London Asylum for the Education of the Deaf and Dumb Children of the Poor

Das London Asylum for the Education of the Deaf and Dumb Children of the Poor (später Royal School for Deaf Children, kurz Asylum for the Deaf and Dumb) wurde 1792 in London als erste öffentliche Gehörlosenschule des Vereinigten Königreichs gegründet.[1]

Geschichte

Im Jahr 1792 gründete John Townsend mit Unterstützung von Henry Cox Mason,[2] Direktor der St. Mary Magdalen in Bermondsey[3] und Sohn von William Mason, Henry Thornton und anderen die Schule als erste öffentliche Gehörlosenschule durch Spenden finanziert wurde.[4] Sie war das Ergebnis von der Kampagne von Townsend, der die Ansicht vertrat, dass Bildung für gehörlose Kinder nicht nur den Superreichen vorbehalten sein sollte. Damit war die Schule das Gegenteil von der Braidwood Academy for the Deaf and Dumb.[5]

Joseph Watson, Thomas Braidwoods Neffe und von ihm ab 1784 als Gehörlosenlehrer ausgebildet,[6] wurde 1792 der erste Direktor. Joseph Watson beschrieb seine von seinem Onkel inspirierten Lehrmethoden, nach dem Tod seines Onkels, 1809 in seinem Buch On the Education of the Deaf and Dumb. Zuerst wurde Sprechen gelernt, damit danach Lesen und Schreiben vermittelt werden konnten. Solange Sprechen noch nicht möglich war, wurden natürliche Gebärden geduldet. Watson empfahl auch ein zweihändiges Fingeralphabet. Er sprach sich gegen die Verwendung von Gebärdensprachen, wie sie in der Pariser Schule verwendet wurden, aus. Das Buch enthält Vokabellisten und Tafeln, die das Verständnis der Kinder für geschriebene und gesprochene Sprache fördern sollen.[7] Der französische Pädagoge Abbe Sicard war sehr an seinen Methoden interessiert und es kam zu einem Briefwechsel.[6] Watson durfte zusätzlich bis zu 8 Privatschüler unterrichten, die sogenannten „Salonschüler“, die sowohl das Sprechen als auch ein kombiniertes System lernten. Zu seinen Salonschülern gehörte Francis Maginn,[8] der 1878 für 5 Jahre selbst in der Margate Branch des Royal Asylum als Lehrer arbeitete.

Ursprünglich befand sich die Anstalt in der Grange Road in Bermondsey. Im Juli 1807 legte der Herzog von Gloucester den Grundstein für große, eigens dafür gebaute Räumlichkeiten.[9] 1809 zog sie in die Old Kent Road um. 70 Schüler hatte die Schule 1810, die 1820 bereits auf 200 angewachsen waren.[10] Bis 1815 war die Schule so stark ausgelastet, dass sie dringend mehr Platz brauchte.[9][5] 1938 waren es 418 Schüler und 150 Mitarbeiter.[11]

Im Jahr 1876 eröffnete in Margate (Royal School for Deaf Children MargateRSDC Margate)[12] einen 2. Standort und 1906 verlegte die gesamte Schule ihren Betrieb in die Küstenstadt, damit alle von der frischen Luft profitieren konnten. Die Schule bestand aus einem Backsteingebäude mit Türmchen. Beim Mailänder Kongress von 1880 wurde die mündliche Methode als Unterrichtsmethode festgelegt und die Schule stellte Lehrer für diese Methode ein. 90 Jahre später wies die British Deaf Association die Beeinträchtigung von Generationen gehörloser Kinder durch die Unterdrückung der Gebärdensprache nach.[5][13]

In einer Nacht 1950 stürzte ein Schüler vom gotischen Turm der Schule. Er scheiterte bei dem Versuch den Turm für einen Übergangsritus zu besteigen, wovon die Lehrer nichts wussten. Erst beim späteren Abriss des Turms wurden Graffitis im Turm gefunden.[5][14] Ein Bericht aus den 1970er Jahren bescheinigte 16-jährigen Schulabgängern eine schlechte Lesekompetenz.[1]

Die Anstalt wurde 2015 nach 220 Jahren geschlossen.[5]

Schulaufnahme bis 1927

Townsend erstellte zur Schulgründung eine Liste von 20 Familien mit 155 Kindern, von denen 78 gehörlos waren. Die Kinder waren Analphabeten und drohten auf der Straße zu landen.

Im November 1792 wurden William Füller, Ian Westbrook, Sarah Pounsby, John Denford, John Tomkins und Ann Weaver als erste Schüler aufgenommen.

Danach wurden gehörlose und normal intelligente Kinder im Alter von 9 bis 14 Jahren alle 6 Monate vom Schulrat gewählt.[15]

Einzelnachweise

  1. a b Deaf History – Europe – 1792: First Public School for the Deaf in the UK, London. In: www.deafhistory.eu. Abgerufen am 30. September 2025.
  2. Edward Wedlake Brayley: The History of Surrey. R.B. Ede, 1844 (google.de [abgerufen am 30. September 2025]).
  3. Rev. Henry Cox Mason, about 1755 – 1804. Rector of St Mary Magdalen, Bermondsey | National Galleries of Scotland. Abgerufen am 30. September 2025 (englisch).
  4. Specialist Education for Children with Disabilities: 'The Happiest Effect' | Historic England. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
  5. a b c d e The Royal School for Deaf Children – History of Place. Abgerufen am 30. September 2025.
  6. a b Edward Irving Carlyle: Watson, Joseph. Band 60, S. 17 (englisch).
  7. Sign alphabet exhibition – Joseph Watson’s Instruction of the Deaf and Dumb | UCL UCL Ear Institute & Action on Hearing Loss Libraries. Abgerufen am 30. September 2025.
  8. Jan Branson, Don Miller: Damned for Their Difference: The Cultural Construction of Deaf People as "disabled" : a Sociological History. Gallaudet University Press, 2002, ISBN 978-1-56368-121-9 (google.de [abgerufen am 30. September 2025]).
  9. a b Edward Irving Carlyle: John Townsend. Band 57, S. 106 (englisch).
  10. Watson, Joseph. 28850 (englisch).
  11. Getting an education – History of Place. In: historyof.place. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  12. Royal School for Deaf Children, Margate – History of Place. In: historyof.place. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  13. Oralism & The Royal School for the Deaf, Margate – History of Place. In: historyof.place. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  14. To the Royal School for the Deaf in Margate – History of Place. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
  15. The lucky few – History of Place. In: historyof.place. Abgerufen am 1. Oktober 2025.

Koordinaten: 51° 29′ 43,8″ N, 0° 4′ 40,3″ W