Avraham Schalom

Avraham Schalom Ben-Dor (hebräisch אברהם שלום בנ-דור, englische Transkription Avraham Shalom Ben-Dor; * 7. Juli 1928 in Wien; † 19. Juni 2014 in Tel Aviv)[1] war ein israelischer Nachrichtendienstoffizier und von 1981 bis 1986 Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Er war in die Bus-300-Affäre verwickelt.

Leben

Avraham Schalom trat 1946 in den Palmach ein und kämpfte im Palästinakrieg in der Schlacht von Mischmar haEmek. 1950 begann er beim Schin Bet zu arbeiten, dessen Direktor er 1980 wurde.

In der im April 1984 durch die Ermordung von zwei palästinensischen Gefangenen ausgelösten Bus-300-Affäre stand Schalom im Fokus der Ermittlungen, zuerst einer internen militärischen Untersuchung auf Anweisung von Mosche Arens und später eines Justizverfahrens. Dass sich Arens zu diesem Schritt gezwungen sah, war die Folge der Aufdeckung einer offensichtlichen Lüge des Geheimdiensts durch die Zeitung Chadaschot. Schalom soll dem mitverantwortlichen Geheimdienstmitarbeiter Ehud Jatom die ausdrückliche Anweisung gegeben haben, die beiden Männer zu töten. Die eingeleitete Untersuchung versuchte er zu überwachen und zu behindern. In der Anhörung beschuldigten Schalom und Jatom Jitzchak Mordechai, für die Morde verantwortlich zu sein. Das Militärgericht ließ die Anklagen fallen. Durch das Eingreifen anderer Geheimdienstmitarbeiter und einer unabhängigen Justiz konnte ein Justizverfahren eingeleitet werden. Die Regierung veranlasste jedoch die Begnadigung Schaloms durch Staatspräsident Chaim Herzog. Schalom erhob in seinem Gnadengesuch den Vorwurf, bei den Morden Anweisungen von Jitzchak Schamir befolgt zu haben, was Schamir öffentlich bestritt. Im Gegenzug musste Schalom aus seiner Funktion zurücktreten. Im September 1986 erhielt er eine Anstellung als Direktionsmitglied bei einem Unternehmen der israelischen Luftfahrttechnologie. In einem privaten Treffen mit ehemaligen Geheimdienstleuten im Jahr 2004 bezeichnete Schalom seine damaligen Befehle als „dumm“ und übernahm dafür die Verantwortung, meinte aber, seine Vorgesetzten hätten von allem gewusst.[2][3][4][5]

Schalom äußerte sich 2012 im Dokumentarfilm Töte zuerst (engl. The Gatekeepers) des Filmregisseurs Dror Moreh erstmals öffentlich. Anfang 2013 kam der Film in die israelischen Kinos und wurde im März 2013 vom französisch-deutschen Fernsehsender arte und von der ARD ausgestrahlt.[6] Darin machte er die Armee für den schlechten Zustand („halb-tot“) der beiden Gefangenen bei der Übergabe an den Schin Beth verantwortlich, seine Agenten hätten ihnen „nur mehr den Rest“ gegeben. Diese Anweisung habe er gegeben, um einen medienwirksamen Terroristen-Prozess zu verhindern.[7]

Einzelnachweise

  1. Former Shin Bet chief Avraham Shalom dies at 86. In: The Jerusalem Post, 19. Juni 2014, abgerufen am 9. September 2025.
  2. Samy Cohen: Tuer ou laisser vivre : Israël et la morale de la guerre. Éditions Flammarion, Paris 2025, ISBN 978-2-08-046824-6, S. 103–107.
  3. Michael Keren: Professionals Against Populism: The Peres Government and Democracy. SUNY Press, 1995, ISBN 0-7914-2563-0, S. 32–33.
  4. Gidi Weitz: Newly released papers reveal how Shin Bet tried to hide „Bus 300“ killings. In: Haaretz. 27. September 2001.
  5. Michael Keren: Zichroni V. State of Israel: The Biography of a Civil Rights Lawyer. Lexington Books, 2002, ISBN 0-7391-0316-4, S. 172.
  6. Die Schlacht gewinnen, den Krieg verlieren? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. März 2013, S. 31.
  7. Thomas Assheuer: „Unsere Armee ist brutal“. In: Die Zeit, 28. Februar 2013, abgerufen am 9. September 2025.