Augusta Enders-Schichanowsky

Augusta Enders-Schichanowsky (* 5. März 1865 in Forchheim; † 15. April 1936 in Varel) war eine deutsche Malerin, Schriftstellerin und Polarforscherin.

Leben

Augusta Enders wurde am 5. März 1865 in Forchheim geboren. Sie war die Tochter des jüdischen Gewehrmachers Ferdinand Enders und Elisabeth Enders. Aufgewachsen ist sie in Bayreuth. Sie besuchte die katholische Schule der Englischen Fräulein in Kempten. Im Jahr 1884 heiratete sie Alfred Schichanowsky, Buchhändler aus Varel bei Oldenburg. Ihr Sohn Alfred wurde 1885 geboren.[1]

Ihre Familie verließ Augusta Enders-Schichanowsky, um 1887 nach Paris zu gehen und Malerin zu werden. In Paris lernte sie die Kreise um den norwegischen Forscher Fridtjof Nansen (1861–1930) kennen, und es entstand bei ihr der Wunsch, den Nordpol zu erforschen. Von Paris reiste sie nach Berlin. Dort betrieb sie geografische und fotografische Studien und sie nahm Kontakt zu ihrem Bruder Wilhelm auf, der in die Vereinigten Staaten ausgewandert war.[1] Sie reiste 1900 nach New York, mit dem Plan, sich einer Polar-Expedition anzuschließen. Als Frau wollte jedoch keine Expedition sie mitnehmen und so reiste sie alleine weiter. Mit dem Zug fuhr sie quer durch den amerikanischen Kontinent nach Seattle und von dort mit dem Schiff nach Alaska.[2] Alaska war durch den Anfang der 1900er Jahre einsetzenden Goldrausch das Ziel vieler Menschen, die auf einen Goldfund hofften. Mit ihnen hoffte auch Augusta Enders-Schichanowsky auf einen Goldfund, um so die Mittel für ein Forschungsschiff aufzubringen. Dies gelang ihr nicht und sie erkrankte so schwer an Malaria, dass sie zurück nach Deutschland musste, um die Krankheit auszukurieren.[1] Nach Berlin brachte sie 1902 auch zwei „Eskimo-Schädel“ aus dem Dorf Cheenik an der Golovin Bay mit. Diese befinden sich noch heute in der Sammlung der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.[3]

Nachdem sie genesen war, kehrte sie im Spätsommer 1903 nach Alaska zurück. Sie führte ein abenteuerliches Leben, lebte in einer Blockhütte in völliger Einsamkeit, sammelte Pflanzen, skizzierte die polare Landschaft und pflegte Kontakte zu den Inuit. Jedoch setzte ihr der extrem harte Winter zu, und sie verließ die Polarregion erneut. Sie blieb in den Vereinigten Staaten, lebte vom Verkauf ihrer Bilder und hoffte, eine weitere Reise in die Arktis finanzieren zu können. Dazu reichten ihre Mittel jedoch nicht aus.[2] Endgültig kehrte sie 1911 zurück nach Deutschland. Während ihrer Abwesenheit war ihr Mann 1909 verstorben. Sie lebte von 1924 bis 1929 in Garmisch und dort entstand vermutlich ihr Buch „Im Wunderland Alaska. Erlebnisse und Eindrücke einer deutschen Frau in Alaska“ (Leipzig, 1926). Später zog sie zurück nach Varel, dort verbrachte sie ihre letzten Jahre.[1]

Augusta Enders-Schichanowsky starb am 15. April 1936 in Varel.[4]

In Bayreuth wurde sie mit einem FrauenOrt geehrt.[2]

Literatur

  • Thomas Felsenstein: Im Wunderland Alaska. Das abenteuerliche Leben der Auguste Enders-Schichanowsky. In: Haus der Bayerischen Geschichte / Margot Hamm u. a. (Hg.): Good Bye Bayern, Grüß Gott America. Auswanderung aus Bayern nach Amerika seit 1683. Katalog zur Landesausstellung 2004. Augsburg 2004 (= Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur 48), S. 82f.

Einzelnachweise

  1. a b c d Biografien: Haus der Bayerischen Geschichte. In: hdbg.eu. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
  2. a b c Starke Frauen Bayern: Augusta Enders-Schichanowsky. In: bayerns-frauen.de. Starke Frauen Bayern, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  3. Peter Bolz: Wie im Jahre 1902 zwei Eskimo-Schädel nach Berlin kamen. Die Alaska-Reisen der Künstlerin Augusta Enders-Schichanowsky. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Band 45, 2025, S. 15–34, doi:10.30819/mbgaeu.45.3 (logos-verlag.de).
  4. Gerhard J. Bellinger. In: brigitte-regler.de. www.brigitte-regler.de, abgerufen am 2. Dezember 2025.
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