Augusto Sartori

Augusto Sartori (* 14. Mai 1880 in Giubiasco, heute Ortsteil von Bellinzona; † 2. März 1957 in Bellinzona) war ein Schweizer Maler und Zeichenlehrer.

Leben und Werk

Augusto Sartori wurde 1880 als achtes von dreizehn Kindern in Giubiasco im Kanton Tessin geboren. Sein Vater war der Bäcker Francesco Sartori. Zwischen 1893 und 1894 besuchte er in Bellinzona einen Zeichenkurs. Dank staatlicher und privater Unterstützung konnte er zwischen 1895 und 1902 an der Accademia di Brera in Mailand unter Giuseppe Mentessi und Cesare Tallone studieren. Nach seinem Abschluss mit einer Silbermedaille eröffnete er in Giubiasco ein Atelier und wurde Lehrer an der Zeichenschule in Locarno. 1903 erhielt er seinen ersten grossen Auftrag und lieferte die Vorlage für die Gedenkmedaille zur Zentenarfeier der Tessiner Unabhängigkeit in Bellinzona. Ab 1904 nahm er regelmässig an Ausstellungen in der Schweiz und in Italien teil.[1] 1905 debütierte er im Zürcher Künstlerhaus mit einem kleinformatigen Bild, dessen «talentvoll summierte[s] Spiel der farbigen Eindrücke» in den Neuen Zürcher Nachrichten lobend erwähnt wurde.[2] Ab 1914 arbeitete er als Zeichenlehrer in Bellinzona und blieb diesem Beruf bis 1950 treu.

Bereits in seinen Jugendwerken zeigte sich Sartoris eigentümlicher Stil, den er in den 1910er Jahren weiter vertiefte: eine Mischung von Symbolismus und Jugendstil in der Nachfolge von Gaetano Previati, sowohl thematisch als auch formal mit einem starken Hang zum Mystischen und Religiösen, Anklängen an die Romantik und die Renaissance und einer Vorliebe für Violetttöne. Er malte auch intime, ruhigere Landschaftsbilder, in denen sich ein Einfluss Edoardo Bertas offenbart, und Porträts.

1919 widmete die Galerie Moos in Genf Sartori eine Einzelausstellung. 1920, 1922 und 1924 stellte er an der Biennale di Venezia aus.[1] 1924 übertrug ihm die Stadt Bellinzona den Auftrag für Entwürfe für vier Glasfenster im Treppenhaus des Rathauses (Palazzo Civico). In der Themenwahl liess man ihm freie Hand, solange die Bilder einen «Tessiner Charakter» aufwiesen. Sartori gestaltete einen Hirtenjungen und eine Spinnerin, sodann Porträts des Herzogs von Mailand Ludovico Sforza «il Moro» und des herzoglichen Sekretärs aus Bellinzona Giovanni Molo. Die von Emilio Mariotti ausgeführten Glasmalereien wurden 1928 eingesetzt.[3]

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre wandte sich Sartori vom längst überkommenen Jugendstil ab und pflegte fortan einen «moderneren», an die zeitgenössische Malerei angelehnten Stil mit schlichten architektonischen Elementen. 1940 lieferte er den Entwurf für den Brunnen auf der Piazza Grande in Giubiasco.[1]

Sartori heiratete nie und lebte zurückgezogen mit seiner Schwester Marianna, die sein bevorzugtes Modell war, in Giubiasco, wo er 1957 mit 76 Jahren starb.

Rezeption

Als sich Sartori in den 1910er Jahren auch an Ausstellungen in der Deutschschweiz als feste Grösse etablierte, erhielt sein Werk gemischte Kritiken. Anlässlich einer Ausstellung im Kunsthaus Zürich 1915 urteilte die Chronik der Stadt Zürich:

«Augusto Sartori in Giubiasco malt etwas süßlich, erinnert an Carlo Böcklin. Romantik und zartes Empfinden spricht aus dem Frühlingszauber. Die blaue Blume der Romantik lebt in dem Bilde. In der Grablegung Christi mangelt es an der tieferen Gestaltung der Schmerzen bei den Trauernden. ‹Maternità› ist eine fleißige, lebensvolle Leistung. Die Studien (Akte) sind flott gemalt, der Fleischton besonders gut gegeben.»[4]

Seine Beiträge zur Schweizerischen Kunstausstellung 1917 stiessen in der Neuen Zürcher Zeitung auf Ablehnung:

«In einem eigenartigen Symbolismus und Mystizismus ergeht sich Augusto Sartori. Die violette Einkleidung begünstigt die posierte Haltung seiner frommen Gestalten keineswegs. Die Sachen sehen zu gewollt mystisch aus und neigen zum Hysterischen. Immerhin möge man nicht achtlos an der verkrampften Gebärde der Vergine auf der Laube vorbeigehen.»[5]

Als 1919 eine Ausstellung der Tessiner Kunstgesellschaft von Lugano auch in Bern gezeigt wurde, zeigte sich dieselbe Zeitung wiederum begeistert:

«Der König der Ausstellung ist der Giubiaskese Augusto Sartori. Er liebt das Mittelalter: er liebt auch die religiöse Begeisterung holder Klostertöchter. Sein in das bekannte Violett getauchtes Selbstbildnis ist eine treffliche Leistung; Geistigkeit blickt aus den Zügen dieses Anachoreten[6]

Über seine Beiträge zur Turnus-Ausstellung des Schweizerischen Kunstvereins 1920 schrieb die Zeitung Der Bund:

„[Augusto Sartori] zeigt glücklicherweise neben einer seiner manierierten blauvioletten Figuren eine rot-leuchtende Herbstlandschaft, warm und saftig, die trotz Bertaschen Nachklänge[n] einer erfreulichen persönlichen Note nicht entbehrt.“[7]

Richard Häsli schrieb anlässlich der Ausstellung 1977:

«In seiner Malerei lebt das Pathos des oberitalienischen Akademismus und, zum Teil, des Jugendstils fort; durch die Überhöhung verwandeln sich schlichte Dorffrauen in Iphigenien[8]

Gemälde (Auswahl)

Museo Villa dei Cedri, Bellinzona

  • Verkündigung, 1905–1915, Tempera auf Leinwand
  • Frau mit Rückentragkorb, 1920–1922, Öl auf Leinwand

Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano

  • Süsse Ruhe, 1900, Öl auf Leinwand
  • Verkündigung, um 1912, Öl auf Leinwand
  • Monumentalbildnis, um 1925, Öl auf Leinwand

Einzelausstellungen

Literatur

  • Lino Dubini: Augusto Sartori. Edizioni Trelingue, Lugano 1980.
  • Maria Will: Augusto Sartori (1880–1957). Bellinzona 1987 (Ausstellungskatalog der Villa dei Cedri).
  • Maria Will: Le vetrate di Augusto Sartori nell’officina del Palazzo civico a Bellinzona. In: Arte + Architettura in Svizzera. Nr. 50, 1994, S. 64–67.
  • Maria Will (Hrsg.): Figure locali. Pittori del primo Novecento a Bellinzona. Bellinzona 2000.
Commons: Augusto Sartori – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Anita Guglielmetti: Augusto Sartori. In: Sikart (Stand: 2017)
  2. Zürcher Künstlerhaus. In: Neue Zürcher Nachrichten. Erstes Blatt. Nr. 355, 27. Dezember 1905, S. 1 (online).
  3. Maria Will: Le vetrate di Augusto Sartori nell’officina del Palazzo civico a Bellinzona. In: Arte + Architettura in Svizzera. Nr. 50, 1994, S. 64–67.
  4. Ausstellung im Kunsthaus. In: Chronik der Stadt Zürich. Nr. 22, 29. Mai 1915, S. 207 (online).
  5. Aus der XIII. Schweiz. Kunstausstellung. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 1353, 23. Juli 1917, S. 1 (online).
  6. Tessiner Kunst. In: Neue Zürcher Zeitung. Zweites Abendblatt. Nr. 1711, 5. November 1919, S. 1 f. (online).
  7. Kunsthalle Bern. Turnus-Ausstellung des schweizerischen Kunstvereins. In: Der Bund. Sonntags-Ausgabe. Band 71, Nr. 185, 2. Mai 1920, S. 1 f. (online).
  8. Richard Häsli: Zwei Tessiner Künstler. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 256, 1. November 1977, S. 36 (online).