 2025.